Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 10 (1869)
- Issue
- Heft 32 (11.8.1869)
- Date
- 1869-08-11
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Extra-Beilage z« Nr. 32 des ''' mim ■ i . i i p » —r<iJi«-" 1 —' 1 Mi iui i■ Aur Aufklärung und Vertheidigung unseres „ erneuten Nothrufs." Wie theilnehmende und wohlwollende Männer dem Unterzeichneten berichten, so haben zwei Zeitungen, -die eine in Wien, die andere in München an unfern -erneuten Nothruf Besprechungen geknüpft, denen gegenüber wir unmöglich stillschweigen dürfen. Das Wiener Blatt verfährt ncch einigermaßen glimpflich, rS anerkennt, die große Noch der Israeliten in Westrußl., über die erzählten Facta sind ihm einfach erflogen. Das Münchener Blatt meint gar, daß durch diesen Aufruf „Münchhausen noch übertroffen" und chas Ganze ein Erfindung des Münchener Volksboten sei, um gegen Preußen zu agitiren. Wir kennen die Tendenz dieser Blätter nicht — wer kennt heutMage all die volllumpige Maculotur obscurer Scribler — »können aber mit annähernder Sicherheit bestimmen, wes Geistes Kinder sie sind. Der Unterzeichnete ist zwar nur ein jüdischer Prediger, glaubt aber doch immerhin einigen Glauben zu. verdienen, wenn er auch nicht dem Principe huldigt, daß der Zweck die Mittel .heilige. Hier sind die Quellen die. aus denen Facta unseres Aufrufs geschöpft sind. Anfangs Juni dieses Jahres erhielten wir einen Brief in deutscher Sprache und Schrift. — Die Briefe, «reiche wir aus den circa 200 Städten unsei'l^.UnterstütznngskreiseS-empfangen, find nämlich fast sämmtlich in hebr. Sprache und Schrift — aus Cchaulcn, einer littauisch-preußischen Kreisstadt, woraus ich die diesbezügliche Stelle keinen Buchstaben verändernd hier hersetzen will: „Wie daö in Ihrem zweiten Rechenschaftsberichte geschilderte Elend, wovon das Städtchen Dorbian heimgesucht worden ist, Mark und Bein zu erschüttern! vermag, nicht minder muß man über die Größe des Jammers wehklagen, die hier zu sehen man oft Ge- < legenhrit hatte. Wir führen bloß ein paar Fälle zur Bestätigung des Gesagten an. 1. Eine Familienwuiter im Flecken Purwine drei Werste von der Stadt verließ kaum ihr:Krankenlager, worauf Entbehrungen aller Art sie niederwarf, als sie das Wimmern ihrer verschmachtenden Kinder, die seit vielen Tagen keinen Bissen Brod kosteten, hörte, schnitt sich um ihren Leiden ein Ende zu machen, mit einem Messer die Gurgel ab. >2. Eine andere Frau, ebenfalls als Qpfer dem Hunger erliegend, zog auf sich den Verdacht -im Besitze gewisser Güter zu sein, indem sie während ihrer Krankheit einen Gegenstand den Augen ihrer Nm- , gebung zu verbergen ^suchte; nach ihrem Verscheiden : wurde ihr trauriger Nachlaß von den Insaß rm der j Hütte untersucht und es fand sich wirklich Lin Schatz, , der aber o Jammer! nur aus einem Stücke verMpr- > metten Brodes bestand. — Und auch dieses sühHe fast blutige Kampfe..herbei, denn Zeder wMte feinen! Antheil an dem Funde.haben.— | Viele Familienväter, brave ^Handwerker ..kämpstyi > so lange sie noch von ihrer Habsptzgksiten zu yerpM-! den hatten, mit der hereinbrechenden Roth; als Wch s die sich erschöpften, -Men sie, zum Bettän pvfqW, sämmtli.ch einem sichern Untergänge en^gcgcn, jp | der Hungertyphus ihnen willig die Hand hpt. - Da erschien uns in dieser trüben Zeit .des.Dpaugi/a!s, wie eine leuchtende Sonne, die Msidch-tiMt ' unser es Gouverneurs zu Kowno. deshrnnaum hpchhpr-! zigen Fürsten Qbelensky, der die Idee.Ms Wen rief, in allen Städten des Gouvernements UnterstßtznWS- Comitss zu errichten." — j Ein Brief dieses UnterslützungscomiLös,.ullterschyik- | ben von vier der trefflichsten Männer, nicht ,nur. hier! Stadt Schauleu. sondern des .ganzen Kreises sie.h/fi-! ßen L. M. Effrath, L. Iochelsohn, I. A. Kopetansky, L- ' Mandel — und untersiegelt mit ihrem eigeythümsichim Comitssiegel ist es, welchem obige Stelle entnommen. Mir ließ das angeführte Schreiben keine Ruhe. Ich forschte und frug bei Allen, welche aus dieser Gegend kamen noch "diesen Vorkommnissen und bei dem reichen Verkehr unserer Stadt mit diesen Gegenden , bei der.großen Sensation, welche diese beiden Fälle her vorgerufen, hatte ich nicht lange zu forschen und zu irggen, ich kannte bald alle Einzelvheuen derselben, wonach die Facta sich ganz so gestatteten, ysie der Aufruf sie darstellt. Den Totster Fall haben mir zwei Fuhrleute von daher, zwei hier allgemein geachtue unter dem Namen „die Telschener Fischer" > bekannte Männer erzählt und es ist kein Grund vvr-! Händen, weder ihrerseits mir ein Mährchen auszuhin-! den, noch meinerseits ihrer.arglosen t^rzählusig zu i mißtrauen.! Ein Jeder, besonders .aber wir, die wir den Cflll-! salzusammenhang solcher Vorkommnisse mit der,Mt-! schlichen Noch unter den westrussischen ZSraelsten, welche dort die vorherrschende Bevölkerrmg ausmachrn, genau kennen, waren dieselben auch nicht einen Augenblick in Zweifel zu schm versucht. >. Ganz anders verhält eS sich aber mit einem wohlgenährten Münchener oder Wiener, cher,pjelle.icht zum Frühstück ein Hähnerl, zu Mittag ein Ganserl und zu Abend ein Enterl mit der entsprechenden Quantität echten HofbräueS verschluckt. Die befinden sich ganz in der Lage jenes