Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 37 (13.9.1871)
- Date
- 1871-09-13
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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700 '1 Jakob Rosenfeld, schreibt man einem hiesigen Blatt aus Oedenburg: Der Leichnam wurde von Aschaffenburg nach Oedenburg überführt, wo er am l.d. M. anlangte und heute (3. Sept.) bestattet wurde. Rosenfeld war 45 Jahre alt, Vcrwaltungsrath der hiesigen Handelskammer, und hinterläßt ein Vermögen von drei Millionen; er war, wie allgemein behauptet, der reichste Mann im Oedenburger Comitat. Der Verstorbene hatte in seinem Testamente der israel. Gemeinde ein Legat von 50,000 Gulden zur Erbauung eines israel. Tempels vermacht und für sämmtliche Stadtarme ohne Unterschied der Confession 5000 Gulden österreichischer Währung bestimmt. £? r a n f r e t ch. Paris. Der „Figaro" schreibt: Man hat mir gestern einen Bruder (Geistlichen) der christlichen Schule gezeigt, dem es auf eigne Weise gelungen ist, den Armen der Commune zu entkommen. Man zog schon allgemein Geißeln ein. Man fpertte alle die in Mazas ein, welche die schwarze Kleidung trugen. Unser ehrwürdiger Bruder war bedroht. Er begegnet einem höhcrn Angestellten des „Petit Sournal", einem Israeliten, Namens Castro. Wollen ie, daß ich Sie rette, mein Bruder? sagte Letzterer zu chm. Gewiß, aber wie? Hören Sie. Ich fahre jeden Tag mit meiner Cariole von Paris nach Versailles. Ich habe von beiden Seiten einen Passierschein. Ich kaufe ein und beschäftige mich nicht mit Politik. Stecken Sie sich in eine Blouse, Sie werden dann als ein neulich bei mir eingetretener Diener passiren: aber Sie dürftn sich nicht verrathen. Des andern Tages kam die Cariole an die Barriere. Der Bruder, als Bedienter, in einer Blouse verkleidet, ist einen Augenblick vor den sich zeigenden Gesichtern ganz verblüfft; Herr Castto sieht, daß Alles verloren und daß es leicht um den Bruder geschehen sein könnte.; Dummkopf, schreit er ihn an, was machst Du denn da, die Leute anzugaffen? Führe das Pferd richtig! Haft Du noch keine Achildwachen gesehen? Das gepeitschte Pferd zieht an: der Wagen fliegt gleichsam davon. Die Zugbrücke ist frei und der Bruder der christlichen Schule ist gerettet. Ich kann nichts für meinen Retter thun, sagte mir der gute Bruder. Ich würde ihm gern Heiligenbilder geben; ich würde mich gern erbieten, seinen Kindern j den Katechismus zu lehren — aber das ist nicht mögi lich: er ist ein Israelit. Feuilleton. rwn two1? nban mob kVi Vater, Deine Kinder treten Heute vor Dich anzubeten, Höre unser Andachtsflehen. Lasst uns Deine Hilfe sehen; Und am Angedenkens-Tag Mach' uns frei von Harm und Plag*. Eines ganzen Jahres Stunden Sind nun wieder hingeschwundeu Unter Hoffen, unter Sehnen, Unter Freuden, unter Thränen Hin zu der Vergangenheit. In das Meer der Ewigkeit. Mancher Wunsch ward uns erfüllet. Herber Schmerz durch Dich gestillet; Dennoch blieb uns manch' Verlangen Und die Seele fühlet Bangen, Denn ein dichter Schleier deckt Noch das Ziel, das uns gesteckt. — Ob der Tage, die nun kommen, Ist das Herz mit Recht beklommen: Um uns wüthet das Verderben Und wir seh'n so Viele sterben, Kinder, Greise, Jung wie Alt, Mäh't des Todes Allgewalt. Brüder, die mit uns begonnen Jenes Jahr, das heut verronnen. Sahen wir so schnell erblassen, Ihre Theuern ttostlos lassen. Ach, 's war ihr Schutz und Stab, Den nun deckt das frühe Grab! Manche Hoffnung Bürgerlebens Hegten wir bisher vergebens, Und mit wehmuthsvollem Blicke Schau'n wir auf das Jahr zurücke. — Bringt das Jahr, das sich erneut, Trost uns und — Gerechtigkeit? Unsre Hab, wie unser Leben, Haft Du, Schöpfer, uns gegeben. Lass' uns ferner diese Güter; Tröft' die trauernden Gemuther,