Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 10 (1916)
- Issue
- 11 (17.3.1916)
- Date
- 1916-03-17
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2438141-2438572-2438583--4716-2444619- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 11 JÜDISCHE ZEITUNQ Seite 3 gen des Lebens taub, für all seinen blühenden Reichtum blind war.“ Im 2. Februarhefte derselben Jahrbücher wendet sich Dr. H. Goldschmidt-Faber gegen Böhm mit den bekannten Argumenten der Assimilation, obgleich er dem Zionismus die Achtung nicht versagen will, „die jedem hohen Ideal gebührt.“ Er widerlegt die völkischen Ansichten Über Rasse und Nationalgeist und erhofft ein Verschwinden „der noch vorhandenen Gegensätze zwischen jüdischer und deutscher Form und Art.“ Wenn er aber Schreibt, man kann „schon deshalb heute schwer von einer Harmonie oder einem Widerspruch zwischen Deutschtum' und Judentum reden, weil beide Phänomene ja keine starren Begriffe, sondern fließendes und nicht selten in einander fließendes Leben bedeuten und zumal in der Gegenwart beide nicht mehr von einer einheitlichen, festumrissenen Lebensanschauung zusammengehalten werden“, so hebt ■er damit nicht nur die Fundamente der Ansicht Böhms, sondern auch Cohens auf. * Im „Neuen Merkur“ (Monatsschrift für geistiges Leben) schreibt der (christliche) Professor Doktor Willy S t a e r k über „Das Judentum als wissenschaftliches Kulturproblem“. Ausgehend vom Plan, an der neuen Universität zu Frankfurt a. M. einen Lehrstuhl für die Wissenschaft des Judentums zu begründen, zeigt er auf die weltkulturelle Bedeutung gerade des nachbiblischen jüdischen Schrifttums hin, besonders des Talmuds und der Kabba'a. Die Aufgaben der zu organisierenden Forschung liegen auf drei Hauptgebieten, dem sprachlich - literarischen, kultur - historischen und Teligionsgeschichtlichen. Auf ersterem Gebiete wird sich die Forschung neben dem Alten auch auf das Neuhebräische und Jidische zu erstrecken haben. (Dies bedeutet einen wichtigen Fortschritt gegenüber der Art unserer israelitischen „Wissenschaft des Judentums“, die letzteres nur als tote Materie behandelt, von einem lebendigen Judentum aber nichts wissen will. Red. d. „Jüd. Ztg.“) Professor Staerk schreibt:. „Der Ausschnitt aus einer mehr als 2000jährigen Kulturentwicklung mit der Fülle der Bezii hungen zum geistigen Leben des Morgen- und Abendlandes und die zentrale Bedeutung Israels in der Geschichte der religiösen und sittlichen Ideen hätten es ja längst verdient, Liebe und Pflege zu finden.“ In der „Internationalen Rundschau“ äußert sich Dr. M. Nachimsohn bei der Besprechung der Broschüre von Dr. Rudolf Goldscheid: „Deutschlands größte Gefahr“, in welcher er im Interesse der Kulturentwicklung vor einem künftigen Bündnis mit Rußland gegen die Westmächte warnt, folgendermaßen: „Goldscheid sagt, ein Land, das Pogrome veranstaltet, kann Hicht zu den eigentlichen Kulturländern gezählt werden. Indes haben alle kriegführenden Staaten gerade jetzt während des Krieges gezeigt, wie dünn die Kulturschicht ist, die sich im Laufe der Zeit bei ihnen gebildet hat. Abgesehen davon, würde Goldscheid nichts dagegen haben, daß man Polen in den Kulturbund aufnehme, während doch die Judenhetzereien gerade hier in der letzten Zeit besonders stark waren. Auf jeden Fall ist es für einen Demokraten höchst eigenartig, das ganze Volk für die Sünden der Regierungsclique verantwortlich zu machen“. Daß ausgerechn.’t ein „M.“ und „Nachimsohn“ der Verteidiger Rußlands sein muß. ist merkwürdig. Selbstverständlich aber ist bei einem Nachimsohn die gewohnte Ideologie, daß nur die „Regierungsclique“ an den Pogromen schuld, das russische Volk aber voller Liebe für die Juden sei. Aus Ser jüöisihen Nell. Anläßlich der Anwesenheit des Erzherzog- Thronfolgers Karl Franz Josef in. B r o d y wurde auch der derzeitige Leiter der israelitischen Kultusgemeinde Herr Natan Gelber zur Vorstellung befohlen. Von Sr. k. u. k. Hoheit dem Diner zugezogen, erfuhr Herr Gelber und in dies'em die israelitische Kultusgemeinde die besondere Ehre, als der einzige unter den zivilen Teilnehmern vom Thronfolger längere Zeit angesprochen zu werden, wobei der Thronfolger sich eingehendst über die Verhältnisse in der jüdischen Gemeinde und über die überstandene Russeninvasion berichten ließ. Der Saal, in welchem das Diner stattgefunden, war -mit Decken und anderen Zieraten aus der alten Synagoge geschmückt. Der hohe Gast bekundete großes Interesse für die Tempelgegenstände, ließ sich von Herrn Gelber über deren rituelle Verwendung aufklären und besonders eine Jahrhunderte alte Thorakrone war es, welche die Bewunderung des hohen Herrn hervorgerufen hat. Herr Gelber erklärte namens der jüdischen Gemeinde, daß dieselbe es sich Zu einer besonderen Auszeichnung anrechnen würde, wenn Se. k. u. k. Hoheit geruhen würde, diese Thorakrone zur Erinnerung an die Wiederbefreiung Brodys anzunehmen. Die Kultusgemeinde wandte sich hier-- auf deswegen an die Kammervorstehung Sr. k. u. k. Hoheit und erhielt unterm 24. Januar 1. J. die Antwort derselben, worin sie ersucht wird, die gewählte Thorakrone an die Direktion der Waffensammlung des k. k. Kunsthistorischen Hofmuseums in Wien einzusenden. » Die „Deutsch - Isr. - Os manische Un ion“, diese neue Gründung des Dr. Nossig hat von der Türkei die Genehmigung nicht erhalten, ihre geplante Tätigkeit in den türkischen Ländern auszuüben. Nun zeigt sich es, wie recht w i r gehabt haben, als wir in unserem Blatte die Reklame des Dr. Nossig verurteilten und wie verfrüht die Meldung betreffs der bereits erfolgten Bestätigung des Statuts war. : * Die reichsdeutsche Presse reproduziert folgende zwei amtlichen Kundmachungen in jiddischer Sprache, die im deutschen Okkupationsgebiete seitens des General-Gouverneurs v. Beseler, bezw. des kais. Deutschen Polizei- Präsidenten v. Oppen verlautbart wurden: „Verordnung b’naugea der Einführung vun’m allgemeinem Pass-Zwang: Alle Personen vun’m General Gouvernement musen, alt werdendig 15 Jöhr, hoben a Pass und dem dosligen ständig, tragen bei sich. Wegen Verlieren a Pass müss teikef gemeldet weren der Ausgabeschtel. Der Gouverneur: v. Beseler, General vun Infanterie.“ „Der Termin, sich anzumelden in der Gewerberole wert verlengert bis’n 29. Februar 1016. Gesellschaften müssen anmelden seier Firme, a chuz dem müssen besunder gemeldet werden die beschäftigte Direktoren und steierflichtige Angestellte. Lodz, 28. Januar 1916. Der Kaiserlich deitsche Polizei-President v. Oppen.“ * Die seit längerer Zeit bestehende „Grodnoer Zeitung“ erscheint seit kurzem in deutscher, polnischer und jiddischer Sprache. Sie ist somit ein Amtsblatt m Jiddisch. Der jiddische Teil bringt an der Spitze den amtlichen Tagesbericht, sodann Artikel politischer Natur und Nachrichten aus aller Welt. * Am 6. Feber War der amerikanische Botschafter Morgenthau aus Konstantinopel bei seiner Durchfahrt eine kurze Zeit in Kopenhagen. Er besuchte dort das zionistische Bureau. Morgenthau versicherte, in zwei Monaten wieder in Konstantinopel zu sein. Einige Handelskammern haben dagegen Einspruch erhoben, daß die deutschen Behörden jüdische Handwerker aus den besetzten Gebieten zur Arbeit in deutschen Betrieben heranziehen. Sie bezeichnen die jüdischen Handwerker als minderwertige Kräfte, — eine Auffassung, die offenbar von den deutschen Behörden nicht geteilt wird, indem sie einigen jüdischen Organisationen die Anwerbung polnisch-jüdischer Arbeiter übertrug. Es gehen täglich Massen jüdischer Arbeiter und Handwerker in deutsche Werften und andere Betriebe. * Mit dem' 1. März wird das frühere Pariser zionistische Organ „L’echo Sioniste“ unter einem1 neuen Namen wieder zu erscheinen beginnen. Eine neue jfidlsihe Monatssrtmlf. Der Verlag R. Löwit versendet folgendes Rundschreiben: Eine neue Monatsschrift „Der Jude“ wird in den nächsten Tagen erscheinen. Schon vor dem Kriege war die Herausgabe eines Organs geplant, das, nicht in Parteiprogrammen befangen, alle um1 das lebendige Judentum bemühten Kräfte zusammenfassen sollte. Jüdisches Sein darzustellen und wirksam zu vertreten sollte seine Aufgabe sein. Nun während des Krieges wird die Zjeitschrift „Der Jude“ gegründet, weil sie jetzt besondere Aufgaben zu erfüllen hat. Das äußere Schicksal eine^ großen Teiles des jüdischen Volkes ist in eine Umwandlung eingetreten, die sich nicht vollziehen darf, ohne daß das seine Zukunft bejahende Judentum sein Wort dazu spricht. Die Zeitschrift „Der Jude“ wird darzustellen versuchen, was an lebendiger Kraft, politischer Bedeutung, wirtschaftlichem Wert, kultureller Leistung, religiöser Inbrunst im Ostjudentum ruht. Sie will von dem gesamten östjüdischen Leben Zeugnis ablegen. Sie will in Gegenwarts¬ und Zukunftsfragen sein Anwalt in der Oeffentlichkeit werden. Sie will unrichtige und schädliche Anschauungen durch die richtigen ersetzen. Als eine in Deutschland, von deutschen Juden herausgegebene Zeitschrift wird sie berufen sein, -mitzuarbeiten an der Bewältigung der Krisen, in denen die Juden in Polen, Litauen und Kurland stehen. Die Zeitschrift „Der Jude“ wird die soziologischen Umschichtungen, die Probleme der Wanderung und Neusiedlung jüdischer Massen, den deutlich gewordenen Zusammenhang der jüdischen Wanderungsfrage mit den Zukunftsfragen des Orients und weltpolitischen Problemen verschiedener Art behandeln. Besondere Darstellung soll finden, was die jüdische Kolonisation in R. Löwit Verlag Wien, I. Wollzeile 6 Ab 1. April 1916 erscheint DER JUDE Eine Monatschrift Geleitet und herausgegeben von Martin Buber Jährlich 12 Hefte zum Preise von K 14.- Das Einzelheft kostet K 1.40 Adressenangabe zwecks Zusendung von Prospekten und Abonnement- Anmeldung umgehend erbeten. B. EÖW1T UERGH6 (Hbf.: Hbf Jude) Wien, I. Wollzeile 6 Palästina bisher geleistet hat und welche Bedeutung und Entwicklungsmöglichkeit in ihr ruht. Grund und Sinn, die Arbeit und die Aussichten des Zionismus werden aufgezeigt werden. Die Zeitschrift „Der Jude“ wird keinen Zweifel daran lassen, daß im Judentum der Wille zur eigenen Art und eigenen nationalen Entwicklung vorhanden ist. Sie wird aus diesem Willen zur Selbstbehauptung heraus Kampf künden all dem, was Eigenart und Zukunft .des Judentums verwischen und zerstören will. Sie wird der Ausdruck der jüdischen Selbstbehauptung sein, besonders, wenn es sich um die Abwehr feindseliger Angriffe handelt, gegen die sie nicht Entschuldigung und schwächliche Apologetik setzen will, sondern unbeirrte Darstellung dessen, was ist. Die Zeitschrift „Der Jude“ wird herausgegeben und geleitet von Dr. Martin Buber. Zur Mitarbeit werden Juden und Nichtjuden herangezogen, deren Aeußerung die schaffende Gestaltung im Judentum orientiert, anregt, unterstützt. S Die jüdischen Turnvereine S „Makabi Wien X.“ ■ und!,Makabi WienXVII.‘ B veranstalten Samstag, den 1. April 1916, ■ präzise 8 Uhr ahends, im großen ■ Olympia-Saale des Cafe Adlon, Wien 5 I., Rotgasse 3—5, ein gemeinsames SSchauturnen B mit anschließender Akademie unter Mit- ■ Wirkung hervorragender Kunstkräfte. ® Im Vorverkauf: Logensitze zu K 3.— u. K 2.50, 2 Parterresitze zu K 2.—, Turnerkarten zu K1.— 2 An der Kassa Zuschlag von 50 h pro Karte. Rnzeiqen uni Glittälungen. Zionistischer Verband ehemaliger Hochschüler, Wien. Zwecks Wiederaufnahme der Verbandstätigkeit, findet am Samstag, den 18. März i. J. um halb 9 Uhr abends im Cafe Marienbrücke, 1. Stock, eine Besprechung statt, zu der alle in Wien anwesenden Mitglieder eingeladen werden. Ing. Ackermann, Vize-Präsident. * Aus Prag wird mitgeteilt: Das k. k. Ministerium des Innern hat im Einvernehmen mit dem k. k. Ministerium für Kultus und Unterricht die k. k. Statthalterei in Prag mit Erlaß vom 4. Feber 1916 beauftragt, dem k. k. Gymnasialprofessor und Leiter der Notschulen für. Flüchtlingskinder, Dr. Alfred Engel in Prag die vollste Anerkenn u n g der in Betracht kommenden Zentralstellen für