Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 3 (18.1.1871)
- Date
- 1871-01-18
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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49 daß füglich doch die Herren Federfuchser, wie der alte Blücher sie nennt, das letzte Wort zu reden haben rc. rc. Wie dem auch sei, soviel steht fest, wer sich mit der einen der beiden Rivalinnen vertraut gemacht hat, wird es mit der anderen nicht weit bringen; und nur um zu diesem Resultat zu kommen, habe ich diese ganz Einleitung vorangeschickt. Die Leser des „Israelit," werden demzufolge gefällige Nachsicht üben müssen, wenn einem schriststellernden Soldaten die Feder manchmal aus bloßer Rache den Dienst versagen sollte, weil ihr bisheriger treuer Freund sich ihrer Nebenbuhlerin in die Arme geworfen hat. So mundgerecht diese oaxtatio bsnsvoleotias auch scheint, so wenig wird sie mein Corpora! gelten lassen, obwohl oderj vielmehr weil er ihre Prämisse anerkennt: Wer sich mit der einen der beiden Rivalinnen vertraut gemacht, wird es mit der anderen nicht weit bringen. Doch dieser kümmert sich um die Erzeugnisse meiner Feder weniger als um die Handthierungen mit meiner Zündnadel; ich kann also ungenirt reden. Ich will zunächst meine jüngsten Erfahrungen und Betrachtungen über die jüdischen Verhältnisse meiner Garnisonsstadt zu schildern versuchen. Der denkende Leser überhebt mich wohl des Nachweises, wie eine solche Schilderung selbst in einem militärischen Briefe ihren Platz finden darf. Die Licht- und Schattenseiten unserer Stellung im socialen bürgerlichen Leben, stehen ohne Zweifel mit denen unseres militärischen Lebens in naher Beziehung, und gewiß dürfte auch eine richtige Würdigung beider, nicht ohne günstigen Einfluß auf unsere diesbezüglichen Zustände fein. — Eine Darstellung der hiesigen jüdischen Verhältnisse, glaube ich am besten durch die bekannte, geistreiche Erklärung des -inn in p 2"ki Pd i« ’iOT einzuleiten. Man braucht in dieser Bedingung, die unfern Weisen an das Erscheischeinen des Davidsprosies knüpfen, nicht das Auffallende zu erblicken, welches eine streng wörtliche Auffassung allerdings involvirt. Vielmehr wird die messianische Zeit, ganz wie die unfrige schuldfreie nnd schuldige Söhne und Töchter aufzuweisen haben, aber sie wird sich darin von der Vergangenheit unterscheiden, daß sämmtliche Charaktere so ausgeb'ildet und gestählt sein werden, daß jeder das, was er zu sein vorgibt, auch wirklich ist und zwar ganz ist; daß jedermann ganz 'tot oder ga 'z sein wird. Was nun — um auf unsere hiesigen Glaubensgenossen zurückzukommen — die große Zahl der betrifft, so gebührt ihnen das allerdings zweifelhafte Compliment, daß sie, indem sie ganze D'3”n sind, das ihrige redlich zur Herbeiführung der Messiaszeit beitragen. Aber unsere o'jot resp. diejenigen, die es sein wollen, doch sollen, erfüllen bei weitem das Resultat des 'Mi )b)J nicht; und so fällt das Thun und Lassen uuserer o'&o: um so bedeutsamer in die Wagschale, wenn man es mit dem unserer vergleicht. Mit den Letzteren hat diese Schilderung Nichts zu th in, um so mehr aber mit den Ersteren; und darin soll sich derjenige, der die Zündnadel handhabt, von dem der die Feder im jüdischen Dienste führt, unterscheiden. Während jener gegen seinen Feind unerbittlich zu Felde zieht, ihn zu schwächen und zu demüthigen sucht, hat dieser die Aufgabe sich auf die strengste Devensive zu beschränken, nur dahin zu wirken, daß seinen Gesinnungsgenossen die Möglichkeit gewahrt bleibe, sich als solche zu erhalten, und höchstens zu diesem Zwecke muthwillige Angriffe entschieden zurückzuweisen, sonst aber den Gegner vollständig zu ignvriren. Diese Taktik hat schon der erste Gotteskämpfer angewandt, als er mit seinem brüderlichen Erbfeinde, mit Esaw zusammenstoßen sollte. Dreifach bereitete sich Jakob für dieses gefürchtete Rencontre vor, erzählt unsere Tradition, unter Anderem rüstete er sich auch zum Kampfe; denn so heißt es ja rir^-P -»Nt£nn runon rrm. Rur der tiefe Kennerblick unserer Weisen konnte in diese« Worten eine Andeutung und Charakterisirung des Kampfes erblicken, den unser Erzvater hier gekämpft, während eine oberflächliche Betrachtung in diesen Worten Alles, nur keine Kriegsrüstung erblickt. Schützen und retten wollte Vater Jakob, was noch zu retten und zu sichern war, was die sich so glänzend entfaltende Macht des sinnlichen Bruders noch nicht geblendet und corrumpirt hatte. Diese strengste Defensive, die in dem niPsb -«wan mnon rrm ausgesprochen ist, zeichnet den Kampf, zu dem sich Vater Jakob rüstete, zeichnet'Zie Kampfesweise, die seine Erben anwenden und durchkämpfen sollen wenn der eigene Bruder sich am heiligen Jakobserben versündigt, und uns für diese Versündigung, durch äußeren Glanz und nichtigen Flitter, durch Orgelpfeifen und Reformrabbinen zu gewinnen sucht. Möchten und mögen die vorauseilenden Esel und Eselinnen, die Rinder und Schafe, dem fanatistrten Bruder immerhin zur Beute fallen, wenn nur der echte, rechte Kern, gerettet werden kann, dann ist der Sieg unser, "iNtwn runon mm ntPe1?. — Nach diesen Prämissen, sollen in meinem nächsten Briefe unsere D'xj; Revue passiren. Aus gtSurieit*’ Advocalenleöen. Im Jahre 1828 machte Cremieux — 30. April 1796 zu Nimes geboren — seine erste Reise nach Paris. Im Postwagen von Lyon trifft er während seiner Fahrt mit einem Manne zusammen, der einen Ehescheidungsprozeß in der Hauptstadt des Rhone- Departementö schweben hat und der ihm seine Befürchtungen über die von ihm zu führende Sache