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Der Israelit · 1870-09-21 · Heft 38 (21.9.1870) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 38 (21.9.1870)
Date
1870-09-21
Page
– (sequence 19)
Language
German
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719 zu nehmen. Unter den erschienenen Ehrengästen bemerkte man neben den Spitzen der städtischen Behörden und den Honorationeu der Stadt Generalgouverneur Vogel v. Falkenstein, Oberpräftdent Gras v. Stollberg u. A. Unter den obwaltenden Verhältnissen mußten von den projectirten glänzenden Festlichkeiten Abstand genommen und die Feier auf eine synagogale beschränkt werden. Dieselbe begann mit dem Abschiedsgottesdienst (Mincha) in der alten Synagoge, die zum letzten Male alle Gemindemitglieder zum Gebete vereinigte. Nach Absingung des pan j/idju vpi und Aushebung der Thorarollen aus der heiligen Lade sprach unser Herr Rabbiner einige herzliche Abschiedsworte, denen er den Text zu Grunde legte asm p’SD o min. Wie einst vom flammenden Sinai aus das Gotteswort in die Welt gedrungen zum Heil und Segen der Menschheit, so möge die Thora, um die Israel stch allezeit einmüthig geschaart, aus ihrer alten in die neue Stätte hinübergesührt werden, anregend zur Frömmigkeit und Tugend, zur Einheit und zum Frieden. Die Anwesenden begaben sich hierauf nach der gegenüber liegenden neuen Synagoge, wohin nun auch der Zug der Thoraträger zwischen einem von der Schuljugend und jungen Leuten gebildeten Spalier sich bewegte. Es gewährte einen erhebenden Anblick, als die überaus zahlreich Versammelten beim Sichtbarwerden der Thorarollen sich in lautloser ehrfurchtsvoller Stille erhoben und in dieser Stellung während eines großen Theiles der Feier verharrten; da waren so manche Greise, die vor 42 Zähren auch der Einweihung der alten Synagoge beigewohnt und nun von inniger Rührung ergriffen. Gott im Herzen für die Gnade dankten, daß Ke heute auf den Segenspruch a'02.m aiön das Amen sprechen konnten. Als der Zug stch am Eingänge zeigte, stimmte der Chor begleitet von Instrumentalmusik den PsalmverS «2.1 *jna an. Nach Absingung, resp. Recitirung einiger Psalmen unij dem Umzuge mit den n"D folgte die Festpredigt. Mit einem innigen Danke gegen Gort und die Gemeindemitglieder, durch deren reiche Spenden der großartige Bau möglich geworden, beginnend, knüpfte Herr Dr. Meyer air seinen am letzten natp gehaltenen Bortrage an, in de» er den zweiten Theil des damaligen Textes, die Worte nn« “jna seiner Rede zu Grunde legte. Nicht sei mit der Vollendung des Gotteshauses das Werk wirklich vollendet; es gelte nun das Gotteshaus, als solches zu begreifen und zu benutzen, es gelte dem todten Gestein Leben und Geist einzuhauchen. Die Synagoge solle den Besuchern zum Segen gereichen. Segen aber ergieße sich nur aus den Himmelshöhen, wenn wahrhafte, echte Liebe gegen Gott die Herzen der Beter erfülle, volle Liebe, wie sie Gott anbefohlen in dem Bibelworte *n n« nanNi rc. Gott indeß bedürfe seiner selbst willen unsere Liebe nicht, die wahre Liebe bethätige sich in dem Verhalten gegeu unsere Mitmenschen “poa nanai Israel habe stets die Liebe bewahrt, auch gegen Andersgläubige getreu dem Gottesworte -on n« nanw, und wenn man von der andren Seite uns nicht immer mit gleichen Gefühlen entgegen kam und noch nicht entgegenkommt, so dürfen wir doch hoffen, daß in unserer erleuchteteten Zeit dieses Gotteswort recht bald von Allm bethätigt werde. Israel würde ewig festhalten an seinem Glauben, der für uns alleine die Wahrheit ist notei lan« Di'pffm. — Die genannten 4 Berse zieren die Kuppel der Synagoge. Der Redner schloß mit einem Gebet für König und Vaterland. Dai^p-Gebet bildete das Ende der Feier, die ihren Eindruck auf die Anwesenden nicht verfehlte. Frankreich. PariS. Viele französische Blätter sind voll des LobeS für Frau Mayer Cahen, (Wittwe) die stch freiwillig einem Sanitätseorps angeschlossen und dabei viel Geschicklichkeit in der Behandlung von Verwundeten zeigt. Ihr Mann war Arzt gewesen. Elsaß. Zabeln, „Le Soir* berichtet: Am 11. August war ein preußischer Soldat dem Tode nahe und verlangte nach einem Geistlichen. Man konnte Niefinden, der ihm den letzten Trost geben konnte, att einen Rabbiner. Amerika. Vtew -Nork. Anfangs August starb dahier Herr Myer Cristaler im Alter von 98 Jahren. Sein Bruder Lippmann., welcher 101 Jahre alt ist, entschuldigte seine Abwesenhett rom Begräbniß, weit er sich nicht wohl genug fühle, seinem jüngren Bruder die letzte Ehre zu erweisen. (Jew. Meff.) Baltimore. Einige zwanzig Mitglieder der Lloyd-Synagoge, in der seit 28Jahren nach orthodoxem Sinne Gottesdienst abgehalten wird, sind Nagend gegen den Vorstand aufgetreten, weil dieser einen ym in Function läßt, der nicht in gesetzlicher Weise gewählt worden und überhaupt darnach strebt, Reformen im Gottesdienste eknzuführen So entschieden wir dagegen sind, schreibt der „Jew. Meff.", daß jüdische Angelegnheiten vor den Richter kommen, so war doch kein anderes Mittel vorhanden, da sie Alles vorher aufgeboten, um ihr Recht auf friedliche Weise zu erhalten.

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