Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 39 (28.9.1870)
- Date
- 1870-09-28
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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740 Rekapitulation der Procentsätze der Frequenz Mischer Schüler auf den höheren Lehranstalten des Preußischen Staates im Vergleich mit-den ungefähren Prorentsätzrn -er Mischen Bevölkerung*). Provinzen. Procentzahl, der Frequenz. Ungefähre Procentzahl der jüdischen Bevölkerung. 1. Preußen. 7,66 2,02 2. Brandenburg. 9,81 1,79 3. Pommern. 7,13 1,88 4. Schlesien. 14,39 1,74 5. Posen. 21,72 4,52 6. Sachsen. 2,13 0,56 7. Westphalen. 4,92 1,09 8. Rheinpr. u. Hohenzollern 4,22 1,28 9. Schleswig-Holstein. 1,36 0,52 10. Hannover. 3,46 0,76 11. Hessen-Nassau. 12,81 2,94 Hauptsunune 8,36 1,69 (Fortsetzung folgt.) Gorrespondenzen. Ararrkfttrt a. M, im August. In diesen Tagen ist die Menschheit und die Wissenschaft um einen ihrer besten Männer ärmer geworden. Lazar Geiger, Sohn des durch seine talmudische Gelehrsamkeit und sein die jüdische Lithurgie behandelndes Werk: rvcbv r6np, berühmten Rabbi Salomo Geiger, hat in seinem 41. Lebensjahre das Zeitliche gesegnet. Welche eine Geistesfülle ist mit diesem nur der Wissenschaft lebenden Manne zu Grabe getragen worden! Er hatte sich den sprachvergleichenden Studien gewidmet, und hat auf diesem Gebiete Glänzen- *) Wir macken hier wiederholt darauf aufmerksam, daß wir die Procentsätze der jüdischen Bevölkerung etwas zu doch ansetzen mußten, weil bte Zahl derselben sich nur durch Abzug oer katholischen und protestantischen Bevölkerung von der Hauptfumme, die aber auch zugleich die Anzahl der Disfftwrtnt enthält, festftellen ließ. des geleistet. Seine Forschungen stehen denen eines Steinthal und Lazarus rühmlichst zur Seite. Sei« vor zwei Jahren bei BrockhauS erschienener erster Theil eines größeren Werkes über Sprachentwicklung machte so großes Aufsehen, daß die Verlagsbuchhand^ lung sich genöthigt sah, für die gebildete Laienwelt, welche sich gern belehren will, ohne daß man derselben zumuthen könnte, dem Gange der streng wissenschaftlichen Deductionen zu folgen, eine Volksausgabe zu veranstalten. Als Vorbote für dieses größere Werk war einige Zeit vorher schon eine Abhandlung „lieber den Farbensinn bei den Alten/ erschienen, welche, als Vortrag bei der hier stattgefundenen Versammlung deutscher Naturforscher gehalten, schon ahnen ließ, welche großartige Denkresultate der Leser des größer« Werkes zu erwarten habe. Seine letzte von ihm veröffentlichte Arbeit war eine Abhandlung über den Unterricht in der deutschen Sprache, welche der Einladungsschrift zu den Prüfungen (April d. I.) der hiesigen jüdischen Realschule (Philanthropin), welcher er als Lehrer angehörte, vorangeschickt war. Da ist nichts, was er geschrieben, was nicht den großen Denker verriethe, und dabei war dieser Mann so bescheiden, daß man im Umgänge mit ihm den großen Mann vergessen hätte, wäre man nicht durch seine geistreichen Bemerkungen in der Unterhaltung wieder an denselben erinnert worden. Dabei hatte es aber auch die große Gelehrsamkeit nicht vermocht, ihn als Stubengelehrten im engsten Sinne des Worts in geselligen Zusammenkünften erscheinen zu lassen; dort war er der ftohe, heitere, und daher beliebte Gesellschafter, stets zu witzigen Schlagwörtern und erheiternden Bemerkungen bereit, der es verstand unter den Fröhlichen fröhlich zu sein. Was Allem aber die Krone aufsetzt: er war ein treuer Anhänger des Judenthums, es war ihm keine rabbinische Satzung zu gering, so daß er sich berechtigt geglaubt hätte, sich von derselben zu dispensiren. Möge Gott dem tiefgebeugten greisen, würdigen Elternpaare seinen Trost senden; möge dasselbe ihn finden in dem ehrenden Gedächtnisse, das der Verblichene bei der Mitwelt hinterlassen hat, in dem Bewußtsein, daß das Leben ihres Sohnes, wenn auch ein kurzes, doch ein reichhaltiges gewesen ist, deffen Verlust nicht allein von ihnen, sondern von Allen, die ihn gekannt haben, tief betrauert wird. Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann. — Verlag der Le Roux schen HofLuchhandlung. — Dmnpf-Schnellpreffndruck von I. Gottsleben in Raim.