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Jüdische Zeitung · 1919-02-21 · 8 (21.2.1919) · p. Seite 1

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
13 (1919)
Issue
8 (21.2.1919)
Date
1919-02-21
Page
Seite 1 (sequence 7)
Language
German
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Hr. S Beilage zur JÜDISCHEN ZEITUNG DER JÖDISCHE NATIONALFONDS Mitteilungen des Vereines Heren Kajemeth Leiisrael » und Palästina-Amtes « Redaktionsschluß am vorangehenden Freitag. SpHter einlaufende Spenden werden erat im nächsten Ausweis veröffentlicht. — Geldsendungen >'nr an das Postsp.-Kto 100.208 Tei.«5-?-2S. SAMMELSTELLE FÜR ÖSTERREICH WIEN H/i. ZIRKUSGASSE NR. 33 Der Jüdische Nationalfonds* Ist dazu bestimmt. in Palästina Grund und Boden als tra- ▼eräußerliches Eigentum des iUdiachenVolkes zu erwerben. •Mitteilungen des Palästina-Amtes „Volk und Land“ Das Wachstum der zionistischen Bewegung ist aus der immer reicheren Fülle Shrer Zeitschriften deutlich ziu erkennen. Neben die ausgesprochenen Parteitolätter 'tretenj Fachorgane, welche der Pflege einzelner Aufgaben und Ideen der Bewegung dienen. So erscheint neuerdings in - Berlin die von Davis Trietsch herausgegebene Wochenschrift „Volk und Land“ für PoDtik, Wirtschaft und Palästina-Arbeit Zunächst freilich scheint dies nur die Wiederbesefzung eines verlorenen Postens, denn von 1904 bis 1912 war ja die Monatsschrift „Altrretfiand“, später .Palästina” mit dem gleichen Thema erschienen. Doch wie sehr hat stich seither unser Gesichtskreis erweitert! Es geht.nicht mehr um einzelne Detail-, Probleme zur Förderung des zionistischen Kolomsationswerkes. sondern um das Ganze, um den Aufbau des jüdischen Gemeinwesens in Palästina. Diese großzügige Auffassung wird durch die Person des Herausgebers zuverlässig verbürgt. Er selbst ergreift wiederholt das Wort und legt ln den Artikeln „Grundlagen jüdischer Weltgeltung“ und „Massenwanderung und Massensiadlung“ sein Programm dar. Soweit es im letzterem Artikel enthalten ist. deckt es sich mit den Ausführungen, die wir anläßlich seiner letzten Rupdrrfse diurch Oesterreich zu hören Gelegenheit hatten. Es gewinnt aber einen größeren Aspekt durch jenen anderen Artikel, dort verlangt Trietsch nämlich an Hand der Statistik eine Revision der bisherigen Ansichten, welche uns, von den Verhältnissen in Westeuropa befangene, Autoren aufgedrängt haben, als wäre der Stillstand und daher Rückschritt und Auflösung der Judenheit Tatsache; im Gegenteil habe sich die Zahl der Juden im letzten Menschenalter — auf 15 Millionenl—verdoppelt und d'ie Fortdauer dieser Entwicklung sei durch ihre günstige Sterblichkeit und Altersaufbau für lange gesichert. Ebenso wachsen wir an " Bildung, Besitz und wirtscbaft-;! fiebern,; Efnflaß, wozit: nicht'.wenig -die 'MassBeTtBig in. .den Städten., und: Weltmetropolen - als -den aktiven Kulturzentren beiträgt Die großen Völker, die sich heute der Juden aaneüimen, handeln darum nur im eigenen Interesse, wenn sie sich unsere "Sympathien sichern, und wir selbst dürfen der VereCßung trauen, daß im eigenen Lande Zustände geschaffen werden, die der ganzen Menschheit zum Segen gereichen sollen. Gleichsam als Illustration dieser Ainschau- -ungen kann der Artikel von. John Foster Fraser „Die amerikanischen Juden und ihr Berufsleben^*, gelten, dernrer konkludlert mfit Recht dahin, daß „diiie Art wie die .jüdische Bevölkerung in den Vereinigten Staaten zunimmt und auf allen Gebieten, nicht zuletzt dem der Landwirtschaft, ..„voran, kommt eines -der Wunder der Welt ist“, so daß die Prophezeihung Professor Sombairt’s von dem Zunückwekhen, der angelsächsischteutonischen Rasse durchaus glaubhaft erscheint Die weiteren Artikel der Wochenschrift wenden sich durchwegs Palästina und seinen Nachbarländern selbst zu. Ing.Hecker entwickelt in 'gründlicher und dabei fesselnder Weise „Die technischen Aufgaben Palästinas“, als die er in erster Reihe die rationelle Ausnützung der. Wasservor- Täte und die Verbesserung der Verkebrsverhältnisse erkennt woran sich de,r Siedlüngsbaiu in Stadlt 'Und Land, sowOe die Ausgestaltung des Bergbaues und der Maschinentechnik anzuschßeßen haben. Der Autor will alle größeren Werke, deren Wirjcung über einen engen Kreis hünausgeht wie Eiserlbaimen. Straßen, Häfen. W asserkraf canlagen etc. nicht nur gemeinwirtschaftlich angelegt sondern auch betrieben haben. Zur Besorgung der technischen .Vorarbeiten, für die Jahre nötig seien 'verlangte ' er die Errichtung van Zentralämtern, Versuchsanstalten, tendwirtschaftEchen, tech- , rtisohen und Gewerbe-Schulen. ’ Der von Merchawia her riihirtlichst bekannte Administrator S. Dyk führt im Artikel „Gedanken und Vorschläge zur Frage einer völkisch-jüdischen Kolonisation in Palästina“ ans. daß. in dier Landwirtschaft dieser Grundlage unseres Kolonisationswerfces, Unternehmer. Bauer und Arbeiter nebeneinander besehen müssen und sollen. Die jüdische Allgemeinheit habe für die Erziehung ihrer Ju- . gend zur Landwirtschatft und dafür zu sorgen, daß durch eine Reihe schon bewährter sozialpolitischer Maßnahmen, insbesondere dadurch, daß sie dem tüchtigen Arbeiter den Aufstieg zum Bauern ermöglicht,’ seiner Ausbeutung vorgebeugt ..wird; die Lösung der sozialen Frage müsse der Zukunft Vorbehalten werden. Wenn Trietsch den Aufsatz „Der Libanon“ von D r. R u p p i n aus der deutschen Levante- Zeitung mit seiner so günstigen Darstellung der dortigen Wirtschaftsverhättnisse wiedergibt, so geschieht es in polemischer Absicht, um darzutun, daß ,/iie Erfordernisse unseres Siedlungswerkes in Palästina sich nicht straflos auf ein Vielfaches dessen , dekretieren lassen, was im großen Durchschnitt der Nachbarländer allen vernünftigen An- .forderungen entspricht“! Mit Interesse wird cfer jüdische Kaufmann und Industrielle aus dem vom General-Konsul Dr. Ranzi stammenden Aufsatz „Handelsbericht von Damaskus für das Jahr 1917“ entnehmen; daß sich die allgemeine Lage in Syrien trotz des Krieges gebessert hat, da die Bevölkerung durch die Anwesenheit der Truppen Verdienstgelegenheit fand und durch Schaffung zahlreicher gemeinnütziger Institutionen, in der Stadtverwaltung, kn Schulbesonders aber hn Verkehrswesen ein dauemdbr Fortschritt erzielt wurde. T. Syrfcin besprich; „Das Kunstgewerbe Palästinas“, anerkennt das bisher Erreichte; weist unbeirrt auf die begangenen Fehler hin und lehrt, wie sie Zukunft zu vermeiden sind. Dr. L. Weinberg hält dafür, „Der Weltkrieg als Erzieher" gebe uns Zionisten die 'tröstliche Gewißheit, dlaß auch ungelernte Arbeiter unter Anleitung einiger weniger Fachkundiger bei gutem Willen auf allen. Tätigkeitsgebieten Wunder bewirken können. Diese und andere Artikel, insbesondere aber die Miszellen des „Palästina-Arcfiives“, welohe Beispiele \ von Kolonüsationseriolgen aus aller We’t herbeitragen, sind auf den gleichen Ton hofinungsfrohen Wagemutes gestimmt, dler uns am Beginn unseres schwierigen Werkes wohl ansteht und, gepaart mit der seiner Verantwortung bewußten Ueberlegung des Fachamies, zum Ziele führen weint „Volk und Land“ Ist zum vierteljährigen Bezugspreis von 6 Mark beim Welt-Verlag, Berlin W 35, Kurfürstenstraße 150, erhältlich und jedem Zionisten wärmsiens zu empfehlen. Palästinatagung der deutschen Zionisten. Bekanntlich hat zu Beginn dieses Jahres der ordentliche Delegiertentag der deutschen Zionisten stattgefunden. Die Aussprache über Palästinafragen hat den Beschluß gezeitigt, einen eigenen Delegiertentag einzuberufen, 'welcher ausschließlich der Stellungnahme zu dem bevorstehenden Kolonisationswerk in Palästina gewidmet sein soll. Die'Vorbereitung der Tagung wurden einem Palästina-Ausschuß anvertraut, der' nunmehr als Termin den 20. bis-25. März in Aussicht mmmt und Folgende Tagesordnung vorschlägt: I. Politische Lage. Referent Richard Lichtheim. II. Ansiedlungsmöglichkeiten. Referent Davis Trietsch (allgemeine Landesverhältnisse Palästinas, Fragen der öffentlichen Arbeiten, der Landwirtschaft, der Industrie des Handels; Berufsvorbereitung). , . V . ... a) Gesundheitsfragen. Referent Dr. Wilhelm B r ü n n für allgemeine. Referent Dr. Elias Aue r - b a c h für spezielle Fragen: b) Bau- und Unterkunftsfragen. Referent Regierungsbäuiheister Bä'rwald. III. Soziale Fragen: 1. Bodenpolitik. Referent Dr.- Fritz Sternberg. ... 2. Kapital und Arbeit (Referent noch nicht bestimmt). IV. Lage der Juden in den Auswanderungs- 1 ändern*. Referent Dr. Emil-Stein. Leiter des Palästina-Amtes in Wien. V. Finanzierung des Gemeinwesens und der Ansiedlung. Referent Hans G o s 1 a r. ' VI. Kulturfragen. Referent Heinrich L o e w e. Wir haben es als im. Interesse des .zionistischen Kolonisationswerkes erachtet.' den Leiter unseres Amtes. Gg. Dr. Stein, nach Berlin zii delegieren. um auf das Elend hi den Gebieten der jüdischen Massesiedelung hinzuweisen und auf die Notwendigkeit birezuweisen. daß der Weg nach Palästina möglichst vielen Emigranten freigelegt werde. Einschlägiges Material wolle ehenstens für Dr. Stein an uns geleitet werden. Lehrwerkstätte. 250 nF groß, aus 2 Räumen bestehend, ohne Einrichtung, mit elektrischem Anschlu, womöglich im 2. oder 20. Bezirk wird gesucht Anbote mit Preisangabe an das Palästinaamt Wien. II.. Zirkusgasse 22. sind erbeten. Kleiner Führer durch die Palästlnalltera für von Dr. Goldhammer ist bereits erschienen und kostet 80 Heller. Korrespondenz des Hauptbüros des jüdischen Nationalfonds Die Gesamteinnahme des JNF. für das Jahr 1918 hat zu den Kursen vom 31. Dezember 2,245.799 Francs (1917: Frcs. 1.747.278) betragen. Das Jahresergebnis verteilt sich über die nachgesiannten Länder in folgender Weise: Nord- Amerika 102.228 Dollar. Oesterreich K 1.026266. Polen und Litauen Mk. 370.667 und K 91.883. Rußland 202.840 Rubel. Ukraine 50.000 Rubel. Weißrußland JAk. 4.454, Deutschland Mk. 273.324. England 6.984 Pfund Sterling. Argentinien 30.342 Pesos. Südslavische Länder K 144.248., Holland ‘Fl. 20.829. Schweiz 27.667'Frcs.. Kanada 5619 Dollar. Frankreich Frcs. 26.650. Südafrika 925 Pfund Sterl.. Belgien Frcs. 29.592. Schweden 13.137 Krönen. Ungarn K 56.755. Bulgarien 27.773 Leva. Italien 12.054 Lire. Aegypten .329 Pfund Sterling. Dänemark K 5.729, Australien 317 Pfund Sterling. Norwegen K 3.599. Griechenland 194 Pfund Sterling. Neuseeland 139 Pfund Sterling. Rumänien Mk. 3.569. Finnland K 1517. Singapore 60 Pfund SterL. Portugal Hfl. 451, Palästina 569 Frcs.. China (Shanghai) 93 Dollar. Es ist zu berücksichtigen, daß das oberwähnte Gesamtergebnis Infolge der teilweisen oder vollständigen Unterbrechung des Verkehrs mit den osteuropäischen Ländern einer Ergänzung bedarf.' Die wahrscheinlich bedeutenden. ziffernmäßig jedoch vorerst nicht abschätzbaren Ausstämle der betreffenden Landessammelstellen werden den Eingängen des folgenden Jahres hinzuzurechnen sein. Nach den Maßstäben der Zeit vor dem Kriege darf das Gesamtergebnis als erfreulich bezeichnet werden. Fast alle Landessammelstellen des JNF. verdienen volle Anerkennung für ihr erfolgreiches Wirken. Für das Jahr 1919 aber muß die Verwaltung des INF. angesichts des Friedensschlusses. der für ein Siedlungswerk in allergrößtem Stile Perspektiven eröffnet, auf ein Vielfaches der Einkünfte des verflossenen Jahres rechnen. Der Gedanke der Nationalisierung des Bodens und seiner Vergebung in Erbpacht — eia Prinzip, das namentlich in England und seinen Kolonien von den gesetzgebenden und ausführenden Körperschaften auf Grund langjähriger praktischer Erfahrungen nachdrücklich gefördert wird — findet min auch in zionistischen Kreisen immer mehr Anklang, und die zionistischen Tagungen der Länder der größten jüdischen Massensiedlung, nämlich Amerikas und Osteuropas, haben sich bereits grundsätzlich dafür ausgesprochen. Staatlich organisierte Völker überlassen ihren Kolonisten Land umsonst oder gegen sehr geringes Entgelt, oder h» Erbpacht. Für die jüdischen Ansiedler, die in ihrer Mehrheit nur über unzureichende Mittel verfügen, muß die jüdische Gesamtheit Erbpachtland bereitstellen. und es gilt nunmehr mit aller Energie hinreichend gemeinnütziges Kapital zu beschaffen. Zu den vormals allein üblichen kleinen Geiegenheiisspehden müssen 'bei wirkficher Opierwilllgkoit namentlichder Begüterten.-neue bedeutende Einnahmequellen hinzutreten: die „NachIah“ (der durchschnittliche Bodenanteil einer Kolonistenfamilie) von 5000 Francs, die Selbstbesteuerung weitester Volkskreise, die „Friedens- Scheks“. regelmäßige Unterstützungen seitens Gemeinden und Korporationen, Die sich ausbreitende Pionierbewegung läßt es wünschenswert erscheinen, daß dem „Pionierbeitrag“ des Genossenschaftsfonds — namentlich seitens der Arbeiterschaft — erhöhtes Interese zugewendet wird, damit sobald als möglich zahlreiche,für die Landwirtschaft vorbereitete junge Juden, in Arbeitsgenossenschaften vereinigt, die Umwandlung brachliegender Ländereien ln Kulturfläche beginnen können. Auf Grund eines Manifestes und eines Aktfonsplanes der NF.-Verwaltung werden zur Zeit in allen Ländern Konferenzen der Vertrauensleute des Jüdischen Nationalfonds abgehaUen. damit durch zweckdienliche propagandistische und organisatorische Maßnahmen dem NF. im Jahre 1919 eine Mindesteinnahme von 10 Millionen Francs gesichert wird. An unsere Vertrauensmänner und Freunde Infolge der Ereignisse hat sich das Tätigkeitsgebiet unserer Sammelsteile stark verkleinert Wenn auch die Frage der Organisation der NF.- Sammelstellen in den verschiedenen. Ländern der ehemaligen Monarchie noch nicht gelöst ist erstreckt sich unsere Arbeit jetzt hauptsächlich auf Deutschösterreich. Wir können daher auch nur mit Einnahmen aus diesem Gebiete rechnen und haben bei Aufstellung des Voranschlages für das Jahr 1919 die Einkünfte aus Deutschösterreich mit 50C.00O Kronen prätämtalert. Im Jahre 1918 sind aus Innerösterreich zirka 320.000 Kronen emgegangen: die Steigerung beträgt nur zirka 60 Prozent. Wir erwarten zuversichtiichst daß uns unsere Gg. die Erreichung dieser verhältnismäßig nicht hohen Summe ermöglichen werden. Das erste, was wir von Ihnen verlangen; ist die Selbstbesteueranx oder vielmehr Besteuerung zugunsten des NF. Jeder Zionist, jeder Freund unserer Idee muß sich verpflichten, einen angemessenen Betrag in diesem Jahre dem NF. zuzuiühren. Zu diesem Zwecke werden Propagamdaflugschriften mit einem Erklärungsscheln versehen, erscheinen. Wir sind dessen sicher, daß kein Zionist, der für Palästina Interesse hat. die Unterzeichnung solch einer Erklärung, resp. Einhaltung der übernommenen Verpflichtung, unterlassen wird. Ehe Bedeutung des Jüdischen Nationalfonds ist bereits tief in das Bewußtsein der Juden aller Schichten gedrungen. Auch im Kriege hat sich

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