Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 13 (1919)
- Issue
- 6 (7.2.1919)
- Date
- 1919-02-07
- Page
- Seite 1 (sequence 7)
- Language
- German
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öeite 1 Beilage zur JÜDISCHEN ZEITUNG Stummer 6 JÜDISCHE NATIONALFONDS 7./II. 1919 MitteSlungan des Vereines Keren Kajemetfr Lelisraei » und Piläsfina-Amtes » Redaktionsschluß am vorangehenden Freitag. Später einlaufende Spenden, werden erst im nächsten Ausweis veröffentlicht. — Geldsendungen unr an dos Postap.-Kto 100.208 Tel.45-3-25. 1 »iidnwuu^injiuMrgfaamMmmi—uuUdaM——wypaw MMMELSTEUE FÜR ÖSTERREICH WIEN ll/i. ZIRKUSGASSE NR. 33 Der .Jüdische Nationalfonds* ist dazu bestimmt, in Palästina Grund und Boden als unveräußerliches Eigentum des iUdisdtenVolke» zu erwerben. Mitteilungen des Palästina-Amtes Anmerkung §es Palästina-Amtes: Große Massen des jüdischen Volkes sind ausxugabereit. Die Schwierigkeiten, die die noch ungeklärte politische Lag« einer soforiigen Übersiedlung nach Brez israal entgegensefct. habe« «ioe bagraitliche Ungeduld harvsrgcrutcn. 5a ist daher dringend notwendig, dteae peinliche Wartezeit dazu zu verwanden, um ebenso in der Gedaakaneinstellung, wie auch in dar praktischen Schulung mit dsr Palästina-Arbeit vertraut zu werden. Die Aufgabe, die uns beim Aufbau der Arbeitsstätte für das' * ändernde jüdische Volk bsvorsteht, ist das AusspUrtn and Erschließen aller nur erdenklichen wirtschaftlichen Möglichkeiten des Landes. Wir sind daher an eine Belhe von Fachleuten htrangeirettn, mit der Mitte, die breite jüdisch Öffentlichkeit In leicht faßliahen Anrcguegen auf ioIPc Möglichkeiten hinzul-nken. Zunächst veröffentlichen wir den Aufsnb ei"«s bewährten Fachmannes Uber die Bienenzucht und werden ullmählig weitere Aufsäße f Igcn iass-n. Die Bedeutung der Bienenzucht für dis Landwirtschaft. Van Mozes Krausz. Eine größere Zahl landwirtschaftlicher Pflanzen (Insektenblütler genannt), insbesondere Obstbäume. werden hauptsächlich durch Bienen befruchtet. Um 'die Bienen heranzulocken, hat die Natur die Blüten mit Honigseim versehen, die mit dem Blutenstaub die einzige Nahrung der Bienen : bildet. Eingehende Untersuchungen haben ergeben, daß auf dien Blüten der Obstbäume an Insekten bis 88 Prozent Honigbienen festgestellt werden konnten. Ferner besteht die große Wichtigkeit der Bienen bei der Befruchtung vor allem darin, daß die Bienen im Gegensatz zu anderen Insekten nicht einzeln überwintern, sondern in volkreichen Kolonien, die schon im Frühjahr, der für die Befruchtung der Blüten besonders wichtigen Zeit, wenn andere Insekten noch sehr spärlich vorhanden sind, ausfliegen- Ein Bienenstock kann im Frühjahr 15 bis 20.000 Bienen enthalten, im Sommer 40 bis 80.000. Die Pflanzen und die Bienen sind daher gegenseitig auf einander angewiesen. Als nach Australien europäische Obstsorten eingeführt wurden, zeigten sie eine herrliche Blütenpracht, der'Obstertrag war jedoch kaum nennenswert.. Erst alseän Bieneirfreund seine Bienen dorthin übersiedelte, hat sich die Lage wie durch einen Zauberschlag verändert _____ Versuche haben ergeben, daß ohne Bienen von 3081 Biroblüten nur 5 winzige Früchte, m einem änderen Falle von 1268 Blüten jdeichfalls 5 Früchte geerntet wurden. Unter Mitwirkung der Bienen ergaben 3081 Bimblüten 1000 und 1268 416 normale Früchte. Dr. Zander hat folgende Versuche angesteilt: Et nahm zwei Zweige derselben Obstart mit gleicher Blütenzahl, überspannte deneinen miit einer feinen Gaze (die Licht und Luft zuließ, Insekten aber fernhielt) und erzielte folgendes, staunenerregendes Ergebnis: Pflanzen- Mit Gaza bedeckt unbedeckt art BlUtan FrUchte Proieit DlUlen Früchte Prozent Stachelbeere 81 20 24 81 49 60 Süökireehe Sauer- 75 1 1-3 41 1 14-6 klraohe 1012 0 0 1000 106 16 Birne 404 0 0 404 itt 8-1 Apfel 2*4 1 0-5 304 14 8.9 Wir sehen also, ohne Bienen wenig oder gar kein Obst. In jedem Obstgarten ist daher die Bienenzucht die Voraussetzung eines günstigen Fruehtertrages. Insbesondere bei der Baumkuitur in Erez Israel werden die Bienen bei der Befruchtung der Obst-, Crtronen-, Orangen-, Olivennnd Mandelbäume eine wichtige Rolle spielen. Aber auch in der Erzeugung von Honig hat die Bienenzucht stets in der Landwirtschaft einen großen Ertrag aufgewiesen. Wejm mav. bedenkt, daß aus einem Stock In einer Mim t 90 Bienen abfliegen können, in einer Stunde d.-.ier 4500, und wenn wir täglich 11 Stunden rechnen, so ergibt es eine Zahl von 60.000 Büenenflügen. Bei einem Ausflug^besucht eine Biene gegen 70 Blumen, was bePeinem Stock 400.1X50 Blüten tägitch ersäht Es handelt sich also, wie man sieht um Mtitionenwerte. Kein Zweig der Landwirtschaft äst so einträglich im Vergleiche des investierten minimalen Kapitals zu der sich ergebenden Verzinsung. Ebenso verlangt kein. Zweig der Landwirtschaft so wenig Arbeit wie dieser. Die Arbeit Ist eine äußerst leichte, jedoch im Gegensatz zu -jeder anderen landwirtschaftlichen Tätigkeit rächt üfch jeder Fehler bedeutend stärker. Daher mul jeder Bienenzüchter vor allem gründlich lernen- Die folgend« Tabelle, die nach den Erfahrungen der rriedeusiahre 1910 b:s 1914 zusammepjO^telU ist.-wird wohl die Rast^bitität der. Bieuen- 3hcht gm ßaa fliehst** keaazeictroen. c S s i | 1 1 1 1 — di Oi --- \n CM ■i * ’V GO CM CM m — SS J 1 1. fvj 1.1. 1 i 1 l 1 1 1 ^•ö l. cm V o cd o CO CO CO ’M'hO 2>ao r-s, QCO SS ui «o IO 00 Ob *Q CM' (cm s ■ •. £ ä c ÖS« *5 ** u •si Kk« C Im “s o o » o » o va O ao a: E i r * E i E S =!.* w e* Ce"? es-B oa-5 6**0 sc “cQ J£C/J — CO CT CM 00 <o ^•1 09 02 E— "*• T-? iO KO CM 1 1 1 1 1 1 1 y*OK<0 1 I I 1 i l"l T i r T NfOÖ CO Ö UD O »n NO — p- CM Ö CM * M CM CO —CM o Q\ CM O' to OM wm CM «■St 61 e, E a> V A m -3?:? 2 « a> y g*5 g oc o 2 *s o5 fö "cj *3 «'S <= 2 ca® 5-5 33 (U Jc c c c m a a> a» Et 55 g 2* 13: usctQ ■- < ®-«cq £2^(0 ca.* ca^ -»ow cot- CM O *-• CO^ a. N-OjO Cd CO KD CM CO 64 - & CM CO «t Also im 5. Jahr eine Rentabilität von 1000 Prozent! Dies ist das normale Erträgnis im mitteleuroäischen Klima. Im warmen Palästina wird man wohl schon im zweiten oder dritten Jahre dasselbe erreichen. (Aufsätze über die Technik der Bienenzucht werden folgen.) Mitteilungen Die tecHmsch-ihdüstrtelle Gruppe des Palästina-Amtes Wien hat an das Londoner zionistische Büro wie auch an die zionistischen Zentralbehörden einen Fragebogen gerichter. um nach allen Seiten die wirtschaftlichen Möglichkeiten der technischer, und 'industriellen Erschließung des Landes zu beleuchten und um k!arzulegen, ob schon irgendwelche Vorarbeit ei. bzw welche Pläne vorliegen »nd welche Schr ie man zu unternehmen gedenkt. Der Fragebogen soll auch Klarheit verschaffen. unter welchen sozialen und ökonomischen Gesichtspunkten der etwa vorhandene Kolonisationsplan die technische und industrielle Inanspruchnahme aller Kräfte des Landes vorsäehr. War werden die daraufhin eingelaufenen Informationen ehestens der Oeffentiichkeit mitteilen. Die technisch-industrielle Gruppe des Palästina-Amtes Wien beabsichtigt m der nächsten Zeit Kurse zur Ausbildung von Elektromonteuren und Maschinisten sowie Bauarbeitern und Baupolierea etc. zu errichten. Das Lehrziel dieser Kurse soll sein, hinge, körperlich geeignete Juden, welche Neigung für technische Berufe besitzen, so weit vorzubEklen, daß sie in der Lage sind, als Elektromanteure elektrische Licht- und Kraftinstallationen sachgemäß iaiuszuführen und eventuell den Betrieb von kleinen Kraftanlagen zu führen, verkommende Störungen seäljständig zu beseitigen. In den Bauarbeiter- und Baupolierkitrsen sollen die Kursteilnehmer jene Kenntnisse erwerben, welche sie zu Bauarbeitern und Baupolieren geeignet machen. Die technisch-industrielle Studiengruppe fordert hiedurch Elektro- und Maschinen- sowie Bauingenieure auf. säch zur Uebernahme der Unterrichtserteilung hi diesen Fachkursen zu melden. Geeignete Bewerber, welche über eine mehrjährige Praxis verfügen sollen und womöglich bereits Erfahrung im Lehramte besitzen, wollen ihre Bereiterklärung mit kurzen Lebenslauf tatd Angabe der Adresse an Direktor Artur Hartroama. XIII., Leopold Müüergasso 2. richten. Kwuza für Gemüsezucht Für die Gärtnerei eines bekannten Zionisten in Ungarn. 40 Joch, mit Bewässerungsanlage bulgarischer Art. werden 12 hjs 16 ungelernte, kräftige Arbeiter gesucht, dfe unteF Anleitung des Besitzers und eines Gemüsegärtners aße Saisonarbeiten zu verrichten hätten und sich gleichzeitig dadurch <lie so notwendige Erfahrung für bewässerbaren Gemüseanbau für Erez Israel verschaffen werden. Die Bedingungen der Uebemahme des gesamten Anbaues der Gemüsegärtnerei wären: 1. Beteiligung oder 2. Monatsgehalt ad 1. Bei Beteiligung würde die Arbeitsgruppe die Jlälfte des Ertrages der ganzen Gärtnerei erhalte^. Sie müßte jedoch sämtlich« 'Arbeiten selbst verrichten (natürlich unter ober* wähnter Anleitung) und alle Ausgaben für Same» und Pflanzen aus eigenem tragen. Die nötige« Lebensmittel und ein mäßiges Taschengeld würden a conto des Ertrages vom Besitzer vorgeschossen werden. Wohnung und Beheizung gratis. ad 2. Bekäme jedes Mitglied der Arbeitsgruppe pro Person monatlich 20 kg Schwarzbrot 25 kg Erdäpfel, 3 kg Fleisch, 1 kg Zwiebel. 1 kg Salz, 1 Liter Speiseöl, 5 Liter Bohnen. 3 Liter HiTsebrein. Ferner für die Monate März. April and Mai K 150.— monatlich, für die Monate Juli. August und September K 250.—. Gebaut wird hauptsächlich Gemüse- und Gemüsesamen. nebstbei Getreide Arbeitsbeginn 15. März. Dauer bis zur Beendigung sämtlicher Arbeiten. Arbeitszeit von Sonnenaufgang bis eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang. Samstag und Jüdische Feiertage wird gefeiert Wir hoffen, daß dieses Beispiel bei recht vielen jüdischen Landwirten und Gemüsezüchter« im Hinblick auf die beginnende Saison rasch Wiederhall und Nachahmung findet Zur Warnung für Palästinawanderer! Die von uns wiederholt erwähnte Gruppe von 62 Palästinafahrern, welche in Triest durch zwei Monate festgehalten wurde, ist in ihrem Bestreben, sich irgendwie einen Ausweg nach Erez Israel zu schaffen, einem Betrüger zum Opfer gefallen. Derselbe gab sich als Kapitän eines Lloyddampfers aus und nahm der Gruppe unter der Vorspiegelung, er werde sie ehestens nach Palästina bringen, an Reisegeldern nicht weiger als K 16.000.— ab. Der Betrüger namens Hoffmann wurde später verhaftet So kam es, daß <fie Gruppe, aller Barmittel entblößt «Me Hilfe unserer Triestiner Geshmugsgenossen in sehr erheblichem Maße in Anspruch nehmen mußtet, ohne daß damit die Emigranten ihr Ziel — Palästina — erreicht hätten Von der* H.-F. Sammelmielle. Deutscher Schalverela uad Jüdischer Natioaallonds. Am 5. Zionistenkongreß zu BaseL Ende Dezember 1901. wurde unter großer Begeisterung der Delegierten die Gründung des JNF. beschlossen. 1902. im ersten Sammeljahr, gingen für ihn trotz unverminderter Fortdauer der Begeisterung und troztdem damals noch die große faszinierende Erscheinung eines Herzl an der Spitze der zionistischen Weltbewegung in Wien stand, aus ganz Oesterreich ganze.K 11.000t— ein. 1918 aber hatte die SammelsteHo Wien aus dem gleichen Gebiete, also nach Ausschaltung der Spenden des Okkupationsgebietes Polen etc_ schon einen Ertrag von zirka K 1.100.000. also En 17 Jahren eine Steigerung um du Honderti a c h e. Anstatt sich dieses Erfolges zu freuen- und daraus die Aneiferung für ein unverzagtes Varschreiten zu schöpfen, gibt es Nörgler, welche sich und anderen diesen Erfolg durch allerter Einwände zu vergällen streben. Ein solcher Einwand ist der von dem sinkenden Werte der Krone, der ia leicht größere- Summen als früher spenden lasse. Abgesehen nun davon, daß efne Entwertung unserer Valuta in diesem Ausmaße nicht ernstlich behauptet werden kamt, zeigt uns der Vergleich mit fremdnational&n Sammelinstitute« Oesterreichs, wie günstig wir üru Gegensatz zu den anderen uns entwickelt haben. Als Beispiel sei hier der .Deutsche Schplverein“ herausgegriffen, welcher im Jahre 1880 als Trutzschöpfung der geeinigten Deutsehen Oesterreichs gegründet worden ist und nun. gleich der NE- SamjnebteBen Wien auf Deutschosterreich beschränkt, am Abschluß einer Epoche steht: 1992. also ixt seinem 22. Jahre, erzgelte er an Spenden und Einnahmen aller Art . K 426000.— und 1918 esbätzungsweise . . . . „ 1.100.000t— Demi seine Einnahmen sind, wie schon bisher, im Kriege, besonders im letzten katastrophalen Jahre von der 1917 ausgewiesenen Spendenhöhe von K 1.236.000.— gewiß zurückxeggpgen. Demnach vermochten aj^i pnnglunen des Schulvereines in den gleichen 17 Jahren, die dem JNF. eine hundertfache Steigerima brachten, kaum auf das Zweieinhalbfache zu steigern und der junge Rivale hat in dieser Zeit den 39 Jahre alten Schvtiverein bezüglich der Jafareesumme eingeholt Und diese Entwicklung zugunsten unseres V alksschatzes war eine unaufhaltsame, wie die Gegenüberstellung des J ahresspeudendurchschnittes beider Vereine für vier aufeinaiukrtbhoenide OuadrzejHHcn berechnet ergibt: IIUla««er Nat.-Pand ««Blsoier Sehulvaraln 1902(05 . . . X 22.000— K 37Q.QQ<V- 1906/09 . . . „ 57-QOQr— „ 472.QWL— 1910/13 . 142.000.- „ 1,692.000.— 1914/17 . 207.ÖW).- „ L236.000.— Diese Entwicklung ist umso bemerkenswerter. als. wie schon gesagt, das deutsche V in Oesterreich und . viele Aoslandtientsche