Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 3 (1862)
- Issue
- Heft 27 (2.7.1862)
- Date
- 1862-07-02
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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eilage zum Israelit Nr. 27. ' s^7I7 (Im badischen SeekrciS.) Der Born der jüdischen Erkenntniß, die Quelle des jüdischen Lebens ist die Thora; ohne sie ist wahrhafte Gottesfurcht nicht denkbar und die Vernachlässigung des Thorastudiums muß die Erschlaffung des religiösen Lebens zur Folge haben. Leider ist in jüngster Zeit dieses für uns Juden so wichtige Studium bedeutend in den Hintergrund getreten. Sogar die Kinder in der Schule erfahren nur noch wenig von der schriftlichen Lehre, und die mündliche Lehre ist ihnen fast ganz unzugänglich geworden. Wie in jenen Städten, in denen große jüdische Genieinden wohnen, so ist es auch in den kleinern Städten und namentlich auch in dem Orte Gailingen ergangen. Noch leben in unserer Mitte Männer, die in längst vergangenen Zeiten aus der heiligen Quelle der Thorakenntniß geschöpft haben, aber diese Männer sind hochbejahrt, und an einen Zuwachs von jungen! Leuten, welche die Träger des jüdischen Wissens in unserer Gemeinde sein könnten, ist leider nicht zu denken. Jeder Gutdenkende sieht mit Bangen und Zagender Zeit entgegen, ist welcher —was Gott verhüten wolle — die große Stenge unserer Gemeindeglieder dem jüdischen Wissen, und somit dem jüdischen Leben entfremdet sein wird. Es ist daher das dringende Bedürfniß vorhanden, für die Wiederkehr des ThorasiudiümS, und somit für die Wiederbelebung des echten jüdischen Geistes Sorge zu tragen. Dieses Bedürfniß wird jetzt, Gott sei Dank, allüberall gefühlt und es sind in Folge dessen bereits in großen Gemeinden wie in Berlin, Frankfurt a. M., Mainz rc. Anstalten zur Befriedigung desselben ins Leben gerufen worden. Als in der ersten Nacht des verflossenen Wochenfestes, welche frommer jüdischer Sitte gemäß in der Beschäftigung der Thora machend verbracht avird, während der üblichen Pause der Unterzeichnete obige Gedanken aussprach, und namentlich daraus aufmerksam machte, daß es hauptsächlich Sache des Thalmud- Thora-Vereins sei, dieses erhabene und heilige Werk ins Leben zu rufen und den genannten Verein in ein N'2 umzuvilden, da waren alsogleich die beiden Vorsteher des Vereins, Jakob Weil se». nnd Heinrich S. Gnggenheim und mit ihnen sammtliche Anwesende einstimmig bereit, dieses heilige und wichtige Werk — -a» das Thorastudium ist so wichtig, wie alle übrigen göttlichen Gebote zusammen — sofort in die Hand zu nehmen. Es wurde alsbald beschlossen: 4) Den ganzen baareu Fond de- Thalmud-Thora- Vereins, c. fl. 500, als Grundkapital für diesen ' Zweck zu stiften; 2) sammtliche Mitglieder des Vereins um fernere freiwillige Beiträge anzugehen; 3) die Bestimmung zu treffen, daß sammtliche Emzeichnungen und Legate jeder Ars zu«nicht- Anderem als zum v-nv.i 'znm höheren talmudischen Studium, verwendet werden dürfe». 4) bei sämmtlichen hiesigen Gemeindemitgliedern s» diesem Sinne und zu diesem Zwecke um Einzeichnungsbeilräge zu collektiren; 5) vorläufig zwei Mäuner zu wählen, welche diese Collekte sofort zu besorgen haben, und 6) nach der Collekte ein provisorisches GründungScomitä zu wählen, welches die Regelung und die einstweiligen Einleitungen zur Ausführung dieseS Unternehmens zu besorgen hat. Unter Gottes heiligem Beistände wurde nun die Collekte vollzogen; bei der «L 'ip r«i2ri war eS namentlich der Vorsteher Maier E. Moos, welcher das Interesse anregte, auch bei den übrigen iSr. Gemeindegliedern war der Erfolg ein sehr günstiger. Auch in den umliegenden Orten, R a n.d egg, Worblingen und Wangen ist das Interesse für diesen heiligen Zweck ein sehr reges und wie wir vernehmen werden bereits daselbst Collekteu dafür veranstaltet. Wir theilen unten die bereits gezeichneten Spenden mit. Noch viel ist zu thun; jede Gabe, fei sie groß oder klein, wird uns willkommen sein.