Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 14 (1920)
- Issue
- 14 (16.4.1920)
- Date
- 1920-04-16
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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zieren und' dlurch ihre Schwerfälligkeit die Verwaltungskosten für die Gemeinschaft ganz bedeutend erhöhen. Von einer Geutefch Haarez durch den Nationalfonds wird aus all diesen Gründen niir dann gesprochen wenden können, wenn eir den Boden nicht nur in die Hand des jüdischen Volkes bringt, sondern ihn auch in den Zustand versetzt, in dem er von jüdischen Händen bearbeitet, aus seiner Unfruchtbarkeit erlöst wenden kann. Der Erwerb dies Bodens für die städtischen Arisiedlungen durch den Jüdischen Nationalfonds wird demgegenüber ein viel einfacherer sein. In bezug auf das Gemeineigentum am Boden bei solchen gibt es heute keinerlei prinzipielle Einwendungen mehr. DeT Fall Teil Awiw hat nur zu deutlich gezeigt, welche Schäden das private Eigentum an Grund' und Boden bei städtischer Siedlung zeitigt Die Mieten sind fortwährend bedeutend gestiegen. Allerdings wird auch bei Gemeineigentum am Boden nur dann eine gesunde Wohnungspreäspolrt-ik erzielbar sein, wenn immer eine ausreichende Zahl von Häusern gebaut werden wird, damit nicht durch die Konkurrenz um die Wohnungen in versteckter Form wieder ein Aufgeld entstünde. Die zweite große Aufgabe des Jüdischen Nationalfonds ist die Aufforstung des Landes. Daß diese eine eminent gemeinwirtschaftliche Aufgabe isti. wurde schon frühzeitig erkannt wie die Einführung der so beliebt gewordenen „Baumspende“ beweist. Die Aufforstung wird für den Jüdischen Nationalfonds auch eine, rentable Anlage seiner Gelder bedeuten, jedoch wird diese nur dann der Fall sein, wenn er. wiio auch beabsichtigt. nicht in eigener Administration pflanzen, sondern die Arbeiten vergeben wird. Insbesondere wird der Nationalfonds durch die Aufforstung Oedländereien. Dünen. _ felsige Landstücke usw. .in Kultur bringen können. Außerdem wird er .nach wie vor alle erwerbbaren Objekte oder Plätze, die für das Judentum Affektionswert haben, in seinen Besitz zu bringen trachten. Danut sind die Aufgaben des Jüdischen Nationalfonds in Palästina noch nicht erschöpft Schon bisher hat er als eine seiner wichtigsten Pflichten angesehen, die Fragen der Kolonisation theoretisch zu studieren, als auch praktisch zu erproben. Die theoretische Durchdringung der Probleme hat er in den Ihnen bekannten ausgezeichneten Publikationen in vortrefflicher Weise in Angriff genommen. Diesen Zweig seiner Tätigkeit will die Leitung, die heute unter Führung des außerordentlich kenntnisreichen Gesinnungsgenossen Nehemiä de Lieme steht, lin großzügiger Weise ausbauen. Für die praktische Werbetätigkeit stehen dem Jüdischen Nationalfonds hervorragende Fachleute zur Verfügung, wie Oettinger und Dr. Soski’m' Der Jüdische Nationalfonds wird* nach wie vor alle kolonisatorisch wichtigen Probeversuche in Palästina durchführen. Von Dr, Sosktn liegt gegenwärtig ein Vorschlag vor. Versuche mit Intensivster Kultur: Gemüsebau und Kleintierzucht zu machen. Soskm glaubt, daß dieser Betriebstypus in allergrößtem Stile in Palästina mit bester Aussicht auf Rentabilität eingeführt werden könne. Nach ihm würden ungefähr fünf Dunam pro Familie (d. i. also 1 Dunam pro Kopf) bewässerbaren Bodens genügen. Diese Siedlungsairt hätte auch den Vorteil, daß bei ihr keine Landarbeiterfrage entstehen würde, da die selbstwirtschaftende Familie alle Arbeiten allein bewältigen könnte. Was es bedeuten würde, wenn die Kolonisation in großem Ausmaße auf dieser Siedlungsart basiert werden könnte, geht schon daraus hervor, daß bei einem Bedarf von nur zirka 1 Dunam pro Kopf die Kapazität des Landes für die Aufnahme von Kolonisten enorm gesteigert wesrden könnte. Wenn auch von den zirka 20 Millionen Dunam anbaufähigen Bodens in Palästina selbst bei Durch-.. führung der ausgedehntesten Bewässerungsanlagen nur. ein Teil bewässerbar gemacht werden könnte; so wäre auf diesem allein Platz für Millionen Ansiedler. Der Jüdische Nationalfonds wird natürlich zuerst Versuche machen, deren Gelingen von einer Reihe von Faktoren ab hängt, unter denen die Transport- und! Absatzmöglichkeiten eine große Rolle spielen werden. Soskin selbst hütet sich, nach Art von Trietsch von vornherein Ziffern zu nennen, er beschränkt sich darauf, den Plan zu entwerfen und einen Probeversuch vorzuschlagen. Zur Durchführung all dieser Aufgaben wird der Jüdische Nationalfonds sehr großer Mittel bedürfen. Ruppin veranschlagt sie für die ersten zehn Jahre mit 100 Millionen Goldfranken, die Leitung lauf 5 Millionen Pfund. Nimmt man die erste Zitier zur Grundlage, wären das 10 Millionen Goldfranken pro Jahr. Schon im Jahre 1910 hat der Jüdische Nationalfonds 5lA Millionen Goldfranken und 1K Millionen Rubel aufgebracht. Diese Leistung verdanken wir einer jahrzehntelangen, zähen und unermüdlichen Arbeit aller beteiligten Faktoren. Es ist kein Zweifel, daß bei der fortschreitenden Zunahme der Eingänge, -die wir aus der Geschichte der Sammeltätigkeit kennen, wir die verlangten Summen auch erhalten werden. Dies um so mehr, als der politische Enderfolg die Juden gewaltig aufrütteln wird!, und anderseits die Sammelmöglichkeiten noch nicht im entferntesten ausgeschöpft sind. Es ist aber zu bemerken, daß in jenen Ziffern noch nicht die Kosten der Aptier.ung enthalten sind, und daß der Jüdische Nationalfonds wahrscheinlich im Momente. iin welchem der Vertrag mit der Schutzmacht perfektioniert sein wird, sehr große Summen auf einmal zur Uebernahme von Land benötigen wird. Er wird deshalb Anspruch darauf machen müssen, daß ihm aus der durch die Nationalanleihe oder Nationalspende aufzubringenden bedeutenden Summe ein größerer Betrag überlassen wird Auf alle Fälle ist der Jüdische NationaMonds, der mit dem Hauptteil seiner Gelder reale, allgemein als solche anerkannte Werte kauft, selbst im hohen Maße kreditfähig und könnte auch für sich allein eine Anleihe anfbringen. Außerdem gibt es noch andere Mittel, die Zeitdifferenz zwischen Eingängen und Ausgaben zu überbrücken. So hat Dr. Bodenheimer den Vorschlag gemacht, die Pächter von städtischem Grund mögen die Pachtrente für eine größere Zeitspanne durch eine einmalige Zahlung ablösen. Immerhin wird es der gewaltigsten Anstrengungen des ganzen Sammelapparates bedürfen, um auch nur jene Münde stsummen anfzubringen.- dre- Äs Hauptbüro den einzelnen Ländern im Wege der Kontingentierung auigelegt hat. Bleiben wir uns dessen bewußt: Wenn wjr den leidenschaftlichen Willen haben, die nationalen und sozialen Z.ele des Zionismus zu verwirklichen, so müssen wir mit allen Kräiten danach streben, diejenige Institution mit den nötigen Mitteln auszustatten, idle vor allen anderen ölazu berufen ist, 'die Vorbedingungen dafür zu schaffen. Wenn wir dieser Bedeutung, die der Jüdische Nationalfonds für die Durchführung unserer altneuiüdschen Gemeimschaitsideale besitzt, stets eingedenk bleiben werden, dann kann es wehe fehlen, daß wir alle Energien einsetzen werden, um das opfervolle Geben für den Jüdischen Nationalfonds .iin der Judenhaß nicht nur zu einer Pflicht, sondern auch zu einer mit Lust und Freude erfüllten Pflicht zu machen. Weltkonferenz Hapoel-Hazair-Zeire Zion, Prag In der dritten Sitzung werden zunächst die Rechenschaftsberichte über die Tätigkeit der einzelnen Gruppen entgegengenommen. Alsdann erstattet Elieser Joffe (Palästina) das Referat über die Arbeit in Palästina. Im Verlaufe dieses zweistündigen Referates setzt Joffe ausführlich die geographische Beschaffenheit, das Klima, die landwirtschaftliche und wirtschaftliche Lage in den einzelnen Landesteilen auseinander. Uebergehend auf die praktischen Fragen erörtert er zunächst die Vorbereitung unserer Mensche« für die Arbeit Palästinas, diese ungeheure Umwälzung in der sozialen und wirtschaftlichen Struktur des Volkes und kennzeichnet dann das Prinzip der Arbeitersiedlung. Das wichtigste Moment ist die Eigenarbeit. daß niemand mehr Boden zur Verfügung hat als er bearbeiten kann und wovon er /eben kann. Von prinzipieller Bedeutung ist für uns die Verbindung des Einzelnen mit dem Boden. Wir müssen anstreben, daß jede Privatwirtschaft eine geschlossene Wirtschaft ist, die ihren Bedarf selbst produziert. Sollte dies nicht durchführbar sein, so müssen wir wenigstens trachten, daß das ganze Land unsere Volkswirtschaft, eine geschlossene Wirtschaft ist. die nicht auf andere Völker angewiesen ist. Wir müssen auch die städtische Siedlung. die heute größer ist als die ländliche, in ein richtiges Verhältnis zur ländlichen Siedlung bringen. In der Debatte über diesen Punkt sprechen unter anderen Twerski. Siirinzak. Kaplan und Schweiger, worauf diese mit der Wahl einer Palästina-Kommission beendet wird. Am nächsten Tag beginnt die Programmdebatte. die mit einem längeren Referat Arlosoroiis eingeleitet wurde. Von der eigentümlichen wirtschaftlichen Situation des jüdischen Volkes ausgehend, kommt der Referent zu dem Schlüsse, daß der jüdische Sozialismus sich nur auf zwei Typen produktiver Arbeiter stützen könne, auf den Bauer und den Handwerker und als seine gesellschaftliche Zelle bezeichnet er die autonome Kommune. Der Klassenkampf kann seihst nach streng marxistischen Anschauungen die Wirtschaftsfrage des jüdischen Volkes nicht lösen. Vielmehr nur die Ueberfiihrung der jüdischen Massen zur produktiven Arbeit auf dem Wege zur Kooperation. Dr. Martin Buber bezeichnet das Programm als eine Synthese zwischen Gemeinschaft, in der die Menschen zu einander in direkter menschlicher Beziehung stehen, und Gesellschaft, die keine organische Verbundenheit, sondern geordnete Getrenntheit ist. Der moderne Sozialismus will dem Mechanismus des. Staates die größte Macht geben. Es gibt aber einen anderen Sozialismus. der die Tendenz zur Gemeinschaft darstelit. Innerhalb dieses'Sozialisrmts. dem es auf lebendige Beziehung des Menschen zum Menschen, zu den Dingen, zur Natur, zur Arbeit ankommt, wird das Arbeitsproblem durch eine integrale Arbeitsform im Sinne der Vorschläge von Kraootkin durch Zusammenlegung landwirtschaftlicher und industrieller Funktionen gelöst werden. Die autonome Gemeinde muß die Zelle des Gemeinwesens sein, es kommt darauf an. die richtige Demarkationslinie zwischen den zentralistisch zu regelnden technischen Funktionen des Staates und der Kompetenz der Gemeinde zu ziehen. Eine Gemeinde kann nur dort entstehen, wo Gemeinschaft ist. Hapoel Hazair ist in unseren Augen als Lebenskreis der Anfang einer solchen Gemeinschaitsbildung. A. D. Gordon: Zur Arbeit in Erez Israel komme ich nicht nur aus der Forderung nach einer neuen Gesellschaftsordnung, sondern ich komme dazu aus .meinem ganzen Menschen, aus fanden sich dreißig kleine Fläschchen mit Blut. Auf jedem Fläschchen -waren Zettel aufgeklebt, die die Namen, des Rabbi Löw, seines Soluies, seiner Schwiegersöhne und anderer hervorragender Gemeindemitgüeder zeigten. Als der Golem diesen grausigen Fund vor Rabbi Löw brachte, war er hocherfreut, daß es ihm gelungen war, einen solchen gefahrdrohenden „Schatz“ zu finden. Er befahl dem Golem,, das Körbchen mit dem geschlachteten Kinde durch den unterirdischen Gang in den Keller des Taddäus zu tragen und dort zwischen die Weinfässer zu stellen, dann aber gleich zurückzukommen. Der Golem entledigte sich des Auftrages, den Rabbi Löw ihm gegeben, und nach etwa einer halben Stunde war er zurück. Nun beauftragte Rabbi Löw den Golem, ein Grabscheit zu nehmen und eine tiefe Ausgrabung zu machen, in diese die Bluttlaschen zu werfen und, nachdem er sie völlig zerstampft hätte, das Grab wieder mit Erde zuzudecken, damit man nichts merken könne. . Am Pessachrüsttag, gegen 10 Uhr vormittags, erschien der Polizeihauptmann in Begleitung einer großen Zahl von Schergen!, die fast alle jüdischen Häuser überfielen, wo sie gründliche Durchsuchungen Vornahmen. Der Polizeihauptmann, den Taddäus begleitete, nahm selbst Durchsuchungen bei Rabbi Löw, seinen Kindern und mehreren Gemeindemitgliedem, vor. Als sie nun unverrichteter Dinge an dem „Fünfer-Palast“ vorbeigingen, sagte Taddäus so „zufällig“ zu dem Polizeihauptmann, er glaube, es wäre richtig, auch in den Kellern der Ruine mit Rücksicht auf deren Nähe zur Synagoge eine Durchsuchung vorzunehmen, welchem Vorschlag der Polizeimeister zustimmte. Man durchsuchte den ganzen Keller, fand aber keine Spur von dem. was Taddäus mit Bestimmtheit erwartet hatte, so daß er vor Entsetzen zu wanken schien. Während diese unerwarteten Ueberfälle sich abspielten, waren die Gemüter der Juden voller Schrecke:-, und sie kamen gramgebeugt zu Rabbi Löw. Dieser beruhigte sie, also sprechend: „Seid mir getrost, Brüder, Gottes Hilfe kommt im Fluge eines Augenblickes und wird euch wie immer schützen." Als das christliche Osterfest heranrückte, befahl Taddäus seinem Diener Waclaw, den Weinvorrat aufzunehmen, damit er wisse, wieviel Wein er für die Feiertage nachzubestellen habe. Während Waclaw im Keller aufräumte, die Weinfässer und Flaschen ordnete, stieß er auf die Leiche eines Kindes. Beim Anblick derselben taumelte er und wäre beinahe in Ohnmacht gefallen, denn er erkannte sein verschwundenes Kind. Er begab sich unverzüglich zum Poiizelhauptmann und erzählte dort den Vorfall. Bald erschien eine behördliche Kommission und es wurde ein Protokoll über den geheimnisvollen Fund aufgenommen. Die Erhebungen ergaben, daß Taddäus der Mörder dieses Kindes xvar. Er wollte einerseits gegen die Juden eine Blutanklage erheben, anderseits wollte er sich an Waclaw dafür rächen, daß er Rahel Berger an ihre Eltern ausgelieiert hatte. Als das Kind verschwunden war, natte Taddäus dessen Eltern eingeredet, daß es von den Juden als Osteropier geschlachtet worden sei. Auf seine Veranlassung begaben ich die Eltern zur Behörde, wo sie die Anklage gegen die Juden erhoben und um Hausdurchsuchung baten. Zunächst leugnete Taddäus. seine unselige Tat; als er aber einsah. daß es zwecklos sei, da eine Kette von Umständen für seine Schuld sprach, legte er ein vollständiges Geständnis ab, verteidigte sich jedoch damit, daß er an seinem untreuen Dienernder den Juden bei der Entführung eines Mädchens geholfen hatte, Rache nehmen wollte. Doch Waclaw stellte dies in Abrede, ei zählte vielmehr, daß sich das Mädchen selbst das Leben nahm, weil sie Taddäus wie in einem Geiängnis eingesperrt hielt. Taddäus wurde zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt und seines geistlichen Amtes unwüidig erklärt. So möge es allen deinen Feinden, o Gott, ergehen! Wer aber den Chumez, der geeignet war, das Leben den Juden Prags sauer zu machen, aus dem „Fünfer-Palast" weggeräumt hatte, wußten nur die Vertrauten des Rabbi. Löw. Kleines Feuilleton ' Humoristisches. Bardeieben. In.der Klinik des vor einigen Jahren verstorbenen berühmten Berliner Chirurgen Bardeieben befand sich auch ein jüdischer Mann aus Russisch-Polen, der den Professor stets mit ..Herr Barde" ansnrach. Ais der grolle Arzt ihn eines Tages etwas unwirsch iragte, weshalb er ihn denn nicht ..Bardeieben" nenne, meinte der Pole verschäumt: .Een trau mir noch nich!“ Bardeieben bat sicii aas. daß der Patient ihn bei seinem vollen Namen nenne oder diesen ganz weglasse und nur ..Herr Professor" zu ihm sage: „Wollen Sie das tun, Herr Kerschbaum?" iragt er dann. ..Und wie gern. Herr Proiessorlcbe:i,“ antwortet der Kranke. „S i e a u c h . . . ." Kcrschbaum liegt auf dem Operationstisch und wird narkotisiert-. Er hat schon zu zählen amgeliört und liegt ganz regungslos da. Professor Bardeieben tragt, ehe er das Messer ansetzt, seinen Studemeii d!e Krankengeschichte des Mannes vor und schließt m:t den Worten: „Die Eltern des Patienten sollen übrigens leben und gesund sein . . ." Da setzt sieh Kerschbaum plötzlich auf und sagt lebhaft' „Sie auch, Herr Professoricnen: Sie auch, und Ihre Kinder und Kindeskinder .