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Jüdische Zeitung · 1919-02-14 · 7 (14.2.1919) · p. Seite 1

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
13 (1919)
Issue
7 (14.2.1919)
Date
1919-02-14
Page
Seite 1 (sequence 7)
Language
German
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Pir. 7 Seile L Beilage zur JÜDISCHEN ZEITUNG —DER JÜDISCHE NATiONALFONDS Mitteilungen des Vereines Keren Kalemeth Lejlsrael « und Palästina-Amtes « Redaktionssctalufi am vorangehenden Freitag. Später einlaufende Spenden werden erst im nächsten Ausweis veröffentlicht. — Geldsendungen unr an das Postsp.-Kto. 100.208 Tel. 45-3-25. SAMMELSTELLE FÜR ÖSTERREICH WIEN ll/i. ZIRKUSGASSE NR. 33 Der ajfidische Nationalfonds* ist dazu bestimmt, in Palästina Grund und Boden als nnveräußerliches Eigentum de3 jlldischenVolke» zu erwerben. Mitteilungen des Palästina-Amtes Prospekt der Haus- und Landwlrtscbaftsscbale des Palästlna-Amfjes Wien für iüdlsche Frauen und Mädchen. Das jüdische Volk steht vor der historischen Aufgabe. Palästina wieder zubesiedel ra. Zur Erschließung aller Kräfte von Volk und Land ist vornehmlich diie Landwirtschaft berufen. Das Palästina-Amt hat seine Pflicht dahin erkannt bereits jüdische Jugend für diese hohe, aber auch schwere Aufgabe schon hierzulande vorzubereiten und möglich viele von ihnen gründlich' zu schulen. Zumal die landlind hauswirtschaftliche Frauenarbeit hat ein weites Betätigungsfeld in Palästina und alle Fachleute haben es übereinstimmend beklagt daß dort die Jüdin den Anforderungen. die das junge Siedlungswerk an sie stellt, bisher nicht gerecht wurde; nicht gerecht werden konnte. Denn es fehlte ihr. die meist aus städtischen Wohnsitzen des Galuth herkam. eben die notwendige Vorbereitung und Schulung. Diese nun bereitzustellen, dazu soll die vou uns zunächst in Angriff, genommene Haus- und Landwirtschaftsschule für jüdische Mädchen und Frauen dienen. Wir glauben damit zugleich einem allgemeinen Bedürfnisse zu entsprechen, indem wir der jüdischen Frauenarbeit ein Gebiet erschließen, das ebenso in wirtschaftlicher Hinsieht aussichtsreich, als in gesundheitlicher Hinsicht der körperlichen und seelischen Veranlagung unserer Schützlinge entsprechend ist. ‘ Diese- Schute eröffnen wir im März 1. J. in " Wien ' XIII:. Auhofstraße 222. imter der Leitung der Frau Erna Patak, wo uns außer dem eingerichteten Hause für das Internat und die Lehrräume ein-Garten für Blumen und Obstzucht sowie Gemüsebau und ein Stall für Kleiitviehzucht wie auch m der Nähe ein Feld für Ackerbau zur Verfügung steht Das Haus befindet sich in hygienisch einwandfreier Lage am Rande des Lainzer Tiergartens- und ist-dank der._unmittelbaTen Nachbarschaft der StadtbaÄhstation " Hütteidbrf-Hackihg. vonr.Stadtinnern rasch und hequean zu erreichen. Hiedurch wird auch der Absatz der landwirtschaftlichen Produkte unserer Schule bedeutend erleichtert Aufgabe dieser kombinierten Haus- und Landwirtschaitsschule ist es. jüdischen Mädchen (vom vollendeten 16: Lebensjahre an).und Frauen gründliche theoretische und praktische Kenntnisse zu vermitteln, die sie befähigen sollen, einen Haushalt bürgerlicher und bäuerlicher Art zu führen. Zu diesem Zwecke soll die Schule als praktischer Musterbetrieb in Kaushaltiingskunde, Ackerbau, Gartenbau (Blumenzucht Obst- und Gemüsebau) und Tierzucht (Vieh, Geflügel und Bienen) einen systematischen Unterricht bieten Die Dauer des Unterrichtes bis zur vollen Ausbildung ist ein Jahr (März—März). Lebmlan: 1. Sprachen. 2. Rechnen. -3. Haushaltimgskunde. . -}. Nahrungsmittelkunde. 5. Gesundheitslehre. 6. Krankenpflege. 7. Acker- und.Gartenbau 8. Handarbeiten und Handfertigkeit. 9. Tierzucht. Sprachen:.Hebräisch und je nach Bedarf Deutsch oder Englisch. Sprechübungen. Korrespondenz. posiamtlichc Ausfüllung von Druckformularen, Rechtschreibung. Rechnen: Die Grundrechnungsarten. Kopfrechnen für den Alltag. Berechnungen in der Haushaltung, Aufschreibtmgen dafür, einfachste Buch- Shrung: Haushaltungskunde: Behandlung der Wohnung. Beheizung. Beleuchtung, Erhaltung der Wäsche und Kleider, Waschen, Bügeln. Kochen. , Nahrungsmittelkunde: Entstehung ind Zusammensetzung der Nahrung. Verwendung!er Nahrungsmittel. Gesundheitsiehre: Einfluß der Nähling. Kleidung und Wohnung auf die Gesundheit . Krankenpflege: Erste Hilfe. Behandung des Kranken, Bereitung und Konservierung ler Krankenkost. . , ,, Acker und Gartenbau: Bodenkultur, 'eid und Hausgarten, dessen Einteilung. Blumenucht Obst- und Gemüsebau. Kenntnis ihrer Schäd- ' Tierzucht: Lebensweise und Behandlung der Tiere (Groß- und Kleinvieh. Geflügel. Bienen). Fütterung (Zubereitung und Verabreichung des Futters). Aufzucht, Pflege und Wartung der gesunden und Behandlung der kranken Tiere. Handarbeiten und. Handfertigkeit: Weiß- und Kleidernähen. Luxusarbeiten. Stopfen, Flicken, Waschen. Bügeln. Frisieren, gewöhnliche Hanilfertigkeitsarbeiten im Hause. Im Prinzipe wird der theoretische Unterricht höchstens ein Viertel des Tagespensums beanspruchen. a) ImHause: Reiben und Putzen der Wohnung (Instandsetzung und Instandhaltung der Möbel und übrigen Hausgeräte). Bewahren und Pflege der Wäsche und Kleidung. Bereitung der Kost in einem einfachen Haushalt (Kochen. Backen. Einkochen von Obst, Konservenbereitung. Pöckeln und Räuchern). b) Im Stalle: Fütterung. Wartung und Melken der Tiere. c) Im Feld und Garten: Das Säen. Pflege von Blumen. Obst und Gemüse. Behandlung der Bäume, das Ernten, das Aufbewahren: der Früchte etc. Einteilung der Arbeit: Gruppeneinteilung: 1. Haushalt. 2. Feld- und Gartenarbeit. 3. Tierzucht Die Reihenfolge innerhalb der Gruppe ist derart, daß jede Schülerin — Fleiß. Pünktlichkeit. Genauigkeit und unbedingte Disziplin vorausgesetzt — in allen Unterrichtsgegenständen die volle Fertigkeit erwerben kann. Unterrichtsweise: Leicht faßlich, womöglich in der Theorie mit Demonstrationen zu verbinden. Zwischenfragen sichern die Kontrolle über volles Verstehen, systematisches Vorgehen auch in praktischen Uebungen. Die Lehrkräfte sind staatlich geprüft. Strenge ..Aufsicht Näheres in der „Hausordnung“. Zeugnisse halbjährig. Rituelle Küche. Sabbathruhe und Beobachtung der jüdischenFeiertage. Hausarzt. Zahlungsbedingungen: Die Schule enthält ein Internat für 50 Schülerinnen, hievon sind 25 vollzahlende-und 25 Halb-, bzw. Ganzstipendistinnen. Die volle, im vorhinein zu entrichtende Monatszahlmig für Ausbildung und volle Verpflegung beträgt... . . K 600.— Die Halbstipendistinnen bezahlen gleichfalls im vorhinein .' . .' . . .. ..K 300.— Für Stipeßidten kommen ttpr jene in Betrachtdie. ihre'Dürftrgkeit und Würdigkeit vorausgesetzt sich durch ihre. bzw. ihrer Eltern rechtsgültige Erklärung zur Uebersiedlung nach Palästina und haus-, bzw, landwirtschaftlicher Arbeit dortselbst mit der Maßgabe verpflichten, daß im Nichteinhaltungsfalle die volle,Zahlung an die Schule naehzutragen ist Jede Intemlstin hat die nötigen Kleidungsstücke (Arbeits- und 'Straßenkleidung). Leib- und Bettwäsche (2 Polster. Ueberbett. 3 Leintücher. 2 Bettbezüge) und Toilettengegenstände mitzubräigen. . Externist in neu. welche einzelne Lehrgegenstände sich zu eigen machen wollen, haben an Schulgeld monatlich im vorhinein K 60.— zu entrichten.- Aufnahmsbedingungen: a) das letzte Schulzeugnis: - b) Personaldokumente (Geburtsschein. Heimatschein o. dgl.): c) Gesundheitszeugnis. vorbehaltlich der U-eberprüfung durch den Schularzt: d) bei Minderjährigen Einwilligung der Eltern oder Vormünder: e) die schriftliche Verpflichtung der Aufnahmswerberirt. die ihr zugeteflten Arbeiten pünkt- Uch zu erledigen und die Hausordnung genau zu beachten: f) bei Bewerberinnen um ein Halb- oder Ganzstiipenldium: Nachweis der Dürftigkeit und Verpflichtungserklärung (bei Minderjährigen auch der Eltern oder Vormünder) bezüglich.der Uebersiedlung nach und der Arbeit in Palästina. Die eigenhändig geschriebenen Gesuche sind bis 10. März 1919 beim Palästina-Amt Wien II„ Zirkusgasse 33. zu überreichen. Die Aufnahme erfolgt durch die Leitung. Am Mittwoch, den 5. Februar 1919. fand in den Reichshailen eine Versammlung aller, die nach Palästina auswandem und mit eigener Hände Arbeit., sei es in der Landwirtschaft, im Handwerk oder als Pioniere an der Erschließung der wirtschaftlichen Kräfte des Landes mitschaffen wollen, statt Der vom Palästina-Amt bestimmte Referent Dr. Nagler wies auf -die Notwendigkeit der geregelten Emigration und der intensiven Vorbereitung zur Arbeit hierzulande hin. Aus der Losung: „Das Land Erez Israel iürs jüdische Volk“ folgt die zweite Losung: „Die Vorbereitung des jüdischen Volkes für das Land“. Allen .physisch arbeitenden Emigranten wird daraus -die Aufgabe erwachsen, alle Möglichkeiten einer theoretischen und praktischen Ausbildung in dem Fache, das sie in Palästina zu ergreifen gewillt sind, aufzuspüren. Vor allem jedoch wird die ganze Energie darauf verwendet Werden müssen, um die entsprechende körperliche Ausbildung, Gewandtheit und Anpassungsfähigkeit zu den gewiß nicht leichten Aufgaben. die , den Emigranten in der Zukunft erwarten, zu erlangen. Es wird ferner anzustreben seht, letzt schon geeignete Fachgruppen der Arbeit zuznführen. um sie geschlossen den künftigen Forderungen entsprechend vorzubereiten. Zur Durchführung dieser Aufgaben ist eine Organisation der Arbeiterschaft unbedingt notwendig. Die Organisation wird die Aufgabe haben, eine genaue Evidenz aller düe auswandern wollen, anzulegen, deren berufliche Gliederung vorzumerken und die Möglichkeiten einer entsprechenden geeigneten Berufs Umschichtung zu Prüfern Ferner wird es ihre vornehmste Aufgabe sein, sich Organe zu schaffen, die in ständiger Verbindung mit dem Palästina-Amte schon hierzulande alle Arbeitsmöglichkeiten ermitteln und’ vermitteln sollen. Dachorganisation wird ihre Mitgliederzur Erkenntnis erziehen, daß dem Rechte zur Arbeit im Lande Erez Israel auch die Pflicht zur Arbeit schon hierzulande entsprechen muß. Das enge Zusammenleben der Gruppen, der gesellige Verkehr, der geistige Austausch, gemeinsame theoretische undpraktische Arbeiten wird alle Aufgaben erleichtern. Die Organe der organisierten Arbeiterschaft werden durch Gründung von Krankenkassen. Unfallversicherungen. Gründung von Spar- und Reisefonds, durch Kontrolle dter Lohnverhältnisse. Schutz gegen Ausbeutung und Verhinderung der Lohndrückerei die wirtschaftliche und soziale Stellung der organisierten Palästina-Arbeiterschaft aufs beste wahren. Die auswärts arbeitenden Gruppen werden mittels Wanderredner und Wanderbibliotheken stets geistig für Palästina vorbereitet werden müssen. Diese Organisation soll ein geschultes Arbeiterreservoir zur Kolonisierung des Landes Ln großzügiger Weise vorbereiten. Um diese Aufgaben entsprechend auszutühreu. wurde ein zehngliedriger Arbeitsausschuß gewählt, der die nötigen Vorbereitungen zur Organisation treffen soll. Die erste Sitzung dieses Arbeitsausschusses; findet am Samstag, den 15. Februar 1919. um 5 Uhr nachmittags, im Palästina-Amte. II.. Zirkusgasse 33. statt Der wirtschaftliche Zusammenbruch des österreichischen Staates hat viele vor die Frage gestellt was sie unternehmen sollen. Es sind schon mehrere Auswanderungsproiekte zutage getreten und es dürfte von Interesse sein, zu sehen, wie man sich in einem ganz heterogenen Kreise eine solche organisierte Auswanderung und Kolonisation vorstellt. Es liegt auf der Hand, welche Lehren wir daraus ziehen können: Am Mittwoch, den 5. Februar 1919. hat Rittmeister Otmar Camillscheg im Militärkasino hauptsächlich vor Offizieren die Frage der organisierten Auswanderung nach Südamerika besprochen. Darüber berichtet das „N. W. J.“: „Südamerika braucht Kolonisten. Dort gibt es große Ländereien, die noch nicht bebaut sind, da es an landwirtschaftlichen Arbeitern, an Kolonisten fehlt. Es soll nun in Wien ein Zemralverein für die organisierte Auswanderung nach Südamerika gegründet werden. Der Verein will sich die Vorbereitung der künftigen Kolonisten in eigenen Schulen zur Aufgabe machen. In diesen Schulen sollen die Auswanderer sowohl die nötigen Kenntnisse im Spanischen und Portugiesischen, alsauch die nötigeTandwirtschaftliche Ausbildung erlangen. Die Auswanderung soll durch den Auswanderungs- # verein mit Unterstützung des Staates 'vorbereitet und so durchgeführt werden, daß auf Grund von Einzahlungen der Mitglieder in Südamerika entsprechende Ländereien angekauft und auf die Mitglieder verteilt werden. Dazu würden sie die Geräte und landwirtschaftlichen Maschinen aus Deutschösterraich beziehen. der heimischen Industrie also dadurch ein Absatzgebiet eröffnen. Die Produkte ihres Fleißes. Kaffee. Mais. Tabak, Baumwolle. Kakao usw. würden dagegen nach Deutschösterreich wandern. So würde sich ein Tauschverkehr von deütschüsterreicliischen fndustrieerzeugnissen tmd südamerikanischen Kolonialprodukten entwickeln, der unserem Staate manche Vorteile bieten könnte.“ Die große Ungeduld aller, die nach Palästina auswandern wollen, bat nicht nur große Gruppen trotz der Warnungen veranlaßt, den Weg nach Erez Israel über Wien—Triest zu suchen (mit welchem unglücklichen Erfolg: die Gruppe hat bis jetzt gegen 1501000 Kronen unnütz verbraucht ohne sich im geringsten ihrem Ziele genähert zu haben, wurde hier des öfteren besprochen), sondern auch den Weg über Odessa anzutreten. Daß aucli dieser nicht zum Ziele iührt wegen der andauernden Okkupation des Landes durch Militärbehörden, ist ja evident Das Kiewer zionistische Büro sah sich daher veranlaßt in Nr. 28 des „Moment" vom 2. Februar 1919 vor vorzeitigen Reiseversuchen zu warnen. Es be.steht derzeit keine Möglichkeit, über Odessa nach Palästina zu gelangen. Der nach Paris und London reisende Delegierte des. Palästina-Amtes in Kiew teilte hier mit daß die ukrainische.Regiening derzeit aus militärischen, finanziellen und sonstigen wirtschaftlichen Gründen schon die Ausreise aus dem Lande verbietet

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