Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 14 (3.4.1872)
- Date
- 1872-04-03
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XIII. Zayrgau g. Zweite Beilage zu Nr. 14 des Zsraelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Oesterr. - Ungarische M onarchie. Wien, 26. März. Gegen die polnische Autonomie in Galizien wird von allen Seiten Einspruch erhoben. Nach den Ruthenen protestirten die Deutschen in Biala und Umgebung gegen die in Aussicht stehende „polnische Freiheit." Tarn ermannen sich cuid; die Israeliten Galiziens zu einer Verwahrung. Der in Lemberg erscheinende „Israelit" dementirt die im Verfassungsausschütz ausgestellte Behauptung der Abgeordneten Grocholski und Zyblckiewicz, daß die galizischen Juden mit den Forderungen die Landtagsresolution von 1868 vollkommen einverstanden seien. Die Juden wünschten vor Allem die Aufrechterhaltung der mühsam errungenen Gleichheit vor dem Gesetz und detzhalb seien sie für die österreichische Verfassung, welche die Gleichberechtigung aller Confessionen garantirt habe. Die liberale Partei unter den Polen versprechen allerdings den Juden, daß ihre Gleichberechtigung auch nach der Erlangung der vollständigen Autonomie Galiziens nicht beeinträchtigt werden solle, aber bei dem großen Einfluß, den ein fanatischer Clerus auf die Masse der Bevölkerung ausübe, seien Rückschritte nur zu leicht möglich. Auch hätten die Juden auf dem Gebiete der Gemeindeverwaltung, wo die Autonomie schon bestehe, die traurige Erfahrung gemacht, daß die polnischen Behörden trotz der Staatsgrundgesetze die Rechte der israelitischen Bevölkerung mißachten und verletzen. (In Neu-L-andec verbot vor kurzem der polnische Bezirksoorsteher den Juden das Feilbieten ihrer Waaren an Soun- und Feiertagen bei Strafe der Confiscation!) Ferner müsse di- Thatsache, daß die angeblich liberalen polnischen Abgeordneten im Wiener Parlament in Fragen der allgemeinen Freiheit fast regelmäßig mit den reactionären Elementen stimmen, Mißtrauen erregen Vernünftiger Weise könne daher den galizischen Juden nicht zugemuthet werden, ihre Menschenrechte zu Gunsten einer nationalen Partei auf den Opferaltar zu legen. Es gibt circa 600.060 Juden in Galizien, und die Verwahrung des „Israelit" ist detzhalb den Polen sehr unangenehm. Als die israelitischen Einwohner von Brody gegen . die Polonisirung der dortigen Oberrealschule protestirten, weil der deutsche Unterricht der größtentheils dem Handel sich widmenden Jugend unentbehrlich sei, schrieen die Organe der polnischen Nationalpartei über „jüdischen Hochverrath". Ebenso wurden die Petitionen der deutschen Einwohner von Biela als Product einer „jüdisch-teutonischen Verschwörung gegen das Polenthum" bezeichnet und eine „blutige" Bestrafung in Aussicht gestellt. Die Polen find sehr empfindlich, wenn es sich um ihre eigene Nationalität handelt; gegen andere Nationalitäten aber möchten sie gern nach Willkür verfahren. Rußland. Warschau, 20. März. Durch kaiserlichen Erlaß vonl 23 Januar d. I. wird gestattet. daß diejenigen Juden, welche das technologische Institut in Petersburg absolvirt und die Jngenieurprüfung bestanden haben, im Staatsdienste angestellt werden dürfen. Es ist dies ein neuer wichtiger Schritt, den Rußland auf dem Wege zur Emancipation der Juden gethan hat. Es ist schon vor längerer Zeit auch denjenigen Juden, welche Universitätsstundien gemacht und die vorschriftsmäßige Staatsprüfung bestanden haben, das Recht der Anstellung im Staatsdienste verliehen worden. Eben so ist es den Juden in Rußland neuerdings gestattet worden, adlige Güter käuflich zu erwerben und zu bewirthschaften; nimmt man dazu, daß die Commission für Einführung der allgemeinen Wehrpflicht auch die Zulassung der Juden zur Ofsiziers-Carricre dringend befürwortet, so muß man gestehen, daß die Juden- Emancipation in Rußland bereits größere Fortschritte gemacht hat, als in manchen, auf einer höheren Stufe der Civilisation stehenden westeuropäischen Ländern. — Warschau. Der hier erscheinende „Jsraelita" enthält in einer Mittheilung aus dem Städtchen Plonsk nachfolgenden schönen Zug echter Nächstenliebe. Ein jüdischer Hausirer, der eine zahlreiche Familie zu ernähren hatte, sollte bei der letzthin stattgefundenen Rekrutenlosung zum Militär ausgehoben werden. Da erbarmten sich die Bauernwirthe aus dem benachbarten Dorfe Rembow des armen, ihnen wohlbekannten Handelsmannes, veranstalteten unter sich eine Sammlung und überreichten ihm die Summe von 1000 SR., wodurch er in den Stand gesetzt wurde, fich Dom Militärdienst loszukaufen.