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Der Israelit · 1869-09-29 · Heft 39 (29.9.1869) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
10 (1869)
Issue
Heft 39 (29.9.1869)
Date
1869-09-29
Page
– (sequence 2)
Language
German
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750 sodann der greise Landsberger, zu dessen Füßen schon so viele nunmehrige Rabbiner gesessen, sei«n ehemaligen Schüler als seinen künftigen Gsllsgekk. Me es ihm durch des Höchsten Gnade vergönnt worden sei, an der Stelle, an welcher sein Vater 50 Jahre gewirkt, an der er selbst bereits 40 Jahre seines Lebens im Dienst unserer h. Lehre verbracht, nun seinen Schüler als stützenden Helferzur Seite zu haben, so möge auch diesem das Glück zu Theil werden, lange hier zu wirken und Großes in seinem Amte zu leisten und einst einen würdigem Nachfolger zu finden. Die darauffolgende Rede des H. Dr. H. war von so gewaltigem Eindrücke, daß alle Anwesenden ganz begeistert wurden und Viele diesen Tag zu den schönsten ihres Lebens rechneten! 'n mbnn ■vdik 't HDn 'av u'pd} -her« begann der Redner mit den Worten der müsn, indem er — zugleich der Anstalt für das in ihn gesetzte Vertrauen dankend — Gott pries für all' die Wohlthaten, die Er ihm erwiesen «nd ihn berufen an der Stütte, an welcher er vor 35 Jahren als Schüler geweilt, jetzt als Lehrer und zwar an der Seite seines verehrten Lehrers zu wirken, in einem Berufe, der einer der beiden Grundpfeiler des Judenthums sei. Die practische Bethätigung unserer h. Gesetze, wie des Sabbat, der Speise, der Keuschheitsgesetze rc müsse im Hause in der Familie st-tkfmden, die Anregung und Unterweisung dazu müsse aber im Lehrhasse gesucht werden. Das habe auch Israels großer Feind Bileam emgesehm^ besten Ausspruch 'nusffB npy* "ffnx nio nv Redner einer genauen Betrachtung unterwirft. Wie von so unterschiede sich von Jenes sei das Bvrübergehende, dieses das Bleibende. Auch Jpjr der Fersehaltende, bezeichne die verhältnrtzmLßig kurze Zeit, wo die Lüge und das Unrecht in der rohesten Gestalt und der brutalsten Gewalt der Wahrheit entgegen getreten sei. Jetzt sei die Zeit, wo wir als „Gotteskämpfet' gegen die in das Gewand der Wahvheit sich hüllende Lüge, gegen die NiveüirungSsucht k. anstreten müßten und die Mittel dazu gebe das Wissen. „Wissen ist Macht" sei im Judmthu« ein fefettttttf Gedanke gewesen r lange, lange, ehe man anderwärts damit als mit einem neuen Satze ausgetreten; dieser Macht habe er sich von jeher gebeugt, ihr zu dienen sei die Devise seines Lebens und freudig und bereitwillig stelle er sich zu diesem Zwecke den Versammelten wie jedem Einzelnen zur Verfügung. Freilich werde er nicht seine ganze Kraft dem D"n"a widmen können, er habe und zwar in fast noch größerem Maßstabe den Anforderungen der Gemeinde nachzukommen; doch strebe ja das Alles nach einem Ziele, und was auf der einen Seite gewonnen werde, käme auch der anderen zu Gate. Dies waren ungefähr die Gedanken der fast ein* ständigen Rede. Wenn wir sagen Gedanken, so ist das insofern unrichtig, als die Reden des H. Dr. H. aus fast lauter Gedanken bestehen und also ihrem ganzen Inhalte «ach wirdergegeben werden müßten. Wie jeder echt große Mann verachtet er allen äußern Schmuck, alles Prunken und Prangen mit schönen Redensarten; er will auch seine Zuhörer nicht zu Thräuen rühren!, sie nicht „erbauen;" belehren will er sie und durch den Verstand auf Hetz und Willen wirken. % Es folgten die D’&nu d»ö\ Berlin erhält da MS ein Ansehen, wie das nur eine Stadt von 30,000 jüdischen Seelen bieten kann. In 28 großen Synagogen und Locolen, abgesehen von den kleineren Betsälen ward Gottesdienst abgehalten, fast alle Läden sind an diesen Tagen geschlossen, aN der Börse findet nur wenig Geschäft statt, in der Nähe der Haupksynagoge wimmelt es wahrhaft von festlich gekleideten Männern und Frauen. So beklagenswerth hier auch sonst die Zustände sind, in diesen Tagen zeigt sich immer vn v'VNp d-r-»V'. — Die Adas-Jisroel hatte als interimistisches Betlokal das große ‘ivjtf » Auditorium benützt, das bis zum letzten Platz vo» Mitglie» dern der Gemeinde besetzt war. Die Predigten an diesen Tagen waren von so großer Wirkung, daß der Zudrang mit jedem neuen Male stärker ward und sich "das unabweisbare Bedürfniß herausstellte , in kürzester Zeit ein möglichst großes Local als Gemeindesynagoge zu beschaffen^ Am naw nnitf namentlich hatten sich so viele Hörer eingefunden, daß auch noch der zur Frauensynagoge bestimmte Räum von Männern eingenommen wurde und die Frauen in ein angrenzendes Gemach. sich zurückziehen mußten. Alle diese Reden auch nur in gedrängtester Kürze wiederzugeben, würde den Raum dieses gesch. Blattes zu sehr in Anspruch nehmen. Was besonders die Freunde einer gehaltvollen Rede, und es waren deren Viele da, außerordentlich erfreute, war der Umstand, daß unser Rabbiner, nicht, wie das andere Prediger so gerne thun, nach schönen Stellen aus Midrasch und Talmud suchte, sondern die paradoxesten und seltsamsten Stellen herausgriff und so meisterhaft erklärte, daß man nicht wußte, ob man mehr übev den Lesen Sinn» der darin verborgen liegt, oder über den Scharfsinn staunen solle, womit der Redner jentn herauszufinden weiß. Stellen wie: wer täglich 3 Mal am!? rbrm betet, ist desewigen Lebens sicher, oder: 7 Namen hat der jnn ->rr', oder woraus kann man schließen, dc^ Gott betet re rc. bekamen dadurch das Gepräge der großartigsten philosophischen Ansichten. — Unermüdliche Thätigkeit ist einer der Hauptvorzüge unseres Rabbiners. Nicht auf das Predigen allein beschränkte sich in der Spanne, Zeit seines Hierseins ferne Wirksamkeit. Abgesehen von kürzeren halachischen Disputationen, die an den Nachmittagen der genannten Tage stattfänden und die in größerem

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