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Der Israelit · 1870-07-20 · Heft 29 (20.7.1870) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 29 (20.7.1870)
Date
1870-07-20
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XL Jahrgang. Beilage zu Rr. 29 des Israelit. Leitender Artikel. Literarischer Bericht. „Die Un st erblich keits lehre der Juden in Bibel und Talmud" behandelt vr. Lehmann Marx in einer Schrift, welche als Jnaugural - Dissertation der philosophischen Facultät zu Rostock vorlag, die wir aber für so wichtig und bedeutend halten, daß einmal eine Ausnahme von der Regel stattfinden darf und eine Schrift besprochen wird, die bis jetzt wenigstens nur einem engern Leserkreis bekannt ist. Das Volk der Griechen hat in dem Phaedon ein lautredendes Zeugniß für die Unsterblichkeit der Seele aus dem Munde Platon's, von welchem Moses Mendelssohn die historisch - anmuthige Form für eine deutsche Nachahmung entlehnte, wenn er auch den Inhalt desselben hauptsächlich aus der Philosophie des Cartesius und Leibniz schöpfte. In der vorliegenden Schrift tritt Ör. Marx für die Unsterblichkeitslehre auch bei den Juden ein, indem er zuerst alle gegen dieselben gemachten Einwürfe sorgfältig prüft, widerlegt und dann seine aus Bibel und Talmud geschöpfte Theorie aufstellt und dieselbe echt wissenschaftlich argumentirt. In ruhigem und gehaltenem Tone ist der Verfasser bestrebt gewesen, sein Material als harmonische Verbindung des werkthätigen Glaubens und der speculativen Philosophie zu benutzen und theoretisch zu verwerthen. (Magazin für die Literatur des Auslands.) JeLtrmgSnachrichten und Correfporrdenzen. Deutschland. EMainz, 15. Juli. Von dem von uns angekündigten jüdischen Blatte, das in Berlin in orthodoxem Sinne und Geiste edirt werden soll, sind bereits zwei Probenumrr.ern erschienen; doch heißt dasselbe nicht „Zion" wie der Prospect angab, sondern: „die jüdische Presse." Als Redacteure fungiren die Herren Provinzial-Rabbiner vr. Enoch zu Fulda, Dr. Karpeles und Dr. Holländer in Berli'n. Es ist dies seit einigen Jahren die fünfte jüdische Zeitschrift, die in Berlin das Licht der Welt erblickt. Das „BerlinerWochenblatt" unter der Redaetion von Lehfeld hat sein Geburtsjahr nicht überlebt; die „Gegenwart" unter der Redaction von Hirsch erreichte ein Alter von 13 Monaten; das jüdische Volksblatt" von Nathan Schlesinger wurde 41/2 Monate alt, und die „Berliner Zeitung" von vr. Sinai Nasch ör verschied in dem jugendlichen Alter von 5% Monaten. Diese Blätter jedoch standen, mit Ausnahme des erstgenannten, auf nicht echtjüdischem Standpunkt. Wünschen wir daher der „Jüdischen Presse" eine längere, eine recht lange Lebensdauer. Breslau, 4. Juli. Ein wahrhaft tragisches Geschick hat den heute beerdigten Kreisrichter Joseph Landsberger aus Trebnitz betroffen. Derselbe war seit mehr als 12 Jahren unbesoldeter Assessor (er gehörte der jüdischen Eonfession an); er genoß als solcher schon längerer Zeit das zweifelhafte Glück, der älteste Assessor in der Monarchie zu sein. Seine Anciennetät datirt vom 15. März 1858l Nach den bis vor kurzer Zeit bei den Appellationsgerichten und im Ministerium herrschenden Anschauungen sollte bekanntlich ein Jude nicht Richter werden. Dem Justizminister Leonhardt gebührt das Verdienst, demjenigen Verfassungsartikel, der den entgegengesetzten Grundsatz aufstellt, auch praktische Geltung verschafft zu haben. So wurde auch Landsberger endlich, nach zwölfjährigem Harren, während welcher Zeit er bei dem hiesigen Kreisgerichte thätig gewesen ist, vom 1. Juli c. ab zum Kreisrichter in Trebnitz ernannt, und am folgenden Tage war er tobt l (VolkSztg.) Oe sterreichifch-Ungarische Monarchie. Kräkair Man schreibt uns von hier unterm 8. d. M.: Die Lorbeeren der Lemberger Straßenjugend und ihrer Anführer, der sogenannten „Demokraten," lassen ihre Collegen und Freunde, d. i. die gleichgesinnte Straßenjugend in Krakau nicht ruhig schlafen. Auch in unserer sonst so ruhigen und höchst toleranten Stadt kam es zu Judenexcessen. Dieses spezifisch Lemberger Gewächs war bis jetzt hier unbekannt, scheint jedoch auf den Krakauer Boden durch eine Filiale der Lemberger Demokraten verpflanzt worden zu sein. Gestern Abends gelegentlich eines Feuerwerks, welches auf dem großen Felde „ Blonia" abgebrannt wurde, fielen die Handwerksburschen über die ruhig ihres Weges gehenden Israeliten her und begannen sie zu massakriren. Uebrigens waren die Krakauer „Demokraten" nicht sehr wählerisch. Jeder wurde geschlagen, der einen Bart trug, also auch mitunter ein Christ. Die christlichen Bürger Krakaus versuchten dem Treiben der Gassenjungen ein Ende zu machm, wurden jedoch selbst insultirt. Die Arrangeure der Exzesse

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