Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 13 (1919)
- Issue
- 33 (15.8.1919)
- Date
- 1919-08-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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1 Jahrgang XIII, Nalional-jüdifches Organ Redaktion und Administration: . .Pb* li., Taboratraße I Penupjeehet Kr. 4$03Sii. 43319 Mit der Beilage: „Der jüdische Nationatfond*“ W*B| FraHag, iw tS. Aogast ifN B^zafapreia: Vierteljährig 6 X ganaj. 24 K, Eüuelaämmer BO h Postäparkauenkonto 133.404 Die soziale Gefahr Dre Diskussionen, weiche bei der Konferenz der Arbeiterpartei „Hapoel Hazair“ in Palästina j^gefü&t ■wrerden. müssen jeden ernsten Zionisten iJ^Hst nipchdenklich stimmen Es kann .kein Zw<ei- Jel darüber bestehen, daß die im „Hapoel Hazair" organisierte Arbeiterschaft das wertvollste Kolonisatibnselemcat darstellt, über das wir heute in .Palästina verfügen. Es ist jene Gruppe idealistisch gesinnter junger Menschen, welche den Aufbau des jüdischen Gemeinwesens durch eigene Arbeit [jrgtjbringen wollen: Jeder > einzelne persönlich {hirfiji seiner Hände Werk schaffend, in seipem; »Leben das; nationale , .Ideal verwirklichend, nicht etwa durch Propagierung '«gges" politischenPf ogrämmes mittelbar .j^r’ für die Idce.eiPtretend. Diese'Menschen wLs- §ep..’da^ sie m ihrem persönlichen Leben Opfer »bangen müssen. Sie begnügen sich nicht mit der spböneti - Geste, sie schwelgen nicht hn Rausche der .Begeisterung, sondern sie wissen, daß das eigentliche Werk nur durch' die bescheidene ätv- /spruchslose und hingebungsvolle Arbeit des einzelnen vollbracht werden .kähn. Diese .Menschen '^d die ■eigentlichen Pioniere .unserer Idee. Sie si^.die wahrhaften Exponenten der -jüdischen »Renaissance, wie denn auch im ihrem Munde das Wort „Techiath Haam“. Auferstehung des Volkes, einen’ besonderen Klang' und eine besondere Ber ^eptüng; hat’ Sie stehen mit gangem Einsatz für IffieVjüdische Idee ,ein. viele von ihnen haben in . ihrem Dienst ^das Leben gelassen.: Daß dieser Typus überhaupt möglich war. ist eines der größten Wunder unserer Geschichte. ' ■ ' . . ^'Die^SufCTstehMfr^des.Volkes: ist^aber Üiän- ^farbloses-nationales Ideal-. Zugleich, mit dem Willen, daß das jüdische Volk leben soll, erwacht auch die Forderung., wie es leben soll, um gut und [seiner Sendung gemäß; zu leben. Die Wiedererweckung der alten jüdischen Kultur, die Wiederbelebung der hebräischen Sprache Ist eine unerläßliche Konsequenz der nationalen Arbeit Aber die; nationale Kultur wird sinnlos und Stückwerk " bleiben. " wenn nicht das Zusammenleben . der Menschen; in der neu entstehenden Gemeinschaft „auf jenen Grundlagen beruht, die : allein :der , menschlichen Würde jedes Individuums angemessen sind. Die jüdische Gemeinschaft in Palästina jjdprf nicht von jenen Krankheiten und Verirrungen der menschlichen Gesellschaft heimgesucht werden. die beute im kapitalistischem Europa und Amerika den rücksichtslosen Kampf, aller gegen . ajle herauibeschworen haben. Egoismus und Miß- , trauen zu den beherrschenden Mächten des öffent-; ifcben Lebens machen, die menschliche Qeineih- . Sjcfyaft; zerrütten und in, unversöhnlich; feindliche Lager spalten. „Hapoel Hazair*' kämpft auch für ,-sehj sozial es Ideal, das für ihn mit dem nationalen unzertrennlich verbunden Ist Aber dieser Kampf wird nicht in der Form politischen Partejwesehs ausgetragen, er soll nicht Jene Form annehmen, die anderwärts der Klassenkampf hat: .der Name des Sozialismus ist heute so sehr durch „^ie ’ Gassen geschleift, die Versuche, seiner Verwirklichung durch politische und staatliche Mittel sind so offenkundig gescheitert daß allmählich doch .die Menschen. Insbesondere die wahrhaft sozialistisch Gesinnten, zur Einsicht kommen wer-. „vden,[daß .der Sozialismus nur. hi der Stille, in der Arbeit, Im Leben des einzelnen in der freien Gemeinde verwirklicht werden kann. In diesem Sinne sozialistisch zu leben.' Palästina auf der Basis; .e}jies organischen Sozialismus aufzubauen. ist das Programm des „Hapoel Hazair“., das theoretisch noch gar nicht ausreichend fundiert ist. wie sich sowohl bei der Konferenz in Palästina, als auch . bei .den .verschiedenen, Diskussionen in der Galuth .. erwiesen, hat! Aber vielleicht ist hier eine. Bewegung.-die gar'keiner Theorie' bedarf; sondern erst in der Praxis des Lebens ihre Bewährung und ..Rechtfertigung finden wird. .; Das Bedenkliche, das sich nun in Palästina jetzt schon zeigt, ist die Tatsache, daß ein großer Teil der Kolonisten diesem nationalen'Ideal, das ungleich ein soziales ist, völlig verständnislos gegenübersteht Eine Anzahl von Kolonisier: und Hausbesitzern bet sich vor einiger Zeit m der bürgerlich-demokratischen Partei „Haesrach“ organisiert. damitalso formell > den bürgerlichen Klassenstandpunkt für steh akzeptiert:Diese Partei ist zwar national, sie tritt für die Hebräisiercng des Landes und für die bebräisebe Kultur ein. aber in ihrem wirklichen Leben stellt sie den Profit über das nationale Interesse. Die Kolonisten beschäftigen arabische Arbeiter, wenn, diese billiger sind als Jüdische, und wenn sie jüdische Arbeiter einstelJen. so nehmen sie ihnen gegenüber den Herren-Standptmki ein, nicht nur, indem sie ihre Arbeiter ausbenten, sondern auch indem sie sie ta unwürdiger Weise -ihr AbhängigkeitsverhäHnis fühlen lassen. Auf der Konferenz des .Jiapoel Hazair“ hat insbesondere . eine. Anzahl neu angekommener Immigranten über das Verhalten der Kolonisten schwere Klage geführt-Die Stimmung der Arbeiter, welche nicht um. des Lohnes willen, sondern um der nationalen Idee - willen ln Erez Israel arbeiten wollen, wird durch -dieses Verhalten der Kolonisten aufs äußerste gereizt Es ist klar, daß diese Verhältnisse zu einer : EmWicklung führen müssen., die dem europäischen - Klassenkampf verdammt ähnlichsieht Der Kiessenkampf ist hier aber nicht nur ein Kampi der Ausgebeuteten gegen die Ausbeuter, sondern ejn Kampf der um ibre ^ationaie IfJee Betrogenen 'siezen die Pseudonationalisten. Darum sollte ' heute "schon mit aller Klarheit -ausgesprochen -werden1 — imd auch die Leftühg der zionistf- -schen Organisation sollte es,;an Deutlichkeit nicht fehlen lassen —. daß die gesamte zionistische Öeffentllcbkeit weiche das jüdische yolk auTd$B Marsche ist." steht Es wäre das größte Unglück: das unserer Bewegung widerfahren könnte, wenn: der Kampi um die Durchsetzung der reinen nationalen Idee auf die;Ebene der europäischen 'Klassenkämme herabanicen würde. Darum muß besonders der eine? Grundsatz, der bei uns schöngeradezu symbolische"* Bedeutung hat die Nationalisierung" vo.n.Grund und Boden. unbedingt angenommen werden, trotz. . allen Einwendungen und Bedenken, die dagegen geltend gemacht-worden sind: Die Erklärung des Bodens als Gemeineigentum muß das oberste Prinzip unserer Veri?;-‘sein Der nächste -Zionistenkongreß, der vVe-»e dicht allzulange mehr auigeschoben . - ird. wird über diese Frage zu entscheidet; r.,k‘ iund von. dieser Entscheidung wird vieiieici- - «ganze Entwicklung - unseres Volkes abfaänget; "1 Bei de ' “ferenz wurden auch mehrere Fragen der *?:;ri-nisation erörtert insbesondere die Immlgraiit-•["die Beschaffung von Arbeit fpr die. Neuaiik -lenden. Esergabew sich Meinungsverschiede.': :ian darüber, welche Ansprjuche der ' Arbt •zu stellen hat Wenn auch an die .zionistisch ^’ ^itung. bestimmte Forderungen nachdrücklich >. ' -eilt werden, so ist doch die Arbeiterschaft des . lapoel Hazair“ sich dessen bewußt, daß die Lösung" der Probleme nur durch die Arbeiter selbst erfolgen könne. Jedenfalls, aber muß die Organisation gewiss« Voraussetzungen schaffen. Das gerade jetzt veröffentlichte Kolonisationsprogramtn des A. C. gibt die Hoffnung, daß die Leitung* sich über die Bedeuäng. dieser Verpflichtungen klar ist Dre Juden in der Galuth und vor allem-die Zionisten müssen aber rechtzeitig die Tragweite dieser Probleme (»kennen und. dazu .Stellung nehmen. Es . genügt nicht wenn wir immer wieder mit Genugtuung die Nachrichte« über die Arbeit zur Kenntnis nehmen. die unsere politischen Führer für uns ge-» leistet haben. Zuviel Begeisterung kann uns leicht in einem verderblichen Schlummer wiegen. Es tut not, daß wir mit voller Klarheit die Verpflichtung; und Aufgabe des einzelnen zur Realüserimg unse-; rer Auferstehung erkennen. Und daß diejenigen, deren Leben noch zu' sehr in den Beziehungen der Galuth verstrickt ist wenigstens im Geiste [ mit jenen sind, die hingehen and arbeiten. Der Konunentar zum zionistisches Budget -Etat Organisation«- und Arbeitsplan der zionistischen Leitung. Das offizielle Kopenhagen« Bulletin der -zionistischen- Organisation veröffentlicht das Budget für das laufende Arbeusjahr. (Siehe nächste- Seite:) - . . im Konunentar zu diesem Budget wird folgendes ausgeiuürt: . . .Während des Krieges war das Londoner Bureau der Zionistischen Organisation die Zentralstelle für die politische Arbeit in den Entente- Ländern und.neuerdings auch für die Arbeit in Palästina. Bei Abschluß des Krieges beschloß das .Große Aktions-Komitee aui Vorschlag des Engeren Aktions-Komitees, das Zentralbureau der Zionistischen [Welt-Organisation nach London zu verlegen lind' Herrn Dr. Chaim Weizmann an Stelle des verstorbenen Führers Dr. Jechiel Tschl enow zum Mitglied des Engeren Aktions- Komitees zu wählen. Diese Beschlüsse wurden vqp der interterritorialen zionistischen Konferenz bestätigt; die vom 23. Februar bis zum 12. März in London stattgefunden hat Das Große Aktions- Komitee; von dem gegenwärtig 12 Mitglieder aktiv an der Arbeit in London und Paris teilnehmen, hat sich für permanent erklärt AJs Erg.ebnis der Beschlüsse der Sitzung des .Qraßen Al(tiöns-KoinUc£s ist die Organisation umd°d zerläßt Jetzt in folgende fünf :L T^pj-Ltiisch'es Departement unter Letträg'vQnDr. Chajm Weizmana und Nahum .SosKpiaw; -2. Jüdische Rechte in der. Diaspora unter Leitung von Leo M o t z k i n; 3. Allgemeines Organisations- Departement unter Leitung von Dr. Victor J acobson; 4„F in n.nz -D epa r t ement unter Leitung von Boris Goldberg; 5. Erzie-huUES -,vD epa r.t e me ufe-, unter - Leitung Voü.Dr. Schmaria Levin; 6. Palästina-Departement unter Leitung von Julius Simon. , L und li Politisches Departemeut. Die politische Arbeit iür den Wiederatrfbau i Palästinas als der nationalen Heimstätte für das jüdische Volk und ebenso iür den Erwerb der nationalen Rechte in der Diaspora hat gegenwärtig ihre zentrale Stelle in Paris. Eine Reihe von Mitgliedern des Erweiterten Großen Aktions-Komitee« nehmen an dieser Arbeit teil, ebenso auch die palästinensischen und amerikanischen Delegierten. An der Arbeit für den Erwerb der nationalen Rechte in der Diaspora nehmen die Delegierten von Amerika imd dfe Abgeordneten der verschiedenen jüdischen Nationalräte aktiven Anteil. (Der für das politische Departement assignierte Betrag beläuft sich auf Lst 26476.) Durch dlejiferieguhg des Zentralbureaus der Zionistischen Organisation nach London übernimmt das Londoner Bureau die Leitung der - gesamten Organisationsarbeit . . , Dfe Basis dieser Arbeit wird in der Stärkung der Zionistischen Organisation als Gesamtheit nnd der Koordinierung und Subordinierung der zionistischen Landesverbände in der ganzen Welt bestehen. Ein spezielles Bureau ist innerhalb der Loadoncr Verwaltung zu diesem Zweck geschaffen worden. Es wird die Aufgabe haben, die Bezie- - hungen zwischen der Exekutive der Zionistischen Organisation und deren weitverzweigten Teilen za erneuern. Die Fäden der Organisation haben sich während des Krieges gelockert und eine Rekonstruktion ist notwendig. Das Organisations-Departement wird sich bemühen, m enge und persönliche Korrespondenz mit den Landesverbänden zu treten und wird eht regelmäßig erscheinendes Kommunique herausgeben, um vollständige Informationen über alle Angelegenheiten von Interesse zn bieten. Ferner wird eine periodisch erscheinende Revue in hebräischer und englischer Sprache herausgegeben werden, die alle zionistischen und -palästinensischen Fragen sowie alle allgemeinen Angelegenheiten des Jüdischen Lebens erörtern und über die Fortschritte des jüdischen Volkes auf allen Gebieten berichten wird. Das Publikations-Departement wird soweit wie irgend möglich unsere Ideale und unsere Palästina-Arbeit erläutern und der Oeffentlichkeit bekannt machen. Das Organisations-Departement wird auch Pläne für die Veränderungen vorbereiten, die die neuen Verhältnisse der Zionistischen Organisation auferlegen werden; es wird die Beziehungen der Zionistischen Organisation zu irgend welchen neuen Körperschaften, die geschaffen werden müssen, bestimmen und Pläne für die Organisierung solcher neuer Körperschaften ausafbeiten. Diese Pläne werden dem nächsten Kongreß unterbreitet werden, wo nach ihrer Erörterung, die Entscheidungen formuliert werden sollen: :r| -i'.,. ■f! -■i