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Der Israelit · 1867-05-29 · Heft 22 (29.5.1867) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 22 (29.5.1867)
Date
1867-05-29
Page
– (sequence 17)
Language
German
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VHI. Jahrgang. Extra Beilage z« Nr. 22 des Zraelit. F. 8. Pefth, 16. Mai. Vielfach wird in jüdischen Kreisen jetzt das Memorandum besprochen und ventilirt, welches der Vorstand der Pesther isr. Gemeinde dem Baron Eötvös, dermaligen Unterrichts¬ und Cultusminister, überreicht und nun in Begleitung eines Rundschreibens verschiedenen Gemeinden abschriftlich mitgetheilt hat. Die Letzteren sind in der Auffassung nicht ganz einig; während nämlich mehrere die Tendenz des Memorandums für ungefährlich, halten und in der Mittheilung desselben lediglich nur einen Akt der Höflichkeit erblicken, der eben so beantwortet zu werden verdient, verkennen andere die Tragweite eines Aktenstückes nicht, indem ihnen nur zu gut bekannt ist, daß der Vorstand der Pesther Gemeinde auf eine Fortsetzung der im Jahre 1661 nach Pesth berufenen und wegen Mangel an Theilnahme unterbrochenen Deputirten- Versammlung lossteuert, doch halten sie sich vor der Hand noch reservirt, um es nicht schon jetzt zu einem gänzlichen Bruch mit der Pesther Gemeinde kommen zu lassen. Es sind uns mehrere Beantwortungen des Pesther Circulars bereits zu Gesicht zukommen, darunter auch jene der Preßburger Gemeinde, deren Abfassung, was logische Schärfe und Präcision des Ausdruckes betrifft, als ein kleines diplomatisches Meisterstück angerühmt zu werden verdient. Der Inhalt dieser Antwort möge in Kürze nur hier angedeutet werden, wonach sie im Eingänge ihr Befremden darüber ausspricht, daß das Memorandum erst nach erfolgter Ueberreichung an den Cultusminister zur Kenntniß der verschiedenen Gemeinden gebracht wurde, und eben, weil die Preßburger Gemeinde aus ihrer Reserve noch nicht heraustreten will, für eine spätere Zeit sich vorbehält, ihre Ansichten und Grundprincipien mit denen, wie es nicht zweifelhaft, die Mehrheit der jüdischen Bevölkerung Ungarns und Siebenbürgens übereinstimmt — unverfälscht dai zulegen. Und während im zweiten Absätze der Pesther Gemeinde für ihre unumwundene Erklärung gedankt wird, daß sie sich nicht für kompetent gehalten, im | Namen sämmtlicher Israeliten des Landes zu sprechen, i werden andererseits die Principien perhorrescirt, die! in dem Memorandum enthalten sind und denen nicht j allein seitens der Preßburger Gemeinde, sondern wohl i der Gesammtheit der wahrhast Gläubigen in Israel! entschieden entgegen getreten werden muß. I ßum Schlüsse irirb darauf aufmerksam gemacht,! daß wenn behufs der Regelung unserer Cultusangei legenheiten der Zusammentritt einer Landesversamm- I lung überhaupt als erforderlich sich Herausstellen sollte,! diese schon aus Opportunitätsgründen bis nach der j erlangten politischen Gleichberechtigung hinauszuschie-! den gewesen wäre, da zu befürchten steht, daß die manigfachen divergirenden Ansichten in einer derartigen Versammlung zu Reibungen und Spaltungen Anlaß geben können, die der so sehnlichst erhofften Emancipation nur Hindernisse bereiten würden. Ich theile Ihnen die Antwort der Preßburger Gemeinde hier ganz mit, damit man sich selbst — und wie ich voraussetze, ein dem meinigen conformeS Urtheil bilden könne. An den ehrsamen Vorstand der isr. Cultusgemeinde in Pesth. Ehrsame Gemeinde! Das von Ihnen Sr. Excellenz dem Herrn Cultusminister überreichte Memorandum ist uns mit Ihrem geschätzten Circulare v. 14. v. M. in Abschrift richtig zugekommen. Wenn wir in dem Letzteren angegangen werden, entweder unsere zustimmenöe Erklärung zu dem von Ihnen eingeleiteten Verfahren oder unsere allfälligen Bemerkungen hierüber mitzutheilen, so hätte dieses vor Ueberreichung des Memorandums geschehen sollen, während wir nicht begreifen, welcher Nutzen nachträglich hiedurch geschaffen werden soll, und müssen wir uns für späterhin Vorbehalten, unsere aus der innersten Ueberzeugung hervorgegangenen Ansichten und Grundprincipien in dieser Richtung unverblümt darzulegen.

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