Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitung · 1919-01-03 · 1 (3.1.1919) · p. Seite 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitung
Volume
13 (1919)
Issue
1 (3.1.1919)
Date
1919-01-03
Page
Seite 1 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2438141-2438727-2438728--6090-2446132
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

i*r. 1 Beilage zur JÜDISCHEN ZEITUNÖ Sette 1 M?« der JODISCHENÄTIONÄLFONDS Mitteilungen des Vereines Keren Käiemefli Lejlsräel » und Palästina-Amtes « RedaktionsschluB am vorangehenden Freitag. Später einlaufende Spenden werden erst im nächsten Ausweis veröffentlicht. — Geldsendungen unr an das Postsp.-Kto. 100.208 _ Tel.45-3-25. Emigrantengesellschaften und Arbeitsheer Von Ing. Agr. J. Otting er. Neben den verschiedenartigen Gesellschaften von Juden, die sich in Palästina als Kolonisten änsiedeln wollen, wirken solche. Gesellschaften, die jetzt von Elementen gegründet werden, deren Hauptzweck bloß die Einwanderung nach Palästina bildet, ohne daß sie schon jetzt bezüglich dec Ansiedlüng selbst endgültige Pläne festsetzen. Die bedeutsamste Bewegung in dieser Richtung scheint die sogenannte Hechaluz- oder Pionierbewegungzu sein, welche in verschiedenen Gegenden mit dichter jüdischer Bevölkerung die Organisierungvon künftigen Ansiedlern bezweckt In Rußland. Galizien. Amerika lind England bildeten und bilden sich noch, vorwiegend unter dem Einflüsse der Poalc Zion, solche Gruppen, Diese alle gehen darauf aus. ihre Mitglieder für das mühselige ihrer in Palästina harrende Werk vorzubereiten, und versuchen, sie zur Organisierung auf genossenschaftlicher Basis zu bewegen. Sie bemühen sich auch, ein gewisses Kapital für die Reisespesen ihrer Mitglieder zu sammeln uni eine Schulung der letzteren in den für die Auswanderer notwendig erscheinenden Fächern zu organisieren. Die Hauptumrisse der riechaluzorganisation sind in der Beilage enthalten Die Heclialuzbewegung in Enelan d' wird wahrscheinlich keinen größeren Umfang amnehmen u. zw. infolge der verhältnismäßig geringen jüdischen Bevölkerung uvid der relativ günstigen ökonomischen Lage während des Krieges. Um so bedeutsamer Wird die Bewegung in Rußfand und in allen Ländern des n a li e n 0 s t e n s sein, in welchen die Bevölkerung so schwer gelitten hat und wo der nationale Geist in der letzten Zeit so - erstarkt ist In Rußland fand'vor kurzem ein Kongreß von mehr als 20 Hecliulaz-Gruppen statt Es scheinen dort ernste Maßnahmen getroffen worden zu sein, um den HecHaluz-Mitgliedem praktische Möglichkeiten zur Ausbildung in der Landwirtschaft zu bieten; auch wird eine eigene, der Hechaluz-Bewegung gewidmete Rundschau lierausgegeben. . . - Die Notwendigkeit' jene Juden zu organisieren, dae, sobald es nur die allgemeine Lage zulasseu wird, nach Palästina gehen wollen; muß nicht nur den unmittelbar an -der Emigration nach Palästina, beteiligten Elementen einleuchten. Um eine chaotische flucht nach Palästina zu verhindern. bevor das Land große Kontingente von Einwanderern aufzunehraen in der Lage sein wird, haben die Petrogader Zionisten soeben ein Komitee unter dem Namen „Vereinigung für den ökonomischen Wiederaufbau Palästinas-“ gegründet Diese Vereinbarung bezweckt, einzelnen Personen bei der Heranbildung für die Palästinaarbeit zu helfen, die Entstehung von Arbeitergr-uppen für öffentliche Arbeiten in Palästina zu fördern und ein zusammenfassemdes Schema der Einwanderer- Genossenschaften für gegenseitige Hilfe bei der Ankunft zu entwerfen. Das Büro der Vereinigung ütird Einzelpersonen und Körperschaften Informationen über die Lebens- und Arbeitsbedingungen m Palästina erteilen. Es wird auch periodische Berichte und spezielle Broschüren für die angehenden, Emigranten veröffentlichen und auch -den Emigranten, hauptsächlich beider Uebersiedlune und der Beförderung ihrer Habe nach Palästina, behilflich sein. , , .Die Bildung dieser Vereinigung wurde anscheinend guten Händen au vertraut Der Plan ist gut und sorgfältig ausgearbeitet und verspricht ein günstiges Resultat besonders wenn er in engster Mitwirkung sowohl mir den organisierten Körperschaften der Einwanderer selbst als auch mit einem Zentral-Mormationsbüro ausgeführt wird. In iedem Lande, aus welchem sofort nach dein Kriege eine Auswanderung nach Palästina zu gewärtigen ist dürfte in engster Fühlung mit den Einwandenmgs-Hauptstcllen In Palästina eine Vertretung nach der Art der Petrograder Vereinigung errichtet werden, . . Die bevorstehende Auswanderung nach Palästina muß mit Vorbedacht geregelt werden. „Der Exodus wird nicht einer Flucht ähnlich sein“ sagte Herzl. „weil es eine gut geregelte Expedition unter Kontrolle der öffentlichen Meinung geben wird“- Der Moment hi dem die Auswanderung nach Palästina wird organisiert werden müssen, naht wie Herzl geahnt hat Die Auswanderer werden in gleichartige Gruppen in genossenschaftliche Verbindungen. Vereinigungen gelernter Arbeiter und Abteilungen ungelernter Arbeiter zusammengefaßt werden müssen. Die wchlorganisiertcn Gruppen und Einheiten werden die Aufgabe haben, das Volk für das Land und das Land für das Volk vorzubereiten. - Wird die Bildung von Auswanderervereimgungen zur Organisierung-einer jüdisch-nationalen Arbeitsarmee führen? Dies dürfte , der Fall sein, denn die-Interessen sowohl der jüdischen Arbeit wir auch der jüdisch nationalen Bewegung würden durch die Bildung,, entsprechende Ausrüstung und wirksame Leitung* einer solchen Armee in hohem Maße gefördert werden. Der vor dem Kriege entstandene „Haschonier“ und der kürzlich ge-, gründete „Hechaluz“ dürften den Kern der kräftigen Arbeitsarmee bilden. Um Aufgaben von nationaler. und sozialer Bedeutung zu lösen, darf nicht eine wie etwadie von " der privaten Zion Commonwealth Company geplante oder den Zwecken einer anderen privaten - Gesellschaft dienende industrielle Armee geschaffen werden. Was nottut, ist eine unter Mitwirkung der zionistischen Organisation ins Leb cn gerufene jüdischnationale Arbeitsarmee. Die Arbeitsarmee würde sich letzten Endes zu einem Instrumente der organisierten jüdisch-nationalen Bewegung entwickeln. Es kann dabei natürlich weder von einem Zwange noch von einer Konskription die Rede sein. Eine jüdische Arbeitsarmee kann lediglich als Ergebnis des freiwilligen Entschlusses junger Juden entstehen. Dieser Entstehuugsprozeß dürfte die Beobachtung einer strengen Disziplin — ebenso wie es im einem kleineren Maßstab beim „Haschomer“ der Fall war — nicht ausschließen. Es gibt keinen Grund, an der Möglichkeit eines wohldisziplinierten Arbeitsheeres zu zweifeln, vorausgesetzt, daß die jüdische Arbeit mit Begeisterung"; an dieses Werk schreiten und .die jüdisch-nationale Bewegung jedwede für die Erhaltung des Arbeitsheeres notwendige Unterstützung gewähren wird: Wenngleich völlig freiwillig, wind das Ar-. bertsheer dennoch das Prinzip der Anwerbung für ein gewisses Minimum von Jahren, sagen wir für zwei Jahre, anwemden. Ohne die Bedeutung des Heeres zu überschätzen, oder eime andere Form von Einwandermigsorganisationen überflüssig zu machen, müßte das Arbeilsiieer genau umgrenzte Ziele Verfolgern Es sollte sich in Palästina vorwiegend auf folgende Aufgaben beschränken: 1. Die Vorbereitung - für Landwirtschaft und' gewisse gewerbliche Fächer und 2. Ausführung von öffentlichen, für das Gemeinwesen wichtigen-.Arbeiten. In-'Palästina.. Nehmen wir an. daß jüdische Arbeit die ersten 500.0 junge Leute organisiert hat imd daß sich diese einem von den jüdischen Arbeitern und der allgemeinen .nationalen Organisationgemeinsam gebildeten Komitee oder einem' Ausschuß für nationale Arbeiten imfersteiit "haben. Was könnte dann getan; werden?-Vorallem wäre es erforderlich." daß jeder junge Mann des Heeres eine gewisse landwirtschaftliche oder gewerbliche. Vorbereitung schon genossen haben .soll. Das für unsere künftige Anäiedihtng unentbehrliche Werk der'■ praktischen Scbiflunig, könnte dämm, in vollem Maße in Verbindung mit dem Arbeitsheer vollbracht werden. Das erste Jahr des wohl eingerichteten Dienstes, wäre der systematischen Schulung, djer' Bekämpfung der -Saumseligkeit und des -Mangels' an Genauigkeit, der Aneignung einer Arbeitsmethode und der Vertrnutmachung der Einzelnen mit einer bestimmten Beschäftigungsart vornehmlich auf dem Gebiete der Landwirtschaft zu widmen, da Palästina meistens praktische Kenntnisse auf diesem Gebiete erfordert und die künftigen Ansiedler hauptsächlich auf diesem Gebiete-mangelnde Vorbereitung aufweisen. Das zweite Jahr wäre-der Ausführung öffentlicher, für das Gemeinwesen wichtiger Arbeiten zu widmen. Urbarmachung dier brachliegenden Ländereien, alle, mit der Besitzergreifung von bisher unbebautem Boden zusammenhängenden Arbeiten, Vorbereitungsarbeiten für die Gründung von neuen Ansiedlungen. Aufforstung. Durchführung von sanitären Maßnahmen. Straßenbau usw. werden die Gebiete sein, auf welchen das Arbeitsheer unter geschulter «Aufsicht seine Kräfte üben wird. — Kein privates Unternehmen wird aus dem ... Arb e i tsheer irgend welchen Nutzen zieh en können. . t Als Entgeld für die im zweiten Dienstiahr geldstete Arbeit werden die Mitglieder des Arbeitsheeres im ersten Jahre gebildet und geschult, und während des zweiten ernährt und bekleidet werden. . Sollte die Bildung eines jüdischen Arbeitsheeres Tatsache werden, würde es bei der schwierigen Aufgabe, .das. Volk für das Land und das Land fürd as Voik vozübereiten. eme'äußerordentlich wichtige Rolle spielen. — Meiner Ansicht nach ist der hier mit kurzen Worten entworfene Plan zuverlässig und ausführbar. Ueberdies wird die Aufstellung des ersten freiwilligen Heeres den -Weg zu einem stehenden Arbeitsheer bahnen, welches sich in einem jüdischen Palästina zum .Mus ter eines s t eh en den bürgerlichen Heeres Tin Gegensatz zu militärischen Heeren entwickeln wird.-Mit oder ohne eine Zivilaushebung. im Gegensatz zur militärischen, wird künftighin im jüdischen Palästina jeder junge Mann zwei Jahre 1 a ng^öffentlichen Pie ns t leisten müssen. — Die bürgerliche Armee wird dazu beitragen, aus Palästina ein hervorragendes Land zu machen, da »diese Einrichtung in hohem Maße zur Y-rbrcitung yon Fachkenntnissen und zur Ausführung von öffentlichen, für das Gemeinwesen wichtigen Arbeiten verhelfen wird. Diese Ziele mögen zu bescheiden dünken, um nach ihnen zu streben, aber sif werden es nicht seht Tn den SAMMELSTELLE JUR ÖSTERREICH WIEN II/i. ZIRKUSGASSE NR. 33 Der „Jüdische. Nationalfonds* 'ist dazu bestimmt, in Palästina Grund und Boden als um ver äußerliches Eigentum des jUdiachenVolkea zu erwerben. Augen eines mit dem schwierigen Problem der Kolonisation und der Entwicklung neuer Gebiete befaßten Volkes. _______ Mitteilungen des Palästina-Amtes Sonntag, ktem 29. Dezember faind im Saal« des Bundes der Indlustriielen däe wäedbrholt angekündigte Versammlung jüdischer Industrieller, Techniker und Ingenieure state. Die Versammlung wär außerordentlich gut besucht und wundlä vom ESnbexufer Dr. Alexander Herzbaum eröffnet. Dr. Emil Stein als Leiter dies Palästina-Amtes “begrüßte .döle Erschülanemen und skizzierte die Aufgaben des Hau’ geschaffenen Amtes im Rahmendes großen Palästina-Kolortmtiicmswerkes. Das Referat über die Mitwirkung dar jiklisclien Industriellen, , Techniker und Ingenieure an diesem. Kolonisationswerke wurdle von Direktor Dr. Ing. Artur Hahtartann gehalten. Er'-besprach zunächst die politische" Grumdtagle dies KofonSsaffionswerkes ■und ging dlaimi auf dlas allgemeänte Programm der ausiziuführenlieii wärtschäftiicWen) und sozialen Vorarbeiten ein. ln HTJnblck aiui idtfe in Betracht kommenden Unteniiehmergnippen erläuterte er dre reichen Möglichkeiten induStrietlSer und technischer Betätigung irnld schloß mät einem warmen Apell zu eifriger Mitarbeit Nach, diesem Referat unterzog sich Direktor tng. Josef Seidener der Aufgabe, di» oujs dem Kreise der Versammelten über dte kulturellen-Zustände'in Palästina am iihn gerichteten Anfragen sachgemäß zu.beainitworiteit An der Dfiskitssdlooi nahm auch der Altmeister des zionistischen Pafästinawerkes Ing. Johann Kremenezky teil; welcher in prägnanter Weäse dülraui (hiuwäes, daß zunächst -eine, gründliche wflssenschäiit liehe Vorarbeit nottut, auf deren Basis dänin mät Sicherheit' zur Bau- und industriellen Tätigkeit' geschritten wende« kann. Als letzter Punkt staind stuf der -Tagesordnung tifoe Wähl eines Komitees, .welches däe wils- . senschaftlichen imd soziallen Vorarbeiten ktes Koloniisationswerkes an Angriff widmen soll Es wurdeu gewühlt Großindustrieiter Ing. Johann Kremenezky, Baurat Dr. Ing. Sigmund Defries, Direktor der Alls. Oesferf.: Baiugesellschaft Ardiäte[ft Dr. Arnold Rärpteis, GesielischafiteF ider Firma L. Kauf. I. H. Bruimer, Ing: Harry Brunner, Qberkommissär .Ing. Sömon - Resk, Gesellschafter der Firma White.' Child & Beny Ing. Leo White, Direktor der GeseMsdhialft für elektrischen Bedarf, Tng.- Artur Hartmatan; Chemiker D.r. Alexander Herzbäum, Architekt Ing. 'Laschkowiitz und! Direktor des elektrotechnischen Veneäuts ' loset Seidener. ' Samstag, den 28. Dezember, abends fand in den „Reichshallen“ eine .öffentliche Versammlung statt. Nach eirter Binlejüiuig diirdi Dr. Egon - Zweig, dier därtegfie. wffe es zur Gründung des Palästina-Amtes khku lätel't dlassen Leiter Dr. Emil Stein "ein aiusführKfches, Kcktvoües Referat über '„Unse re .Vorbe reitung für Palästina“, worin er vorttiefimüich den 'wöten Kreis der Aufgaben Tür das neule Amt umschrieb, ' Die interessante Versammlung, an dSe sicb weiitieirÄ dieser Art zur Erörterung vom Teilfragen' ansdiiießcn werden, schloß müt dier Auffoindianung zian ■ Beitritt in den Vereän „Keren Kajemet Lejsrael“,- ain den .dos Palästina-Aimit angegliedert ist. Am Abend dies 15. Jänmems (Chamiiscjhali aSar bschwaitj beginnt (die „Palästäuawoche“. Ihr Reinertrag fäiit dcm’nLairidwSrtschaftDchen Scliuiungsfond des PalSstina^Amtes“ ziu; Werberednsr '• für die Propaganctaviersaimmllungen in den ßgitiiäusepn .werden um Meldung ersucht. Von dei* N.-F- Sammelstelle. Nahum Sokolow-Jubllar. Air. 10. Januar 1919 feiert Naihum Sokolow seinen Güsten Gebuntisfajg. ßs; bedarf nicltt vüel«r Worte, um. die' Bedeutung Sokolows fite idle zionäetisclie BewegungTunli das Judentum überhaupt vor Augen zu führen. Seänie zionüstüschfe Tätigkeit steht gerade jetzt im Brennpunkt des politischen Lebens. Und was er für dDe nationale Erziehung der JVlassen im Osten, düs. Aitflebnng der hebräischen Sprache und Erneuerung kiier hebräischen Literatur geleistet, dessen ist sich bereits mehr, als eine Generation Sn tiefer Dankbarkeit und Vermehrung bewußt . V, i Dem Jüdischen) Nationaltond brachte er von jeher besondere Sympathie entgegen und förderte ‘ihn in~ Wort und Schrift bei" jeder Gelegenheit Namentlich hat er aMf in dter letzten Zeit lin Hink blick auf diie _ dlem Naffonailfonlif nach Friedens-' Schluß bevorstehenden Aufgaben mit besonderftr Wanne: in öfienMchen Veranstaltungen;filr ein* großzügige Werbearbeit dies Nationaifonidis eiugesetet und .dessen Grunxiisätzc propägieert Es schien ums itn Sinne Naihum Solcolows, daß sein Jubiäium jzuim Anlaß genommen wird,, uni den' JNF größere Mittel zuzuTfthren. Die Ver.- w^altung 'hat tdarum beschlossen, für eine Eintragung. Sokolows iiisGoJkileiie Buch mit einem mögiichsf hohen Betrag zu ägBtieiren. uridl wir hoffen, daß unsere;Gg. -steh bei dieser Sammlung entsprechend beteiligen werden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.