Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 11 (1917)
- Issue
- 4 (26.1.1917)
- Date
- 1917-01-26
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG Nh 4 sehen.- Gebt uns auch gute Schüler, die dem landwirtschaftlichen Fortschritte dienen. Das Vaterland wird eudt dankbar sein!“ Zionistische Bewegung Der Parteitag des holländischen Zionistenbundes. Der holländische Zionistenbund hielt am 24. und 25. Dezember 1916 seinen 17. Parteitag ab. Der Präsident des Bundes, Herr N. de L i e m e betonte in seiner Eröffnungsrede, wie der Krieg die östlichen Judenzentren in ein großes Familiengrab des jüdischen Volkes verwandelt hat, protestierte gegen die völlige Ignorierung der nationalen Wünsche der Juden Polens, begrüßte warm die jüdische Kongreßbewegung in Amerika, betonte die Notwendigkeit einer ausschließlich neutralen Politik des jüdischen Volkes und erklärte als Hauptaufgabe der zionistischen Bewegung die Instandhaltung der jüdischen Kolonisation in Palästina, die Verstärkung der zionistischen Einigkeit in der Taktik und planvolle informative Arbeit, um den zionistischen Bestrebungen die notwendige Anerkennung zu sichern. Herr Jean Fischer, Mitglied des E. A.C. hielt die Begrüßungsrede. D ann wurde der Jahresbericht erstattet. Aus diesem ist ersichtlich, daß der Bund 26 Ortsgruppen mit einer Mitgliederzahl von 1660 Personen zählt. Der Bund hat in diesem Jahre Fl. 1149.90 und mit Einschluß der früheren Sendungen Fl. 11.453.40 für den Palästina-Fond, Fl. 913.65 für den Zentralfond, Fl. 313.55 für den Sdiulfond aufgebracht. Die Nationalfondssammlungen ergaben Fl . 10.709.14. Erwähnt wurde ferner die jauf Veranlassung (ies Herrn Dr. P r i n s durchgeführte Ausstellung „Das jüdische Ghetto“ in Amsterdam, die Ankunft vieler osteuropäischer Juden in Holland und ein Feldzug für den Zionismus und den JNF., wobei Gruppen von Zionisten das Land durchzogen und eine erfolgreiche Organisation durchführten. Auf dem Parteitage fetanld diesmal die E rz i e h u n g s f r a g e im Mittelpunkt der Verhandlungen. Die geplante Aenderung der Schulgesetzgebung, wonach die Sektensciiulen den Staatssdiulen gleichgestellt und ihre Unterhaltung durch den Staat übernommen wird, machte diese Frage aktuell. Sie wird zu einem Studienobjekt bei den Ortsgruppen gemacht werden. Nach einem Referate des Herrn A. Polak über „D i e jüdische Arbeit in Palästina“ wurde ohne Debatte folgende Resolution angenommen: „Der Parteitag macht in Anerkennung der eminenten Bedeutung des jüdischen Landarbeiters für die nationale Kolonisation in Palästina untf in der Erwägung, daß das durch die Gründung des .Genossenschaftsfonds am IX. Kongreß begonnene Werk fortgesetzt und durch Bildupg von Pioniergruppen behufs Erwerbung neuen Landbesitzes in Palästina für die jüdische Gemeinschaft erweitert werden muß, es jedem Zionisten zur Pflicht, dem JNF. im allgemeinen und dem Genussenschaftsfonds im besonderen moralische und materielle Förderung zu verleihen. In den Bundesrat wurden die Herren de L i e m e, Dr. van V r i e s 1 an d, J. Cohen, J. „Das jüdische Prag“*) Von Df. Oskar Rosenfeld Nichts ist schwieriger, verantwortungsvoller und furchtbarer zugleich als die Aufgabe, den Rätseln einer Stadt nachzusinnen, ihre Geheimnisse zu erforschen, an ihre Brücken, Häuser und Gemäuer zu podien, daß Wasser fließe und Blut, das — wenn es hier erlaubt ist, ein Gleichnis zu verkehren — Geist ist. Die geistige Atmosphäre einer Stadt, die allsogleich zum Hassen oder zum Lieben auffordert, gehört vvohl zu den seltensten Erlebnissen, und der Betrachter, eigensinnig und doch zur Nachgiebigkeit geneigt, wie er schon ist, macht sidi am liebsten ein Bild zurecht, das er weitergeben kann, weil es das Bild ist seines eigenen Wesens. Prag hat schon viel gelitten durch seine Betrachter und Schulderer, die es zu einer Kulturzentrale zu stempeln sidi bemühten; es hat sich zu einer Popularität, zu einem Ausbeutungsobjekt für schöngeistige Abenteurer empor- und niedergeschwungen und wie eine kostbare Entdeckung nehmen sie alle es in Besitz: Juden, Deutsche, Tschechen. Führwahr, es macht sich nicht klein, es hält nicht die Zuckungen seines vielfältigen Wesens zurück, es kauert nicht' regungslos in den dunklen Winkeln seines eigenen Leibes. Alle seine Erinnerungen gibt es preis, die Fanfaren des täglichen Lobes schmettern, zärtliche lyrische Laute wehen von seinen Brücken, der Zauber verschollener Taten, galerietonartige Bilder, die Torheiten der Gelehrten und der Dichter, die seliger und berauschter machen als die tiefsten Abgründe der Weltweisheit. Die Redaktion der „Selbstwehr“ haf also viel Verantwortlichkeit auf sich geladen, wenn sie *) Eine Sammelschrift, heransg. von der Re daktion der „Selbstwehr“ in Prag. Einfache Ausgabe K 2.80 (mit Porto K 3.—). Vorzugsausgabe K 4.50 (mit Porto' K 4.80), (Tel. 43319) II. Praterstraße 43 ■ aut den Krieg und das jüdische Interesse jj B betreffende Artikel und Mitteilungen in> Zei- |g jj tungen u. Zeitschriften aufmerksam macht, jj fl oder noch besser die bezüglichen Ausjj jj . schnitte einsendet, jj | erwirbt j | sich ein Verdienst um die jüdische B | Sache. | ■ Ebenso, wer seine einschlägigen persönj| s liehen Erfahrungen und Eindrücke rege!- jj jj mäßig und erschöpfend mitteilt m MiiiiiiiiiiiiiiiBiiiiBiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiEiiEriiiiiiiiiiiinsiiiiiiiiiiiiiffliiinisiiiiiBiiiiiiiiiiiiiiiEniiniiEiiiiiiiiiiiiiBiiiiiiiiiiiiiiiBW H. Kann, Prof. L. O r e n s t e i n, Alfred Polak und Henri Eder's heim gewählt. Die zionistische Propaganda ist auch in Kriegsgefangenenlagern rege. Im Douglas Aliens Camp, Isle of Man, hat sich mit Genehmigung der Behörden ein „Jüdisches Komitee“ gebildet, das in diesem Winter zweimal wöcnentüch Vorträge jüdischen Inhalts veranstaltete. Das Thema eines Vortrages lautete: „Jüdische Geschichte im Alittelalter und der Neuzeit“, ein anderer Redner sprach -über „Jerusalem“ und ein zionistischer Kriegsgefangener sprach über „Die Institutionen der zionistischen Organisation“. Die jüdischen Kriegsgefangenen aller Länder wenden 'sich häufig an das Kopenhagener Bureau der zionistischen Organisation, um 'zionistische und hebräische Literatur zu erhalten. Eine starke Nachfrage herrscht nach Raths Hebräischem Lehrbuch. Es kommt nicht selten vor, daß Gesinnungsgenossen, die kriegsgefangen sind, durch ihre Angehörigen nicht nur ihren Schekel entrichten, sondern auch Spenden für den Zentralfonds und die Palästina-Hilfsaktion überweisen lassen. Tobias Markus Am 22. Dezember starb in Vevey (Schweiz) Tobias Markus. In Vevey wurde er begraben. Mit Tobias Markus verliert die zionistische Bewegung einen ihrer Treuesten. Mit nie erkaltender Liebe diente er dem Ideal des Zionismus, dem sein ganzes Denken und Fühlen geweiht war. Tobias Markus war der Schwager des Bildhauers Beer (in Florenz), durch den er Herzls erste Verbindung mit Prof. Hermann Vambery hersfellfe. Zionisten im Felde Folgende A. H. A; H. der ZFV. Hasmonäa, Brünn, im KZTV. wurden ausgezeichnet: Lt. Max Rubin stein, Masch.-Qewehr-Komdt. des iR. 80, Besitzer der (si b. Tapferkciismedaille 1. Kl., wurde 'neuerlich mit idem Signum lauJis dekoriert; Lt. Erwin Witt mann, Telephonoffizier der . 13. Inf.-Brigade, Besitzer der silb. Tapferkeitsniedaille II. K!., wurde mit dem Signum laudis ausgezeichnet. Oblt. Paul Lenk (von der Jüd.-akadem. Verbdg. Ivria), im I.-Reg. 14, wurde für tapferes Verhalten vor dem Feinde mit dem Signum laudis ausgezeichnet. Lt. Obering. Leo Neumann aus Kostei (Mähren), dzt. bei der k. k. Starkstromabteilung 3 des 11. A. K. im Felde, wurde für tapferes! Verhalten vor dem Feinde und für besondere Verdienste mit dem Signum laudis ausgezeichnet. Unser Gg. Karl Ohrenstein, I.-Reg. Nr. 1, wurde zum Oberleutnant befördert. -Ankündigungen Allgemeiner jüdischer Arbeite'-Verein Poale- . Zion, Wien, II., Stefaniestr. 2, 111. Stiege, Tür 34. Samstag, den 27. d. M., um halb 8 Ühr abends, findet im Vereinslokale ein Palästina- Abend unter Beteiligung der Genossen: Dr. Rosner, Juris und Singer statt. Regiebeitrag :30 Heller. De;r ganze Reinertrag fällt dem Palästina-Arbeiter-Fond zu. In der hebräisch-akademrchen Vereinig ng „Hatchija“ spricht Samstag, den 27. Jänner, 71/2 Uhr, im Lokale des jüd. Hand ungsgehil'en-Verbandes, II., Obere Donaustraße Nr. 65, Herr stud. phil. Elijahu Rosenbaum über „Haaga-dah w’erkah hal’ umi. Hakoah. Am Satnstae, den 27. d M, 8 Uhr abends, hlt der Vereinspräsident Dr. Fritz Löhner im Klubheim des Vereines, Cafe City, I, Werderthorgasse 3. einen Vortrag über: „Nat onalismus und Interijaiional.smuR“, zu dem sämtliche Sport- und * Turnbiüder heizüchst eingeladen werden. Die .Rede- und Redehalle jüdischer Hcchschüler veranstaltet Mittwoch den 31. Jänner halb 8 Uhr im Hörsaal Nr. 41 der Universität einen Vortrag: „Der Talmud“ von Herrn Rabb. Dr. Max G r u n w a 1 d. Gäste wi’lkommen. Alter Herre--Ve ba d Zionistischer Hochschüler. Mittwoch, den 31. d. M.‘, halb 9 Uhr abends, spricht Herr Dr. Wilhelm Stein im Domcafe über die „Kuiturfrage im Zionismus“. Allgemeiner jüdischer A'briter-Verein Poale- Zlon, Wien, 11., Stefaniestr. 2, III. Stiege, Tür 34. Zugunsten , einer allgemeinen jüdischen Arbeiterbibliothek in Wien, findet Dienstag, den 6. Febr., halb 8 Uhr abends, in der Jüdischen Bühne, II., Taborstr. 12., eine Vorstellung statt. Zur Aufführung gelangt: Schechite v. J. G o r d i n, Karten zum Preise von: K 5.10, 3.56, 2.54imd 1.52, sind in der Buchhandlung R. Löwit,- I., Rotentunnstr. 22, und allabendlich an der Theaterkasse wie auch im Vereinslokale zu haben. sich Untermaß, ein Vorstellungsbild des Jüdischen Prag zu geben, im Rahmen einer Sammelschrift, die historische, essayistische, literarische und künstlerische Wertungen umfaßt. Der Gesichtskreis ist weit, ohne Voreingenommenheit gefaßt und darumist auch jene Freiheit ,gewahrt, die ein Formen ohne Rücksicht auf das Antlitz des Werkes gestattet.- Der Hauptteil der Sammlung setzt sich aus Stücken jüdischer Autoren zusammen, und es soll gleich hier vermeikt sein, daß sie nicht unglücklich sich mit den Problemen auseinandersetzen, deren Richlungslinie, mag sie auch objektivistisch gedacht sein, im Schoße einer nationalen Gemeinschaft mündet. I Und damit zugleich hat die „Selbstwehr“ als''Herausgeberin ihr Prinzip in einer neuartigen Form bewahrt. Von den 666 Namen, deren eine größere Anzahl bereits Gewicht und Bedeutung besitzt, einzelne besonders anführen zu wollen, könnte leicht zu Einseitigkeit verleiten. Trotzdem kann ich es mir nicht versagen, auf Beiträge Wie'Mathias Achers „Ueber Prag“, „Jüdischer Geist, politischer Geist“ von KarlTschuppik, „Die jüdische. Ethik“ von Felix Stößinger und. „Prager jüdische Graphik“ von - Paul .Diamant hinzuweisen. Daß Martin Buber und Max Brod Wertvolles zu sagen haben, steht. außer Frage. Minder glücklich ist die Lyrik vertreten: neben gelungenen Versen viel Abgebrauchtes, im Alltag stecken Gebliebenes, inerster- Linie der tschechischen Dichter Machar, Mdcha, Vrchlicky, Zeyer und Neruda bedeutungslose Verse. Hingegen äußerst anziehend und späteren Historikern für ihren Zettelkasten zu empfehlen eine Reihe von Aufsätzen über Prags geschichtliche Stellung im Judentum. Einen vortrefflichen Eindruck machet! die der Schrift beigegebenen Illustrationen aktueller und historischer Natur, wie denn überhaupt das Heft als solches sich sehr geschmack- und stilvoll präsentiert. Nicht vergessen werden darf die Vorrede der Redaktion. Als Programm genommen hält sie die Mitte zwischen einer objektiven Darstellung des Inhalts und den Grenzen, die sich der restlosen Verwirklichung aller Wunsche entgegensetzen. Sie anerkennt von allem Anfang an das Gesetz einer willkürlichen Beschränkung des sonst uferlosen Stoffes, maßt es sich nicht an, eine bestimmte, jeder Geistesrichtung genehme Vorstellung des Jüdischen Prag zu geben und überläßt es klugerweise dem Leser, seinen Hunger an dieser oder jener Speise zu sättigen. Darum hat sie auch die gefährliche Klippe vermieden, an der alle zerschellen müssen, die dem Geistigsten, dem Zusammenhang zwischen Künstlertum und seinem .Nährboden, aut die Spur kommen wollen. Die Tatsache muß uns ge-, nügen, daß reiche jüdische Kräfte tätig am Werk sind u nd deren Wirken eine Resonanz findet, die weit über das Jüdische Prag hinausgeht. * * * Literarische Nachrichten Arnold Zweigs „Rituarmord in Ungarn“, jüdische Tragödie in fünf Aufzügen, wurde von der Generalintendanz der Vereinigten Stadttheater - in Frankfurt a./M. für die Spielzeit 1917/18 zur Uraufführung angenommen. Das' Drama, dessen Handlung im wesentlichen den historischen Begebenheiten des weltbekannten Prozesses von Tisza Eszlar folgt, erregte be- ‘ reits im vorigen Jahr beim Erscheinen der Buchausgabe (Hyperionverlag, Berlin) besonders Aufsehen und -faßt eine starke eigenartige Bühnenwirkung erwarten. Morirh, Mo-atsichrift der jüdischen Jugend (Verlag Wien, II., Zirkusgasse 36.4), Heft 3, enthält folgende Aufsätze: Dr. Abr. Sch w adron, Nebenbemerkungen zum Thema Weltkrieg und Judentum, Z. F. Finot, Neue Horizonte im amerikanischen Judentum, B. Dulb e r g, Ben Awrigdori, Ben Awigdor, Jeremias, Dr. Siegfried Bernfeld, Die deutsche Jugendbewegung, Math. Mieses, Die Verbreitungdes Judaismus im vorchristlichen Bulgarien, Dr. V. E. P o r d e s, Jom Kippur in der Festung, N. T a r t a k o w e r, Europäische Stimmen über die Zukunft Palästinas ü. a. « ^81561