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Der Israelit · 1872-12-18 · Heft 51 (18.12.1872) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 51 (18.12.1872)
Date
1872-12-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1050 Gehet hin und schauet die Werke Gottes, Sein Walten über Menschen wunderbar, Cr umwandelte das Meer in's Trockene." Die Geschichte Josephs mußte sich so eigentümlich gestalten, damitdie wunderbare Erlösung aus Mizrajim statthaben konnte. Etwas ganz Aehnliches finden wir auch in einer andern Midrasch-Stelle ausgesprochen: paya innPzm .pana nopn p'iu.i *.mx vw npiay rsyD .inan Dem Abraham war die Knechtschaft der Israeliten in einem Lande, das nicht ihnen gehörte, verheißen; daher mußte Jakob seinen geliebten Sohn Joseph hinwegsenden, ihn der Willkür der ihn hassenden Brüder preisgebcn, damit dadurch die Ueberfiedclung der Jakobsfamilie eingeleitet würde. Die Knechtschaft Israels irr Aegypten war eine Nothwcndigkeit, eine Vorbedingung seiner Existenz. Israel mußte durch eine lange Leidensperiode, in welcher ihm Alles genomuren wurde, sogar die persönliche Freiheit, erzogen werden p der hohen Stufe, auf die Gott es nachher gehoben. Israel mußte, ganz arm werden, um später Alles aus Gottes Hand" zu empfangen; es muhte bis zmn tiefsten Grade der Erniedrigung hinab gedrückt werden, um dann seine ganze Höhe und Erhabenheit sichtbarlich nur Gott zu verdanken. Ein Volk im Vollbesitze der Freiheit, des Wohlstands und der notionalen Entfaltung hätte sich schwerlich, ja sicherlich nicht, dazu verstanden, das schwere Joch der Gottesgebote auf sich zu nehmen; nur ein aus der schrecklichsten Sclaverei befreites Volk, das durch Gottes mächtige Wunder gleichsam neugeboren wurde, war geeignet, allen jenen erhabenen Gesetzen und Vorschriften sich zu unterwerfen, die es unmöglich gleich begreifen und verstchen konnte und deren Befolgung ihm dennoch gleich zur strengen Pflicht wurde. Wir haben heutzutage tauiu eine Vorstellung von jener wunderbaren Hingebung Israels an seinen Gott und dessen so zahlreiche Gesetze. Von Kindheit an sind wir gewöhnt an Zizioth, Tephillin, Mesusah, von Kindheit an ist es uns zur zweiten Natur geworden, gewisse Speisen zu meiden, gewisse eheliche Verbindungen für verboten zu halten. Unfern Vätern in der Wüste aber war das Alles ganz etwas Neues, Unerhörtes, Absonderliches — und dennoch wurde die Befolgung der Gesetze auf's Strengste von ihnen gefordert, und der Lästerer des göttlichen Namens sowie der Holzsammler am Sabbat mußten ihre Vergehen mit dem Tode büßen. Um zu der Annahme und Aufnahme der Thora befähigt zu sein — dazu mußte Israel durch die lauge Leidensperiode in der ägyptischen Sclaverei befähigt werden. Deßhalb mußte Jakob seinen Sohn Joseph vor den andern Söhnen auszeichnen, damit der Haß derselben gegen den Bruder erregt werde, damit sie sich an ihm vergreifen und Joseph als Sclave nach Aegypten wandere, dort ins Gefängniß geworfen werde und aus der Haft als König und Herr hervorgehe — schon vorkostend die Bestimmung feines ganzen Geschlechtes, das in dem eisernen Schmelztiegel Mizrajim solange geläutert wird, bis es na-^ T3, mit hochechobener Hand y.-n bmd-pi und mit großem Besitz die Stätte seiner Leiden verlassen durfte. — Wahrlich, „gehet hin und schauet die Werke Gottes, Sein Walten über Menschenkindern wunderbar, Er umwandelte das Meer in's Trockene!" Auch in Bezug auf die Geschickte des herannahenden Festes können wir denselben Pfalmvers anwenden; auch in ihr offenbarte sich sichtlich das wunderbare Walten der göttlichen Vorsehung. II. Als unser Vater Noach vor vielen Jahrtausenden zwei seiner Söhne segnete, da gab er dem einen, Japhet, die Schönheit, dem andern, Schein, die Gotteserkenntniß, den Gottesdienst, die Wahrheit zum Erbtheil. llnter allen Nachkommen des Japhet war es Jawan, das Volk der Griechen oder Hellenen, in dem das väterl che Erbtheil am Deutlichsten, am Sichtbarsten zur Erscheinung kam. Kein Volk der Erde hat es in Bezug aus die Schönheit in allen Nüancen so weit gebracht wie die Griechen. Schön waren die Götter Griechenlands,' von denen der deutsche Dichter singt: „Als ihr noch die schöne Welt regiertet." Schön ist die griechische Sprache, was sogar der Talnmd (Megillah 9 a.) bezeugt. Unübertroffen sind noch heute die Kunstwerke der griechischen Bildhauer, und die Schöpfungen der griechischen Maler werden hoch gepriesen. Die griechische Literatur hat an Schönheit ihresgleichen nicht auf Erden. Welcher epische Dichter könnte mit Homer sich messen, welcher lyrische mit Pindar und Anaireon % Wo gibt cs Dramatiker, die dem Aeschylos, dem Sophokles oder dem Emipides gleichkämen? Oder gibt es Prosaiker, die sich mit Herodot und Thucydidcs, mit i'enophon und Demosthenes messen könnten? Aber da, wo im Denken und Wissen es sich um die Wahrheit mehr als nur die schöne Form handelt, in der Philosophie, blieb dem Jrrthum Thür uud Thor geöffnet. Unter allen Nachkommen Schem's war es Israel, dem durch das Gnadengeschenk der göttlichen Offenbarung die Wahrheit zu Theil wurde, die reine Gotteserkenntniß mit allen ihren erhabenen Consequenzen. Auf den Gebieten der Kunst hat Israel nichts geleistet; keinen berühmten Bildhauer, keinen großen Maler nennt die Geschichte unseres Volkes; lein epischer Dichter hat die Thaten der Helden unserer Nation besungen, kein lyrischer Dichter hat in unsterblichen Klängen den Wein und die Weiber verherrlicht — wir besitzen nicht ein einziges Drama. Aber unsere Literatur ist eine heilige, reine; Recht, Gerechtigkeit, Bruderliebe, Elternehre, Frömmigkeit und Gottesverehrung hat unser Volk gepflegt wie kein anderes Volk der Erde; sein göttliches

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