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Der Israelit · 1871-04-19 · Heft 16 (19.4.1871) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 16 (19.4.1871)
Date
1871-04-19
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XU. Jahrgang. Zweite Beilage za Nr. 16 des Israelit. ——————I ■ II . .■ —mmmm ■ in ■ ,, . ■< I ■ ■ ■■!■■■ I-.— mmmu* n i . ■ i— ■ i. —, Zeitungsnachrichten und Correspondenzen Deutschland. Berlin, Im April. Die hiesige ^Tribüne" veröffentlicht daS nachstehende Schreiben: „Der evangelische Oberkirchenrath bat einen Panegyriker gefunden. Zn Nr. 67 der „Neuen Preuß. Zeitung" ließ derselbe einen ellenlangen Artikel von Stapel, vor dem selbst Eisenmenger, Schudt und Consorten in Ehrfurcht den Hut ziehen würden. Ob eines hochehrwürdigen Kirchenrathes „Rittersmann oder Knapp", in dem wir einen ziemlich bekannten, erst gewordenen Christen zu vermuthen guten Grund haken, seinen Oberen einen positiven oder negativen Dienst erwiesen hat, ist unschwer zu entscheiden. Eine Sache, die nur durch eine in Gift und Galle getauchte Feder vertheidigt werden kann, wird durch den Vertheidiger mehr gerichtet und vernichtet, als durch den Beleidiger, und ein Anwalt, der seine Waffen aus der Rüstkammer mittelalterlicher Erfindungen und willkürlicher Dermuthungen entlehnen muß, verurtheilt seinen Clienten, statt ihm beizustehen. Daß dies aber hier geschehen, werden wir sofort Nachweisen. Einsender ist bitterböse darüber, daß man gegen den kirchenräthlichen Erlaß, der von einem noch jetzt bestehenden Hasse und der nämlichen Feindschaft, „wie ehedem", gegen Christen spricht, protestirt, ohne zugleich „die bis dahin bekannten Lehren jüdischer Autoritäten" zu mißbilligen und zu verwerfen. Zunächst ei . e kleine Frage: haben „die bis dahin bekannten jüdischen Autoritäten" des Mittelalters und jedenfalls schon vergangener Jahrhunderte — denn nur diese tischen Sie uns auf — auch geschrieben und bewiesen, daß noch jetzt im Jahre 1871 die Juden „mit gleichem Hasse und der nämlichen Feindschaft" verharren, wie ehedem? Das, mit Verlaub, Herr Profeffor, müffen Sie uns wenigstens nachträglich noch beweisen. Sehen wir uns aber die ,',bis dahin bekannten Mischen Lehren" ein wenig an. 1) „Die gesammte rabbinische Literatur athmet Feindschaft gegen den Stifter der christlichen Religion, Zeuge deffen die vielen anti-christlichen Schriften". In so nebelhafter Allgemeinheit läßt sich allerdings leicht kämpfen. Doch ist dieses Argument ins Blaue um kein Loth schwerer, als alle ähnlichen von andern, ebenfalls gewordenen Christen, z. B. Johannes oliur Joseph Pfefferkorn aus Mähren, Schwarz und anderen Dominikanern erfundenen, die schon vor 400 Iahren von Reuchlin und vielen Anderen nach ihm gewürdigt wurden. Es hieße Eulen nach Athen tragen, diesen Gemeinplatz, wofür der Gegner nach allen diesen Refutationen von Neuem den Beweis avtretm müßte, zu widerlegen. Es kommen aber auch Spezialien und zwar: 2) „Der Stifter der christlichen Religion wird in den rabbinisäen Schriften mit Ischu, „Anfangs buchftuben der WoNe Jemach e chemo wesichero (vertilgt werde sein Name und Andenken) gegeben." Nun, die löbliche Censur hat schon dafür gesorgt, daß diese- Wort in den eigentlich rabbinischen Schriften, nämlich Dalinuä und Codices, fast gar nicht vorkowmt, Werke wie Nizachon, Chisuk Emuna rc. sind für uns keine eigentlich rabbinische Schriften. Uebrigens ist dieses „Argument" um so ergötzlicher, als sich der oberkirchenräthliche Panegyrikus im reißenden Fortschritte gegen jenen Staatsmann befindet, der sich nur anheischig machte. Jeden aufs Schaffott zu bringen, von dem er drei Worte besitze, besagter Panegyriker aber schon durch drei Buchstaben. Mt demselben Rechte, nach welchem derselbe diese Buchstaben zu Wörter» erweitert, bilden* wir aus diesen Anfangsbuchstaben die drei Worte: Jachsiku schcmo weaichro (matt halte Namen und Andenken), man möge sich Kinder und Kindeskinder galten; wir wollen mdjt nur keine Profelyten, sondern treten auch die „gewordenen Christen" herzlich gerne ab. 3) Der Gründer der christlichen Religion werde von den Juden Toluj (der Gehängte) genannt und „Tausende von ihnen speien noch heute dabei aus." Dieses Gallert ist natürlich auch schon Hunderte von Malen zurückgewiesen. Wir fügen dem nur hinzu, daß derselbe ja von den Christen fortwährend der Gekreuzigte genannt wird, ohne daß es Jemanden einfiel, dies despectirlich zu finden; zwischen diesem Epitheton und dem in Rede stehenden kann nur der eingefleischte Judenhaß einen Unterschied herausklügeln. Das AuSspeien ist selbst an einer solchen Stelle im täglichen Gebete, das sich durchaus nicht auf jenen Religionsstister beziehen muß, aus Vorsicht schon lange von Rabbinern positiv verboten worden (vergl. Auerbach, Halberstädter Chronik). Daß „Tausende dies noch heute (höchstens weit in Ungarn, Rußland und Polen) thun," kann Einsender unmöglich wiffen und gleichfalls noch unmöglicher beweisen. 4) „Die Bekenner jener Religion werden Minim (Ausgeartete, Abtrünnige) genannt." Das ist einfach eine Lüge. (Min ist entweder fanatischer Götzendiener

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