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Jüdische Zeitung · 1919-05-30 · 22 (30.5.1919) · p. Seite 6

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
13 (1919)
Issue
22 (30.5.1919)
Date
1919-05-30
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 JÜDISCHE ZEITUNG Kr. 22 gerechtigkeiten der gegenwärtigen Wirtschaftsordnung bekämpfen und unsere Kräfte für eine wahrhaft soziale Verwaltung dieser Stadt einsetzen. (Lebhafter Beifall.) Mitteilung des Unterrichtsamtes des Jüdischen Nationalrates. Um der Zersplitterung und Kräftevergeudung, die gegenwärtig auf dem Gebiete des jüdischen Bildnngs- und Unterrichtswesens herrscht ein Ende zu machen, plant das Unterrichtsamt die Zentralisierung aller iüdischkuiturellen Bestrebungen. An die Stelle systemloser.' vielfach unfruchtbarer Einzelaktionen der Vereine soll eine einheitliche und planmäßige, die vorhandenen Kräfte zusammenfassende Wirksamkeit treten. Und zwar soll in dem Unterrichtsamt eine Zentralstelle geschaffen werden, von der insbesondere größere und schwierigere Aufgaben auf dem Gebiete des Jüdischen Bildungs- und Unterrichtswesens in Angriff genommen und einer sachgemäßen Lösung zugeäührt werden sollen. Die Organisationen und Vereine, deren Tätigkeit sich auf das jüdische Erziehungs- und Bildungswesen erstreckt werden daher ersucht sich so bald als möglich schriftlich beim Unterrichtsamt des jüdischen Nationalrats. IL. Taborstraße Nr. 20 a. anzumelden. Nach dem Eintreffen der Anmeldungen werden an diese Vereine Einladungen zu einer Beratung behufs Schaffung einqs Kulturausschusses ergehen. Zionistische Bewegung Die Palästinatagung der deutschen.Zionisten. Aus Berlin wird uns telegraphiert: Der außerordentliche Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland wurde Montag, den 26. Mai im Saale des Rheingold in Berlin eröffnet Anwesend waren über 150 Delegierte, zahlreiche Mitglieder des Zentralkomitees und etwa 1000 Gäste. Es ist eine viertägige Dauer der Konferenz in Aussicht genommen. Nach der Eröffnung hielten folgende Herren Begrüßungsansprachene*Prof. Warb u r g, namens des Aktionskomitees, S. Rubaschoff, namens des Poale-Zion-Verbahdes, Dr. Tartakower für den zionistischen Landesverband Deutsch- Österreich, Ellenberg für die zionistische Organisation Polen. Dr. Alfred Klee brachte eine Protestresolution gegen die Judenpogrome ein. Die Versammlung erhob sich zu Ehren der ermordeten Juden und leistete einen erneuerten ■Schwur der treuen Arbeit für unser Volk. Hierauf erstattete Dr. Hantke das politische Referat, , in dem er vor allem auf die Notwendigkeit einer Arbeit für den Palästinaaufbaufonds hinwies. Daran schloß sich, eine kurze' politische 'Debatte. Der nächste Referent Davis'" I rietsch erstattete das Referat über Ansiedlangsmöglichkeit in Palästina. Verband zionistischer Verbindungen. Di$ weit vor den Krieg zurückreichenden Bemühungen, die Wiener zionistischen Hochschidverbindungen zu gemeinsamer Arbeit und enger Kameradschaft zusammenzuschließen, waren trotz der schwierigen Verhältnisse sofort nach Rückkehr der Mitglieder vom Felede mit Energie aiifgenommen worden, und war’ es das Verdienst des unermüdlichen Herrn Leo Artur Robitschek („Ivria“), Tagungen zur Schaffung der notwendigen organisatorischen Grundlage einer Vereinigung durchgeführt zu haben. Die letzte dieser Tagungen beauftragte mit den Vorarbeiten den Senioren-Konverit, der besonders nach Anregungen der Herren Lilienfeld („Kadimah“) und Grünspan („Libanonia“) unter der zielbewußten Leitung des Herrn Dr. Weidenfeld («Kadimah“) seiner Aufgabe nachkam. Nach einmütiger Annahme der vom Senioren-Konvent vorgelegten Entwürfe durch die beteiligten Korporationen erfolgte nun am 24. Mai die feierliche Konstituierung des „Verbandes zionistischer Verbindungen“. Im Namen des abtretenden Senioren-Konvents begrüßte Dr. Weidenfeld die grundsteirilegende Tagung. Dr. Weidmann legte die Statuten und die Kadidatenliste des'Verbandspräsidiums vor, die per acclamationens angenommen wurde, worauf Dr. Weidenfeld den Vorsitz dem Präses des „Verbandes zionistischer Verbindungen“, Dr, Eckstein, übergeben konnte. Nach den Statuten bezweckt der Verband die gemeinsame zionistische Arbeit der in ihm vereinigten Verbindungen „Ivria“, „Kadimah“, „Libanonia“, „Makkabäa“, „Robur“, „Unitas“, „Zephira“ und den engsten kameradschaftlichen Zusammenschluß ihrer sämtlichen Mitglieder. Die Leitung besteht aus den Herren Dr. Eckstein („Libanonia“) als Präses,' Dr. Weidenfeld („Kadimah“) ais Viz<^räses und JUC. Schnitzer („Ivria“) als Schriftführer. Zu Referenten wurden bestellt: 1. Kulturreferent für zionistische und sonstige Erziehmigsaufgaben: Dr. Zänker („Unitas“). 2. Sportreferent: Herr Felix Kraus („Makkabäa). 3. Finanzreferent: Dr. Klüger („Robur“) und 4. Veranstaltungsreferent (technische Durchführung sämtlicher Veranstaltungen): Dr. Weidmann. Präses Dr. Eckstein skizzierte in prägnant gefaßten Grundsätzen die nächsten Aufgaben des Verbandes und wies vor allem auf die stolze Vergangenheit der Verbindungen hin, hob scharf die rückschrittliche Haltung der unsere Universität leider noch immer beherrschenden deutschnationalen Clique hervor, ■ forderte energisch engen Zusammenschluß aller Mitglieder und sprach die Erwartung aus, daß die Studenten sich wieder den ihnen als den geschulten Intellektuellen gebührenden Platz in der zionistischen Bewegung erarbeiten werden. Er schloß mit einem Aufruf zu vereinter Arbeit Hierauf begrüßte Herr Heinrich Margulies im Namen des provisorischen zionistischen Landeskomitees diesen freudigen Tag unserer Studentenschaft und wies ihr den Weg innerhalb der Bewegung als der Gruppe, die eine organische Synthese zwischen Wissenschaft und Leben herbeizuführen haben wird. Im Namen des jüdischen Hochschulausschusses begrüßte Herr med. Vogel in begeisterten Worten die vielversprechende Einigung. Tiefen Eindruck machte das tief empfundene ehrliche Gelöbnis in unserer zionistischen Idee, das Herr Skutezki („Unitas") in kurzen Worten ablegte. Nach einer aufmunternden Begrüßung des Herrn Sitzmann („Kadimah“) im Namen der „alten Herren“ schloß Dr. Eckstein die offizielle Tagung. Außer den bereits genannten Persönlichkeiten hatten der Tagung auch Dr. Schallt und Dr. Z w ei g (Palästina-Amt) beigewohnt. Israelitische Kultusgemelnde Wien. Die Privatistenprüfungen aus israelitischer Religion für Schüler (Schülerinnen) an Volks- und Bürgerschulen finden für das zweite Semester des Schuljahres 1918/19 nach nachfolgender Einteilung statt: für Schüler (-innen) wohnhaft im Bezirke Tag und Stunde der Prüfung Oft der Prüfung L. D., XL und XX. Dienstag, 3. Juni v. 11*/«—12*/« vorm Mittwoch, 11. Juni v. ll»/*—12V« voim. dto. 18. Juni v. ll'U—l&U vorm, dto. 25. Juni v. 11*/*—121/* verm. I, Seitenstelteng. 2 IL Stock RUigionsschule HL bis inkluslv X. und XIX. A. Volksschüler ('-innen) Montag, 16. Juni v. 2—4 nachmittags Freitag, 20. Juhl v. 2—4 dto. Montag, 23. Juni v. 2—i dto. Donnerstag, 26. Juni v. 2—4 dto. B. Bürgerschüler (-innen) Donnerstag, 12. Juni v. 2—3 nachm. I. Seitenstetteng.2 II, Stock Religionsschule xn-xv. Sonntag, 15* Juni v. 11—1 mittags ' Sonntag, 22. Juni v. U—1 mittags XV. Tumergasse 22 Gemeindehaus XWundXVn Montag, 30. JunlT, 11—12 vorm. XVI. Hubergasse 8 Gemeinde- - haus xvm, Freitag, 27."juni v.'3—4 nachm. XVffl.Schopenhauerstraüe 39 Gemeindehaus XXI Sonntag, 6. Juli v. 9—10 vormittags 4 XVL Ilolzmflnsterg.12 Gemeindehaus . Die Prüfungsfaxe beträgt1 K 6.— und wird im vorhinein an der . Kassa der israelitischen Kultusgememde. I., -Seitenstättengasse 4, 1. Stock, oder beider entsprechenden Amtsleitung dm 15., 16.. 18. und 21. Bezirke zwischen 9 und 12 Uhr vormitägs entrichtet. Die' Quittung ist dem Examinator vorzulegen! Der im I. Semester gelöste Erlagscheine über die Prüfungstaxe gilt auch für das II. Semester , des laufenden Schuljahres. Schüler, die die öffentliche Schule besuchen, können ab 15. Juni die Semestralprfifung ablegen. Gottesdienst am Schewuothfeste. Aus Anlaß des diesjährigen Schewuothfestes veranstaltet der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien — gleichwie im Vorjahre — an Stelle der infolge des semerzeitigen Brandes des Leopoldstädter Tempels entfallenden Gottesdienste folgende Andachten und zwar: Im mittleren Konzerthaussaal an folgenden Vormittagen: Mittwoch, den 4. Juni.imd Donerstag. den 5. Juni 1919. In der Bibelschule. II., Tempelgasse 3. an folgenden Abenden: Dienstag, den 3. Juni, und Mittwoch, den 4. Juni 1919. Zur Vermeidung des großen Andranges in den Gemeindetempeln zur Haskara werden vom Vorstande der israelitischen Kultusgemeinde Wien wie alljährlich auch am diesjährigen Schewuothfeste Donnerstag, den 5. . Juni, lim X9 Uhr früh im Saale des HotelPost L. Fleischmarkt 16. und im Saale des Hotel Continental. II., Taborstraße 4. anläßlich der Maskir-Andachten feierliche Gottesdienste veransalt'et Die Konfirmation der Mädchen in den Gemeindetempeln. Die israelitische Kultusgemeinde Wien teilt mit. daß die diesjährige Konfirmationsfeier für Abädehen wie folgt stattfindet: 1. Bezirk, Stadttempel, I., Sesltenstettengasse 4, Sonntag, den 1. Juni um 10 Uhr vormittags. 2.- Bezirk, Türkischer Tempel, II„ Zirkiusgasse 22, Donnerstag den 29. Mai 1919 -um 10 UJir vormittags. 15. Bezirk, FünihaUs, Turnergasse 22, Sonntag den 8. Juni 1919 um 10 Ulir vormittags. 16. Bezirk, Ottakring, Hubergasse 8, Sonntaig den 1. Junj 1919 um 9 Uhr vormittags.' 21. Bezirk, Floridsdorf, Holzmeisteigasse 12, Donnerstag den 19. Juni 1919 um 9 Uhr vormittags. Der'Eintritt' in den Stadttempel "und Türkischen Tempel kann wegen Raummangel nur gegen Abgabe der Eintrittskarte gestattet werden. Die Plätze für die Verwandten der KonJirmaninnen bleiben nur bis %10 Uhr vormittags reserviert. ' ' ' Wiener Ortskreis der jüdischen , Landarbeiterschaft Fortsetzung der Besprechung der Organisationsgrundsätze von Eljahu Rappeport IV. Mitgliedschaft 1. Mitglieder werden über ihren Wunsch von der Vollversammlung aufgenommen. Der Vorgang der Aufnahme ist dlabei so gedacht, daß Bedenken gegen die Aufnahme eines MitgHedschaftwerbers nicht etwa in irgend welcher näheren Bestimmung der Vollversammlung vorgetragen werden, sondern bei irgend welchen Bedenken nur die Tatsache betont1 wird, daß solche vorliegen. Es wird sodann die Aufnahme des Betreffenden von dem Beschlüsse des Entscheidungsgerichtes abhängig gemacht 2. Jedes Mitglied muß zur Teilnahme an der landwirtschaftlichen Okkupationsarbeit in Palästina willig sein und sich darauf vorbe^ reiten. Jedes Mitglied muß daher (auch wenn er Arzt. Fabriksarbeiter, Handwerker usw. ist) die Arbeit am Boden als Ausgang der Bedürfnisse der'.Gemeinde anerkennen. „Landwirtschaftliche Okkupationsarbeit“ bedeutet in diesem Sinne die Gründung von neuen! Gemeinden, deren Gestaltung von den landwirtschaftlichen Bedingungen abhängig gemacht wird: Es ist dies so gemeint: Man kann bei der Gründung von Gemeinden auch die geldwirtschaftlichen Bedingungen zur. eigentlichen Grundlage machen und die Ausgestaltung der Gemeinde von dieser Geldwirtschaft abhängig machen, wie dies in allen europäischen Gemeinden, die wir gegenwärtig kennen; der Fall ist Man kann aber auch zum Gestaltungsprinzip die landwirtschaftlichen Bedingungen nehmen und das ist es, was für Gemeindebildungen innerhalb der Landarbeiterschaft allein in Betracht kommt Es werden also wohl auch Angehörige aller Berufe, «he nicht nur auf Geldwirtschaft gegründet sind, in der Landarbeiten schaft Platz haben, wenn die Bedürfnisse der. Landarbeiterschaft solche Spezialisierungen erfordern. Dabei gelte das Prinzip, daß etwa ein Lehrer, der mit dem Schulunterricht in einer kleinen Gemeinde vielleicht nur eine Stunde täglich beschäftigt.ist, einen Teil der übrigen Zeit wie jeder .andere der Landarbeit zuwende, da; wir ja. von der Ansicht durchdrungen sind; daß die Bodenarbeit-nicht bloß eine dem jüdischen Volke notwendige Mühe; sei, sondern Bindungen enthalte, die auch dem Einzelnen bewußt oder unbewußt heilend und (da es ja doch nicht alle verstehen werden) heiligend und wieder mit der Sfernenwielt und Er.denwelt das jüdische Volk wie den jüdischen’ Menschen zu verbinden imstande. der die Sterne und- Sonnen aus seinen Knochen verloren-und in reine Gesellschaftsbe- - Ziehungen aufgelöst hat. : Die .- aber kein Organ haben, dies zu verstehen, die mögen sich damit begüngen, daß die Erdarbeit für die Verdauung gesund sei und darum jeden möglichst zugänglich sein solle. 3. Jedes Mitglied verpflichtet sich, innerhalb der Gemeinden der Landarbeiterschaft auf allen Erwerb durch Ausbeutung der Arbeit anderer zu verzichten, sich die Anbeitsgesinnung zur wirtschaftlichen Grundlage der eigenen wirtschaftlichen Interessen zu machen und' innerhalb der Landarbeiterschaft nur in Gemeinwirtschaften zu arbeiten, ’ Was unter der Arbeitsgesinnung zu verstehen ist, wurde schon, ausführlich gesagt. Hier soll nur wiederholt werden, daß es die Befreiung der Arbeit von dem Gesichtspunkte des Er-' werbes-'ist Wenn solcherart Arbeit Leistung und nicht Erwerb ist, so ist es in einer solchen Gemeinde auch nicht möglich, fremde Leistung (Arbeit) wirtschaftlich auszubeüten. Dahingegen wird die Einbeziehung aller Leistung in die eigene Leistung dadurch allein schon von Ausbeutung z’i wahrer arbeitender Verbundenheit innerhalb der Gemeinde. Denn: es ist doc hklar, daß eine andere menschliche Beziehung etwa darin liegt, daß der Großvater Bäume pflanzt, die erst dem Enkel -Früchte tragen und darin, daß Menschen für Geld ihnen fremde Bäume pflanzen, die ein anderer des Geldwertes wegen sie pflanzen lassend, in Geldwert umsetzt. Noch eines. Warum verpflichtet die Landarbeiterschaft ihre Mitglieder nur innerhalb der Gemeinden der Landarb eiterschaft zu Gemeinwirtschaft und Arbeitsgesinnung? Muß man das rechte nicht unbedingt tim? Kann es denn genügen, es nur für sich selbst anwenden zu wollen und außerhalb der-eigenen. Gemeinde Wucher zu treiben? Damit aber verhält es sich so: Die Arbeitsgesinnung kann nur werkhaft innerhalb einer Gemeinschaft oder Gemeinde werden, die als Gesamtheit auf Arbeit und nicht auf Erwerb gestellt ist. Darum kann man von Mitgliedern eines Zweckverbandes, und das ist die Lahdarbeiterschaft, nicht verlangen, solange sie innerhalb einer auf Wucher gestellten Gemeinde leben müssen, demonstrativ zu verhungern. Das könnte nur eine religöse Sekte, um deren Aufbau es aber liier -nicht geht Dahingegen könnte die' Lahdarbeiterschaft Arbeitsgesin-ung predigen, um sie zu verwirklichen. Aber auch dies scheint uns eben nicht als der geeignete Weg, als den wir allein die Verwirklichung, in der eigenen Gemeinde betrachten. Also nicht um uns von dem herrschenden Erew Raw, dem herrschenden geldgierigen Pöbel zu entfernen, fordern , wir und wollen ■ wie - die eigenen Gemeinden, sondern um. die Geldgier selbst in ihm zu vernichtest * ' 4. bis 8. Die Mitglieder sind zu Arbeit,- Beitragsleistung, Spareinlagen; und in Streitfällen zur Unterwerfung unter ein gewähltes Entscheidungsgericht verpflichtet . ■ ■ 4k

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