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Der Israelit · 1870-12-28 · Heft 52 (28.12.1870) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 52 (28.12.1870)
Date
1870-12-28
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XI, Jahrgang. Extra-Beilage z« Nr. 52 des Israelit. Mainz, 27. Dezember. Während die dieswöchentliche Nummer sich bereits unter der Presse befindet, erhalten wir das nachstehende Telegramm: Amsterdam, 26. Dezember, Abends 5 Uhr. Wir erhalten soeben die allertraurigsten Nachrichten von Jerusalem, Nachdem der zu Anfang der Regenzeit erfolgte Regen die besten Aussichten eröffnet hatte, hat derselbe schon seit zweiundvierzig Tagen gänzlich aufgehört, und um das Maaß des Unglücks voll zu machen, kamen die vielgesürchteten, saalverzehrenden Heuschrecken hinzu. Das Elend ist schrecklich, die Theuerung der nothrvendigsten Lebensmittel derart, daß angesehene Männer mit ihren Familien dem Hungertodte entgegengehen. Sämmtliche Gemeinden des heiligen Landes vereinigten sich daher zur Entsendung eines Sendboten nach Deutschland, um das Mitleid unserer Glaubensbruder zu erwecken. Dies können wir nun, ungeachtet der außergewöhnlichen schrecklichen Lage und wiewohl uns der Erwählte als ein sehr würdiger Mann bekannt ist, nicht approbiren, bitten Sie jedoch inständigst, in der dieswöchentlichen Nummer des „Israelit" dieses Telegramm abdrucken zu lassen und die dringende Bitte hinzuzufügen, daß unsere wohlchätigen Brüder und L-chwestern durch baldige reichliche Spenden uns die Unterstützung der Darbenden ermöglichen. Die PeKidim und Amarkalim für die Armen des heiligen Landes refidirend )u Amsterdam: Im Aufträge, der Präsident: Akiba Lehre«. Wir haben dem vorstehenden Telegramm noch einige Worte der Erklärung in Bezug auf die projektirte Absendung eines Sendboten hinzuzufügen. In früheren Zeiten wurden die Spenden für die Armen des heiligen Landes stets durch von Palästina aus abgesandte Sendboten eingesammelt. Ein solcher bekam freie Zehrung aus den «L-ammelgeldern und ein Drittheil des eingegangenen Betrages für seine Mühe. Unsere Leser werden daraus leichtlich den Schluß ziehen, daß von dem Gelde sehr wenig an die Dürftigen kam, selbst wenn Alles in Ordnung zuging; aber dies geschah nicht, konnte schon deßhalb nicht geschehen, weil dadurch dem Betrüge Thür und Thor geöffnet war. Falsche Papiere sind leichtlich sabricirt, und oftmals zogen gänzlich Unberufene oder gar als Orientalen verkleidete Betrüger umher und zogen die Sammelgelber ein, um sie für sich zu verwenden, zu vergeuden und zu verprassen. Diese Zustände und die dadurch gesteigerte Noth der Armen des heiligen Landes gingen dem edlen, frommen Rabbi Hirsch Lehren v"p"i"L"r in Amsterdam zu Herzen; er organisirte das diesbezügliche Unterstützungswesen, gründete das Eentraleomit« zu Amsterdam, an dessen Spitze heute sein Bruder und Schwiegersohn Rabbi Akiba Lehren stehr, reiste selbst umher und setzte aller Orten Gabbaim ein, während die Gemeinden des heiligen Landes desiniriv und für immer auf die Entsendung von Sendboten verzichten mußten. — Was das Eentralcomire seit vielen Jahrzehnlen Großes gewirkt — die Welt weiß es; aber eben deßhalb darf die einmal eingeführte Regel keine Ausnahme erdulden. Gar bald würden wieder Betrüger auftauchen und sich für Sendboten ausgeben. ^Abex abgesehen davon ist es auch jetzt, da der „Israelit" seit länger als eineni Jahrzehent das Mittel der allergrößten Oeffentlichkeit und Verbreitung darbietet, durchaus nicht n o t h w e n d i g, mit großen Kosten Sendboten, die am Ende doch nicht viel ausrichten würden, zu entsenden. Viele Monate würden darüber vergehen, bis dieselben überall hinkommen und sammeln könnten, und unterdessen würden die Darbenden verhungern. Der Gedanke, der unsere Brüder in Palästina zu diesem Entschlüsse veranlaßte war wohl der, daß eben in gegewärtiger trauriger Kriegszeit das mündliche Work, die ju Herzen gehende persönliche Schilderung des Elends notwendig sei, um die bereits durch tausend Dinge in Anspruch genommene Wohlthätigkeit auch hierfür rege zu machen. Zeigen wir jedoch unfern unglücklichen Brüdern im heiligen Lande der Väter, daß wir trotz Allem, des jedem Israeliten so theueren Bodens und seiner nothleidenden isrealit. Bewohner nicht vergessen haben. Spenden wir, sammeln wir, retten wir die vom schrecklichen Hungertode Bedrohten! Wir sind, wie immer, gern bereit, die Gaben entgegenzunehmen, in diesen Blättern zu veröffentlichen und sie schleunigst nach Amsterdam zu befördern. Auch die Spendenlisten anderer Sammler, welche ihre Gaben direkt nach Amsterdam senden, wollen wir gern veröffentlichen. Zum Schluffe wollen wir die geehrten Leser noch bitten, dafür Sorge zu ttagen, daß das obenstehende Telegramm des Amsterdamer Centtalvereins wenigstens seinem Inhalte nach in die Zeitungen ihrer Wohnotte zugleich mit der Aufforderung, Sammlungen zu veranstalten, ausgenommen werde, damit die Kuräe von jenem

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