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Der Israelit · 1862-07-09 · Heft 28 (9.7.1862) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
3 (1862)
Issue
Heft 28 (9.7.1862)
Date
1862-07-09
Page
– (sequence 8)
Language
German
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224 LüderS, 24. Juni. ES ist eine rrsrculiche Lhcüsache, daß überall dy, wo einmal dis Emancip?.:ion der Israeliten zur vollen Wahrheit geworden, auch alle übrigen Schranken in der bürgerlichen Gesellschaft, die etwa noch bestehen, nach und nach ron selbst fallen. Ein solches Beispiel heute aus unsrer Stadt. — Ter hiesigen israelitischen Gemeinde gelang es jüngst, ein Haus, nach dem sie Jahre lang vergeblich gestrebt, käuflich an sich zu bringen, um cS zu einer neuen Synagoge umzutauen, da die bisherige interimistische zu klein ist, die ganze Gemeinde ferner zu fassen. Ist nun schon die Nothwcndigkeit eines neuen Gotteshauses.wichtig für uns, da wip daraus den bedeutenden Zuwachs der Gemeinde in den letzten. Jahren, am besten ersehen können; so ist gerade der Ankauf und die Verwendung dieses Hauses zu erwähntem Zwecke um so wichtiger, weil! früher schon einmal eine Synagoge* hier war, und dieses Haus ein Stück Geschichte der hiesigen Israeliten in den letzten Decennien in sich trägt. Als nämlich nach der französischen Orcupalion (1807) französische Gesetze hier eingcsührt wurden, und die Gleichberechtigung aller Consessioncn als sich von selbst verstehend verkündigt wurde, da war eS auch den Israeliten erlaubt aus ihrer ländlichen Abgeschiedenheit als Bürger ln die Stadt zu ziehen, in die Stadt, in der sie früher nicht einmal übernachten dursten, die sie früher ohne besondere Erlaubnis des Magistrats nie betreten dursten, und nach erhaltener Erkauhniß nur in steter Begleitung eines Polizeisoldaten, mit dem Zeichen ihrer Schmach aus ihren Kleidern. Die Gemeinde blühte damals schnell auf und alle jüdischen Genuindeinfütutionen waren vorhanden; die Synagoge befand sich in dem oben erwähnten, jetzt wieder augekausten Gebäude. Aber länge blieb der Zustand nicht so. - ' Äks nach den LrciheitSkicgen Lübeck seine Selbstständigkeit wieder erlangt hatte, so war man auch hier wie überall bemüht, die alten Zustände ivleder herzustellen, und was lag näher als den Juden ihre erlangten Rechte streitig zu machen, und sie in ihr früheres Dunkel wieder zmückzuweisen l Tie Israeliten mußten trotz alles ProzessirenS und Protcflirens die Stadt verlassen, uud so wurde damals die Synagoge verkauft.' > > Drrsf.tv. Redaktion Vr.grh««,»». Vertag d«r 8« Roux' Seitdem sind nur vier Jahrzehnte vergangen, und abermals zogen die Juden iy Lübeck ein, aber diesmal nicht unter dem Schilde fremder Äasfyr, sondern durch den Sieg der Zenideen. Kehren wir zu unserem Synagogenbau zurück. Da nun bedeutende Mittel zum Umbau der Gemeinde augenblicklich nicht zur Verfügung standen, so beschloß man an die Mildthätlgkeit der lübkcker Bürger zu appelliren. ES wurde deshalb ein gemi'chtes Comitö gebildet, dessen Mitglieder die angesehensten Bürger find; ein Srnator führt das Präsidium. Wie ich höre, haben die Herren mit Vergnügen daihnen angetragenc Amt angenommen, und wie zu vermuthen ist, ihre Arbeiten schon begonnen. Wünschen wir dem Unternehmen den besten Erfolg, über den in einem andern Artikel berichtet werde» soll. Zu verwundern bleibt eS immer, wie Senatoren der stolzen Hansastadt sich unterziehen, für ein jüdisches Gotteshaus milde Gaben zu sammeln. Pemerkenswerth ist dabei noch da- Wort eines Senators, der geäußert haben soll, daß lange Noch nicht genug geschehen sei, um das wir der gut zu machen» wodurch man an den Juden sich vergangen hat. 8t Preußen. Berlin, 28. Juni. In der PetlUons^ommission des Hauses der Abgeordneten ist auf die bekannte Sutro'sche Petition wegen der staatsbürgerlichen Rechte der Juden seitens des Justizministeriums erklärt worden, daß es die Verfügung vom 9. Oktober 1851 aufrecht erhalte und für verfassungsmäßig erkenne, wonach in der Justiz den Juden nur solche Aemter erlheilt werden können, die mit den christlichen Re- Ugionsübungen nicht in Zusammenhang stehen. Ueder die in der Petition enthaltene Beschwerde, daß da- Rescript des NnürrichtSministeriums vom Jahre 185t den Juden die Katheder an den Gymnasien u. s. w. verschließe, hat sich der Vertreter des CultuswinisteriumS dahin geäußert: Die StaatSregiernng müsse an der bereits bei früheren Berathungen geltend gemachten Auffassung festhalten, daß den Juden die AnstellungSsähigkeit in öffentlichen Lehrämter» in soweit zugestanden werde, als nicht der christlich confessionelle Charakter der einzelnen Lehranstalt ein Hinderniß darbietc. Nach dieser Erklärung (fügt der Bericht hinzu) steht also der gegenwärtige Unterrichtsminister wesentlich auf demselben Standpunkte, wie sein Vorgänger im Amte., > lh » HefbuchhavNung. — Druck-o» I. Vottslkdr» t» tRaby.

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