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Der Israelit · 1872-05-22 · Heft 21 (22.5.1872) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 21 (22.5.1872)
Date
1872-05-22
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XIII. Jahrgang. Zweite Beilage zu Nr. 21 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Heilbronn a. Ad. Am jüngsten hielt die hiesige D,ln nry man ihre ordentliche Generalversammlung, welche von den 120 vorjährigen Mitgliedern recht zahlreich besucht war, weil außer dem statutarischen Rechenschaftsbericht außergewöhnliche Anträge, insbesondere auf Verminderung der Gabenzahl und Revision der Gabenskala, Bildung von Bezirksnnd Landesvereinen, Anschluß an den Gemeindetag und die „Alliance isr. universelle" rc. auf der Tagesordnung standen. In dem Jahre p. Nissan 1871—72 hatte der Verein eine Einnahme von regelmäßigen Beiträgen, Spenden, Zinsen, Erlös aus Obligationen :c. von 2868 fl. 20 kr und eine Ausgabe für Armenunterftützung, Perwaltungskosten, Beitrag zur „Alliance" u. s. w. von 2729 fl. 12 kr., so daß der Cassenvorrath nur noch 139 fl. 8 kr. betragen hat. — Für die Armen allein iind in 1825 Gaben 2413 fl. 55 kr. verausgabt worden. Unter dieser Armenzahl befanden sich aber bloß 173 Armen aus Süddcutschland, während 1652 Wanderbettler ineist aus dem fernen Osten Europas unsere Kasse in Anspruch nahmen. Die Gaben, welche bisher an einen und denselben Armen jährlich zweimal verabreicht wurden, bewegten sich innerhalb der Skala von 24 kr. bis 5 fl. — Die überwiegende Zahl der Gaben kommt in der Gabenhöhe zwischen 48 kr. und 1 fl. 30 kr. vor. — Dennoch hat das Vereinsvermögen durch die nothwendig gewordene Veräußerung von Staatsdapiercn um 464 fl. 23 tr. abgenommen. — Die «Generalversammlung hat deßhalb beschlossen, einerseits die Bereiusmitglieder zu einer Erhöhung ihrer Beiträge einzuladen, andererseits aber beschlossen, nur süddeutsche Arme wir bisher jährlich zweimal zu unterstützen, allen übrigen Armen aber, welche aus ferneren Ländern kommen, nur 1 Gabe im Jahre reichen zu lassen und hiedurch den Zuzug und die Mühe des Kassiers zu vermindern. Es hält stets schwer ein anweisendes und ein Mszahlendes Mitglied für den Ausschuß zu gewinnen. Auch soll die Gabenskala unter Rücksicht auf die Einnahme und in dem Sinne vom größeren Ausschuß (beuchend aus den Mitgliedern, welche seit 1863 schon cinmal im Ausschuß funktionirten) rcvidirt werden, daß gnunde und junge Leute und Bettelprofessionisten nur eine ganz kleine Gabe erhalten. Diesem größeren Ausschuß bleibt auch die Ausführung des angeregten Gedankens der Bildung von Bezirksu. Provinzial- Armen-Unterstützungsvereinen und des beantragten Anschlusses an den Gemeinde tag in Leipzig überlassen insofern dieser die Armenfrage in seinen Bereich zieht. Der Beitrag zur „Alliance isr. univ." soll wie bisher init 50 Frs. p. anno geleistet und dahin gestrebt werden, den Grundstock des Vereins zu refundiren und zu vergrößern, um in außerordentlichen Zeiten leistungsfähig zu sein. Möge andere dergleichen Vereine in gleichem Sinne ihr Augenmerk dem Ärmenwesen in Israel zuwenden und an den Männern der Tbat — nznjn rupj/on — das Psalmwort sich bewähren: 'n lno^c' njn ora b“i ba bwo ntph Heilbronn. In hiesiger Synagoge wurden am Sabbat nnx 's 10 Mädchen und nur 5 Knaben confirmirt, weil die Eltern von 7 Knaben von der bekannten Ministerialverfügung Gebrauch machten, die den früheren Zwang zu diesem Act aufgehoben hat. Dafür wurde aber auch den Töchtern in der Predigt begreiflich 31t machen gesucht, daß die Gegenwart ihnen eine höhere Stellung cinräume als die Vorzeit, in der nur Männer zum Priesterdienste zulässig waren!!! Die Vorbereitungen zum Neubau einer Synagoge schreiten stetig vorwärts. Der Abschluß eines Anlehens von 80,000 "fl. a 41/2 % hat die Genehmigung der Aufsichtsbehörde bereits erhalten und wird von den Bankhäusern demnächst zur Zeichnung aufgelegt werden, lieber den Bau selbst sind noch keine maßgebenden Beschlüsse gefaßt. Csilin^en a. A?. Am 5. Aug. d. I. wird Herr Liebenau. Hauptlehrer am isr. Waisenhaus und Seminar, sein 50jahriges Jubiläum feiern, an dem seine Gemeinde, seine Schüler und alle Lehrer des Landes Antheil nehmen werden, deren Lehrer er war. Ulm 0. d. D. LVie in Mergentheim, so auch hier und in Heilbronn wurden zur Beratbung über das isracl. K i r ch c n v c r s a s s u n g s st a t n t Versammlungen von geistlichen und weltlichen Mitgliedern der Vorstehcrämter gehalten und überall das Statut in seiner jetzigen Fassung verworfen. Allerwärts ist man darüber einig, daß der Einfluß dcr Rabluncn und Vorsteherämtcr und in der Oberkirchcnbehörde vermindert und das Laienelement numerisch das Uebcrgewicht haben müsse. Auch soll jeder Zwang in religiösen und Gewisscnssachen den Händen der Oberbehördc entwunden werden und neben der corporativcn Einheit der Gemeinde und des Landes doch die Freiheit der Dissidenten und der Commune vollständig gewahrt werden. Selbst Stuttgart habe dem

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