Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 47 (24.11.1875)
- Date
- 1875-11-24
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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XVI. Jahrgang. Iweite Geilagr zu tlr. 47 -es Israelit. Zeitnngsnacbricbtcn & Correspondenzen Frankreich. Pakts. (Monatsbericht sOctober) der „All. Jsr. Univ." Schluß.) Herr Lurion, Präsident des Comitö'S von Bagdad, übersendet folgende, von einem französischen Einwohner DiarbckirS über die Lage der dortigen Israeliten ihm gewordenen Mittheilungen. 1) Im Provinzialrath gibt es keinen Israeliten , wohl aber im Stadtrath, es ist dies ein gewisser Haham Jsaac ibn Jehuda Cohen, der jedoch keinen Gehalt bezieht und nur pro Forma figurirt. 2) Die Regierung zwingt die Israeliten auf keine Weise weder zu' freiwilligen, noch zu Äusnahmesteuern, und die Arbeitstage, die sie leisten müssen, sind vollkommen identisch mit denjenigen Arbeitstagen, welche die beim Straßenbau der Provinz beschäftigten Christen und Muselmänner zu leisten haben; außerdem ist es den Israeliten gestattet, sich von dieser Arbeit durch Bezahlung eines Stellvertreters zu befreien. In Betreff der sonstigen Steuern ist kein Unterschied zwischen den Israeliten und den Christen. 3) Es ist vollkommen wahr, daß die auf dem Friedhofe bestatteten Israeliten regelmäßig von den Muselmännern ausgegraben werden, daß man die Köpfe der Leichen abschneidet und diese in der freien Luft verfaulen läßt, und daß dies unter Vorwissen der Behörde geschieht, die dazu schweigt, weil das Volk mit dieser, seit undenklicher Zeit in Diarbekir herrschenden Gewohnheit den Aberglauben verbindet, daß es absolut nothwendig sei. den Kopf eines Juden in den Fluß zu werfen , um zur Zeit der Dürre Regen zu erhalten. 4) Die Israeliten beklagen sich, daß sie aus dem einzigen in der Stadt existirenden Canal kein Wasser schöpfen dürfen, und berufen sich auf einen ihnen vor 150 Jahren ertheilten Firman, der gegenwärtig verloren gegangen ist. Allein Jederman in Diarbekir muß für die Wasserleitung in seinem Haufe eine Abgabe zahlen, die der Canalpächter einzieht und mit der die Regierung nichis zu thun hat; diese ganze Angelegenheit ist eine Privatspcculation. Uebrigens gibt es auch am Ende deS Judenquartiers einen Brunnen. 5) Mit Ausnahme des sranzös. Ehren - Vice- ConsulS, Herrn Honore Pons, sagt Nury-Bey, befindet sich in Diarbekir kein Vertreter der europäischen Machte; der englische Cvnsul von Diarbekir wohnt in Erzerum. 6) Die israel. Gemeinde von Diarbekir besteht aus ca. 60 Familien, die fast sämmtlich Roth leiden; der Reichste besitzt nicht mehr als 6—700 Pfund. Die Steuern, welche die Juden bezahlen, übersteigen nicht die Summe von 10,000 Piastern p. a. und sind nur von ca. l70 Personen unter ihnen zu entrichten. Sehr Wenige von ihnen können lesen, und noch Wenigere schreiben; von einer Schule keine Spur, es fehlt an Büchern. (Die Israeliten in Marocco.) - Der Kadi von Alcazar, der einen sechSzigjahrigen Israeliten prügeln ließ, ist von dem Pascha von Larache nur zur Zahlung der Curkosten, aber zu keiner weiteren Entschädigung desselben verurtheilt worden. Se. Maj. der Sultan hat übrigens die besten Gesinnungen für die Israeliten; Letztere können ihm ihre Klagen direct Vorbringen und finden bei ihm stets offenes Gehör; aber leider wird seinen Absichten Seitens seiner Beamten wenig entsprochen; so soll ein solcher in seiner Eigenschaft als Faki (Religionsrichter) seinem Zorn freien Lauf lassen, wenn ein Israelit in Begleitung von Soldaten des Sultans ihm ein kaiserliches Schreiben überreicht, in welchem er aufgefordert wird, demselben Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. - Das C.-Comite ist durch eine ihm freundlichst gemachte Anzeige benachrichtigt worden, daß Se. Maj. der Sultan einen seiner Hofbeamten nach Saffi und Mogador abgesandt hat. um in Angelegenheit der in jüngster Zeit an Israeliten aus den Bezirken Schedma und Abda begangenen Mordthaten eine Untersuchung zu eröffnen. Die Mörder des Israeliten Joseph Anigiar aus Larache sind auf Befehl des Sultan verhaftet, und der Bicegouverneur von Alcazar ist zu einem Monat Gefängniß und 150 Fr. Curkosten für den von ihm mißhandelten Israeliten verurtheilt worden. — Sir Moses Montefiore hat auf seiner Rückreise von Jerusalem die Ackerbauschule zu Jaffa besucht und sich über Alles, was er in derselben gesehen, sehr befriedigt ausgesprochen. Auch hat er um den Situations- und Bauplan derselben gebeten, der noch ausgenommen werden soll. Bei der Abreise hat er zur Bertheilung an die besten Schüler 10 Pfd. Strl. zurückgelassen. Ebenso ist von H. Dr. Löwe, der ihn begleitete und stch 5 Stunden in der Schule aufgehalten hat, dem Dii