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Der Israelit · 1867-09-11 · Heft 37 (11.9.1867) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 37 (11.9.1867)
Date
1867-09-11
Page
– (sequence 13)
Language
German
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645 Kaiser von Austerlitz zurückkam. hielt er sich in Straßburg auf. Er hörte daselbst scharfe Klagen gegen die Juden. Die Bevölkerung hatte sich gegen den Wucher, den diese angeblich treiben sollten, erhoben. Eine große Anzahl Gutsbesitzer und Landleute waren von ungeheuren zinslichen Hypotheken belastet, hatten Capitalien anerkannt, welche die Summen, die sie geliehen, weit überstiegen. Man sagte, daß mehr als die Hälfte der elsassischen Güter als Pfänder für Juden vorgemerkt gewesen wären. Der Kaiser versprach diesem großen Mißbrauche abzuhelfen und kam in Paris an mit der Ueberzeugung, daß ein solcher Zustand der Sachen nicht geduldet werden könne. Er übergab diese Streitfrage dem Staatsrathe zur Prüfung. Anfangs wurde sie der Sektion der inner» Angelegenheiten unterworfen; Herr Regnault de Saint Jean d’Ang&y, welcher den Vorsitz hatte, beauftragte Herrn Mols, einen jungen und neuen Rath mit dem Referat dieses Prozesses. Für den Staatsmann und Rechtsgelehrten schien gar keine Schwierigkeit, ebenso auch kein Anlaß zu Bedenklichkeiten vorhanden zu sein. Keine gesetzliche Bestimmung berechtigte auch nur den geringsten Unterschied zwischen Bürgern, welches Glaubensbekenntnisses sie auch sein mögen, festzustellen. Sich bei einem Gläubiger nach seinem Glauben zu erkundigen, um zu wiffen, ob er das Recht habe, bezahlt zu werden, das war in den Grundsätzen, wie in dem Texte unseres Gesetzes ein wunderlicher Gedanke, der öffentlichen Meinung und den vorherrschenden Sitten zuwider. Zur größten Ueberraschung der Staatsräthe verlas Herr Molö einen Bericht, welcher am Schluffe die Nothwendigkeit hervorhob, die Juden Ausnahmsgesetzen zu unterwerfen, wenigstens in Bezug auf das Interesse des Privatverkehrs. Ich war gerade in Paris, als wenige Tage nach der Sitzung der Rapport verlesen wurde. Man erzählte mir, wie er mit Geringschätzung und Lächeln von den Staatsräthen, welche darin nur einen literarischen Artikel sahen, ausgenommen wurde. Herr Mols war nicht im Mindesten aus der Fassung gebracht worden und hatte nicht den geringsten Wortwechsel darüber. Die Streitfrage mußte vor den ganzen Staatsrath gebracht werden. Herr Regnault setzte den Haupt-! inhalt auseinander und erachtete es nicht für nöthig,! eine Meinung zu vertheidigen, welche allgemeine Gelj tung habe. Herr Beugnot, welcher erst Staatsrath , geworden war, behandelte die Frage gründlich, mit > viel Vernunft, Geist und Geschicklichkeit; alle Anwesenden waren seiner Meinung. Der Erzkanzler theilte dem Rathe mit, daß der Kaiser dieser Sache eine große Wichtigkeit beilege, und daß er entgegengesetzter Meinung von der des Staatsrathes sei, daher es auch als nöthig erscheine, hierüber dann wieder zu sprechen, wenn der Kaiser in der Raths Versammlung zugegen j wäre. j Diese Sitzung wurde zu St. Cloud abgehalten. Herr Beugnot, welcher das erstemal vor dem Kaiser sprach und den das Glück ein wenig trunken gemacht hatte, war diesmal ein schwülstiger Redner, was man im Staatsrathe, wo die Discussion eine Unterredung von Geschäftsleuten ist, nicht sein darf. Man sah, daß der Kaiser ungeduldig wurde. Herr Beugnot nannte eine Maßregel, die ausnahmsweise gegen die Juden ergriffen werden solle: „eine verlorene Schlacht auf dem Felde der Gerechtigkeit." Als er geendigt hatte, ergriff der Kaiser das Wort und mit einer Begeisterung, mit einer ungewöhnlichen Lebhaftigkeit widerlegte er die Abhandlung des Herrn Beugnot bald mit Spötterei, bald mit Gelassenheit. Er rügte mit Bitterkeit die Phrase „der verlorenen Schlacht" und gerieth immer mehr und mehr in Zorn, sprach sogar Beleidigungen aus, was er, meines Wissens, nie im Staatsrath that; er schloß, indem er sagte: — „Ich weiß wohl, daß der Rath, welcher den ersten Rapport brachte, nicht dieser Meinung war, ich will ihn hören." — Herr Molo erhob sich und verlas seinen Bericht. Herr Regnault wagte auch einige Worte. „Ich sehe nicht," sagte er, „was man machen könnte." Der Kaiser besänftigte sich und alles endigte mit dem Entschluß, eine Untersuchung über den Stand der Dinge der Juden im Elsaß, über ihre Principien und Gewohnheiten in Betreff des Wuchers einzuleiten. Die Commission wurde aus den Herren Portalis, Pasquier und Molo gebildet. Die Stadtcommandanten wurden beauftragt, Rabbinen oder andere angesehene Juden, welche Aufschluß geben können, zu bezeichnen. Der Bericht des Herrn Pasquier war sehr belehrend. Der Kaiser hatte sich beruhigt und war zu der Ueberzeugung gelangt, daß der jüdische Cultus ofsiciell anerkannt und dieser eine bestimmte Form annehmen müsse. Nach dem Commissionsberichte verordnete ein kaiserl. Decret, um den Klagen der Elsäffer Genugthuung zu verschaffen, transitorische Einrichtungen, welche die jüdischen Gläubiger für die Zukunft gar nicht außerhalb des allgemeinen Rechts setzte; alsdann, um die Ausübung des jüdischen Gottesvienstes zu regeln, wurde ein großes Synedrium zusammenberufen. Das ganze Ereigniß, welches in einer gereizten, böswilligen uno intoleranten Bewegung anfing, endigte somit mit einer feierlichen Anerkennung der Rabbinen und Synagogen. Einige Monate nachher, als der Kaiser in Polen war und er den Eifer der Jaden, der Armee nützlich zu sein, sah, sagte er lächelnd: „Sehen Sie doch, wozu mir das große Synedrium dient!" England. Lvndon,5.Sept. Sir Moses Montefiore meldet telegraphisch aus Bukarest vom 31. August,

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