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Jüdische Zeitung · 1919-04-04 · 14 (4.4.1919) · p. Seite 1

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
13 (1919)
Issue
14 (4.4.1919)
Date
1919-04-04
Page
Seite 1 (sequence 7)
Language
German
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Kr. 14 Beilage zur JÜDISCHEN ZEITUNG Seite 1 ■■nimer 14 DERJÜDISCHE Mitteilungen des Vereines Keren Kalemefh Leiisrae! h und Palästlna4mtes » NedalrtioniäCäluB am. vorangehenden Sohn tag. Spater einlaufende Spenden werden erst im näcfr- Men Ausweis veröffentlicht — Geldsendungen uiif an das Postsp.-Kio 100.298 Tel.45-3-25. Palästina-Woche? zu Gunsten des Schulungsfondes des Palä- ■ - stina-Amtes. ii Sonntag, dan 13. April, 11 Uhr vorm, im Großen Konzerlhaussaale Konzept-Matinee mit Elias Eiizza, Margarete Giibardt, Kamoer- «änger Fritz Feinhais und Harry Waiden. Karten von K 21.— bis 3.— bei Gutmann. R. Luwlt und N.-F.' Geschäftsstelle. - 2s Donnerstags den 17. April, 5 Uhr nachmittags Festvorstellung im Komödienhaus J AufgefUhrt wird: „DER SCHATZ» von David Pinaftl mit Rudolf Schildkraut und Gisela Werbezirk in den Hauptrollen. Karten von K 4.— bis 2ft— ajr der Theaterkassa. bet R Löwit und N.-F. Geschäftsstelle. « 3. Palästina - Lichtbild - Vorträge in sämtlichen Bezirkenr Näheres folgt. 4./8if. tata SaNHELStEUE FÜR ÖSTERREICH viiEtt ii/t. zirkusgasse ns. 33 Der .Jüdische Nationalfonda* ist dazu b«£ •limmi, in Palästina Grund und Soden als nü- TerSaSeriichesSigentunt des iüdischenVolkta zu erwerbe*^ Zur Palästinafrage , Dieser Artikel, der die Erwiederung aut B&hms . . Aufsatz in Nr. 6 dieses Blattes enthält, kann zufolge wiederholter postalischer Verstöße erst heute . rum Abdruck gebracht werden. - . Das Palästina-Amt. Antworten' vaii Davis Trietsch. : Herr Adolf Böhm wünscht an dieser Stelle elfte Auseinandersetzung mit mir. Er soll siie haben. Bevor ich aber auf seine einzelnen, Einwendungen entgehe, muß ich doch Wohl mein Befremden über . seine’ WAttig einheitliche Beurteihmgsweise aus- ■■ sprechen; Er memnCimcft. Ztt. Beginn seiner’ Ajtsfüfi- ,fängert-„dBn ausgezeichneten Palästinakenmer“ (die Artführtmgszeichen sind nicht etwa von ihm, Sttiidäth von frtir>, um Sieh dänö im Text irierkwtiffig Weit, von dieser -respektvollen Anerkennung, zu’entfeniidifc Dort' heißt es zurrt Beispiel: riMäi Verschone mrsrnif (fern ewigen Zitieren der Leistungen ttei\ Söfdat'en böi ■ solchen Kulfuraufgättefi“ oder Weiter' „diese Analogie ist so be-,. jJeichneiisd für Tridtsch‘s Ärgümerttaticni! und So gfäfidffiscfe, daß wir sie nähef Beleuchten müsset»“ mS ferner: gänzer Mdffiödö von Trietsch b&- steht -darin, daß er aus der'-gänzen Welt mit emsigen'Fleiß Beispiel© aus allein möglichen Produktionsgebietere, attph Rentabilitätsberechnungen, beibringt und dann sagt: das alles könnten wir in Palästina ' machen uiid Zfehntäuireiidi© ernähre». Wie das angeführte Beispiel Zeigt (es bandelt sich UJ» de» VergleichvPalästinäb mitdfiv Schweif wcfrauf ich noch später zurüekkömme), ist das pben oft nur Phantasie.“ - . Nein, das ist nicht meine Methode, und noch weniger meine ganze. Methode! Diese sieht vielmehr völlig anders aus, wofür die nachstehenden Angaben einige Anhaltspunkte bieten mögen. Alsich der zionistischen Bewegung beifrat, brachte ich (schon'zum ersten Kongreß) zwei Dinge mit: Klarheit über "das Laitdprogrannn und Klarheit über die für unseren Fallgeeignete Kolcmisafckmsmethode. Angesichts def türkischen Einwanderungsverbote (und) der' .zionistischen (HeSfmighähme gegen di© Klerfikotoiiisattort im' verbotenen Laude) standfür mich schon damals die . Notwendigkeit! eines „größeren Palästina“ mit seinen sofortigen Arbeitsmöglichkeiten fest. Das kleine Land konnte ohnehin auf die Dauer einem Volke, dessen. Zahl sichin einem Menschenalter Verdoppelt nicht genügen, und da das Kemland verschlösse» war, mußte' eben an der Peripherie Begönnen' werden, weite man Katastrophen wie deöen von Boryslaw', Rumänien;'KischäneW ukw; gegenüber nicht länger zu warten in der Lage war. Diese „kleinen Katastrophen“. von damals sind;durch die jüngsten Ereignisse weit-in den Schatten; gestellt^ aber d!er jetzige Auswandenfngszwang der Miilionen zeigt die Wichtigkeit der Nachbarländer, aufs neue! . Die Kolonisationsförm;* die' icb damals „rifit- J brachte“, war bereits die „Achusa“. erster Artikelint der „Wett“ (Best-David, Anfang 1899) ' handelt von dieser „kalifornischen Kolonisationsmethode“. Diese Form der Ansässigmachurig •städtischer Elemente’ auf vorbereiteten fruchttragenden Pflanzrat ist bis heute das beste System für Unseren Fall geblieben Das War also nicht ' wild, in, der Welt herumgesucht, sondern die Aust Wahl des besten Systems aus der Fülle der minder geeigneten. ■;; i -i Ende 1899 brachte ich von meiner ersten , Orientreise die „Entdeckung“ der Öelbaumkultur als einer, def für uns geeigneten mit; meine Rentabäitälsaufstellungen wurden freilich komischerweise statt "für ein großzügiges geschäftliches Unternehmen nur mit als Unterlagen für die OeL baumspende verwendet. . Ende 1901 begründete ich das Komitee „Zur wirtschaftlichen . Erschließung Palästinas“ und die Zeitschrift „Palästina“. Seit 1902 trat ich für die Schaffung eines Emigrationsämtes elin (siebe „Welt“, erstes Jännerheft 1903). Es folgte der Plan der Gartenstadt, im Jahre 1905/1906 entstand das Paläsiina- Hamdbuch, 1906 begründete ich in Jaffa einen weitfassenden Informationsdienst In die Zeit meines damaligen fast dreijährigen Aufenthaltes in Palästina fallen Vorarbeiten auf kunstgewerblichem Gebiete (Holzrahmen, Möbel- und Spitzenindustrie). Auch meine damals weitverbreitete Schrift „Wirtschaftliche Tätigkeit in Palästina“ und das Buch „Bilder aus Palästina“ stammen aus jener Zeit. Seither veröffentlichte ich die „Jüdische Emigration ifid Kolonisation“ („das Blich der tausend Wunder, der tausend Ansiedlungsmöglichkeiten“ wie Hugo Schachtel es genannt hat) und begründete die „Jüdische Gesellschaft für die wirtschaftliche Erschließung Palästinas“, die es mir ermöglichte, ein großes Palästina-Archiv anzuiegenpnd die Zeitschrift „Volk und Land“ als neues Palästina-Organ herauszugeben. . Diese kleine Üebersicht dürfte ein anderes Bild von meiner „ganzen Methode“ gfeben als das Von Böhm gezeichnete. Meine Methode war nicht wahlloses Zusammenklauben zufälliger Materialien, sondern eine ständige und lebendige Einstellung -auf die Erfordernisse des jüdischen Aitsüedlungswerkeis. Die Gewinnung von Klarheit für mich selbst and die Weitergabe meiner Ergebnisse und Anregungen an alle, die davon hören wollten (und wie es scheint' auch an etliche andere). Dabei bereitwillige Beratung jeder Leitung (wie auch jeder Einzelperson) von Anfang an und rücksichtslose Opposition gegen jede offizielle Harthörigkeit und jeden Unverstand, der unsere Sache bedrohte. Nach dieser kleinen (nur sehr ungern gegebenen) .Legitimation“ will ich nun auf Böhms Einzelheiten eingehen. Mein. Programm der öffentlichen Arbeiten sieht — selbstverständlich in ganz runden Ziffern — für die ersten fünf Jahre einen Etat von etwa ehter halben 'Milliarde vor, die durch eine bkräöna!-Anleihe aufzabrirtgepwüfe und Wovon die ungefähre Hälfte auf Arbeit entfallen kann. Darift liegen Wege-, Bahn- und Hafenbauten einschließlich Vefmessttngswesen usw. für etwa 50 Millionen, Stauwerke ebenfalls für 50, Elektrizitätswerke für etwa 3Ö, Assanierung 20, Landesmeiiorationen, Hausbau und Aufforstung für je lÖÖ Millionen, alles in allem rund 450 Müfh’onen Goldframken. Innerhalb' -eines solchen für fünf Jahre bei den -gegenwärtigen Verhältnissen kaum zu großen Programms habehJSOO.OOÖ Arbeitsjahre (gleich 100.000 Jaßresarbertem für fünf Jahre) Platz. Auch die erwähnten Geldmittel reichen für die Verpflegung dieser Arbeitermassen: samt Familienangehörigem besonders da ja zweekmäßigerweise van vornehereirr auch Iandwirtschaftficher Anbau betrieben werden soll, der mindestens ein sehr Wesentliches zu den Unterhaltskosten beitragen wird User hätten wir also schon altein hir Rahmen der öffentlichen Arbeiten eine -Einwanderung für Zehntausend©.! Dabei soll es sich nicht etwa um NotStandsarbeiten handeln, die — wie Böhm meint — ohne Rücksicht auf die Kosten durchzuführen wären. ■ Wir brauchen diese öffentlichen Arbeiten und brauchen noch viel mehr. Die Arbeitsgelegenheit, die unser Aufbau bietet, ist größer als die Arbeitskräfte' selbst bei einer Einwanderung von . Hunderttausenden! Wir werden daher auch nicht etwa Handarbeit heranziehen, wo Maschinenarbeit praktischer und ökonomischer ist, sondern diese öffentlichen Arbeiten werden unter durchaus wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu geschehen haben. Wen» ich dato ei davon^. gesprochen habe, daß wir unseren Arbeitern für eine zwei- bis dreijährige Arbeitszeit den ’ Anspruch auf esu© Erwerbsheimstätte bieten können, so sieht Böhm nicht, woher wir die Mittel'dazu nehmen werden. Nun, meine Ansicht war, daß die Erwerbsheimstfitte gegen eine jährliche Pacht von etwa 6% (das hieße bei 2000 bis 3000 Mark Herstellungswert 120 his 180 Mark im Jahre oder 10 bis 15 Mark im Monat) den Arbeitern zu überlassen sei Man sieht, dieses „Geschäft“ könnte man sogar mit Leuten machen, die keine Arbeitsdienst!- zeit abgereistet haben! Sollte aber Herr Böhm jetzt einwenden wollen, daß doch dann. wieder den Arbeitern nichts geböten sei, so erlaube ich mir zu bemerken, daß beispielsweise ein Handwerker, der nach Jaffa kommt, froh ist, .für das Doppelte der erwähnten Pacht eine sehr ärmliche Wohngelegedheit zu finden, während er Mer eine Erwerbsheimstätfe hat, das beißt ein Häuschen mit’ einem Laiidstück, groß genug, um ihn — wem» er es will—, von jedfer Lohnarbeit für Fremde zu befreien;’ Uebiffgeris ist es ja für jeden wirklichen Kenner palästinensischer Verhältnisse einleuchtend, was eine solche Möglichkeit' bedeutet: bisher konnte niemand gegen eine bescheidene Pacht solcher Art Hans und Land umd Selbständigkeit' finden. In dem von nur skizzierten Plane aber wird die Arbeit der Arbeiter ja gerade mit darauf verwendet solch» Heimstätten zu ermöglichen, sie durch großzügig« Ameiiorationen, Anlage von Verkehrswegen und dergleichen wertvoller zu» gestalten, usw. usw. Dem Arbeiter winkt also hier etwas, was ihm nirgends in der Welt und sicher niemals innerhalb unseres KoTonisationswerkes geböte* worden ist Sollten unter solchen Umständen Bedenken berechtigt sein, daß die Arbeit minderwertig oder mangels militärischen Zwangest minder intensiv sein würde? Mian lese doch Wükanskis .JBachar“. Mit welcher Kraft und mit welcher Begeisterung finden sich dort jüdische Arbeiter in eine neue ungewohnte und schwerste Arbeit hinein mit dem einen Ziel, diese bisher arabische Arbeit in jüdische Hand zu bekommen; Die Arbeit selbst geschah dabei für irgend eine* ,Kapitalisten“ und gegen geringe Entlohnung und ohne weitere Aussichten. Dagegen ist das, was ich mit der Arbeitsdienstzeit und den. öffentlichen Arbeiten skizziert habe, im besten und weitesten Sinne der Aufbas Palästinas für das jüdische Volk — für die Gesamtheit wie für den Einzelnen, und in allererster Linie für die dabei wirkende Arbeiterschaft selbst Dies aber sollte wohl imstande sein; militärischen Zwang überflüssig zu machen und begeistert« Arbeit zu schaffen — vor allem aber auch übertriebene sozialistische Theorien zurückzudämmen, wo ein solches praktisches soziales Ideal winkt Oeffentliche Arbeiten standen m meinem Programm schon vom ersten Beginn meiner Beschäftigung mit diesen Fragen am Das Transitorische dieser Beschäftigung hat mich nie gestört. Sie hat den großen Vorzug, eine zahlreiche Arbeiterschaft vom Tage der Landung an lohnend zu beschäftigen und ihr di© Gewöhnung an Kläna und Arbeitsweisen zu erleichtern. Der jüdische Arbeiter, der ein ocfer mehrere Jahr© auf (fiese Weise gearbeitet hat ist ganz anders zu sonstiger Betätigung im Lande geeignet ab er es ohne fiesen Uebergang sein dürfte. Dabei werde*, solche öffentliche Arbeiten, deren wertschaffende Wirkung nicht in ferner Zukunft sondern in der unmittelbaren Gegenwart Hegt mit meinem ungefähren Programm der ersten fünf Jahre ooeh keineswegs erschöpft sei».’ Aber schm» wen» nfts fieses System nur telfiL über die. ersten paar Jahre, hinwegzukonime», so ist das für mich das Entscheidende. Altes Später© wird sieh dann aus dem Anfang ergeben. Böhm sieht nicht wie wir Häuser baue* können für Leute, die noch nicht da sind und fürchtet daß, wenn sie kommen, kerne Erwerbsmöglicbkeiten für säe existieren werden, JDer Hausbau braucht aber auch im günstigsten Falle nur wenigschneller vor sich zu gehen als fie Einwanderung — -ich werde, froh sein, wem» er gut mit ihr Schritt hält Böhm steilt sich däs zn „portionsweise“ vor. Etwa so, daß wir erat Zehnte äsende von Häusern bauen und.daß dam» Zehntansende von Familien komme». Nach meiner Aar- Sicht werden wir einen ständigen Strom vo» Btriwainderern und eine fortwährende Arbeit, auch mit Hausbau, haben. Zwei ständige Erscheinungen, die in möglichst! guten Einklang, zu bringe» otne unserer Hauptaufgaben sein muß. Vor aiiem aber sind meine Hauser ja niofÜt eine städtische Ansammlung,, sondern es sind Wohnungen inmitten von Erw erbsheims fättenv und diese wiederum inmitten von' Gartenstädte» und Industriedörfera-. Hier werden die Ankömmlinge ihre gewohnten Berufe neben den neuen gartenbaulichen ausüben können, für fie ein vorbereiteter Boden (zu späterem Termin sogar tragende Bäume), Anleitung und Fachleute zur Verfügung stehen. Ich kann unter diese» Umständen düe Nahrungssorgen, die sich Böhm für die Ankömmlinge macht, nicht teilen. Was es schließlich mit; Böhms gegen mich gerichteten Vorwurf der „Einseitigkeit“ (nämlich derjenigen für alle außeriandwirtscbaitficheß Tätigkeiten) auf sich hat, dafür bietet mein Handbuch immerhin einige Anhaltspunkte. Dort ist dem GesamtgeMet der Industrie (Atlgemeines und Jüdisches. Bestehendes und Möglichkeiten, Hausindustrie usw.), kaum mehr Raum gewidmet, als dem einen Zweig der Landwirtschaft, den; -ichfür den im unserem Kolonisationswerk .wichtigsten halte, nämlich der Baumzucht und den Gartenbau, Dabei kann ich Herrn Böhm und . sonstigen efwaügen Interessenten verraten, daß für die nächste Neuauflage kein Kapitel größere Erweiterungen zeigt als gerade dieses über die landwirtschaftlichen Spezialkulturen.*) Mein eifervoller Gegner spricht von der Industrie, die mir „am meiste» am Herzen liege“ Das ist ein kompletter Irrtum. Mein ,/Zweck“ ist nicht die Industrie!, sondern' das jüdische Volk, Und was die Berufe betrifft*, so liegt mir an einer ÄIlseFtigkeifc, wie si? eben zu einem gesun- *> Allerdings weiß ich nicht, ob Böhn» mein Palästina-Handbuch kennt Er ist ja ein Natäonalfondsmann, und der Nationalfonds kennt es nicht In einer ziemlich ausführlichen Literaturangabe dieses Instituts, In der allerlei recht entlegene Publikationen enthalten sind, fehlt nicht nur das Palästina-Handbuch, sondern auch jede sonstege Erwähnung seines mit Acht und Bann belegtea Autors.

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