Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- Heft 16 (17.4.1861)
- Date
- 1861-04-17
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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190 Weltgedankens, das Endziel der Geschichte, zu liefern hat, fallt die Aufgabe Israels mit eben diesem Weltgedankcn zusammen, und ist demnach einerseits mit deren Lösung auch der Abschluß der Geschichte, andererseits mit dem Abschlüsse der Geschichte erst die Lösung der Aufgabe Israels gegeben. Die Bürgschaft einer geschichtlichen Ewigkeit trägt Israel da- ' her in sich*).! Wenn aber auch Israel seiner Natur gemäß! nur in die allgemeine Menschheit, keineswegs aber! in irgend einem Volke ausgehen kann; so ist es durch! diese Natur doch nicht vor Krankheit und Tod ge-! schützt, die beim Abgehen der Lebensnahrung, beim - Verkennen, oder Untreuwerden der eigenen Aufgabe - nothgedrungen eintreten. Und in der That ist Js-! rael seit seiner Dauer in solch gefährliche Krankhei- > ten gar oft verfallen: aber immer und immer sind! ihm auch Männer erstanden, die begeistert und that-; kräftig, cs zur Pflicht der Selbsterhaltung zurückgeführt.! Als^ es gleich nach seiner Entstehung sinnenberanscht das goldene/Kalb umtanzt; da sehen wir die muthige Schaar der Leviten, jeder persönlichen Leidenschaft fremd, begeistert für ihre israelitische Aus-' gäbe, ihm mit aller Kraft des Mannes seine Ausgabe wieder znm Bewußtsein bringen. Als es,! den Gipfelpunkt feiner politischen Größe bereits hinter sich habend, Baal! für den Ewigen; eintanscht, da ist es! Elijahu, der mit dem Feuer de^ 'Petzeisto- - rung dem gesammten Volke den Ausruf Kttsösttr. „Der Ewige ist Gott!" Ihm, folgest /Jcschajahu; Iechcskel, -Jirmijahu und die Propheten Än '! Die» Geschichte hat ihren großen Gedanken noch nicht systematisch begründet, die „letzte > Entwickelung ' ^Daß diese lunsrtt Ansicht nicht di^rch «mrn rülseit^.!:. has ,nethZ<drungkne brgröniß wissknschafttichrr Forschung ist, beweist vorzüglich der Umstand, daß ein nichtjüdisch«r MMicHrr, ^ria ausgezelchnctrr Kenner der Geschichte, demnach rin unpar- ' te'nscher und ceinprltntcr Richter, Herder, daffelbcUrthellifällt: ^Ceine (des; indischen Volkes) noc^ unvollendete ^ahrungk sag'^ Herder (z.iPkilos. u. Grsch. Bd. 9. S. M größte des großen Knotens aller Erdnationen" ist noch keineswegs erfolgt; noch wird dem Materialismus gefröhnt und noch werden dem Menschengeiste Tempel errichtet: Israel hat seine Aufgabe noch nicht gelöst. Wie soll und wird es aber diese Lösung vollbringen? Durch Schwert, Feuer oder Ueberredung? — Nicht durch solche Mittel! Ein Gedanke, der mit dem Schlußstein der Geschichte zusammenfallen soll, darf nicht in einer Weise verwirklicht werden, die ihrer Natur zufolge einerseits zwar eine rasche Realisirung befördert, andererseits aber auch den Keim eines einstigen Ablebens in Folge veränderter Verhältnisse und Umstände in sich trägt. Und damit Israel nicht einen solchen Weg betrete, auf dem es endlich den Todesstoß erhalten hätte, darum auch hat die Vorsehung ihm nicht jene Macht und jenes Ansehen verliehen, die hiezu nothgedrungen erforderlich wären. Macht und Ansehen wäre ihm gefährlicher denn Alles, und das „kleinste" der Völker mußte es stets bleiben. Allerdings ward ihm so viel Widerstandskraft beschicken, um nicht gleich den Andern von dem welterobernden Nom -erwürgt zu werden — hatte es ja doch noch ' lange nicht ansgelebt — aber es durste nicht und . eben deswegen, so prächtig sein, um an seinem Trotze deffeu Macht zu brechen und nach dem hiedurch erfolgten Ableben desselben seine Erbschaft anzukekn. i > /! Der Weg den Israel zur wirklichen, weil bleibenden Lhsung seine« Aufgabe einzuschkagen hat, ist ganz anderer Art. Es wird von seinen Siegern aus der: Wurzeln des vaterländischen Bodens heraus- , gerissen und in alle Welttheile auseinander geworfen. -Jahrtausende rauschen vorüber und! die Geschichte wandelt unaufhaltsam ihren Weg. Ein Volk löst das andere ab, das eine erblüht, das; ändere ve^Lllt. Wenn sich nun mit dem Abkaufe , der Geschichte herausstellt, daß , inmitten dieses ewi-; gen Wechsels das Bleibend« und Dauernde bei jenem! Volke nur zn finden, das Jahrtausende hindurch auf; allen Zonen und zwischen den verschiedensten Natio- ' neu!des Erdballes gelebt, von diesen gehetzt, gequält, - gefoltert und getreten; wenn sich herausstellt, daß dieses kleine und unmächtige Volk allein es ist, das ' sich erhalten selbstständig und nnvermengt in