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Jüdische Zeitung · 1916-03-31 · 13 (31.3.1916) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
10 (1916)
Issue
13 (31.3.1916)
Date
1916-03-31
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNQ Nr. 13 " HntisemlHsdie Umtriebe in Den jjg, ■ Gefangenenlagern. Wie die Judenfeinde in .Rußland selbst das Rote Kreuz und dessen von reinster Humanität geleiteten Einrichtungen für ihre niedrigen an- «semitischen Umtriebe auszunützen verstehen, beweist nadistehender Brief russisch-jüdischer Gefangener aus einem Gefangenenlager in Oesterreich, den wir dem in Zürich erscheinenden „israelitischen Wochenblatt“ entnehmen. Der. Brief lautet wörtlich: „Im Dezember besuchte uns eine Schwester des russischen Roten Kreuzes. Sie wurde von, allen Gefangenen mit Ungeduld erwartet. Abgesondert von unseren Eltern und Familien haben wir alle geglaubt, daß wir ein freundliches Trostwort hören, einen warmen Gruß aus der Heimat erhalten werden. Doch im Gegenteil. Haß und Zwiespalt zwischen russischen Gefangenen verschiedener Nationalitäten wollte sie hineinbringen. Die erste und wichtigste Frage, die sie stellte, betraf das Verhalten der jüdischen und deutsch-russischen Gefangenen gegenüber den russischen. Die gestellten Fragen beantwortete sie eigentlich selber oder sie legte die Antworten den Leuten in den Mund. „Wer sind Eure Dolmetscher?“ — „Deutsche und Juden“. „Wie ist ihr Benehmen? Schlecht, nicht wahr?“ Es wurde ihr gesagt, daß das Benehmen ganz persönlich war, schlecht oder gut. Dann antwortete sie: „Es ist selbstverständlich, daß sie schlecht sind. Die Juden sind grausam und quälen Euch, Soldatiki“ (Soldatchen). Bei der kleinsten Zustimmung vermerkte sie es in ihrem Notizbuch. Wir teilten ihr einen Fluchtvorfall mit, wo ein Gefangener, der zweimal flüchtete, sich dabei eine Erkältung zugezogen hat, an deren Folgen er gestorben ist. Sie notierte den Namen dieses Gefangenen, wollte aber später, als sie erfuhr, daß er ein Jude ist, ihn streichen, was wir aber nicht erlaubten.- Welchen Zweck hat diese anti-jüdische Propaganda? Welches neue Leid wird durch diese falschen Aussprüche und Verdrehungen in unserer Heimat für unsere Glaubensbrüder erwachsen? Die Sadie macht auf uns den Eindruck, wie wenn der großen Spannung, die in Rußland herrscht, Abfluß und Ableitung auf die Juden gegeben werden soll.“ ■ Brief ans GoGz. Wie gut das jüdische Volksschulwesen unter der deutschen Herrschaft in Lodz sich entwickelt, beweisen folgende Daten: Im Jahre 1914 bestanden in dieser Stadt IS jüdische Schulen mit 58 Abteilungen und 2980 Schülern. Jetzt1 gibt es hier 32 Schulen mit 144 Klassen und 7400 Schülern. * keit. Ich will zugeben, daß cs reich ausgestattet ist, aber trotzdem straft Gott seine Bewohner mit einer ärgeren Strafe, als es die Armut wäre — mit Ungeschmack. Ist doch der Weihnachtsbaum eine Tradition von Jahrhunderten, ein Attribut des allerchristlichsten Festes. In einem1 Haus, in dem ein Baum aufgestellt ist, muß man direkt aus der Kirche kommen und die ganze Familie soll darin Kirchenlieder singen. In dieser Einrichtung will der ganze Zusammenhang mit. der Vergangenheit gefühlt sein. Der jüdische Xssimilant aber hat keine solche Vergangenheit, er hat bloß das Aeußere davon, übernommen, hat den Baum aufgestellt, hat ihn mit Zuckerwerk behängt — aber er beraubte ihn seiner Seele, seines Aroma. Die Assimilation ist die Kunst der Lüge und der Heuchelei. Sie macht einen lächerlichen Eindruck durch ihre Stillosigkeit, durch ihre selbstzufriedene Abgeschmacktheit — aber sie ist auch voller Tragik, denn es ist wohl möglich, eine Maske durch Stunden, Tage, Monate zu tragen, aber nicht durdi ein ganzes Leben, das ist schon eine Tragödie und .deshalb begegnen wir oft nicht nur den Hanswursten der Assimilation, sondern auch ihren tragischen Opfern. Die Assimilation kennt nicht nur Falstaffs, sondern auch Werthers. Wenn ich sage, daß die Assimilation unschön, unästhetisch ist, so könnte ich sie mit ebensoviel Recht auch unsittlich nennen, denn auf ihrem Grunde sind Lüge und Heuchelei. Aber es dürfte sich empfehlen, in unserer unmoralischen Zeit die Aesthetik als ein Argument zu benützen. Ein Parvenü hat immer Angst, auf einer Unkenntnis der Manieren ertappt zu werden oder sich einer Geschmacklosigkeit überfuhrt zu sehen. Nichts berührt ihn peinlicher, als die Bemerkung: „Das ist häßlich“. Die Assimilation ist noch lange nicht überwunden, aber sie ist ideell bereits verurteilt und unsere Zeit ist trotz alledem noch die Zeit des Triumphes' des Schönen über das Häßliche. Wir brauchen unsere Blicke nur dem Erstarken des nationalen Ideals und dem Bankerott der Assimilation zuzuwenden, um dies zu begreifen. („Isr. Wochenblatt“, Zürich.) Das „Beth Am“ beging kürzlich die Feier seines einjährigen Bestandes, bei welcher Gelegenheit folgender interessanter Bericht erstattet wurde: Das „Beth Am“ gründete eine. „V o 1 k s t e e h a 11 e“, die im Laufe dieses Jahres 136.311 Glas Tee und 89.874 Stücke Brot verabreichte. Die „V o I k s k ü c li e“, die erst seit 17. Juni 1915 besteht, verteilte 29.743 Mittage. Der „billige Brotverkauf“ verkaufte seit dem 1. August 1915 67448 Brotlaibe zu niedrigen Preisen. Ueberdies fanden während des vergangenen Pessachfestes Sederabende statt. Auf kulturellem Gebiete sind zunächst die 73 systematische, populär gehaltene Vorlesungen über verschiedene allgemein-wissenschaftliche, sowie nationale und speziell jüdische Fragen, die von 9206 Zuhörern besucht waren. Außerdem veranstaltete das „Beth Am“ einen Herzl-Abend, der 1082 Teilnehmer und einen Perez-Abend, der sogar 1400 Besucher aufwies. Auch die Abende für jüdische Volksmusik waren zahlreich besucht. Die Abend-Kurse besuchten 416 Schüler und Schülerinnen. Die Frequenz des Lesesaales war eine überaus starke. Die Zahl der Besucher betrug 98.241, die Zahl der gelesenen Bücher: 9S.201, davon 55474 jidische, 1789S hebräische, 13117 russische, 9153 polnische und 2559 deutsche. * Der hebräische Verein „Hatechija“ entfaltete eine vielseitige und erfolgreiche Tätigkeit. Durch seine Bemühungen wurde an die allgemeinen Kurse für moderne Sprachen eine hebräische Abteilung angeschlossen. Der unter der Leitung des Dichters Katznelson bestehende dramatische Verein „Habama haibrith“ erneuerte sein Repertoire und erfreut sich eines re gen Interesses. Mit großem Erfolg wurden vom Verein die neuen Dramen Katznelsons „Achaschwerosch“ und „Am Fuße des Karmel“ ’im großen Stadttheater in hebräischer Sprache gegeben. * Unter dem Namen „Roter Magen David“ ist eine jüdische Sanitäts-Miliz gegründet worden, die das Ziel hat, die sanitäre Ordnung aufrechtzuerhalten und den jüdischen Kranken Pflege und medizinische Hilfe angedeihen zu lassen. Zu Purim wurden auf allen Straßen der Stadt Abzeichen zu Gunsten dieses „Roten Magen David“ verkauft. Bus 0er jüöisdien Well. Das österreichische Militärkommando hat angeordnet, daß den jüdischen Soldaten während der ganzen Dauer des Pessachfestes rituelle Kost zu verabfolgen ist. * Nach der am 18. Februar vorgenommenen Zählung wohnten in den 26 Milizbezirken Warschaus 350.413 Juden. Veranlaßt war die Zählung durdi die den Juden behördlich erteilte Erlaubnis, reines Weizenmehl zum Backen von Mazzot zu verwenden. * Seit 7. März d. J. erscheint in Lublin ein unabhängiges jüdisches Wochenblatt in polnischer Sprache unter dem Namen „Mysl 2ydowska“. Ueber die Verfolgungen, denen die jidische Sprache in Rußland ausgesetzt ist, kommen auf dem Wege über das neutrale Ausland weitere Meldungen. Alle jidischen Druckereien mußten einen Revers untierschreiben, daß sie nichts in jidisclier Schrift drucken werden und daß sogar nicht einmal Neujahrskarten von ihnen mit hebräischen Buchstaben gedruckt werden. * Auf dem Grabe des kürzlich verstorbenen Chirurgen P a w 1 o w hielt Rechtsanwalt Grusenberg, der berühmteste der Verteidcgervon Beilis, eine Rede, in der er das unvergeßliche Verdienst Pawlows während des Beilis-Prozesses in begeisterten Worten pries: „Ich kam, um von seinem goldenen Herzen Zeugnis abzulegen. Ich bringe ihm einen Gruß von Millionen Menschen fremder Nationalität, um derentwillen er Verleumdungen auf sich geladen hat.. Er folgte meinem ersten Rufe, gab seine große Praxis auf, um zum Beilis-Prozeß zu eilen. Er diente der Gerechtigkeit, obwohl er wußte, daß man ihn verleumden werde. An seinem Grabe schwöre ich gegenüber seinen schmutzigen Verleumdern, daß er nicht nur jegliches Honorar für seine Arbeit abgelehnt, sondern sich geweigert hat, selbst die Reisespesen zurückvergütet zu erhalten.“ * In der „Rjetsch" ist ein offener Brief des Juden Lebenhart, Mitgliedes der Bialystoker Gruppe des Roten Kreuzes (dort sind unter 400 Mitgliedern 350 Juden!) an den bekannten Pogromhelden Purischkiewicz erschienen. Darin wird letzterer daran erinnert, daß er bei seiner letzten Anwesenheit in Bialystok den Vorstand der erwähnten Gruppe empfangen und ihm gegenüber erklärt, er erkenne die loyale und patriotische Haltung der Juden Rußlands in diesem Kriege an und man werde das Verhältnis zu ihnen einer Revision unterwerfen müssen. Dieser seiner Ansichtsänderung — sagte er weiters — werde er auch nächstens in der Duma öffentlichen Ausdruck verleihen. Statt dessen habe Purischkiewicz in der Duma erklärt, daß sein Haß gegen die Juden in derselben Stärke wie früher fortdauere. * Der Zweigverein Worms der „Alliance Israelite Universelle“, der etwa 100 Mitglieder zählt, beschloß dem „Tag“ zufolge einstimmig seine Auflösung, weil er ein weiteres Zusammenarbeiten mit der Zentrale in l'farjs, die vor einiger Zeit eine deutschfeindliche Gesinnung kundgegeben hat, auch naCh dem Kriege für unmöglich hält. * In Lausanne erscheint seit kurzem unter dem Namen „Bulletin juif“ in französischer Sprache ein nichtperiodisches Journal, das sich die Aufgabe gestellt hat, die jüdische Welt genau über alle Judenverfolgungen in Rußland zu informieren. Dasselbe wird von dem bekannten hebräischen Schriftsteller Dr. I. Klatzkin redigiert. Zionisten im EelOe. Dr. David Schreiber, Mitglied des Zentralkomitees der galizischen Zionisten, der seit Kriegsbeginn als Verpflegsoffizial im Felde steht, wurde für vorzügliche Dienstleistung vor dem Feinde durch Verleihung des goldenen Verdienstkreuzes mit der Krone am Bande der Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. Unser Gg. Dr. Israel Waldmann, Tarnopol, ist zum Oberleutnant-Auditor ernannt worden. Absolv. Jur. Julius Fröhlich aus Recica bei Karlovac, Mitglied der „Bar Giora“ in Wien und der „Judäa“ in Agram und Gründer des zionistischen Bürgervereines in Fiume, erhielt die silberne Tapferkeitsmedaille und die deutsche Krieger-Verdienstmedaille. Sanitätsinspektor und Landes-Sanitätsarzt Dr. Bemard Zauderer in Tuzla erhielt das Ritterkreuz des Franz-Josefs-Ordens. Fähnr. N; M. Gelber, stud. phil. aus Brody, Mitglied der „Techijah“ Brody und „Hatechijah“ Wien, ist mit der silbernen Tapferkeitsmedaille 2. Klasse ausgezeichnet worden. Sanitäts-Fähnrich Nuchim Meier Braun aus Brody („Techijah“,) erhielt die bronzene Tapferkeitsmedaille. Gg. Marcus Zucker, Leutnant beim k. k. IR. , („Hebronia“, Czemowitz) erhielt das signum laudis. Oberleutnant a. D. Marem Sommer, Senior der Verbindung „Zephira“ in Czernowitz, der das Ehrenzeichen 2. Klasse mit der Kriegsdekoration des Roten Kreuzes bereits besitzt, wurde am 9. d. M. wegen tapferen Verhaltens vor dem Feinde mit dem signum laudis ausgezeichnet. Die Gg. Rechnungsunteroffiziere Leon D roll o b y c z e r, Dawid Bildner und Emil Koppel des LIR. wurden mit dem silbernen Verdienstkreuze mit der Krone am Bande der Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. Gg. Sanitäts-Fähnrich Th. W einstock, der mit der silbernen 2. Klasse schon früher ausgezeichnet wurde, erhielt jetzt die silberne Tapferkeitsmedaille 1. Klasse. Regiments-Arzt in R. Dr. Abraham P r e i s smann (A. H. der „Bar Kochba“, Wien) wurde für aufopferungsvolles Verhalten mit dem Ritterkreuz des Franz-Josefs-Ordens am Bande der Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. Sanitäts-Fähnrich Leo P u r e t z erhielt das goldene Verdienstkreuz am Bande der Tapferkeitsmedaille. Anzeigen und Mitteilungen. Jüdischer Liederabend. Das „Palästinahilfswerk für die jüdischen Kolonien“ teilt unsmit: Unter besonders günstigen Auspizien geht jdie Vorbereitung ides iam 12. April im- Mittleren Konzerthaussaal stattfindenden „Jüdischen, Liederabends“ vor sich. .Seit dem Zionistenkongreß fand in Wien kein jüdisches Konzert statt und es gibt sich denn auch in allen Kreisen der jüdischen Bevölkerung für diese der jüdischen Kunst gewidmete und von jüdischem Geiste getragene Veranstaltung, an der hervorragende Künstler mitwirken, großes Interesse kund. Im übrigen verweisen wir auf die Anzeige an der Spitze der heutigen Nummer der „Jüdischen Zeitung“. * „Hatechijah“, hebr.-akad. Vereinigung. Sonntag, den 2. April, um halb 8 Uhr abends, fin-

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