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Der Israelit · 1865-08-09 · Heft 32 (9.8.1865) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
6 (1865)
Issue
Heft 32 (9.8.1865)
Date
1865-08-09
Page
– (sequence 12)
Language
German
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450 waltung eingeladen. Punkt KU/r Uhr öffnete sich der Thronsaal und nach dem Herrscher traten ein: der griechische Erzbischof mit seinem Clericat, der lat. Erzbischof mit Clericat und dann der Oberrabbiner von Corfu mit dem Gemeinderepräsentanten. Bei dieser Gelegenheit richtete der Herr Rabbiner das Wort an den König und erflehte auf das Haupt desselben den himmlischen Segen. Der König nahm die Wünsche und Bitten der israel. Deputation mit sichtlichem Wohlgefallen auf. Rußland. Der Geist der Reform, der seit dem Regierungsantritte des Kaisers Alexander H. die Gesetzgebung in Rußland kennzeichnet und der sich zunächst in zwei großen Maßregeln: in der Emanzipation der Leibeigenen und in der unbeschränkten Förderung des öffentlichen Unterrichtes, kundgegeben, kann natürlich auch auf dem Gebiete der Gleichberechtigung der verschiedenen Religionsgenoffenschaften nicht Zurückbleiben. Es ist mit Recht gesagt worden, daß die in einem Volke über diese Gleichberechtigung herrschenden Ansichten als Gradmesser der Cultur der socialen und der politischen Bildung desselben, angesehen werden können. Besonders sind es die Juden, die, wie uns die Culturgeschichte nachweist, in allen unintelligenten und politisch zurückgebliebenen Ländern stets am Schlechtesten behandelt, in freien Cultnrländern dagegen überall — wenn wir einzelne schweizer Cantönli ausnehmen, denen es allerdings an socialer und humaner Bildung sehr fehlt — als freie Männer und gleichgestellte Mitbürger angesehen worden sind. Unter dem Scepter des russischen Kaisers leben 1,300,000 Juden, von denen zwar angenommen werden kann, daß sie im Großen und Ganzen unter dem Geistes- und Cultur - Niveau aller in den übrigen Staaten Europa's lebenden jüdischen Bevölkerungen stehen, doch läßt sich ebenso annehmen, daß sie im Großen und Ganzen über dem Cultur- und Geistes- Niveau der moskowitisch-tartarischen Bevölkerung Rußlands sich befinden. Und wenn nunmehr selbst der untersten Claffe dieser Bevölkerung, den Leibeigenen, ihr Antheil an den Menschen- und Ehrenrechten des Landes nicht mehr vvrenthalten wird — wie könnte er fortan den Juden noch vorenthalten werden? Jene 1,300,000 Juden unter russischem Scepter leben nicht etwa über das gesammte europäische, asiatische und amerikanische Rußland mit seinen 392,000 Quadratmeilen zerstreut, sondern sind auf einige westliche und südliche Gouvernements beschränkt, wo sie, vermöge dieser Zusammengedrängtheit, ein unproductives und daher ungesundes Volks-Element bilden, während sie, über das ganze russische Reich verbreitet, bei ihrer geistigen Elasticität, die sich besonders auf gewerblichem Gebiete geltend zu machen weiß, den Nationalreichthum vermehren und ein volkswirthschaftlicher Segen für das Land sein würden. (Schluß folgt.) Donaufürstenthümer. Belgrad. Vor nicht langer Zeit wurde Nachts ein Mädchen von 16 Jahren von ihren Eltem vermißt, welche sogleich alle möglichen Nachforschungen anstellten. Endlich erfuhren dieselben, daß ihr Kind zum Christenthum üdergetreten. Alle Versuche der armen Eltern, ihr Kind wieder zu erlangen, selbst Vorstellungen bei'm Bischof, daß das noch nicht majorenne Mädchen doch nicht eigenmächtig handeln könne — Alles war vergebens. Am 14. Tamus nun waren die Unglücklichen bei'm Minister, dem sie die Sache vortrugen — mit welchem Erfolg, wird die Zeit lehren. (Hammewasser.) Feuilleton. Die Königin von Saba. Von (Schluß.) Mit Schrecken fährt der Mann auf; „O sprich, was ist gescheh'n?" — „Du fragst noch?" ruft sie zornig, „Und willst es nicht gesteh'n? — Ein Weib ist hier gewesen, Hat rings sich umgeschaut, Wem hast Du mein Geheimniß Verräterisch anvertraut?" — Da fällt auf seine Knies Der angsterfüllte Mann, Und schwört ihr hoch und theuer, Er sei nicht Schuld daran. Er wolle gern verzichten Auf Ruhe hier und dort, Wenn jemals er gesprochen Auch nur ein einzig Wort. — „So lebe!" spricht sie ruhig, Und winkt ihm aufzusteh'n, „Doch hast Du mich nun heute Zum letztenmal geseh'n.

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