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Der Israelit · 1868-04-15 · Heft 16 (15.4.1868) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 16 (15.4.1868)
Date
1868-04-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
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266 bathion. Seit einer Reihe von Jahren, seitdem durch die Eisenbahn und andere Verhältnisse der Handel ganz neue Formen angenommen und ganz neue Bahnen eingeschlagen hat, ist diese jüdi'che Bevölkerung, welche früher den Gesammthandel mit dem Innern Rußlands vermittelte, immer mehr verarmt, so daß selbst in guten Jahren die Bevölkerung ganzer Städte nur so kümmerlich ihr Leben von Tag zu Tag zu fristen im Stande ist. Dazu kommen diesmal die Mißgeschicke, welche den diesjährigen Nothstand bervorgerufen haben; und nun kann man sich einen Begriff machen von der furchtbaren Wuth und Wucht, wom t sich die Calamität auf diese schon an und für sich arme Bevölkerung geworfen hat. Daß bis jetzt nicht ganze Städte dem Hungertode verfallen, daß nicht böse, durch Hunger und schlechte Nahrungsmittel erzeugte Krankheit in Maffe sie h'nweggerafft, ins ist nur durch die Mäßigkeit, Arbeitsamkeit und wechselseitige. fast den Communismus verwirklichende Unterstützung unter diesen Leuten abgewendet worden; doch har es nicht verhindert werden können, daß nicht auch Einzelne den Hungerübeln erlegen sind. Wir haben etwa 20 bis 25 dieser jüd. Städte in den Bereich unserer Wirksamkeit gezogen, welche regelmäßige, allwöchentlich nach jeder Vereinssitzung erfolgende Unterstützung erhalten; eine ebensogroße aber ferner liegende Anzahl von Städten erhielt blos eine außergewöhnliche, einmalige oder zweimalige Unterstützung. Erst in der gestrigen Vereinssitzung haben wir etwas über 600 Rubel auf Städte npartirt, die näher dem Bereiche anderer Comitv's liegen, als dem unsrigen. Alle diese Städte zusammen rcpräsentiren nach mäßiger Schätzung eine jüdische Bevölkerung von 100—120,0( 0 Menschen, worunter sicher zwei Drittel unterstützungsbedürftig sind. Nun werden Sie leicht ermessen können, welcher ^umme wir bedürfen, nicht um Hilfe, sondern um nur einigermaßen Linderung zu bringen. Unser Schatzmeister, ein Mann, der, wie bekannt, die incarnirtc Gewissenhaftigkeit, etwas zehnmal bedenkt, ob es auch der Wahrheit gemäß, bevor er es ausspricht, hat berechnet, daß zu dem Kreis von 20 Städten, die wir in den Bereich unserer regelmäßigen Wirksamkeit gezogen, zu B'B'n niya, wie man hier zu Lande die Unterstützung auf noa nennt, allein 24—30,000 Rubel, und für manche einzige Stadt 5000 Rubel nöthig gewesen wären. Dagegen sind freilich die 3000 und etliche hundert Thaler, womit uns die Milde der Brüder bereits zu unseren Zwecken versehen, wie ein Tropfen gegen unser Meer, wie ein Sandkörnchen gegen unsere Dünen. Und nun, hochehrwürdiger Herr Redacteur, suchen Sie nach den gewichtigsten Worten, pochen Sie damit an die Herzen unserer Glaubensbrüder, daß sie sich öffnen , und das Herz voll Erbarmen und die Hand voll Gaben überfließen zu Gunsten der nothbedrängten Glaubensbrüder. Wir wollen und werden Sie hierin nach bestem Vermögen unterstützen. Der Verein zur Linderung des Rothstandes der Israeliten an der benachbarten ruffifchen Grenze. Im Aufträge: Dr. Rüls, Schriftführer. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Mainz, den 5. April. Wir haben heute nachstehendes Schreiben an das löbl. Conritä in Memel zur Linderung des Rothstandes der Israeliten in Rußland gerichtet: „In dem Augenblicke, da wir Ihre Empfangsanzeige in Bezug auf unsere zweite an Sie gerichtete Sendung erhalten, sind wir so glücklich, Ihnen zum dritten Mal eintausend Thaler zu übersenden. „Es freut uns sehr, daß Sie Sich mit den übrigen Comitö's in Verbindung gesetzt haben; Sie wollen fceundlichst genaue Erkundigungen einziehen und überall den dringendsten Bedürfnissen, soweit es möglich ist, abhelfen. „Die Theilnahme unserer Glaubensbrüder in Deutschland ist eine überaus erfreuliche. Es ist wahrhaft rührend, zu sehen, wie in den kleinsten Gemeinden Sammlungen veranstaltet worden, wie sich überall die Erbtugend unseres hochheiligen Volkes bewährt und wie das Bewußtsein der Zusammengehörigkeit all unsere Brüder zur hilfreichsten Thätigkeit anspornt! Solche Erfahrungen sind wahre Lichtblicke im Leben und wirken tröstend im Gegensätze zu anderen traurigen Erscheinungen der Gegenwart. „Nacy den bis jetzt gemachten Erfahrungen werden die Gaben noch lange nicht aufhören zu fließen, und hoffen wir, Ihnen sehr bald wieder eine recht bedeutende Sendung machen zu können; für mindestens noch tausend Thaler*) glauben wir garantiren zu dürfen, und wollen Sie, hiernach bemeffend, auch die übrigen, in unserem vorigen Schreiben erwähnten Comitä's bedenken. Genehmigen Sie die Versicherung vorzüglicher Hochachtung Ihrer ergebenen Redaction des „Israelit" Dr. Lehmann. Fürtb. Die jüd. Bevölkerung der Stadt Nürnberg beträgt nach der Zählung vom December 1867 nunmehr 314 Familien, was ich unter Bezugnahme auf meinen Bericht in Nr. 33 des „Israelit" von 1867 ergänze. *) Diese sind beim Schluffe des Blattes schon fast eingekommen und werden nächstens ihrer Bestiinmung zugeführt werden. — Red.

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