Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1864-12-28 · Heft 52 (28.12.1864) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 52 (28.12.1864)
Date
1864-12-28
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2447141-2447192--03085-2458463
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

692 Absetzung Renan's vacant geworden, vorzuschlagen. . — Die Wahl siel in erster Linie auf den berühmten j Munk, Mitglied der Akademie der Wissenschaften , (l'Iustitut Ü6 Graues) und Sekretär des isr. Central-! consistoriums, in zweiter Linie auf Ihren Landsmann, Herrn Derenburg, *) Vorsteher einer Erziehungs- Anstalt. — Die „H.reb. Isr?' haben, wie Sie es voraussagten, ihre Sammlungen zum Zwecke der Uebersiedelung der Juden des Kirchenstaates eingestellt und die kleinen bereits eingegangenen Summen zur Unterstützung der Familie Coen überwiesen. Afrika. Kairo. Der berühmte Karaite Herr Firkowitz hat bei den hiesigen Samaritanern eine Bibliothek von 300 noch unedirten Werken entdeckt, von denen die meisten bisher noch völlig unbekannt waren; die Samaritaner sind gegen die echten Juden sehr scheu und zurückhaltend, während der Karaite viel leichter Zutritt bei ihnen findet. Herr F. behauptet, daß sie noch heute dem Bilde einer Taube, welches sich aus einer Marmorsäule befindet, göttliche Ehre erweisen. Sie hätten demnach ihren Aberglauben sehr gut konservirt. O st i n d i e n. Surinam. Als im Jahre 1664 Sir Charles Willoughby, Grat von Parham, im Begriff stand, hier eine Colouie zu gründen, siedelten sich hier viele Juden an. Wir haben vor einigen Wochen über das Geschick der Juden in Brasilien berichtet und erzählt, daß diese flüchteten, als Brasilien von den Portugiesen zurückerobert wurde. Einige dieser brasilianischen Flüchtlinge siedelten sich auf der damals holländischen Besitzung Cayenne an und erhofften hier eine glückliche Zukunft. Aber auch hier sollten sie keine Ruhe finden. Im Jahre 1664 eroberten die Franzosen Cayenne und diese bestätigten den Juden nicht allein ihre von den Holländern erworbenen Privilegien nicht, sondern sie behelligten und beunruhigten sie vielmehr in jeder Weise. Die Juden richteten nun ihre Augen nach Surinam. Graf Parham, welcher ihre Kenntnisse des Ackerbaues schätzte und sich von ihren in Brasilien erworbenen Rerchthümern für seine neue Colouie eine j große Zukunft versprach, ermunterte sie, sich hier an- § zusiedeln. Parham gab ihnen große Privilegien, welche,! als Surinam in die Hand der Niederlande überging,! von diesen bestätigt wurde. Später kamen auch viele > Juden von Deutschland nach Surinam, so daß hier > zwei Gemeinden, eine portugiesische und eine deutsche, existiren. Die erstere Gemeinde wuchs beträchti lich an Reichthum, Bedeutung und Macht. Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts war der dritte Theil der wichtigsten Plantagen chr Eigenthum. Und jetzt? Gegenwärtig besteht die deutsch - israelitische Gemeinde aus 740 und die portugiesische aus 685 Seelen. Diese 1425 Israeliten repräsentiren ihre Voreltern schlecht. In der Regel findet man weder Talent noch Reichchum bei ihnen. Man begegnet wohl noch einigen tüchtigen und wohlhabenden Juden, aber die meisten sind verarmt, viele gar nackend. Die älteste Synagoge eristirt noch, und es wird an Sabbaten und Feiertagen noch in ihr Gottesdienst abgehalten . allein derselbe wird schwach besucht, denn die Juden von Surinam kennen den Gott Israels nicht mehr. Das Dageraad (eine holländische deistische Zeitschrift) hat mehr Wert) bei ihnen als die Bibel. Viele Juden sind mit Christinnen, und einige Christen sind mit Jüdinnen verheirathet. In diesen Mischehen herrscht die tiefste Gleichgiltigkeit gegen die Religion. Lange waren die jüdischen Gemeinden von Surinam ohne Seelsorger. Im Jahr 1857 wurde ihnen von Holland ein Oberrabbiner zugefchickt, welcher feinen Sitz in Paramaribo, der Hauptstadt von Surinam, nahm. Er ist ein glaubensvoller und gelehrter Mann. Trotz seiner schwachen Gesundheit arbeitet er eifrig in seiner Gemeinde. Ob seine Thätigkeit eine fruchtbringende sein wird, wird erst die Zukunft zeigen. Sicherlich stößt er bei seinen Bemühungen auf große Schwierigkeiten, und die Juden von Surinam beklagen sich am meisten darüber, daß ihr Rabbiner ihnen nicht gleicht. Vielleicht gelingt es Herrn Leben stein, so heißt der Oberrabbiner, seine vernachlässigten und demoralisirten Glaubensgenossen zu Gott zurückzuführen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.