Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 16 (19.4.1871)
- Date
- 1871-04-19
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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(cf. Baschi Chulin 30), der gar nicht oder im anthropomorphistischen Sinne an Gott glaubt (Maim. Jesod. hat). Was vielleicht dubiose Randglossen oder Duodezautoren darüber sagen, kümmert uns nicht. 5) „Samuel der Kleine hat ein Gebet gegen dieselben veranlaßt, in welchem Gott angefleht wird, sie im Ru zu vernichten, und dieses Gebet wird noch jetzt in den meisten Synagogen gebetet." So viel Worte, so viel Lügen. In dem citirten Gebete steht nicht ein einziges Wort vom Christenihum, sondern nur von Werräthern und Bösewichtern, worunter Juden wie beliebige Nichtjuden verstanden sind. In einer alten, nttgends gebrauchten Leseart dieses Gebetes ist auch nur von Renegaten die Rede, von den gewordenen Christen, die wir von den in der Religion ihrer Väter verbleibenden sehr wohl zu unterscheiden wissen. 6) Gleichsam als ob sich des OberkkrchenratheS unerbetener (?) Vertheidiger (?) gefürchtet hätte, das Maß des Lächerlichen noch immer nicht voll genug gemacht zu haben, zieht er noch eine, natürlich ganz objecttv gehaltene, rein wissenschaftliche „Bermuthung" deS Dr. Jost und Dr. Beer über eine Talmudstelle, die aber nicht die entfernteste Andeutung dieser Annahme enthält, herbei, um zu beweisen, daß die Juden „noch heute" von gleichem Haß und der nämlichen Feindschaft erfüllt seien. Difficile est satyram non scribere. 7) Endlich soll noch ein hesttger Ausfall des Dr. Felsenthal in Amerika gegen das Christenthum deS Missionswesens, befindlich in dessen Bych „Kritik deS christlichen Missionswesens", die beleidigende Jmputatton des KirchenratheS begründen. Genanntes Buch kenne ich nicht; tendenziös herausgerissene Citate pflegen gewöhnlich etwas Anderes, ja oft das Gegentheil als der ganze Zusammenhang zu sagen. Dem sei aber wie da wolle; wir wissen das Christenthum jener Seelenräube/ von dem übrigen sehr wohl zu unterscheiden und nehmen durchaus keinen Anstand, in Bezug auf Ersteres vollkommen das Citat zu acceptiren, „wenn der Geist allumfassender Humanität immer mehr zur Anerkennung gelangt, so geschieht dies nicht in Folge des (d. h. dieses) Cbristenthums, sondern trotz desselben. Die meisten Christen sind eben besser als ihr Christenthum (d. h. ihr durch die Misstonsschächer entehrtes)." Allen obigen und ähnlichen Auslassungen gegenüber aber hat Zunz schon das richtige Wort ausgesprochen, wenn er (Synagogal-Poesie pag. 58) sagt: „Die harten Worte in diesen jüdischen Psalmen (und wir setzen hinzu, auch der vermeintlichen antichristlichen Stellen in Talmud und Midrasch), die noch keinem Christen das Leben gekostet, während sie selber ein aus der Erde dringender Schrei des Blutes vyn Hunderttausenden sind, konnten nur durch die Liebe, nie durch höhnende Verachtung, nur durch Gerechtigkeit, nie durch Bedrückungen, in versöhnende verwandelt werden." Wir werden uns durch die vereinzelten drachensäenden Federn, die, wir sind dessen gewiß, von dem bei Weitem überwiegendsten Theile unserer christlichen Mitbürger desavouirt und beklagt werden, in unserer Arbeit für die brüderliche Liebe und die Gerechtigkeit nicht irre machen lassen. Dr. Israel Hildesheimer. Rußland. Petersburg, 14. April. Der Regierungsrath bestätigt, daß in Odessa am Montag, Dienstag und Mittwoch heftige Epceffe gegen die Juden von Seiten der Griechen stattfanden. Die Ordnung wurde durch Militärmacht unter Anwendung der Bajonnette hergestellt. ES wurden dabei viele Personen verwundet. Etwa 1000 Individuen, welche die Läden und Häuser der Juden plünderten, wurden verhaftet. (Eingesandt.) Nikolsburg, im März. Ueberzeugt von Ihrem edlen Streben, das Gute, Gott- und Menschengesällige durch Ihr vielverbreitetes Blatt anzuregen und zu fördern, erlaube ich mir, Ihnen diese Zeilen einzusendeu mit der Bitte, ihnen ein Plätzchen im sehr geschätzten „Israelit" zu gönnen. Bor einigen Monaten kam es wegen einer Angelegenheit, die ich aus Rücksicht gegen die streitenden Parteien verschweige, zu einem Conflikt zwischen unserem Herrn Rabbiner und dem RabbinatS-Assessor, Herrn M. L. Kohn, und seitdem sind diese zwei Herren, die bisher in innigster Zuneigung und wärmster Freundschaft zu einander standen und in brüderlicher Harmonie und Eintracht zum Heile der Gemeinde wirkten, entzweit. Darüber herrscht nun Betrübniß, da beide Herren allgemein hochgeachtet und verehrt und mit Recht der Stolz und die Zierde unserer Gemeinde genannt werden; denn der Herr Rabbiner verbindet mit hoher, vielseitiger Bildung und ausgezeichnetem Rednertalente wahre, ungeheuchelte Frömmigkeit; Herr M. L. Kohn ist wieder durch sein immenses talmudisch-rabbinisches Wissen und seine strenge Religiosität, die ihn aber doch nicht abhält, den Zeitbedürfnissen Rechnung zu tragen — insolange sie nicht mit den Grundsätzen des Iudenthums eollidiren — rühmlichst bekannt. Es muß daher Jeden, dem das Wohl unserer Gemeinde am Herzen liegt, tief betrübe«, daß diese zwei Männer in Unfrieden mit einander leben und dadurch ihr segensreiches Zusammenwirken gestört wird. Auffallend ist es deshalb, daß unser wackerer Gemeindevorstand nicht sein Ansehen und seinen Einfluß geltend macht, die zwei Herren auSzusöhnen, sie wie-