Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 16 (1875)
- Issue
- Heft 18 (5.5.1875)
- Date
- 1875-05-05
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XYI Jahrgang. Zweite Beilage;n Nr. 18 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. In Ossenheim bei Mainz wurde am verflossenen Montag ein Israelit zum Schulvorstande gewählt, was natürlich bei gewissen Leuten viel böses Blut verursachte. In der auf ^ie Wahl folgenden Nacht gaben rohe Burschen dem Gefühl des Unmuths dadurch Ausdruck, daß sie dem Betreffenden achtzig Weinstöcke abschnitten. Heilbrorm a. N. Am 24. ds. Mts. — E>"D"nn'tp — hielt der hiesige israelitische Armenunterstützungsverein ci'vn nry 'n — seine 12. jährliche Generalversammlung, an der die Mehrzahl seiner 142 Mitglieder lebhaften Antheil nahm. In dem nun verflossenen Jahre, Nissan 1874/75, hat der Verein ohne die Berwaltungskosten (fl. 79. 30 kr.) und den Beitrag von 100 Frs. (1873/75) an die „Alliance Jsr Univ." noch fl. 1191. 15 kr. in 1429 Gaben ausgetheilt, welche sich in der Skala von 18 kr. bis fl. 5 — bewegen. Auch konnten wieder einmal dem Reservefond 400 fl. zugewendet werden. Die Beschränkung der- Gaben nach Zahl und Höhe im Verein mit der Wirkung des deutschen Gesetzes über den Armenunterstützungswohnsitz haben eine Veränderung des Wanderbettels bemerkbar gemacht. Die von den Gemeinden des Schwarzwaldes durch Herrn Rabbiner Dr. Silberstein in Mühringen monirte und von einem hiesigen Bereinseomit« vor etlichen Jahren lebhaft angeregte Angelegenheit der Gründung von Provinzial- und Landes-Armentasse, aus welchen wandernde Bettler ausschließlich Gaben empfangen würden, wäre ein weiteres mächtiges Mittel, die schädliche nnd schmachvolle Straßenwanderung der Bettler zu vermindern. Die Städlevereinsstatuten in Bayern wurden hiebei verlesen und ein Count« gebildet, welches die begonnene Sache zunächst für Württemberg fortzusetz'en und vor definitivem Abschluß in einer außerordentlichen Generalversammlung über das Ergebniß seiner Thatigkeit Bericht zu erstatten hat. Auch beschloß die Versammlung, den bisherigen Beitrag zur All. Jsr. Univ. in Paris fortzüreichen, obschon sich vor einem Jahre hier ein Zweigverein der Alliance gebildet hat, der über 50 Mitglieder j zählt und per Mann 6 Frs. beiträgt. — Noch verj dient es der ehrenden Erwähnung, daß die Vereinsausschußmitglieder L. Scheuer und Moses Kirchheimer fr. noch auf ein weiteres Jahr die lästigen Funktionen, der Anweisung und Ausbe* zählung von Gaben wieder übernommen haben, nttnjn io nnv niyjjon bm. Wetzlar, 30. April. Es dürfte vielleicht manchen Eltern unbekannt sein, daß sie für ihre das Gymnasium besuchenden Sühne am Sabbat Dispensation vom Schulbesuche erlangen können. Wir theilen nachstehend ein in dieser' Angelegenheit an den Herrn Prediger Meyer ergangenes Rescript der Direktion des hiesigen Königlichen Gymnasiums anszüglich mit: „Ew. Hoch ehrwürden verfehle ich nicht mitzutheilen, daß mir die Ministerialverordnung vom 6. M a i 1859 zur Richtschnur dient. Sie lautet: „Die Schulverwaltung kann die Ansprüche solcher Eltern, welche aus religiösen Motiven ihre Söhne am Sonnabend ganz oder jfür die Stunden des Gottesdienstes vom Schulbesuche entbunden zu sehen wünschen, die gebührende Berücksichtigung nicht versagen. Demgemäß bestimme ich, daß in den Fällen, wo die Eltern selbst bei dem Königlichen Provinzial-Schul-Collegium darum nach« suchen, jüdischen Schülern die ged achte Dispensation zu Theil werde." Was das Schreiben am Sabbat betrifft, so gehört hierher die Ministerialverfügung vom 30. Januar 1869, nach welcher der Direktor ermächtigt ist, die Schüler auf Wunsch der Eltern vom Schreiben am Sabbat zu dispensiren. Oesterr.-Ungarische Monarchie. Ppetzbrrrg In einem hiesigen Gasthaufe entleibte sich dieser Tage ein etwa 30 Jahre alter Herr, Dr. Max Merle — Israelit — aus Ratibor in Preuß. Schlesien mit Cyankali; man fand noch ein Fläschchen mit diesem Gifte bei ihm In einem an seinen Vater adressirten Brief gibt er an, er sei speciell zu diesem Zwecke hiehergekommen, um hier zur Ruhe bestattet zu werden , und habe nur die isr. Feiertage vorüberqehen lassen; ursprünglich wollte er sich schon früher das Leben nehmen. Ursache des Selbstmordes soll Lebensüberdruß gewesen sein. y.