Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 17 (1876)
- Issue
- Heft 2 (12.1.1876)
- Date
- 1876-01-12
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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"XTO. Jahrgang. Zweite Leilage zu Ar. 2 -es Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspvndenzen. Deutschland. Mainz, 9. Januar. Am 21. Februar des nächsten Jahres (1877) werden es zweihundert Jahre sein, daß Baruch Spinoza, der berühmte Philosoph, im Haag in den Niederlanden im Alter von 45 Jahren an der Schwindsucht starb. Der Uebersetzer seiner Werke, der Dichter Berlhold Auerbach, wird an die Spitze eines C"mit«'s treten, um dem genialen Denker ein Denkmal zu errichten. Baruch (lateinisch Benedict) Spinoza wurde im Jahre 1632 in Amsterdam geboren und erhielt dort eine jüdische Erziehung; seine philosophischen Ansichten wichen aber derart vom Judenthume ab. daß man nach vielen vergeblichen Versuchen, ihn von denselben abzubringen, gezwungen war, ihn mit dem großen Banne'zu belegen; auch soll ein Meuchelmord gegen ihn versucht worden sein. — Spinoza, aus der jüdischen Gemeinschaft ausgestoßen, ging zu keinem anderen Religionsbekenntnisse über; doch lebte er ganz unjüdisch. Eine ihm von dem Kurfürsten von der Pfalz -.ngebotene Professur an der Universität Heidelberg lehnte er ab. Die von ihm verfaßten Werke, deren größter und wichtigster Theil erst nach seinem Tode'von seinem Freunde, dem Arzte Ludwig Meyer, herausgegeben wurde, sind gegen jede positive Religion, namentlich gegen das Judenthum gerichtet. Wir wollen hier eines Curiosums erwähnen. Der von Herrn Moritz Baum in Bonn herausgegebene „Israelitische Bote" stempelt Spinoza zu einem raum In Frankfurt am Main, wird dort erzählt, habe Spinoza Ruhe und Duldung gefunden; er habe öffentlich Buße gethan, und es sei in Folge dessen der Bann von ihm genommen worden. Daß an allem dem kein wahres Wort, brauchen wir wohl nicht erst zu versichern; - pin. ist nie in Frankfurt gewesen und hat nie öffentliche Buße gethan; anch ist der Bann nicht von ihm genommen worden isid ijn lnS’nno i-non icy. In demselben Maaße wie Spinoza in unserer Zeit gepriesen und bewundert wird, wurde er im vorigen Jahrhundert verabscheut, ja verabscheut; denn es gab kaum ein Schimpfwort, das mehr verübelt worden wäre, als der Vorwurf des Spinozismus. Als nach des großen Lefsing Tode seine Gegner L. des Spinozismus anklagten, war! es Mendelssohn, der darüber sehr entrüstet! war und seinen verstorbenen Freund mit dem größte Eifer gegen solchen Vorwurf vertheidigte. Wie wir vernehmen, wird nächstens ein Ausruf ergehen, daß man Geld beisteure, um Sp. ein Denkmal zu setzen. Kein gesinnungstüchtigerJude wird dazu beitragen. Das Judenthum hat durchaus nicht Ursache, auf einen Baruch Spinoza stolz zu fein. Es ist wahr, Sp. war ein großer Denker, ein hervorragender Geist; aber er hat seine großen Gaben nicht im Dienste des Judenthums, sondern gegen dasselbe verwendet. — England. London Die Times widmet dem am 4. d. gestorbenen Sir Anthony Rothschild einen Nachruf, dem wir Folgendes entnehmen: Nach einer mehrmonatlichen Krankheit, welche keine Hoffnung aus Besserung ließ, starb Sir Anthony Rochschild Dienstag (4. d.) Abends auf seiner Besitzung nächst Southampton; Lady Rothschild und die Töchter standen an seinem Sterbebette. Sir Anthony war einer der leitenden Chefs des Bankhaufts „R. M. Nothschi d and Sons"; er ist 65 Jahre alt geworden. Seit 25 Jahren war er mit Louisa, der Tochter des verstorbenen A. Montesiore verheirathet. Sir Anthony ist seit dem Jahre 1846 englischer Baronet; da er keine männlichen Nachkommen hinterläßt, so geht die Baronie auf seinen ältesten Neffen, das Parlamentsmitglied Nathaniel Rothschild, über. Sir Antbony's Leben war kein ereignißreiches und fein Wirken dem Publikum muthmaßlich minder bekannt, als das eines jeden seiner beiden Brüder. Er war ein tüchtiger Geschäftsmann und ein vollkommener Land-Edelmann; aber in dieser vergleichsweise zurückgezogenen Sphäre leistete er im Stillen öffentliche und privat: Dienste von sehr bedeutendem Werthe. Er enthielt sich des Versuchs, Eintritt in das Haus der Gememen zu erlangen, wohl im Bewußtsein, daß der wichtige Antheil, den er an dem Geschäfte seines eigenen HauseS nahm, ihm nicht die nölhige Muße zur Erfüllung parlamentarischer Pflichten lassen würde. Dadurch gewann er jedoch nur um >o mehr Zeit für die gewöhnlichen Obliegenheiten der Freundschaft und Nächstenliebe, und er erfüllte dieselben mit genialer und unbegrenzter Liberalität. Selbst in seiner