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Jüdische Zeitung · 1919-04-25 · 17 (25.4.1919) · p. Seite 1

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
13 (1919)
Issue
17 (25.4.1919)
Date
1919-04-25
Page
Seite 1 (sequence 7)
Language
German
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Seite 1 Beilage zur JÜDISCHEN ZEITUNG ' - — .. —« — _ . i i . i ■ — — -- Hummer 17 DER JÜDISCH! NATION^LFONDS 25.1V. 2919 Keren Iafe»ie$h leiisrael :? und Paiästiha4mies « .Redaätionsschlüß am vorangehenden Sonntag-. Später einlaufende Spenden werden erst im nächsten Ausweis veröffentlicht. — Geldsendungen unr bb das Postap.-Kto. iGQ.208 Tel. 45-3-25. 3AMMELSTELLE FÜR ÖSTERREICH WIEN H/i. ZIRKUSGASSE NR. 33 Der »J&dische Natlonalfoads* ist dazu bestimmt, in Palästina Grand und Boden als tu* V er äußerliches Eigentum des IHdiacfaenVo&e» zu erwerbvai Mitteilungen des Palästina- Amtes Wilkanskys Palästinareferät bei der Londoner Konferenz Bei der Beratung über Kolonisations-Probleme erstattete Herr J. Wilkansky, der Leiter der Landwirtschaft- und Kolonisations-Abteilung •des zionistischen Palästina-Amtes in Jaffa dien einfötenden Bericht Herr Wilkamsky erklärte es als das Ziel des Palästina-Amtes, den Landwirt in Palästina auf die Stufe des amerikanischen Landwirtes zu. bringen, und zwar ungeachtet der Konkurrenz mit der viel niedrigen bezahlten Arbeit in Aegypten, Syrien- und Palästina. Um das za tun und um so großzügig zu kolonisieren, wie moderne Staaten es tun, müssen wir ein Programm aufstellen, das gleichzeitig auf die Ökonomischen,‘kommunalen und erziehlichen ErfOrder-. uisse der palästinensischen Einwanderer Rücksicht nimmt. Wir müssen auf die Eigenheiten der Juden achten, deren eine sich im palästinensischen Jtschuw ausspricht, nämlich den Wunsch der Juden-, entweder in Städt'en oder in großen Kolo- ’nien' zu. leben. Wir müssen deshalb dafür sorgen, daß unsere neuen' Kolonien wenigstens 100 Familien von Landwirten und vielleicht eine ebenso große. Anzahl Familien von Nichtlandwirten umfassen. Eine sorgfältige undgründliche Prüfung durch Sachverständige wird notwendig sein, wenn wie die Irrtümer und., die kostspieligen tind ungenügenden Unternehmungen vermeiden ‘ wollen, die sich bisher durch die Geschichte der jüdischen Kolonisation ziehen. Ackerbau-Unternehmungen sindfrüherdort begonnen worden, wo Weinbau steh am erfolgreichsten erwiesen hätte, und hätten sich die Kolonisten nicht immer im die zionistische Organisation und andere interessierte Körperschaften um Hilfe wenden können, so hätten sie vor dem Zusammenbruch gestanden. Wir müssenuns deshalb klarmachem,- daß,- wenn wir unsere Großkolojsisaüon in derselben Weise fortfübren wie bisher, dies zu einem Bankerott so großem Maßstabes führen wird, daß wir uns vielleicht "nicht mehr davon erholen können. Zwei Aufgaben stehen uns bevor: erstens die Vorbereitung des Lahdes für die'Menschen und zweitens die Vorbereitung der Menschen für das Land. Die Vorbereitung der Menschen, die für die Arbeit ganz sorgfältig ausgewählt' werden müssen, dürfte etwa vier oder fünf Jahre dauern. Diese Lehrzeit kann jedoch abgekürzt werden, wenn wir einen großen Stab von Expertem Und Lehrern haben, die sie schneller in die verschiedenen Zweige der Landarbeit einführen. Herr Wilkanski vertrat den ■ Standpunkt, daß selbst nach dieser Vorbereitung es wünschenswert sein wird, Wanderlehrer anzustellen, so daß jnan intensive Landwirtschaft entführen kämm, wodurch Palästina in den Stand gesetzt wird, eine-Bevölkerung von fünf bis sechs Millionen zu erhalten. Es ist notwendig, meinte er, in Palästina eine Ansäedhmgsbank einzurichten, wie es eme solche in Deutschland gibt, welche Darlehen auf Häuser und teilweise' auf die Ame- Tioiation des Landes gewährt Eine Sparbamk für die besonderen. Anforderungen der Farmer ist ebenfalls notwendig. Er befürwortet die; Ausarbeitung detaillierter Pläne für die künftige Kolonisation und eines vollkommenen Uebersiehtspianes über ganz Palästina. Von den verschiedene» Teilen Palästinas sollen Karten. gezeichnet und Skizzen 'aufgenommen werden mit der Angabe* wo Verwaltungsgebäude^ Felder, Straßen neuer Kolonien etc. angelegt werden sollen. Gesundheitsämter und Zentral-Auskunftsbureaus sind von Anfang an notwendig. Die Arbeit in dieser. Richtung hat bereits begonnen. Es gibt schon eine Kolonisations-Abteilung, eine technische und eine hygienische Abteilung. Diese arbeiten in Ruhe, stellen- Pläne auf und werden vorbereitet sein, wenn der Augenblick kommt, wo sich diese Pläne in d5# Tat umsetzen lassen. Herr Wilkansky legte: •ein Kolomisatiomsschenva .vor, das ein Budget von ÖOP Mülionem Lst. varsiehf. Einzelinteresse und Gesamtinteresse Ihr Verhältnis - za einander bei Landwirtschaft. Reederei, Industrie. Bankwesen, Handel, Versicherungswesen und Gewerbe. n.«) Am schwierigsten ist das Interesse der Gesamtheit gegenüber dem Handel zu vertreten, ffier Einzelinteresse und Qesamtihteresse in Efttkfefig mit einander zu bringen, ist sehr schwer, vjeüa nlcht unmöglich, deiru diese Interessen sind bfer einander nahezu entgegengesetzt, jedenfalls' ist -der Gegensatz zwischen Güterverteäung and; *) Siehe „Mitteähmgen des PalästiOarAmtefr“, „J*d. Ztg.“ Nr. 11 Tonn 14. Mär* d f. Verbrauch womöglich noch schärfer, als der zwischen Produktion und Konsumption. Es erscheint als eine unbestreitbare Tatsache* daß der Jude — vielleicht nicht infolge seiner Neigung hiezu, eher durch (he jahrhundertelange Anzüchtimg -rgeistig stark kommerzialisiert ist:. Mag ihn auch eine gewisse Raschheit des Denkens, seine bedeutende Anpassungsfähigkeit u. a. zu diesem Berufe wirklich eignen — daß unter den Juden sich eine' unverhältnisnißig große Zahl von Kauüeuten befindet, daran sind zweifellos die' sie umgebenden sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse schuld. Der Haupthachteil dieses gewiß auch wertvolle Seiten aufweisenden Kanfmannsgeistes ist die Neigung zu leichtem und mühelosem Verdienst, zur Spekulation. Nichts ist mehr geeignet einen Emzeltnenschen oder ein Volk zu demoralisieren und zit verderben und es gleichzeitig auch unglücklicher zu machen, als diese Erscheinung,. Auch aus diesem Grunde wäre, das Problem des Handels in Palästina mit besonderer Vorsicht! anzufassen. Im russischen und polnischen Ghetto ist oft zu sehen, wie die Bewohner einander wechselseitig Kleinigkeiten verkaufen und glauben, hievon leben, zu können. . Das ist ein besonders augenfälliges Beispiel für die Verschwendung von Zeit und Arbeit, mit der aber nicht nur der Ghettojude, sondern der moderne Handel überhaupt arbeitet. Besonders bezeichnendes Material für. diese Zeit-, Menschen- und Arbeitsvergeudung des. modernen Handels gibt Walther Rathenau. Zur Sanierung dieser Verhältnisse schlägt er Großkaufhäuser vor. Er will den Kleinhandel im größten Stile betreiben und dabei unnütze Kosten und die Verschwendung von Menschen, Zeit und1 Arbeitsleistung ersparen.1) Ein anderes, meiner Meinung nach sehr wertvolles Projekt, stammt schon aus dem Jahre 1897 von Michael Flürscheim.2) Er führt aus* daß der Handel von. heuteiru riesL'ti Vergeudung von Kräften sei,, wo iü Mensch*-,: das leisten, wozueiner ans? ■reichan würde, tr will deshalb geradezu ein, Handelsmonopol'') n Palästina entführen; In Verbindung dann: du Den nur .produktive Berufe ausgeübt worden, es dürfe keine Laden, keine Agenturen geben. Der Staat selbst errichtet «Be nötige Anzahl von -Bazaren und besorgt überhaupt den genauesten Zwischenhandel im Kleinen und Großen auf -ökonomischeste Weise. Hiedurch, würden dem Prolutenten Unsummen erspart und. doch dem Gemeinwesen eine die Grundpachtnahm: ergänzende Einnahme geschaffen. Auf keinem Gebiete gäbe es auch nur annähernd eine solch* V irgeuduirg wie auf däesem Gebiete — „der mit verhältnismäßig wenig Arbeit! erzielte Erfolg^ des Kaufmannes, die Spekulationschancen, die sein Beruf bietet, halten ihn von produktiver Arbeit ferne, deshalb wäre ein solches Handelsmonopol von erzieherischer Wirkung“. Hier wäre nichts iunzuzitfügen. Doch kann nur ein Handelsmonopol dies Staates oder des Kolomsationsamtes, kurz eines öffentlichen Faktors, in diesem Falle die Interessen der Gesamtheit wirksam vertreten. Die Errichtung dieses Monopols brauchte keineswegs gewaltsam zu sein. Ein mit sehr bedeutenden Mitteln und nicht in. erster Linie und ausschließlich auf größtmöglichsten Gewinn angelegtes öffentliches Unternehmen wird im Laufe der Zeit sicher alle anderen Handelsimtemehmungen im Lande aufsaugen können. Daß dies rasch und schmerzlos geschieht, ohne Schädigung der aufgesaugten Handelsunternehniimgen, ist nur eine Frage der Durchführung, eme sehr wichtige allerdings, aber doch schließlich nur eine kommerzielltechnische Angelegenheit. Ganz besonders wichtig dürfte ein Handelsmonopol der Nahrungsmittel und' Bekleidnngsgegenstände sein, vor allem der ersferen. Ein Getreidehandelsmonopol ist s eine Sache, die seit der römischen Kaiserzeit immer wieder zur Diskussion stand und sich immer wieder als notwendig erwiesen hat — zuletzt erst während des Weltkrieges bei den Zentrabnächten (ein derartiges Projekt vtusde z. B. von. Doktor Michael Hairüsch in einer Wiener Tageszeitung veröffentlicht. Dem Gewichte der dagegen sprechenden Gründe wird man 'rieh nicht verschließen können.— das wichtigste Gegenargument ist. daß ein derartiges Handelsmonopol nie so sachand zweckmäßig und gewinnbringend arbeiten kam, wie der vom Selbstmteressd geleitete Kaufmann. Das muß zugegeben werden, aber auf den Gewinn kommt es hier gar nicht an. Ein anderes Moment > gegen das Handelsmonopol Sn Getreide ist, daß die Spesen des Beamtenapparates - einer solchen Unternehmung im Verhältnisse größer sein würden, als die des einzelnen Kaufmannes. Aber alle diese Gegengründe verschwinden gegenüber der ungeheuren sozialen Wichtigkeit einer derartigen Einrichtung. *) Zum Beispiel in den Broschüren: ^Probleme der Friedaiswirtschaft“ und „Die neue Wirtschaft“. *). JDie.Welt“. Jahrgang 1897, Nr. 27. Seit© 4 v *) Es ist nicht ausdrücklich gesagt wessen, aber, an besten wohl des Wlrtsdi&ftsamtes selbst. Ein Projekt, die Versicherungsgesellschafte» zu verstaatlichen, hat der verstorbene Wiener Umversitätsprofessor Philippovich während des. Weltkrieges in einer Wiener Tageszeitung veröffentlicht Er legt dar, daß die Versicherungsgesellschaften ohne alles Risiko einen verhältnismäßig bedeutenden Gewinn -erzielen, die Arbeit der Versicherungsgesellschaft sei eine rein mechanische, die auch von einem staatlichen Beamtenkörper ohne Schwierigkeit geleistet werde» könnte. Die Form, in der diese Verstaatlichung stattfinden könne* möge entweder die vollständige Uebemahme der Versicherungsgesellschaften durch den Staat sein, oder eine Obligatorische Rückversicherung der VersieharungsgeseHscbafte* bei einer staatlichen Riickversicheritngsgeselischaft, die soam Gewinn der einzelnen Versicherungsgesellschaften teilhaben würde. Welche Art der staatlichen, oder richtiger gesagt» der gesellschaftlichen Beteiligung am Versicherungsgeschäfte besser ist, muß dem Urteil erfahrener Fachleute überlassen bleiben, ebenso die Art der Durchführung. Eine der schwierigstem Fragen ist auch die des Gewerbes. Vom Standpunkt einer rationelle» Wirtschaft aus betrachtet hat das Gewerbe überhaupt keine Daseinsberechtigung — ausgenommen hievon sind natürlich gewisse Spezialgewerbe, besonders Kunstgewerbe, Reparatur- und Montierungsgewerbe u. dgl m. Aber ein Gewerbe in Konkurrenz mit Großindustrie ist von vornherein infolge seiner unrationellen Arbeitsweise und seiner im Verhältnis zur Industrie viel geringeren Rentabilität zum Tode verurteilt Deshalb womöglich gar nicht erst entstehen lassen* Es ist von verschiedenen Seiten öfters darauf hingewiesen worden, daß die Großindustrie eme weitere Entwicklungsstufe der Kleinindustrie sei.- Diese Entwicklungsstufe der Kleinindustrie ist in dem größten und wirtschaftlich wichtigsten Teil» der Welt bereits überschritten, deshalb ist es vorteilhafter, von vornherein nur eine Großindustrie entstehen zu lassen. Die Frage dabei ist nur, ob es gelingen wird, die Wirtschaftsstufe des Gewerbes in der neuen Wirtschaitsentwicklung Palästinas einfach zu überspringen. Die Sozialisierung der Großindustrie garantiert immerhin ein gewisses wirtschaftliches Niveau, auch des einzelnen Arbeiters. Er lebt schon jetzt nicht mehrganz von heute auf morgen. 1 Die meisten Bedarfsartikel entstammen der Kleinindustrie. Es sollen aber nicht nur Gebrauchsgegenstände für den eigenen Bedarf, sondern Gebrauchsgegenstände über den eigenen Bedarf hinaus, d. h, Waren, erzeugt werden. Der Unterschied zwischen Industrie und Gewerbe ist kein prinzipieller, sondern nur ein gradueller, eine Ueberführung des Gewerbes in Kleinindustrie und der Klent- In Großindustrie läßt sich desto leichter bewerkstelligen, je weniger weit die Differenzierung und Entwicklung vorgeschritten ist Zu warnen wäre dabei vor unvorsichtigen Versuchen. So liegt zum Beispiel derzeit dem Wiener Palästinaamt ein Projekt vor, nach weichem Saisonarbeitern gute moderne Webemaschinen ins Haus gegeben und ihnen elektrische Kraft beigestellt werden soll. An diesen sollen sie während ihrer Beschäftigungslosigkeit arbeiten und könnten sie eventuell auch von Frau oder Kind bedienen lassen. Das ist im Grunde genommen ein» alte übelberüchtigte Sache — das Verlagssystem, das seinerzeit zur furchtbarsten Ausbeutung der Arbeiter durch die Unternehmer geführt hat — vergl. hierüber die verschiedenen über diesem Gegenstand abgeführten Enqueten und Untersuchungen, vor allem jene des englischen Parlaments, welche seinerzeit geradezu erschreckendes Material zutage förderten. Die Durchführung solcher Vorschläge war geeignet, die sozialen Bestrebungen des Zionismus in den Augen der ganzen Welt entscheidend zu diskreditieren. Nor oster einer Voraussetzung könnte man diesem Projekte näher treten, wem niemals seitens irgend eines v-nvaten Unternehmers vergeben werden i . :;..--Um; mir tens des Kolonisations-; Wh-lscirnftsan»’»» selbst, welches über Jede«. Verpacht einer Ausbeutung erhaben Ist. Im rir&n wäre ein gesetzliches Verbot des Verlas - cn-s, Verhinderung des Einschiebens von 2w' r.chenveriegerti iRivin.- gänglich notwendige Maßnahmen; Eins vir.t andere Frage ist es, ob das ganze Frei';, sucht zu kostspielig und deshs S unrentabel w?rl Die Amortisation der Maiohiner., Rep.rann-- und Betriebskosten, der Lebensunterhalt >’.$ a neitcrc und seiner Familie, die ■■•jfvendijfcen jüi Rohmaterial und überdies u. U: Verruf.,steue:i cm! Risiko sind dabei wese ' j'aikirtatiotismomente SicJiergesteüt erscheU die: Rentabilität dieser Einrichtung keineswegs.. \ra besten überhaupt keine Heimarbeit, wenn 2t! er. dann nv.r mit einem öffentlichen Faktor cL Veäfeger, «ffrr Spezial- und Reparaturen warb .«««Jadn Geerbt, sonder^ Heber gleich mc-csrne mit ihren arbeitssparender: Warfest DflUtglieder für dsm lTaram „JfidiAober

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