Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 47 (21.11.1866)
- Date
- 1866-11-21
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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780 Amerika. Et. FrorrciSeo, den 5. October. (Aus einem Prjvatbriefe). Ich bin aus der Emanuel-Gemeinde ausgeschieden. Die extremen Reformen der Emanuel- Gemeinde haben mich veitrieben. Djese Genseindehat einen prachtvollen Tempel erbaut, der in seinem Innern vollständig einem protestantischen Dome gleicht; es befindet sich eine ganz vorzügliche Orgel darin. Für die verflossenen Feiertage hat man eigene Machsorim drucken lassen, in denen viele wichtige Gebete fehlen. Die vorzüglichsten Sänger der Hiesige» Oper waren engagirt, UW die Chöre in der Synagoge vorzutrsgen. — Nach dem Talmud werden sich dereinst die Theq? ter in Synagogen und Lehrhäuser umwandeln; hier hat das Umgekehrte stattgefunden, aus der Synagoge ist ein Theater geworden. — Am Tage nach Jom Kippur kam ein Bekannter zu mir und sagte: „Wk Christen, die gestern im Tempel waren, waren entzückt ob des feierlichen Gottesdienstesl" „„Das glaube ich wohl,"" entuegnete ich ihm, „„ob aber euer Treiben ein Gott wohlgefälliges ist, das steht noch sehr in Frage."" MLL ingesandt.) NLeckarsulm. (Verspätet.) Am 6. Tage der 'w —war es ein Jahr, daß der selige, fromme Rabbiner Kallmann aus Kochendorf in die ewige Ruhe eingegangen ist. Auf Anordnung seiner Witlwe wurde am Jahrgedächtnißtage beim Setzen der sehr schönen Mozerah Minjan auf seinem Grabe gemacht und vom Rabbiner Dr. Engelbert ein deutsches und ein hebräisches Gebet verrichtet, und dann Kadisch gesagt. Es fanden sich Viele auf dem Friedhofe ein, um dem würdigen Seelensorger die letzte Ehre zu erweisen. Zn der Synagoge zuKochendorf wurde am darauf folgenden Sonntag ein für den selig Verblichenen gleichfalls von Nabb. Engelbert abgehalten; den Anfang, sowie den Schluß des Trauervortrags, in welchem er die vielen guten Eigenschaften des Dahingeschiedenen henrorhob, bildeten die schönen Worte, das Andenken des wahrhaft Frommen gereicht zum Segen. Auch Thränen fehlten seinem Schicksal nicht, Denn Viele sind bei uns, die seines Herzens Großmuth Und seiner Sitten Freundlichkeit erfahren, Und Alle rührte sein Geschick. Wien Am 26. Oktober starb hier Dr. I. Lemberger, eine der größten medicinischen Autoritäten. Es ist hier nicht der Platz, sein Wirken als Arzt auseinanderzusetzen, nur so viel, daß er Kuren vollbrachte, die an's Wunderbare gränzten, indem er Kranke, die vyn berühmten Professoren als rettungslos aufgegeben waren, mit der göttlichen Hilfe dem Leben und der Gesundheit wiedergab. Das war der Arzt. Was er als Meysch war. zeigte am Besten die allgcmeiye tiefe Trauer bei seinem Tode. In dieser große« I « « H Stadt, in der der Einzelne verschwindet, wie ein Blast, welches der Wind verweht, in der Leben und Tod eines Menschen kaum eines Augenblickes Beachtung findet, in dieser großen Stadt hörte man von allen Seiten, in den Palästen der Großen, wie in der engen Behausung des Armen nur eine Stimme des Jammers und der Klage um diesen unersetzlichen Verlust. Der Reiche beklagt den weisen, erfahren.« Rathgeber, den treuen, teilnahmsvollen Freund, der Arme verlor noch außerdem in ihm den edlen Wohlthäter, der picht nur unermüdet alle Mittel seiner Wissenschaft aufbot, um ihm zu helfen, sondern mit freigebiger Hand rücksichtsvoll, das Zartgefühl möglichst schonend, von seinem eigenen Vermögen mittheilte. Kein Kind folgte seinem Sarge, denn in früher Jugend hatte er die Sorge für seine zahlreichen Angehörigen übernommen, und erklärt, nicht silbst ein Haus gründen zu wollen, bis er alle Schwestern verheirathet hätte. Und er hielt Wort; und damit verging seine Jugend, und so lebte, und so starb er unvermählt. Kein Kind weinte an seinem Sarge, doch wurden Ströme von Thränen ob seines frühen Todes vergossen; die großen Zimmer waren viel zu klein, als daß sie die Massen hätten fassen können, die sich bei seinem Leichenbegängnisse versammelten, um der Leiche des hochverehrten Mannes ein letztes Lebewohl zu sagen. Eine länge Reihe von Wagen folgte ihm, und am Friedhyfe angelangt, drängten sich die angesehensten Männer dev Gemeinde um seine Bahre, und trugen ihn zum Grabs, in dgs man jetzt den versenken mußte, der so von Gott gesegnet war, daß er so Viele von Noth und Tod, von Elend und Krankheit hatte erretten dürfe». Viele, die jetzt als Sterne am Himmel der Gesellschaft glänzen, werden verschollen und vergessen sei», wie ein Meteor, welches leuchtet und erlischt, aber sein Name wird sortlchen in de» Annalen der Wissenschaft und sein Andenken wird nicht erlöschen m den Hetzen,