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Der Israelit · 1875-06-30 · Heft 26 (30.6.1875) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
16 (1875)
Issue
Heft 26 (30.6.1875)
Date
1875-06-30
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XVI. Jahrgang. Zweite Leilage jtt Ar. 26 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Frankfurt a. M., 28. Juni. Gestern Vormittag versammelten sich die Spitzen der staatlichen und Gemeinde-Behörden, sowie eine Anzahl Geladener, um der feierlichen Einweihung des neuen Hospitals der israelitischen Gemeinde, erbaut von der Familie Königswarter, beizuwohnen. Diese Stiftung ist abermals ein bleibendes Denkmal des Geistes wahrer Menschenliebe. Nach dem Vortrag eines Liedes richtete Hr. Josephsthal Worte des Willkommens an die Versammelten und wies auf den Zweck hin, zu welchem sie hier erschienen, worauf in den Schlußstein verschiedene Zeichen der Erinnerung an den heutigen Tag (Münzen, Wein, das Reichs-Gesetzblatt' von 1871, den Friedensschluß betr.) eingelegt wurden, worauf Hr. I. KönigSwarter dem Vertreter der israelrtischen Gemeinde, Hrn. Kreize, die Stiftungs-Urkunde übergab, die dieser mit der Versicherung, daß die israelitische Gemeinde, die durch dieses Geschenk von einer drückenden Sorge befreit sei, die Stiftung in dankbarer Gesinnung bewahren und zu mehren sich bestreben werde. Herr Polizei-Präsident Hergenhahn sprach im Namen des Kaisers Hrn. I. Königswarter den wärmsten Dank für sein längst erprobtes menschenfreundliches Wirken aus und überreichte ihm die Insignien des Kronen- Ordens, worauf Herr Rabbiner Dr. Brüll die Weiherede hielt. Den feierlichen Act schloß die Einweihung der im Hause selbst befindlichen Synagoge, worauf eine nähere Besichtigung des von Herrn Architekten Eh. Gramm ausgeführten Spitals srattsand. Dasselbe ist 42,85 Meter lang und 17,71 Meter tief und hat Platz für mehr als 50 Betten. Die innere Ausstattung ist nicht allein höchst praktisch, sondern auch, man könnte fast sagen, luxuriös. Die That der Familie Königswarter rief sofort auch bei anderen Familien den Sinn für's Wohlthun wach; deren zwei stifteten schon Freibetten, und die heutige Feier wird gewiß bei Manchem der Anwesenden ähnliche Entschlüsse gereist habe?'.. Frankreich Bordeaux. Die vom „Courrier de la Gironde“ gebrachte Nachricht, wonach die Fenster der hiesigen Synagoge muthwilligcrwcise eingeworfen und der Oberrabbiner beschimpft worden, wird nach einer Rectification des isr. Consistoriums der Gironde als gänzlich unwahr erklärt. (Arch. Isr.) Türkei. Griechischen Blättern von der Insel Kreta entnimmt die R. fr. Pr. folgendes Curiosum: Bekanntlich hat die Hohe Pforte im Jahre 1868 nach Unterdrückung des kretischen Aufwandes der dortigen Bevölkerung eine Art parlamentarischer Vertretung gewährt, die jährlich nach dem griechischen Oster-, feste Zusammentritt, um die Administration der Insel zu prüfen, neue Gesetze zu discutiren und die Steuer-Eintreibungen zu ordnen. Zugleich wurde vorsichtigerweise die Einrichtung getroffen, daß Griechen und Türken getrennt ihre Deputaten wählen sollen, damit es der Wahlen wegen zu keinem Zwiste komme und Christen und Muhamedaner sich nicht darüber beschweren sollten, daß sie in ihrem heimathlichen Parlamente nicht gehörig vertreten waren. Neuerdings glaubte die Pforte noch um einen Schritt weiter gehen zu müssen. Sie gestattete auch der jüdischen Gemeinde zu Kanea, einen Deputirten in das Parlament schicken zu dürfen. Kaum hatte aber der jüdische Deputirte den Sitzungssaal betreten, als sich die anwesenden Deputirten', sowohl die griechischen als auch die türkischen» wie Ein Mann erhoben und von ihrem Vorsitzenden, dem General-Gouverneur der Insel, Samih Paschah, verlangten, er solle ihren jüdischen Collegen zur Thüre Hinausweisen, da sie keinen Juden in ihrer Mitte dulden wollten. 3)tr Gouverneur weigerte sich entschieden, diesem Uebenswürdigen Wunsche Folge zu leisten, worauf fämmtliche Deputirte auf ihr Mandat Verzicht leisteten, und schleunigst den Saal verließen. Man ist nun neugierig, wie sich die Pforte diesem brutalen Schritte der Volksvertreter Kretas gegenüber verhalten werde.

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