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Der Israelit · 1872-05-08 · Heft 19 (8.5.1872) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 19 (8.5.1872)
Date
1872-05-08
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Ml.Jahrgang. Zweite Beilage zu Rr. 19 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Oe st er r. - Ungar. Monarchie. Aus Krakau wird der „Wiener Deutschen Zeitung" Folgendes geschrieben; Bor einigen Tagen kam ein 16jähriges, jüdisches Mädchen, die Tochter von sehr frommen Eltern, in das Krakauer Kloster und verlangte getauft zu werden. Der Vater hatte sie an demselben Tage wegen Müssiggang geschlagen, weszhalb sie aus Rache ihrem Glauben abtrünnig werden wollte. Die Eltern liefen ihr in's Kloster nach, die Mutter bat lind weinte und fiel sogar ihrer Tochter den Füßen, damit sie doch diesen Plan aufgeben sollte; allein Alles nützte nichts, das Mädchen blieb standhaft bei seinem Vorhaben. Da kam der Klostergeistliche und richtete an das jüdiiche Mädchen folgende Ansprache: „Sie wollen ja nicht aus religiöser Ueberzeugung Christin werden, sondern nur aus Rache gegen Ihre Elteril und weil Sie vielleicht glauben, das; Sie als Christin ohne arbeiten zu müssen, in Hülle und Fülle leben werden! Bedenken Sie, daß Sie dann ohne Eltern und Verwandte allein in der Welt stehen wcrdell!." Kaum hat der Geistliche seine Worte ausgesprochen, da brach das Mädchen gleich in lautes Weinen alls und verlangte augenblicklich nach Hause zu gehen! — Wahrlich ein seltener Zug von einem polnischen Geistlichen! Feuilleton. Hptzir und Karl Mauch's Entdeckung der Winne« non Jimvaye. Gotha, 27. März. Seitdem meine erste Mittheiluug (vom 3. Februar 1872) über Mauch's Entdeckung bekannt geworden ist, find mir eine große Reihe gewichtiger Stimmen, öffentlich und privatim, im Jnlande und Auslande, von Geographen, Linguisten, Archäologen, Geschichtsforschern u. A., zur Kenntniß gekommen, die über die Localität des Ophir der Bibel in dem Maaße auseinandergehen, daß schon allein darin der beste Beweis liegt, daß alles menschliche Wissen uud aller ansgebotene Scharfsinn bisher noch zu keinem befriedigenden Resultate gelangten, von einer absoluten oder vollständigen Richtigkeit aus irgend einer Seite daher auch keine Rede sein kann. Zum Theil um diese Ansichten unserer ersten Autoritäten zu sammeln, zum Theil um das Eintreffen neuer südafrikanischer Posten abzuwarten, habe ich bisher keine weitere Mittheilung über den Gegenstand gemacht, jetzt aber im 4. Heft der „Geographischen Mittheilungen" Alles zusammengestellt, was mir bis jetzt an positiven Nachrichten zugiug; dies ist nun gedruckt und Jedem zugänglich. - Daraus wird jeder Unbefangene ersehen, daß auch z. B. Kiepert's Behauptung, daß die Ophirfrage „namentlich durch Lassens gründliche Untersuchung schon vor einem Vierteljahrhundert definitiv zu Gunsten Indiens entschieden sei", nicht begründet ist. Abgesehen davon, daß Crawsurd, ein ebenso gelehrter Kenner Jndien's als Lassen, die Beweiskraft der sprachlichen Gründe Lassen's sehr in Frage gestellt und angenommen hat, daß kein Schein einer Möglichkeit vorhanden sei, Ophir in irgend einen Theil Indiens zu verlegen, — können die Lassen'schen Gründe auch überhaupt nur dann von Gewicht sein, wenn man sich zu dem sehr eigenthümthümlichen Verfahren Hinreißen läßt, den Bibeltext willkürlich zu ändern und Tarschisch mit Ophir zusammen zu werfen, wie wenn Jemand nach Belieberl Ostindien mit Westindien verwechseln wollte; überhaupt die betreffenden Bibelstellen nach Gefallen dermaßen zu ändern, daß sie schließlich mit der vorgefaßten Ansicht znsammenpasfen. Nichts ist trügerischer, als solche weit hergeholten sprachlichen Auslegungen, und es wäre dasselbe, als wenn Jenrand, der z. B. für das Wort „Zucker" irgendwo eine Sprachähnlichkeit gefunden zu haben glaubte, die Zucker-Production von Mauritius, Brasilien, Cuba rc. alle von dorther, wo eine solche Sprachähnlichkeit zu finden wäre, ableiten zu dürfen sich für berechtigt hielte. Auch unser großer Meister Carl Ritter suchte Ophir schon in Indien, seine Abhandlung über Ophir ist das Beste, was bisher über den Gegenstand geschrieben worden ist; natürlich kannte er auch schon Lassen's Untersuchung, aber Ritter war ehrlich genug, schließlich einzugestehen, daß alle unsere Kenntniß nicht genüge, um zu einem vollständig sicheren und beftiedigenden. Resultat zu führen, und daß man den Fehler nicht beim Chronisten der Bibel, sondern „besser in unserer, eigenen Unwissenheit suchen müsse." Jedenfalls sind die von Manch entdeckten wirklichen Ruinen und das wirkliche Alluvialgold, ferner die wirklichen Edelsteine und das wirkliche Elfenbein jener Länder viel mehr der Beachtung werth, als irgend welche sprachliche Verwandtschaftlichkeit indischer Namen für Affen, Pfauen und dergleichen. A. Petermann.

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