Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 15 (10.4.1872)
- Date
- 1872-04-10
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XIH. Jahrgang. Zweite Beilage zu Nr. 15 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. O e ft e r r. - U n g a r i s ch e Mo n a r ch i e. Wien, 29. März. Gegen die Israeliten^ welche es endlich wagen, der Polonisirung Widerstand zu leisten, werden die heftigsten Schmähungen und Drohungen ausgestoßen. Die" in Lemberg erscheinende „Jüdische Ztg." wurde confiscirt, weil sie die Israeliten aufforderte, bei dem Reichsrath Schutz zu suchen. Znm größten Aerger der polnischen Nationalitätsfanatiker hat die Judengemeinde in der Hauptstadt Galiziens beschlossen, an der von ihr allein unterhaltenen israelitischen Hauptschule die seit 1868 abgeschaffte deutsche Unterrichtssprache wieder einzuführen. In der bezüglichen Eingabe an den Landcsschnlrath wird aut den seit jener Zeit eingetretenen Rückgang der Schule hingewieseu. Die Einführung des polnischen Unterrichts bei Kindern, deren häusliche Sprache die deutsche sei, habe nur bewirkt, daß dieselben weder das Polnische, noch das Deutsche ordentlich erlernen. Feuilleton. Wo lag Ophir? Gegenüber den einander entgegenstehenden und beiderseits nur schwach begründeten Ansichten der Herren Petermann und Kiepert über die Lage des Goldlandes Ophir ist es gewiß von Interesse, die Ansicht eines durchaus selbstständigen Forschers auf diesem Gebiete kennen zu z lernen, wie ein solcher der Professor Dr. Hitzig zu § Heidelberg ist. Er sagt S. 156 ff. seiner höchst lehr-! reichen „Geschichte des Volkes Israel" (Heidelberg, Ver-! lag von S. Hirzel 1869):! „Nächst dem Bau des Tempels winde die Regie-! rung Salomos merkwürdig und für die Folgezeit von! Einfluß durch die Fahrten nach dein Goldlande Ophir, welches in Arabien (1. Mos. 10. 29.) und zwar, als mit Parvaim (paru Berg) 2. Chron. 3, 6, d. h. dem Zwillingsgebirge (Ptol. Vi., 7. 11. 12), den Tavaim Übereinkommens, in Oman unfern von der alten Stadt Sohar zu suchen sein wird. Die Zwillingsberge find der hohe Gebet Oqdah und die mit ihm parallel laufende Bergkette (Palgrave, Reise in Arabien II, 340); Ophir aber, in LXX (der griechischen Übersetzung des alten Testaments) Sophir, führt diesen Namen als Colonie des indischen Volkes Sauvira (Urgesch. u. Mythol. der Philistäer S. 217. lieber die Sauvira oder Sindhusauvira s. weiter Lasten, Jnd. Alt. I, 822.862.656., Weber, Jnd. Stud. 2. Heft S. 220.) Gemeinhin wird Ophir außer Arabien z. B. an die indische Küste verlszt, und in neuerer Zeit das Wort mit dem Namen eines anderen indischen Volkes, der Abhira, zusammengebracht; allein nur prickelnde Willkür kann die ausdrückliche Angabe der Bibel so ganz aus den Augen setzen. Dorthin nun in den Südosten Arabiens vermochten die Phönizier, deren Arm nicht an das Südmeer reichte, für sich allein nicht zu gelangen und Salomos Macht erstreckte sich bis an das Schilfmeer; allein sein Volk war des Schiffbaues und der Seefahrt «»kundig. Also verbanden sich die beiden miteinander, rüsteten in der Nähe von Etat, bei Eziongeber, dein heutigen Agaba, ein Schiff aus und gemeinschaftlich wurde voll Phöniziern und Hebräern die lange Fahrt unternommen, welche von vorne herein durch die Felsenriffe und zahllosen Untiefen des durch sechs Breitegarde sich erstreckenden rothen Meeres gefahrvoll war und verlangsamt wurde. Das Schiff war ohne Zweifel ein rundes, nach Art jener, die gen Tartessus fuhren (1 Köln. 10, 22), wie die Handelsschiffe überhaupt; und, als die Leute im dritten Jahre glücklich hinkamen, wurde ein zweites gebaut, so daß jeder der Könige nun sein eigenes hatte. Wenn übrigens die Hin- und Herfahrt durch die Monsuns bedingt wurde, so blieben doch schwerlich auf Handelschaft die Seefahrer so lange aus, sondern zum Zwecke der Ausbeutung dortiger Minen. Man sieht nicht, welche werthvollen Natur- oder Kunsterzeugnisse die Phönizier oder gar die Hebräer an die Inder Arabiens verkaufen konnten; und noch Jahrhunderte später stellte sich die Handelsbilanz durchaus zu Ungunsten des Abendlandes (Plin. H. N. 12, 41. 6, 26.). Dagegen ist, wenn auch heut zu Tage sich in Arabien kein Gold mehr findet, früherer Reichthum an diesem Metall und, daß es dort gediegen vorkomme, vielfach bezeugt (S. 1 Kön. 10, 10. Jes. 60, 6. Ez. 27. 22. Ps. 72, 15. Diodor 2, 50. Strabo p. 778. 779. Plin 6, § 150. 161. Hamasa p. 506 und Co mm.); und gerade Oman ist der reichste Theil der Halbinsel auch hinsichtlich der Produkte des Bergbaues (Palgrave a. a. O., S. 255. Blei- und Kupferminen bezeugt Niebuhr, vesor. 6« TAr. p. 256). Von Ophirgold für gewöhnlich sprechen konnte man doch kaum, wenn man dasselbe, um den Fundort unbesorgt, durch den Handel gewonnen hatte; und der Erzähler würde sich nicht also ausdrücken: sie holten von dort Gold und unl gen Ophir zu fahren nach dem Golde (1 Kön. 9. 28. 22, 49.)."