Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 13 (1919)
- Issue
- 9 (28.2.1919)
- Date
- 1919-02-28
- Page
- Seite 1 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Seile I Beilage zur JÜDISCHEN ZEITUNG =»* DER JÜDISCHE NATIONALFONDS 28 "-1919 HBttellungen des Vereines Keren Kalemeth Lellsrael « und Palästina-Amtes n Redaktionsschluß am vorangehenden Freitag.' Später einlaufende Spenden werden erst im nächsten Ausweis veröffentlicht. — Geldsendungen unr an dtjs Pastap.-Kto.IM.206 Tel. 45-3-30. SAHHELSTELLE FÜR ÖSTERREICH WIEN Il/t. ZIRKUSGASSE NR. 33 Der Jüdische Nationalfonds* ist dazu bestimmt, in Palästina Grund und Boden als unver äußerliches Eigentum des lUdiacfaenVoikes zu erwerben. Mitteilungen des Palästina- Amtes Das Schicksal unserer Palästinabank während des Krieges Dem Kopenhagener Zionistischen Bureau wird von berufener Seite derfolgende Bericht über die Ando-Palestine Bank erteilt: Der Kriegsausbruch traf das jüdische Kolonisationswerk in Palästina und mit ihm die Anslo- Palestine Company in einer Periode des Auf- . Schwunges, wie man sie bei den damaligen bescheidenen Ansprüchen als außerordentlich betrachtete. Die Depositen waren in einem halben Jahre von 8% auf 10% Millionen Francs angewachsen, der Geschäftsumfang nahm fortwährend . zu. eine neue Filiale war gerade gegründet worden, die Gründung einiger weiteren wurde geplant. und die A. P. C. stand an der Spitze des palästinischen. Bankwesens: nach dem Umfang ihrer Investitionen wie nach dem ihrer Depositen . übertrafen ihre Geschäfte die aller sonstigem Banken im Lande zusammengenonunen. Wie überall in der Welt verursachte der Kriegsausbruch eine gewaltige finanzielle Panik. Es . war zu befürchten, daß Import und Export gänzlich ins Stocken geraten würden, das Vertrauen schwand, jedermann wollte sich versehen und sein Barvermögen bei sich behalten: außerdem brach das gänzlich auf dem Goldverkehr aufgebaute türkische Währungssystem, das im Kriege nur durch das wecliselnde Maß der Goldhamsterung seitens der Landbevölkerung eine gewisse Elastizität besitzt sonst aber, mangels einer wirklichen Zirkulatkmsbarik gänzlich starr ist unter den ungeheuren Ansprüchen, denen es sich auf einmal gegenübergestellt sah. zusammen und hat sich eigentlich niemals mehr erholt Die Regierung stand der Krise, unfähig und untätig gegenüber. Die ausgedehntesten Privilegien, die sie in der alten Lotterzeit einer fremdländischen Staatsbank gewährt hatte, banden sie außerdem an Händen und Füßen, und es gelang ihr nicht oder in kaum nennenswertem Maße, die Bank zu bewegen. irgendwie leitend und ordnend in das allgemeine Wirtschaftsleben-einzugreifen. Namentlich für 'eiiie Ausdehnung ihrer äußerst beschränkten Notenzirkulation war die Bank nicht zu haben, und so mußte man sich bei vielfach erhöhtem Ansprüchen der Zirkulation mit dem alten Goldbestand durchschlagen. Nur zu einer Tat raffte sich die Regierung auf. und diese, notwendig und zeitgemäß wie sie unter den Umständen war, wurde, da. man später, als es möglich warrnicht mehr den Mut hatte, radikal mit ihr zu brechen; dem Lande zum Fluch. Es war dies der Erlaß des allgemeinen Moratoriums, der am 3. August 1914 erfolgte und ganz lakonisch in einem Paragraphen jegliche Zahlungsverpflichtung auf einen Monat aufschob. Wäre dieser Erlaß nicht gewesen, so hätte die Türkei es erleben können, daß auch ihr bescheidenes Bankwesen völlig zusammengestürzi wäre. Immerhin hat das während aller Jahre des Krieges währende Moratorium; dessen Abbau zu lange hinausgezogen wurde, dem Wirtschaftsleben einen ungeheuren Schaden zugefügt, in, moralischer Hinsicht vielleicht noch mehr als in materieller. Dieser moralische Schaden macht sich, bis zum heutigen Tage in Palästina fühlbar, indem das Gefühl für die Pflicht übernommene Verpflichtungen eingehalten, sich noch heute nicht •wieder wie vor dem Kriege eingestellt hat Im August 1914, als der Krieg das türkische- Bankwesen überraschte, das nicht, wie ln Kulturländern. die Möglichkeit besaß, sich an einer Zentralbank und an den Staat anzulehnen, rettete allerdings das Moratorium die Situation, indem es den Banken die Möglichkeit eröffnet©, sich ranzusehen und einzurichten und den Depositoren die Möglichkeit nahm, sämtliche Banken des Landes zu' sprengen. Diese Möglichkeit nutzte auch die . A' P. C. aus. Sie machte selbstverständlich von ihrem Rechte, alle Zahlungen vorläufig ernzustellen. keinen Gebrauch und unterstützte im Gegenteil durch reichliche Rückzahlungen ihre Kreditoren. insbesondere soweit diese Mittel entweder für dea Lebensunterhalt oder für die Fortführung von Handel. Gewerbe und Pflanzungsbau benötigten. Inzwischen zog die Bank ihre Reserven aus dem Anslande heran. Um den Bedürfnis' an Zirkulationsmitteln, entgegenzukommen, setzte sie schon in den allerersten Augusttagen ihre sogenannten registrierten Schecks in Umlauf, die dann während des ersten Kriegsiahres eine so bedeutende Rolle im’ jüdischen Wirtschaftsleben Palästinas gespielt haben. Sie erlaubte nämlich ihren Kunden, die bei ihr-'Guthaben unterhielten oder denen sie Kredite einzuräumen bereit war. Schecks an ihre eigene Ordre auf sie zu ziehen, die dann von den Ausstellern in blanko fixiert wurden. Die Schecks wären in vorgedmekten Formularen auf Beträge von 5. 10t 20 und 100 Francs ausgestellt und wurden von der Bank, zum Beweise, daß der Aussteller berechtigt sei. zu ziehen, „registriert“ (das Akzeptieren eines Schecks .ist räch türkischem Gesetze unmöglich). In dieser jVelsp zirkulierten die Schecks beim jüdischen und nicht-jüdischen Publikum, und mit ihrer Hilfe wurde das Wirtschaftsleben aufrechterhalten. Beim Ausbruch des türkischen Krieges (28. Okt 1914) lag sogar bei der Bankein Vorschlag vor, die ganze Jaffaer Orangenernte. die einen Geldumsatz von 10 Millionen Francs mit sich bringt, mit Hilfe! ihrer Schecks zu finanzieren. Im ganzen hat die Bank für etwa Frs. 750.000 Schecks ausgegeben. Nch während des Krieges aber hat sie über 90 Prozent von dieser Zirkulation wieder zurückgezogen. Während der ersten Kiregsmooate stand die A. P. .C. mehr als je zuvor im Zentrum des jüdischen. Wirtschaftslebens. Sie stellte sich vom ersten Tage an auf den Standpunkt der Solidarität mit dem bestehenden Kolonisationswerke; d. h. sie sagte sich, daß, wenn das Bestehende zerstört werden wollte, auch ihre Rolle ausgespielt wäre und die zukünftige Arbeit jedenfalls von neuen Institutionen geleistet werden müsse: daß ferner, wenn sie auf Kosten des jüdischen Siedlungs-. Werkes sich selbst erhalten und wirken würde, sie ihre Aufgabe nicht erfüllt hätte und nach dem -Kriege für die bloße Tatsache, daß sie sich selbst hindurchgerettet hätte, nur geringen Dank ernten würde. Aus ihrer Kenntnis der Lage schöpfte die Leitung die Ueberzeugung. die letzt endlich allgemein zu werden, anfängt daß. trotz vieler Schäden, die großen jüdischen Kolonien innerlich gesund sind und noch eine breite Kreditbasis biete«, sodaß. auch rein wirtschaftlich gesprochen, die Bank vollkommen berechtigt und moralisch verpflichtet war. den Kolorasten weiter unter die Arme zu greifen. Dies geschah denn auch überall wo es nötig war. und zwar sowohl während der ersten Kriegsmonate als die Bank noch frei arbeitete, wie auch später als sie in ihrer Eigenschaft als englische und zionistische Bank von den Behörden drangsaliert wurde. Gleich bei Kriegsausbruch waren die Weinbaukolonien in der größten Verlegenheit weil ihnen die Barmittel fehlten ran die arabischen Hilfsarbeiter, die bei der Weinernte mitgeholfen hatten, auszuzahlen. Arbeiterunruben. die für die Existenz einiger Kolonien hätten verhängnisvoll werden können, wurden befürchtet. Die Bank sah die Gefahr und ordnete die-. Sache. Auch später^ galt es in Hunderten von-Einzelfällen, besondere! ); Vorschüsse zu gewähren. Jahr ein Jahr aus die immer schwieriger werdende Lebensmittelversor- ‘ gung der Kolonien sowie der organisierten Stadt-; gemeinden Jaffas und Haifas zu finanzieren. Vorschüsse zu gewähren für die leider zwecklose Heuschreckenbekämpfung. dann die amerikanische Orangenanleihe von 1915 durchzuführen, den Lokalkomitees des Amerikanischen Fonds über die monatdangen Perioden, während welcher die Rimessen aus Amerika ausbfieben, htawegzuhefen usw. Die verwandten Administrationen wie I. C. A. und Alliance, deren Gelder ausblieben, lebten von den Vorschüssen der Bank. Während der letzten Zelt, in der die Hilfstätigkeit des Amerikanischen Fonds unter der Verwaltung des Herrn Hooiien stand, also bevor die Zionistische Kommission sie übernahm, wurde das ganze Hilfswerk fast nur von der Bank finanziert, die sich mit Vorschüssen vcm Zehntausenden Pfunden engagierte. Dasselbe tat sie während des vergangenen Jahres im Norden für das Jaffaier Evakuationskomitee. Hunderte von Anstalten schlugen sich mir mit Hilfe der Vorschüsse der Bank durch. So bemühte sich die A. P. C. überall das zu sein was von ihr erwartet wurde: das finanzielle Rückgrat des jüdischen Siedlüngswerkes in Palästina. - ■ Es wurde ihr dies nicht leicht gemacht denn gerade wegen dieser Rolle, die von der türkischen Regierung und insbesondere Diemal Pascha ganz richtig erkannt wurde, versuchte man sie zu treffen. Gleich in den allerersten Tagen des türkischen Krieges (2.—4. November 1914) wurden sämtliche Filialen der Bank (mit Ausnahme von'Beyrut. wo die Schließung erst später erfolgte) geschlossen. Zwar wurden sie an mehreren Stellen bald wieder eröffnet aber am 15. Jänner 1915 erschien ein Dekret Djemal Paschas, das wohl für alle Zeiten als Unikum in der Finanzgeschichte dastehen wird, wonach die A. P. C., eine Bank mit einem Bestände von etwa 30 Millionen Francs an Aktiva und Passiva, im Laufe von acht Tagen liquidiert werden müßte! Die Durchführung des Dekretes scheiterte selbstverständlich an seiner eigenen Lächerlichkeit, und es folgtd' nun eine Jahrelang währende Periode schwierigster Arbeit und Schikanen und fortwährenden Drohungen: längere Zeit hindurch wurde unter der Maske einer sogenannten freiwilligen Liquidation gearbeitet, durch die es doch erreicht wurde, daß nach der Eroberung des Landes die A. P. C. ungebrochen dastand, allen ihren Verpflichtungen im Rahmen der Gesetze nachgekommen und weiter nachzukommen im Stande war und auf eine unschätzbare Arbeit im Dienste des Siedlungswerkes zurückblicken konnte. . Während des vergangenen Jahres 1913 hat die Bank im Norden ihre Kriegstätigkeit im obigen Sinne fortgesetzt, im Süden hat sie sich schon der . Konsolidierung Lage widmen können und hat durch weitere, sehr bedeutende Vorschüsse, de« Kolonisten Judäas in die neue Zeit hhrübefgeholien. Von den beiden fettenden Direktoren war einer, Herr Levontin. beim Ausbruch des türkischen Krieges außer Landes und war gezwungen, dort bis zur englischen Besetzung zu verbleiben. Der Beyruter Direktor. Herr Lipansky. einer unserer ältesten und bewährtesten Zionisten,, starb Im Winter 1915, der Jerusalemer Direktor Dr, Levy wurde Im Herbst 1916 des Landes verwiesen und nach Konstantinopel verbannt .der Tiberiader Direktor Herr Bentowim wurde bei den Unnihen im Herbst 1917 verhaftet und nach Anatolien verbannt: Herr Grasowsky. einer der ältesten Direktoren. wurde bei der Evakuierung Jerusalems Ende 1917. nach Damaskus verschleppt war dann aber durch eine glückiicbe Fügung in der Lage, einen führenden Anteil an der Leitung der Geschäfte ftn Norden zu nehmen. Mehrere Beamte wurden verbannt oder starben. Das Schicksal einiger von ihnen ist bis jetzt unbekannt. En Beamter, der beschuldigt wurde, ein zionistisches Komplott zur Emanzipation Palästinas von der türkischen Krone angezettelt zu haben, schmachtete monatelang im Gefängnis und wurde nur mit knapper Not vom Galgen gerettet. Die A. P. C. bereitet sich jetzt auf die neue Tätigkeit vor. die ihr nunmehr bevorsteht: Sie geht in die neue Periode moralisch und materiell gestärkt hinein. Moralisch, daß sie selbst das Bewußtsein hat und es im Lande anerkannt wird, daß sie sich nach Kräften auf der Höhe ihrer Aufgabe gezeigt hat. Materiell, da ihr schon jetzt bedeutende neue Mittel zugeflossen sind, und sie im Stande ist. aus ihren eigenen alten Reserven sämtliche Kriegsverlnste abzuschreiben. Wohin die neue Zeit die A. P. C. führen wird, welche Um- und Ausgestaltung sie wird durchmachen müssen, darüber läßt sich jetzt noch schwer ausführlich berichten. Die Pläne sind in der Vorbereitung und werden dem jüdischen Publikum im ersten geeigneten Momente vorgelegt werden. Haus- und Landwirtschaftsschnle des Palästina- Amtes Wien für jüdische Frauen und Mädchen. | _ Indem wir auf den in Nr. 7 der „Jüdischrat BZeitung“ abgedruckten Prospekt verweisen, der f Interessenten auf Verlangen zur Verfügung steht; geben wir Memit die Zafilungs- und Aufhattnisbedmgungen nochmals wieder. Zahlungsbedingungen: Die Schule enthält ein Internat für 50 Schülerinnen. hievon sind 25 vollzahlende und 25 Halb-, bzw. Ganzstipendistinnen. Die volle, im vorhinein zu entrichtende Monatszahlung für Ausbildung und volle Verpflegung beträgt ..'. . . . K 600— Die Halbstipencfistinnen bezahlen gleichfalls im vorhinein ..K 300.— Für Stipendien kommen nur jene in Betracht die ihre Dürftigkeit und Würdigkeit vorausgesetzt sich durch ihre, bzw. ihrer Eltern rechtsgültige Erklärung zur Uebersiedlung nach Palästina und haus-, bzw. landwirtschaftlicher Arbeit dortselbst mit der Maßgabe verpflichten, daß hn Nichteinhaltnngsfalle (fie volle Zahlung an die Schule nachzutragen ist Jede Intemisiin hat die nötigen Kleidungsstücke (Arbeits- und Straßenklekhmg). Leib- und Bettwäsche (2 Polster. Ueberbett 3 Leintücher. 2 Bettbezüge) und Toiiettengegenstände mitznbringen. Extemlstinnen; welche einzelne Lehrgegenstände sich zu eigen mache» wollen, habe» -an Schulgeld monatlich im vorhinein K 60.— m entrichten. , r Anfnahmsbedingungen: a) das letzte Schulzeugnis: b) Personaklokumente (Geburtsschein Heimatscheän o. dgl.): c) Gesundheitszeugnis, vorbehaltlich der Ueberprüfung durch den Schularzt:. d) bei Minderjährigen Einwilligung der Eltern öder Vormünder; c) che schriftliche Verpflichtung der Aufnahmswerberin. die ihr zugeteilten Arbeiten pünktlich zu erledigen und die Hausordnung genau zu beachten: f) bei Bewerberinnen um ehr Halb- oder Ganzstipendium: Nachweis der Dürftigkeit und Verpflichtungserklärung (bet Minderjährigen auch der Eltern oder Vormünder) bezüglich der Uebersiedlung nach und der Arbeit in Palästina. Die efcsenhäiKfig geschriebenen Gesuche sind bis 10. März 1919 beim Palästina-Amt. Wien. II.. Zirkusgasse 33. zu überreichen. Die Aufnahme erfolgt durch die Leitung. Das Kuratorium der Schule besteht aus: Dr. Emil Stern, als Leiter des Palästina-Amtes bezw. dessen jeweiliger Stellvertreter. Hiliel Badian. Heinrich Bard. Baroch Mayer. Erna Partak. Ing. agr. Benno Polak und Dr. Wilhelm Stein. Samstag, den 1. März. %& Uhr nachmittags findet II.. Zirkusgasse 33 eine Sitzung de» „Palästina-Rates“ (vormals Palästina- Kreis) statt, zu welcher alle Palästina-Komissäre der zionistischen und poalezionistisebsn Vereine Wiens Zutritt haben.