Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 30 (22.7.1868)
- Date
- 1868-07-22
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2447343-2447372--06338-2461888- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
574 100 L. (1200 ft.) zam Ankauf eines paffenden Platzes i und gab ihnen zugleich das feste Versprechen, bei seinen Glaubensgenossen in England und andern Ländern die nöthige Summe zum Bau zu sammeln. (Hamagid.) Feuilleton. Iren. Zion, ach Du heiliger Gotteshügel Salems Stolz und Isra'ls Ruhm und Preis! Traurig blickst Du in den Aetherspiegel, Einsam stehst Du in dem weiten Kreis; Ach, verstummt sind Deine Klagetöne, Lautlos stehst Du da, in Flor gehüllt, Kannst Du je vergessen deiner Söhne Die um Dich der bitt're Schmerz erfüllt? Zion, hast Du aufgehört zu trauern Schon um das gefallene Gottesreich, Um des Tempels thurmbeschwingte Mauern, Die der Feind gemacht der Erde gleich? Hast Du aufgehört schon ganz zu klagen Um Dein glanz erfülltes Heiligthum, Um die Herrlichkeit aus frühern Tagen, Die Dein einziger Stolz war und Dein Ruhm? Hat die Zeit geheilt schon Deine Wunden Und getrocknet Deiner Zähren Fluth, Hast Du endlich Ruhe nun gefunden. Ist schon ganz getilgt der Feinde Brut? Hat man nachgelassen, Dich zu schänden, Ueberwirft man Dich nicht mehr mit Spott, Ist erlöst Dein Volk an allen Enden, Hat gesühnt schon Deine Sünden Gott? Wo sind Deine gottdurchdrung'nen Sänger, Die so rührend Dein Geschick beweint, Die sich, trotz der Schaaren wilder Dränger, Doch im Klagelied mit Dir vereint; Die zur Trauer stimmten Deine Harfen, Deren Lyra hauchte Wehmuth aus, Dir in Deinen Staub sich niederwarfen, Wo gestanden einst das Gotteshaus? Jetzt verstummt sind Deine Elegieen, Kein Laut schwingt aus sich auf des Liedes Flug, Nicht empfindet Deiner Sehnsucht Glühen, Der Dich sonst so warm im Herzen trug! Unsre Thränen sind zu Eis gefroren, Weil vergebens wir auf Dich geharrt, Alles hält Dich fast schon für verloren, Ewig schon zum Leichenstein erstarrt! Doch wie, sollten die Propheten lügen, Die im Geiste Deine Zukunft sah'n, Die mit großen, himmelsklaren Zügen Ausgezeichnet Deine große Bahn; Die mit allen Farben ausgemalet i Deine Herrlichkeit und Deine Pracht, Wann der Lohn wird werden ausgezahlet Und das Todtenreich wird sein erwacht?! Und Dein Schicksal hat sich wohl bewähret In der Zeiten sturmbewegtem Laus, Alles, was sie über Dich gelehret, Stieg in des Geschickes Waage aus! Darum hegen Hoffnung wir, Vertrauen, Daß gebüßt wird sein nun Deine Schuld, Hast Du kühn geschaut in Nacht und Grauen, Wird nicht fesseln Dich der Völker Huld! Dann unendlich groß wirst Du uns werden, Wie es Dir verheißen worden ist, Herrlich groß wie nichts bis jetzt aus Erden, Bis Du ganz gesühnet worden bist. Doch bezweifeln Viele Deiner Kinder Dieses, ach, zu ihrer eignen Schmach, Geben preis Dich Deinem Ueberwinder, Halten längst Dich schon für todesschwach. Deine Jungen, die sich geistlich kleiden, Tragen, ach, die Schuld an dem Verrath, Die wie Bil'am frech und unbescheiden Streuen aus des Abfalls gift'ge Saat; Der Propheten Zukunftkündigungen Geben gleißnerische Deutung sie Mit beredten salbungsvollen Zungen; — Doch vergeblich bleibet ihre Müh'! — Nein, o Zion, noch nicht abgestorben, Nur vom Schlummer bist Du noch gebannt, Ewig haben wir Dich uns erworben, Ewig lebst Du uns im heil'gen Land, Ist der Freiheitsruf auch jetzt erklungen, Isra'ls Duldung auf dem Erdenrund, Hat Dein Volk sich jetzt emporgeschwungen; Bleibst Du doch noch unser Hosinungsgrund! Bleibst Du unser Schmachten, unser Sehnen, Und nach Dir hinstarrend unser Blick, Nur durch Dich wird Gott sich uns versöhnen Nur zu Dir wir kehren einst zurück! Stolz wird wieder dann Dein Haupt sich heben Aus dem Schutte der Vergessenheit, Und Dein Glanz, er wird sich neu beleben, Wenn erscheinen wird die große Zeit! Posen. Dr. Aron Hirschfeld.