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Der Israelit · 1864-08-10 · Heft 32 (10.8.1864) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 32 (10.8.1864)
Date
1864-08-10
Page
– (sequence 2)
Language
German
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424 auch der Schülerkreis größer; als Bedingung zur Aufnahme in denselben wurden nur einige Vorkenntnisse im Hebräischen verlangt. Diese ziemlich vage und unbestimmte Bedingung bewirkte, daß die doch noch immer ziemlich geringe Schülerzahl die verschiedensten Bildungsstufen enthielt, und nicht mehr gemeinschaftlich unterrichtet werden konnte. Es mußte eine zweite Klasse, und bald darauf eine dritte gebildet werden. Die Existenz dieser Anstalt und ihr rascher Fortschritt gab einem Theile der hiesigen Gemeinde, dem die Leistungen der Gemeinde-Anstalten in Bezug auf Kenntniß der Religionsquellen nicht genügend erschienen, die Veranlassung, den Talmud-Verein zur Erweiterung der Unterrichts-Anstalt bis auf die allerersten Anfänge im Hebräischen zu bestimmen. Die reorganisiere Anstalt hat in zwei Berichten das ihr gesteckte Ziel mitgetheilt, und in zwei öffentlichen Prüfungen den Betheiligten Gelegenheit gegeben, sich von den Leistungen der Anstalt zu überzeugen, so weit dies überhaupt durch eine öffentliche Prüfung geschehen kann. Die bei den Prüfungen anwesenden Fachmänner nicht minder als die Eltern der Zöglinge haben sich anerkennend über die Leistungen der Anstalt ansgesprochen. Trotz dieser anerkannten Fortschritte darf es sich die Anstalt nicht verhehlen, daß sie dem Ziele des Vereins noch keineswegs entsprechen. Die Uebelstände einer jeden sogenannten Religionsschule haben sich auch hier gezeigt. Da nur die Freistunden dem Unterrichte gewidmet werden können, die Zöglinge selbst, von verschiedenen Seiten beeinflußt, denselben als Nebensache ansehen und ihm auch zu Hause nur die Zeit widmen, die ihnen nach Beendigung aller anderen Arbeiten übrigbleibt, so ist es selbstverständlich, daß der Einfluß der Anstalt auf die Zöglinge, dis ihr nur einige Stunden der Woche angehören, nicht bedeutend sein kann. Ist aber der Uebelstand einmal erkannt, so muß man auch dahin streben, ihn zu beseitigen. Dies kann freilich nur dadurch ganz erreicht werden, daß die Anstalt in eine vollständige Knabenschule umgewandelt wird. Da aber aus verschiedenen Gründen eine solche Umgestaltung sich nicht mit einem Mal ausführen läßt, wird die Anstalt sich darauf beschränken, mit der untersten Klasse einen Anfang zu machen, während die oberen Klassen unverändert fortbestehen werden. Das Lehrziel der untersten Klasse, in der die Elemente des Hebräischen bisher gelehrt wurden, wird also folgendes sein: Geläufigkeit im Lesen deutscher, lateinischer und hebräischer Druckschrift; Fertigkeit, Diktirtes ohne grobe orthographische Fehler nachzuschreiben; Sicherheit in den vier Grundrechnungsarten; Bekanntschaft mit den wichtigsten biblischen Erzählungen; Verständniß einzelner in Form und Inhalt leicht faßlicher Stücke aus dem Pentateuch und den Gebeten. Die Zöglinge dieser Klaffe werden demnach für die Sexta der Gymnasien und Realschulen vorbereitet. *) Die Ausdehnung des Pensums auf profane Lehrgegenstände geschieht nicht auf Kosten des hebräischen Unterrichts, sondern zn Gunsten desselben; denn die Zöglinge werden 1) einen regelmäßigeren Unterricht genießen; sie versäumen ihn in einer vollständigen Knabenschule nicht so oft, als dies in den sogenannten Religionsschulen der Fall ist; 2) nicht mehr in zu großen Unterbrechungen hebräischen Unterricht haben; es ist besonders für kleine Kinder sehr störend, wenn zwei Tage zwischen der einen und andern hebräischen Stunde liegen; 3) sich gewöhnen, den hebräischen Unterricht als integrirenden Theil des Schul-Unterrichts anzusehen, während er ihnen sonst als nebensächlich und überflüssig erscheint. Auf diese Weise schreitet der Verein in seinem Streben, 7,-on wabO zu beleben und zu unterstützen, in erfreulicher Weise vorwärts, indem er dieses als das eigentliche Ziel des Vereins stets festhält, ihm alle seine Aufmerksamkeit widmet, zugleich aber auch neue, den ursprünglichen Plänen fern liegende Elemente aufnimmt, wenn sie nur dem Geiste des Vereins entsprechend, zur Erreichung des angestrebten Zieles fördernd Mitwirken. :b'N b'nv wb'" Die Thatsache, daß der Talmudoerein damit beginnt, eine selbstständige Untercichtsanstalt ins Leben zu rufen, die auf dem Grundsätze unserer Weisen nv' Op beruht, also eine solche Anstalt, wie derartige bereits in Frankfurt a. M, Mainz, Würzburg, Hamburg, Fürth rc existiren und vo n schönsten Erfolge gekrönt werden, ist eine höchst erfreuliche; es ist dies das beste und wirksamste Mittel, den Schäden der Zeit energisch entgegenzutreten und sie erfolgreich zu heilen. Die hier in Rede stehende Anstalt wurde im verflossenen Jahre von 135 Zöglingen besucht. Die erste Klaffe (8 Schüler) genoß wöchentlich einen 8stündigen Talmudunterricht, und konnten mit diesen Knaben nicht allein die Tofaphot, sondern auch einige spätere Erklärer durchgenommen werden. — Es ist gewiß ein höchst erfreuliches Zeichen der Zeit, daß die Talmudschule in Berlin 135 Zöglinge zählt, während noch vor 10 Jahren sich kaum ein einziges Kind in Berlin befand, das talmudischen Unterricht genossen hätte. — *) Diese Klasse wird am 1. Oktober d. I. eröffnet werden.

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