Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 6 (8.2.1871)
- Date
- 1871-02-08
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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106 auch das frühere Gesetz, wonach jeder Jude, der sich zum Christenthum bekehrt, vom Militärdienste befreit ist, aufgehoben. Der bekannte Gelehrte A. Harkavy ist von seinen Reisen durch Deutschland und Frankreich,7woselbst er "iele Universitäten besuchte, hierher zurückgekehrt. Derselbe hat an der hiesigen Universität eine Probevorlesung gehalten, die großen Beifall gefunden; er wird wahrscheinlich demnächst als Privatdocent zugelasfen werden. Mehrere hiesige Zeitungen, schreiben, daß das Gesetz, welches den Juden den Aufenthalt im Innern Rußlands verbietet, außer Kraft gesetzt werden wird. Das wäre eine Maßregel, die allen Juden daselbst, besonders aber den westrussischen, welche in den letzten Jahren so sehr gelitten, von großem Nutzen sein würde. (Hamagid.) Asien. Jokohama (Japan). Die junge jüdische Gemeinde macht alle Anstrengungen, um eine Synagoge zu erbauen. Die Herren A. und H. Marks haben der Gemeinde unentgeltlich einen paffenden Bauplatz überwiesen. Es wurde ein Sonnte erwählt, das Subscriptionen zu dem nöthigen Baufond sammeln soll. Da aber die Zahl der Gemeindemitglieder sehr klein und mehrere Familien auch unbemittelt sind, so ist die Gemeinde gezwungen, die Wohlthätigkeit ihrer Glaubensgenossen im Auslande in Anspruch zu nehmen. Der Präsident Louis Straus, belgischer Consul in Jeddo, und der Schatzmeister D. Davis in Jokohama nehmen Beiträge an. (Jew. Chr.) Australien. Melbourne. Die „Mikwa-Jsrael-Gemeinde" in Melbourne" hat ihren Jahresbericht veröffentlicht, aus dem erhellt, daß dieselbe sowobl in finanzieller Beziehung als auch hinsichtlich der Mitgliederzahl gut sitmrt ist. Die angestrebte Vereinigung der beiden hier bestehenden Gemeinden wurde nicht erzielt. Der Bericht schließt mit folgender Mittheilung: Der Vorstand des allgemeinen Begräbnißplatzes hat auf dem der jüdischen Bevölkerung gehörenden Theile eigenmächtig eine jüdische Leiche ausgraben lassen. Dies Verfahren rief in beiden jüdischen Gemeinden große Aufregung hervor. Die Gemeinden haben in Folge dessen ein Comite ernannt, das alle Mittel zu ergreifen hat, um der Wiederholung solcher Ausschreitungen, die die religiösen Gefühle der Israeliten verletzen, entgegenzutreten. (Jew. Chr.) Amerika. Ntew-Vork. Die „Evang. Alliaüöe" richtete in ihrer Versammlung am 7. Januar auf eine wichtige Frage — der der Judenbekehrung — ihre Aufmerksamkeit. Es scheint, daß die „Amerik. chr. Gesellschaft zur Verbreitung das Christenthums unter die Juden" mit Bedauern auf das Faktum steht, daß in den Vereinigten Staaten 250,030 Juden wohnen und über 50,000 in New- 8)ork. Angenommen, es sind so viele, ist das Land nicht groß genug, daß in demselben auch die „armen ungläubigen" Juden leben können? Proselytenmacher! Ihr habt Befferes zu thun, als Juden zu bekehren. Laßt uns in Ruhe. Wir sind glücklich in unserem „Unglauben"; aber da leben in unfern Staaten Tausende von armen Christen, welche wohl eine Bibel, aber kein Brod, 39 Glaubensartikel, aber kaum die nöthigen Kleidungsstücke haben. Denkt an ihre Noth und — noch einmal — laßt uns in Ruhe. (Jew. Meff.) New-Nork. Der „Jew. Meff." berichtet, daß in New-Avrk weitere 17 Familien weftruff. Juden, bestehend aus 51 Personen, angekommen sind. Das Lakal-Comite hat für das Notwendigste bei ihrem Empfange gesorgt. Sie werden bald in der Lage sein, für ihren Unterhalt selbst zu sorgen. Philadelphia. In Philadelphia soll demnächst eine Versammlung stattfinden, die ein Amendement für die Constitution, wonach die christliche Religion in den Vereinigten Staaten als Staatsreligion anerkannt werden soll, Vorschlägen will. Wie die schon vor Jahren in dieser Angelegenheit gemachten Schritte zu Nichts führten, wird auch die jetzige Agitation an dem gesunden Sinne der Regierung und der Bürger scheitern. (Jew. Meff.) Washington. In einem Gespräche mit Senator Sumner theilte Recorder Wolf (Israelit) demselben mit, daß der von den Israeliten freiwillig ausgebrachte Gehalt des Herrn Peixotto, Consul in Rumänien, 15,000 Dollar jährlich beträgt. Herr Sumner war darüber sehr erstaunt und bemerkte, daß er noch nie ein Volk gesehen, das so zusammenhätt, wie die Juden. (Jew. Meff.) Aus Jamaica erfahren wir, daß der General- Gouverneur dieser Insel unserem GlaubenSgenoffen Robert N u n e s in Falmouth einen Sitz im Gesetzgebenden Rathe angeboten hat. Herr NuneS hat diesen wichtigen und verantwortlichen Posten angenommen. Die „Falmouth-Post" sprach sich über ihn sehr anerkennend aus.