Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 6 (8.2.1871)
- Date
- 1871-02-08
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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104 Unkosten Hs Porto, Drucksachen, Bote u. s. w. nur Ct.-M. 9(7 3 Sch. verausgabt waren. Für 1871 waren 33 Unterstützungsgesuche eingegangen, von denen 28 berücksichtigt werden konnten, zum Gesammtbechage von Ct.-M. 2100, wovon Ct.-M. 800. lebenslänglich. (Reform.) Frankfurt a M. Man schreibt der „Frkft. Ztg." aus Stuttgart, 25. Januar: „Die Kreuzzeitung" brachte unlängst die Notiz, der Sekretär Jules Favres sei ein Süddeutscher und die französische Negierung unterhalte durch diesen Beziehungen zu den süddeutschen Demokraten. Diese Denunciation mag sich darauf stützen, daß der älteste Sohn eines angesehenen hiesigen israelitischen Kaufmanns, seit Zähren in Paris als Advokat angesessen und naturalisirter Franzose, vor einiger Zeit im Aufträge der Regierung für nationale Verteidigung Paris per Ballon verließ, um in London für das französische Anlehen thätig zu sein. Weder er selbst noch sein Vater stand jemals in entferntesten Beziehungen zur süddeutschen Demokratie, der Letztere folgt vielmehr einer der demokratischen entgegengesetzten politischen Richtung. Die Verdächtigung der „Kreuzzeitung" jedoch, der wohl noch andere direkte politische Mittheilungen von Berlin hierher folgten, blieb nicht ohne Wirkung. Vorgestern wurde der Vater des „Sekretärs von Jules Favre" mit seiner ganzen Familie (Frau, Kinder und sämmtliches Dienstpersonen verhaftet und seine Prioatwohnung wie seine Geschästslokalitäten der genauesten Durchsuchung unterworfen. Es durchflogen die Stadt sofort Gerüchte aller Art von landesverrätherischen Korrespondenzen, Versorgung der französischen Kriegsgefangenen mit Dolchen und Revolvern, Lieferung von Waffen nach Bordeaux u. s. w. Unseren Schnüffelpatrioten war jedoch zu ihrem lebhaften Bedauern nicht lange vergönnt, in solche beliebten Schauergeschichten und Ausmeffung der verdienten Strafe für den Landesverräther zu schwelgen. Heute schon wurden sämmtliche Verhaftete wieder entlassen, nachdem die Untersuchung nicht nur keinerlei Anhalt für irgendwelche ungesetzliche oder polizeiwidrige Handlungsweise, sondern vielmehr die vollständige Grundlosigkeit aller erhobenen Bezichte ergeben hatte. Rodenberg, 22. Jan. Leider hat schon wieder die Kriegsfurie in unserer nicht sehr großen Gemeinde ihr Opfer gefordert, das dritte in diesem so schrecklichen Kriege. Ein Sohn des Kaufmanns S. Adler zu Hohnhorst, welcher die Belagerang von Metz, sowie so viele andere Schlachten und Gefechte glücklich mit durchgemacht hatte, erkrankte an der Gelbsucht in Mvziöres. Die Eltern, von dem gefährlichen Zustande ihres Sohnes durch den Arzt benachrichtigt, entschlossen sich, einen andern Sohn auf den KriegSl sch au platz zu senden, und als Letzterer ankaru, war der kranke Bruder schon Nachmittags zuvor seinen Leiden erlegen und hatte somit die Ankunft seines so sehnsuchtsvoll erwarteten Bruders nicht mehr erleben sollen. Auch in Rothenburg a. F. haben wir ein Opfer dieses Krieges zu beklagen. Der einzige Sohn des Kaufmanns Baruch Flörsheim daselbst, der als einjährig Freiwilliger ins preußische Heer eintrat, erkrankte in Chalons am Typhus und ist trotz aller angewandten ärztlichen Hilfe und trotz der Fürsorge seines tiefbetrübten Vaters, der eine geraume Zeit am Krankenbette seines einzigen Sohnes verbrachte, dieser bösartigen Krankheit zum Opfer gefallen. Wir aber wollen zu Gott dem Herrn flehen, daß er uns bald wieder die Segnungen des Friedens genießen lasse; daß er bald wieder zurückführe den Vater in die Arme seiner lieben Frau und Kinder, den Sohn gesund und wohl in die Räume seines elterlichen Hauses, und daß er spreche zum Engel des Todes: *pp *pn, ziehe nun zurück deine Hand — denn es ist genug ob dieses schrecklichen Blutvergießens. Das gebe Gott! Zum Schluffe noch möchten wir, zum Beweise, daß unsere Glaubensgenossen in Frankreich nicht überall sich gehässig gegen unsere deutschen Brüder zeigen, wie es in verschiedenen Zeitungen hieß, das eine Factum berichten. Während der Krankheit des jungen Flörsheim haben die Israeliten von Chalons alles nur Mögliche aufgeboten, um ihm beizustehen. Die dortigen Gemeindemitglieder besuchten den Kranken oftmals, ebenso der dortige würdige Rabbiner, Herr Alexandre. Joseph Oppenheim, Lehrer. Oesterreichisch-Ungarifche Monarchie. Gr Wien 2*. Jan. Der diesjährige opd im Beth Hamidrasch Ez Chajim wurde bei recht zahlreicher Betheiligung der Mitglieder in erhebendster Weise gefeiert. Eine Abtheilung, die dreimal in der Woche von 9 bis 12 Uhr Nachts eingehend eine Maßechta durchnimmt, beschloß nach zweijährigem recht fleißigem und anregendem Studium eine Beschlußfeier für Maßechet Cholin zu veranstalten. Nach dem . Maarib- Gebet versammelten sich circa 100 Personen in der Wohnung des Herrn David Pollak, in dessen Hause die Schiff-Synagoge und das Beth Hamidrasch sich befinden, wo Herr Rabbiner Sal. Spitzer in recht passender Weise den Schluß des Talmudtractatö mit dem Anfang der andern Maßechet Baba Kama verband. Nach Verrichtung der üblichen Gebete begab man sich in das hell erleuchtete Beth Hamidrasch, wo man sich in recht gemüthlicher Weise geistig unterhielt, aber auch durch die Festmahlzeit dem irdischen Genüsse Rechnung trug. Zur Erhebung der Anwesenden trug