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Jüdische Zeitung · 1917-06-15 · 24 (15.6.1917) · page 6

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
11 (1917)
Issue
24 (15.6.1917)
Date
1917-06-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Nr. 24 Beilage zur jOÜISCHEN ZEltüKÖ Nr. 24 NUMMER 24 MITTEILUNGEN 15./6. —1917 DES JÜDISCHEN NATIONALFONDS SAMMELSTELLE FÜR ÖSTERREICH Herausgegeben im Auftrage der österr. Kommission des Jüdischen Nationalfonds, Uh Zirkusgasse Nr. 33 Erscheint wöchentlich mit dein Ausweise der aus Oesterreich eingeiangten Nationalfonds - Spenden Sonntag vormittags. Später einlaufende Spenden werden erst im nächsten Ausweis veröffentlicht — Tel. 45-3-25—Post sp.-Kto. 109.208 WIEN, 11/1, ZIRKUSGASSE NR. 33 Der »Jüdische Nationalfonds“ ist dazu bestimmt, in. Palästina Grund und Boden als unveräußerliches Eigentum des jüdischen Volkes zu erwerben. Vom V. Zionistenkongreß (1901) gestiftet, hat er jetzt schon 6 Millionen Kronen Vermögen, bei stetigem Zuwachs, der im letzten Friedensjahre (1913) eine Million Kronen betrug Oie Nationalfonds-Eingänge im Jahre 1916. * *) Das letzte Kriegsjahr hat dem' JNF, ca. eine Million Francs gebracht, d. i. wieder soviel wie im letzten Friedensjahre 1913. Man ist im ersten Augenblick geneigt, der so viele Länder umfassenden NF-Organisation und der Wirksamkeit ihrer Propaganda wie oft vorher ein Loblied zu singen. Nimmt man jedoch die Lehrmeisterin Statistik zur Hand, so wird man mit der vorbehaltlosen Anerkennung etwas vorsichtiger und kann sogar bei manchen Stellen kaum mit Tadel zurüdchalten. Worauf es hauptsächlich ankommt, .ist, an Hand der Statistik bei jedem einzelnen Gebiete, festzustellen, wo für ein günstiges und wo für ein minder- und ungünstiges Ergebnis der Grund zu suchen ist. Da müssen wir denn vor allem feststellen, daß die Jahreseinnahme von einer Million Francs nachgerade hinreicht, um während der Kriegszeit durchzuhalten. Wir redmen in Franken, weil diese Währung auch bei Deckung der Budgets in Palästina maßgebend ist. Für diese Budgets, die gesetzlich vorgeschriebene Reserve und die Bestreitung' der Ausgaben für Propaganda ist. allein eine Million Francs erforderlich. Kann die zionistiahe Bewegung sich angesidits der Weltkatastrophe mit diesem „DurcMralten“ zufner den geben? Diejenigen Gesinnungsgenossen, welche sich vor Augen hielten, daß der N a t i o n a 1fonds als Landsfonds das wichtigste Instrumentder nationalen Kolonisation ist, haben bereits zu Beginn 1915 an die NF-Verwaltung die Forderung gestellt, daß sie sich nicht mit der „Erhaltung des Bestehenden« begnüge. Sie verlangten nach einer Paiole, 'nach der die Zionisten überall durch Besdaffung außerordentlicher Mittel den NF in den Stand setzen, für die Zeit nach dem1 2 3 4 Kriege finanziell gerüstet und aktionsbereit zu sein. Es soll hier anerkannt werden, daß die leitenden Vertrauensmänner des JNF in Oesterreich zuerst den Ruf erhoben hatten und durch Kreierung der Kriegsland - spende auch mit gutem1 Beispiel vorangingen. Allmählich empfand man ferner, in den überseeischen Ländern, besonders in jenen, wo für die unmittelbare NF-Arbeit in Palästina nicht beigetragen werden konnte, das Bedürfnis, für die Zeit nach dem Kriege vorzusorgen. Erst in letzter Zeit macht sich jedoch' der Wunsch bemerkbar, positive, konstruktive" Arbeit in Angriff zu Das Hauptbureau war während der ganzen Zeif bemüht diesem1 Streben nicht nach-, sondern zuvorzukommen ,Es hat zunächst die schriftliche Propaganda in einem bisher nie erreichten Umfange entwickelt. Allein an Broschüren sind mehr als zwei Dutzend in den verschiedenen Sprachen erschienen. Die gesamte jüdische Presse wurde regelmäßig durch Mitteilungen und Aufsätze über die Lage in Palästina und die Tätigkeit des JNF. informiert. Die Monographien der NF-Bibliothek und die Mitteilungen „Erez Israel“ sollen die wissenschaftlichen Grundlagen für die Arbeit in und für Palästina schaffen. Zugleich wurde an dem Ausbau der Werbemittel des JNF unablässig gearbeitet. Notstandsai beiten und Pionierbeitrag des GF bilden eine Ergänzung unserer Zweigfonds; Gelöbnisse und Friedenschecks, Flaggentag und jahrzeitstiftung sind neue Sammelmittel. Dennoch vermochten die Parolen und Massnahmen des Hauptbureaus nicht überall durdizudringen Der Grund liegt hauptsächlich darin, daß die Hilfs- und Notständsaktioneri der anderen jüdischen und Zionistischen Organisationen, denen ein Heer von Agitatoren zur Verfügung stand, die Viomehmlidh auf schriftlichem Wege tätige NF-Organisation nicht voll zur Geltung konnten ließ. Daß dies nunmehr anüers werden soll und m'uß, ist nicht nur unserWunsch, son de rn*die Ueberzeugung unserer Beste n in den verschiedenen Ländern Wenn der JNF. seiner Aufgabe nach dem Kriege nur in "bescheidenem' Umfange entsprechen soll, so muß er in die Lage versetzt werden, z B. die vön Herrn Ing. Agr, J. Oefiinger in seiner Schrift „Methoden und Kapitalbedarf jüdischer Kolonisation in Palästina“ *) In dem soeben erschienenen Heft II des „Erez Israel*' veröffentlicht das NF. Hauptbüro die statistischen Tabellen für 1916, welche wir bereits wiedergegeben haben und knüpft daran die nachstehenden Bemerkungen. — vorgesehene Gründung von 30 Hundertfamilien. Kolonien innerhalb 12 Jahre durch Stellung des. erforderlichen Bodens zu ermöglichen. Hierfür bedarf der JNF eines Betrages von ca. 25 Milionen Franc«. Heißt es, dem NF zuviel-Zumüten, diese Summe im Laufe* von etwa 10 Jahren aufztibringen? Ende "1916 sind 15 Jahre seit der Gründung des JNF, verflossen. Erst im Jahre 1913 gelang es ihm, die Höhe von einer Million Francs brutto zu erklimmen, und zur Zeit beträgt sein Vermögen etwa 6 Millionen Francs. Das sind gewiß mehr als bescheidene Zahlen im Verhältnis zu der Anzahl und Leistungsfähigkeit der Juden Berücksichtigt man; daß die Mittel des J. N. F. zunächst ausschließlich aus dem' engen Kreise der Anhänger des Zionismus flössen, und daß seine Organisation erst allmählich die breiten, minderbemittelten Volksschichten unter nie dagewesenen Schwierigkeiten erreichen konnte, .wird man freilich diese Summen dc-ch nidit so gering einschätzen. Wir sind indes überzeugt, daß die Weltkatastrophe dem1 JNF nunmehr den Zugang zu Kreisen ermöglicht, die ihm bisher fernstanden. Es muß bei Bekannfwerden der realen Kolonisationspläne des JNF möglich sein, "die letzte Jahreseinnahme schon im: nächsten Jahre zu vervier- und verfünffachen und allmählich auch Zu verzehnfachen. Das setzt natürlich voraus, daß der Organisations- Apparat auch seine schriftliche und mündliche Piopaganda in allen Ländern gleichmäßig ausbaut und vervollständigt. Daß Organisation und Propaganda des JNF noch nicht überall gleich wirksam' sind, dies zeigen deutlich gerade die Ergebnisse des letzten Jahres in den einzelnen Ländern in den nachfolgenden statistischen Tabellen. Zahlenmäßig steht dieses Jahr wieder Nordamerika-mit rund 215.000 Mk. (ca. 29% des Gesamtergebnisses) an der Spitze. "Der Rückgang von ca, 20.000’-M. gegenüber dem1 -Vorjahre 1915 ist ein scheinbarer, da die Einnahmen des Flaggentages von etwa 15.000 Dollars, 'in dem Ausweis der letzten Dezemberwoche noch nicht enthalten sind. Blumen- und Fahnentag des JNF sind zu völktüm1lichen Einrichtungen in den Vereinigten Staaten geworden und legen von den organisatorischen Leistungen unseres New Jorker Büros .ein -erfreuliches Zeugnis ab. Es wäre freilich zu wünschen, daß die regelmäßigen Eingänge des JNF ebenso ar.wachsen, wie die der von Zufälligkeiten nicht ui abhängigen „Tage". Wenn wir Auszeichnungen an die einzelnen Gebiete zu verteilen hätten, würden wir die Palme jenen Gebieten zuerkennen, die vom Kriege am schwersten heimgesucht wurden. Galizien (mit Ausschluß des von Rußland besetzten Teiles) hat zusammen mit den von Deutschland und Oesterreich besetzten Gebieten, Mk. 58.787— aufgebracht In diesem Gebiete leben etwa 3 Millionen Juden, genau - so viel wie in Nordamerika. Bedeutet aber nicht die von den „polnischen“ Juden aufgebrachte .Summe von ca. 60.000 Mk, mehr als die ca, 68,000 Dollars Nordameikas? Die Tätigkeit in Oestereich verdient auch'im vergangenen Jahre alles Lob. Die Landessammelstelle hat es "trotz enormer Hindernisse verstanden, immer weitere Kreise für die Kriegslandspende zu interessieren. Es istein erfruliches Zeichen der Zeit, daß in der „Neuen Freien Presse“ Ende 1916 der Betrag von cä. 200.000 Kr. an Spenden ausgewiesen werden, konnte. Doch können wir nicht umhin, auch hier, wie es bereits die Landessammelstelle selbst in ihrer Jahresrückschau getan hat, auf die verschieden zu bewertenden Ergebnisse in den einzelnen Gebieten* hinzuweisen. Wir empfinden es' als ein auffallendes Mißverhältnis, daß, während Galizien ca. 38.000 K im Jahre 1916 aufgebracht hat, aus Böhmen, der reichsten österreichischen Provinz, nur 19.000 K eingingen I Das ist nicht viel mehr als'das Resultat des .von Oesterreich okkupierten. Gouvernements Lublin, das allein 16.000 Kr. geliefert hat,» Selbst in Mähren- Schlesien mit viel weniger Juden als Böhmen wurden 34.000 Kr. gesammelt, * Wirklich erhebend, für unsere Gesinnungsgenossen in allen "Ländern belehrend ist der aus dem Felde und“ den Garnisonen eingegangene .Betrag von ca. 39.000 Kr,! Mit vollem Recht merkt dazu die Besprechung der Landessammelstelle in der „Jüdischen Zeitung“ vom 9. Februar: „Anerster Stelle hätten die Leistungen rühmend hervorgehoben jverden sollen, welche unsere Jugend in den Schützengräben und in den Garnisonen für den Volksschatz vollbracht hat Die 40.000 Kr. aus dem Felde haben für uns und für jeden Zionisten eine Bedeutung, welche die Kaufkraft dieser Summe himmelhoch übersteigt. Dieses Geld sagt uns: Die jüdische Jugend ist zionistisch, ist national. Sie hat im harten Kampfe ihre jüdische Gesinnung erprobt und gefestigt, sie ist bereit, für dieselbe einzustehen und jedes Opfer zu bringen!“ An den Ergebnissen in den vom Kriege buchstäblich zerstampften Gebieten Osteuropas und Oesterreichs gemessen, darf man bei aller Anerkennung des Erreichten für die Folge in Deutschland doch Größeres erwarten. Dicht hinter Deutschland steht an vierter Stelle Rußland. Mit den Resultaten in den von Deutschland und Oesterreich besetzten Gebieten, sowie einer nachträglich eingetroffenen Summe haben unsere früher in Rußland vereinigten Vertrauensmänner ca. 100.000 Mk, erreicht Auf Rußland ohne die besetzten Gebiete entfallen nahezu 70.000 Mk. So unzureichend die aufgebrachte Summe ist, so berechtigt sie uns doch zu den besten Erwartungen im neuen freien Rußland In Ungarn hat das Ergebnis der Purim-Propaganda von 17.000 Kr. den Beweis erbracht, daß die dortigen Juden für eine umfassendere Tätigkeit zugunsten des JNF. nicht unzugänglich sind. Die Gesamtsumme von ca. 29.000 Mk'.. zeigt demnach die laufende Propagandatätigkeit nicht auf der Höhe. (Folgen Besprechungen der Leistungen der kleineren Organisationen). Oie N.F. Eingänge im Monat Mai betrugen M 82.768. Dieser Betrag verteilt sich auf folgende Länder: Oesterreich M 44.073 *)hievon aus dem besetzten Gebiete M 4.997, Deutland M 21.946, (hievon aus dem besetzten Gebiet M 11.282), Nordamerika M 4.657, Holland M 2.510, Bulgarien M 2.270, Ungarn M 2.027, Griechenland M 1.360, England M 1344, Süidslavische Länder M 687, Aegypten M 559, Belgien M 433, Frankreich M 423, Südafrika M 383 und Rußland M 96. *) Oesterreich - Ungarn M 46.787. Herzls Todestag am 10. Juli 1917! muß würdig gefeiert und die Vorbereitungen müssen Schon jetzt getroffen werden. Die .Vertrauensmänner haben folgendes zu tun: 1. Eine Trauerandacht in der Hauptsynagoge fTempel) vorzubereiten und für die Predigt (Trauerrede) eine geeignete Persönlichkeit zu gewinnen. 2. Die behördliche Bewilligung zur Ver- . ansialtung einer imposanten "frauerfeier einzuholen und sich einen Redner für diese Feier zu sichern. 3. Ein Komitee zu bilden, welches die Sammlungen zu leiten haben wird. Eine Woche vor und nach dem Jahrzeitstage werden Spenden für den Horzlwald vermittelst Santmelbogen und unter Verteilung von Flugschriften, von Haus zu Haus und von Mann zu Mann gesammelt Jedem Juden muß Gelegenheit geboten werden, sich an der Errichtung dieses Denkmal e s^für den größten Juden der Neuzeit zu beteiligen. 4. Am' Todestage selbst soll es kein Fenster in einem jüdischen Hause geben, in welchem nicht ein HarzMIlumiriationsbild angebracht wäre. Diese Illuminationsbilder, welche wir nach dem Entwurf des Malers 'Artur K ö 1 n i k anfertigen lassen, werden zum1 Preise von 30 Hellern per Stück zum Verkaufe gelangen. Die Vertrauensmänner wollen uns schon jetzt angeben, wie viele solche Karten sie zugesandt haben wollen. Die Versendung wird von ' Wien aus am 20. Juni erfolgen. . 5. Desgleichen möge uns der Bedarf an Flugblättern und Sammelbogen mitgeteilt werden, damit wir die Lokalorganisationen mit denselben rechtzeitig. versehen können. Die Flugblätter erscheinen in hebräischer, jüdischer, deutscher und polnischer Sprache. Jede Bestellung wird Von uns nach Möglichkeit erfüllt werden. Bei; Reklamationen ist ausdrücklich anzugeben, daß es sich tim solche handelt, damit .die 'Zusendung nicht doppelt erfolgt. — . -— ■ '■ 1 -- i. ■ . - Gedenket des Jüdischen Nationalfonds! V

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