Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 5 (1.2.1871)
- Date
- 1871-02-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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XII.Jayrgang. Extra - Beilage zu Nr. 5 des Israelit. M«kk»log.l 9ttäit$ett, Montag, den 16. Januar 1871. Ein Leichenzug, wie ihn die hiesige israelitische Gemeinde noch selten, vielleicht noch nie gesehen hat, bewegte sich gestern Nachmittag vom Mittelpunkte der Stadt, nach dem jüdischen Friedhofe. Eine unabsehbare Menge gab den irdischen Resten ihres hochgeschätzten Mitbürgers, des Herrn Elias Landauer, das letzte Ehrengeleite, und alt oder jung, hoch und niedrig, Männer aus allen Ständen gingen so tiefergrifsen und ernstblickend einher, daß man's wohl merken konnte, sie fühlten, wie schwer und unersetzlich der Verlust dieses an Tugend und seltener Frömmigkeit nicht minder reichen, wie an irdischen Glücksgütern gesegneten Glaubensbruders sei. Freitag Abend, nachdem er wie gewöhnlich dem Gottesdienste in seiner Haussynagoge andächtig beiwohnte, dann im trautm Kreise seiner zahlreichen Familie das Sabbatmahl eingenommen und noch in die schönen Weisen der Semirath-Melodien eingestimmt hatte, frisch und wöhlgemuth wie immer, überraschte ihn plötzlich der Tod, raffte den herrlichen Mann in noch nicht vollendetem fünfzigsten Lebensjahre — am 4. Oktober 1821 erblickte er das Licht der Welt — urplötzlich dahin. — Ich will es unterlassen den unsäglichen Jammer zu schildern, den dieses tragische Ereigniß im Hause des Verstorbenen verursachte, wie da ein Weinen und Schluchzen vernommen wurde, das den Kräftigsten erschüttern mußte, — an das Unvergängliche will ich mich halten und das Andenken eines Gerechten in Israel ehren, das nicht nur dem engen Kreise der Familie, sondern der Nachwelt überhaupt und ganz besonderdem Judeuthum im Allgemeinen angehört. Der edle Verblichen^, jüngster Sohn des wegen seines großen Reichthums und seiner noch größeren Frömmigkeit in ganz Bayern rennomirten Raphael Landauer in Hürden, zog von da, vor kaum zehn Jahren hierher, theilö um seinen Kindern eine wissenschaftliche Erziehung geben zu können, theilö um seine praktischen Geschäftskenntniffe besser zu verwer. then. Gewiß Über hat ihn bei'seinem Umzüge auch der edle Gedanke geleitet, daß sich ihm in derResidenzstadt ungleich mchr Getegrnheit darbieten werde u dem Großen und Allgemeinen zu nützen, als in dem ländlichen kleinen ■ Aufenthaltsorte., Seine Motive habey sich sämmtlich glanzend bewährt. Bald wurde er der Mittelpunkt für alle wahrhaft religiösen und wohlthätigen Bestrebungen, der Freund und Berather der Armen und Dürftigen, der Mecän der gelehrten und wiffensreichen In- und Ausländer. In seinem Hause war patriachalische Gastlichkeit, sein Tisch jahrein und jahraus üppig umgeben von reisenden Scholaren aus Polen und Rußland und den Honoratortat der palästinensischen und occidentalen Petenten. Herr Rabbiner Aub hat in seiner trefflichen des größten Eindruck« nicht entbehrenden Leichenrede mit Recht darauf hingewiesen, daß die drei Säulen das Judeuthum: min, miay und OHDn n>rn alle Zeit eine Stätte in dem Leben des Betrauerten gefunden habe, daß er keinen Tag in seinem geschästsreichen Berufe ohne Thora- Studium dahingehen ließ, eine eigens eingerichtete Synagoge in seinem Hause unterhielt, um täglich mit M'en "zu "köllnen, und daß er sich nicht nur durch streng religiöses Leben sondern auch durch eine unbegränzte hochsinnige Wohlthätigkeitsliebe auözeichnete. Was die letztere betrifft, so ist es zur Genüge betraut, wie ihm sowohl das inon jno als auch das min p’inc höchstes Bestreben war. Und dabei wie anspruchslos und bescheiden im persönlichen und socialen Verkehr, wie genügsam und schlicht trotz der bedeutenden Mittel, die chm zur Verfügung standen l Mit so aufrichtiger Begeisterung er auch die kleinsten religiösen Vorschriften ausübte, von deren göttlichen Ursprung er durchdrungen war, so fern blieb er von jedem ZelottSmus, von jeder Verketzerung Andersgesinnter. Trostlos bliebe seine Verlust für seine Verehrer und die ganze Gemeinde, wenn das leuchtende Panier, das er durch sein thatenreicheS Leben errichtet, mit seinem Dahinscheiden dem Einsturze preisgegeben wäre. Aber er hatte für dessen Bestand wohl Sorge getragen. inn« irp3 m i»a n« mr jyob wyn» n .üstPDi npu* nivpd 'n tti no«n