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Jüdische Zeitung · 1915-05-21 · 20 (21.5.1915) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
9 (1915)
Issue
20 (21.5.1915)
Date
1915-05-21
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Seite 3 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 20 Eine Versammlung ijalienisMuöen. Es muß verzeichnet werden, daß zur Zeit, da das ganze schöne Italien von Kriegsgeschrei der Interventionisten wiederhallt, die Juden Italiens ganz andere Sorgen an den Tag [egen. In Mailand fand dieserTage eine große jüdische Versammlung statt, an welcher zahlreiche hervorragende Persönlichkeiten der italienischen Judenheit, unter ihnen auch Minister teilnahmen und Reden hielten. Die Versammlung faßte eine Resolution, wonach die Juden Italiens sich den Aktionen der großen jüdischen Körperschaften der übrigen Länder zur Erlangung der Gleichberechtigung für die Juden einzelner Länder, in denen ihnen die Gleichberechtigung bisher versagt blieb, anschließen. Die Versammlung sprach den Wunsch und die Hoffnung aus, daß es nach diesem Weltkrieg, in welchem die Juden aller Länder den opfermutigsten Patriotismus für ihre Heimatländer an den Tag legen, keinen einzigen Staat mehr geben werde, in Welchem die Juden nicht die gleichen Rechte wie ihre anderen Mitbürger besitzen würden. In der Versammlung wurde auch' zur Kenntnis gebracht, daß die Juden Frankreichs beschlossen haben, anläßlich des Friedensschlusses mit aller Energie in diesem Sinne tätig zu sein. Jerusalem unter Oeutsdiem Rom: manSo. Berliner Blätter bringen - Nachrichten aus Jerusalem, wonach die Stadt vollkommen unter deutschem militärischen Kommando steht. Sowohl die Post als die gesamte sonstige Zensur werden von Deutschen beaufsichtigt und ausgeübt. Unter den Zensoren befinden sich auch eine Anzahl jüdischer Herren für Hebräisch, Jargon und Rumänisch. Die Oberaufsicht über die Militärhcspitäler in der Türkei liegt in den Händen eines österreichischen Staatsangehörigen, Ingenieur Hecker. Die Oberschwester des Misgabladoch-Hospitals, Frau Lischanski, ist mit der Leitung der Krankenpflege in sämtlichen Militäthospitälem Jerusalems betraut worden. Das jüdische Kriegsardiiv. Ein Institut, dessen Arbeiten der jüdischen Sache in ganz besonderem Maße zugute kommen sollen, kann diese nur dann in ihrem ganzen Umfange durchführen, wenn sich überall jüdische Kräfte freiwillig in seinen Dienst stellen. Vor allem ist es nötig, daß sich solche für die Tätigkeit am "Sitze des Archivs melden. Hiezu wird namentlich die Jugend aufgefordert, die in Anbetracht eines für das jüdische Volk so lebenswichtigen Werkes, dem Rufe, es zu fördern, sicherlich gerne folgen twird. Gefällige Anmeldungen — am besten persönlich — an das Bureau des Jüdischen Kriegsarchivs, Wien, II. Zirkusgasse 33. BDAersAau. Pacquet Alfons: In Palästina — Verlag Eimen Diederichs, Jena, Preis brosch. M 3.—. — Der bekannte deutsche Romancier und Dichter Alfons Pacqet hat im vorigen Jahre eine Palästinareise unternommen, die er in einer Reihe von Aufsätzen in der „Neuen Rundschau“ veröffentlichte. Diese Aufsätze liegen nun gesammelt vor. Pacquet zeigt sich darin als Dichter, der mit Augen begabt ist, die ins Tiefste schauen, mit feinem Geiste, der ahnend die kommenden Wandlungen der Seele des nach neuem Vollgefühl ringenden Europäers voraussieht. Er berührt sidh in der Art, wie er diese empfindet, aufs stärkste mit manchen Strömungen im modernen Judentum, die ihre Adepten im Kreise um Buber haben, dessen Schriften er mit tiefem Verständnis gelesen hat. Aber nicht nur von hier aus spricht er von dem, was der Zionismus als geistige Bewegung für die Vermählung von »kzident und Orient tun wird, auch seine praktisch-kolonisatorischen Leistungen würdigt er mit großem Verständnis. Er war bemüht, sich darüber an Ort und Stelle genau zu;informieren, er hat vieles gesehen, unter anderem auch ein Volksfest in Rechöboch, das er in impressionistisch-lebendiger Weise beschreibt. Er sieht klar den wachsenden Anteil der Juden an der Entwicklung Palästinas und ist darüber erstaunt, was der Zionismus in den letzten Jahren praktisch erreicht hat. Er scheint von dem endlichen Erfolge der Bewegung in Palästina vollkommen überzeugt. In dem geistig-kulturellen Ringen innerhalb der neujüdischen Bewegung, in der wie er sagt „die freien Geister Europas mit seinen gebundensten Zusammenstößen“, steht er mit seinen Sympathien natürlich auf der Seite der freien. Er sieht in jenem Kampf eine Paralelle zu jenem vor 2000 Jahren, zwischen der Starrheit der Pharisäer und dem freien jüdischen Landvolk. Diesmal aber würden die Pharisäer nicht siegen, sondern die „Ani Haavez“. „Und es ist schöpferischer, europäischer Geist, der ihnen hilft.“ Selten hat die zionistische Bewegung ein so freimütiges und anteilnehmendes Interesse von Seiten eines christlichen Künstlers gefunden, wie bei Pacquet, der nicht nur ihre grundlegenden SChriften las, sondern auch sehenden Auges Palästina durchwanderte. Aber nicht nur deshalb, sondern nicht zuletzt auch wegen seines künstlerischen Wertes sei sein Buch der Lektüre warm empföhlen. ad. bin. HebräisAe Zensur. Behufs rascherer Expedition der Korrespondenzen unserer Kriegsgefangenen, ersucht die Hebräische Zensurgruppe des Kriegsgefangenenbüros die p. t. Glaubensgenossen, um leihweise Ueberlassung einer Schreibmaschine beliebigen Systems, für die Kanzlei der obenerwähnten Gruppe. Allfällige diesbezügliche Mitteilungen sind zu adressieren an die Hebräische Zensurgruppe in Wien, I. Bezirk, Seitzergasse 6, Tuchlaubenhof Mezzanin. ZionlsflsAe Tagungen. Das Kopenhagener Bureau der Zionistischen Organisation teilt mit, daß der diesjährige Delegiertentag der Amerikanischen Zionisten in der letzten Juni-Woche in Boston stattfinden wird. Die Landeskonferenz der Skandinavischen Zionisten wird am 23.—24. Mai in Kopenhagen abgehalten werden. VereinsnadirMiten. Hakoah schlägt Wiener Rasenspieler. 3: 0. Hakoah betritt dieses Wettspiel mit einer ganz verjüngten Mannschaft. Von älteren Spielern waren nur Halpern und Scheuer tätig. Als rechter Beck versuchte sich Nussbaum, der Tormann der 2. Mannschaft. Er scheint auch für diesen Posten Veranlagung zu haben. Die Halfreihe war besser wie sonst. Nur will dem rechten Half Fürst das „Zuspielen des Balles“ noch immer nicht gelingen. Mehr die Innenseite des Fußes benützen als den Rist, dann wird es schon gehen. Die linke Angriffseite der Hakoah Gebrüder Juhn genügte vollkommen. Schwarz war einer Verletzung halber etwas schwächer als sonst. Am rechten Flügel bemerkte man zwei neue Spieler. Hirsch, ein schneller, technisch guter, energischer Spieler, der bald eine Stütze der ersten Mannschaft sein dürfte una Fleischmann, der nach längerer Pause wieder tätig war. Die Mannschaft hielt sich brav und erfocht auch einen schönen Sieg. Wenn die Stürmerreihe mit einem energischeren Zug aufs Goal gespielt hätte, so wäre das Resultat noch ganz anders ausgefallen. Die Tore erzielten: Schwarz, Egon Juhn und Scheuer. Wien, Zu Gunsten der Palästinalandspende veranstaltete der stets arbeitsfreudige „Herzl- Klub“ am 12. d. M. eine Akademie, die trotz des schönen Frühlingsabends sehr zahlreich besucht war. Nach einer musikalischen Einleitung sprach das Mitglied des A.-K. Herr Adolf Stand in seiner bekannt glänzenden Art und Weise. Er schilderte die Lage des jüdischen Volkes in diesem Kriege, wie viele Opfer es gebracht hat und wie es, so wie immler es nicht verstanden hat, die öffentliche Meinung, die jetzt ausschlaggebend sei, für die eigenen Forderungen zu interessieren. Daran sei der Mangel an Organisation schuld, dem nach diesem Kriege, wenn das jüdische Volk günstigere Lebensbedingungen erlangen will, unbedingt abgeholfen werden müsse. Tosender, nicht endenwollender Beifall der Anwesenden zeigte, wie sehr Herr Adolf Stand mit seinen Ausführungen das richtige getroffen hatte. Nach ihm hielt Herr Dr. Gerson Zipper den eigentlichen Vortrag über die Palästinalandspende, der nicht nur starken Beifall bei den Anwesenden auslöste, sondern auch eine starke Gebefreudigkeit hervorrief. Musikalische und deklamatorische Vorträge schlossen den Abend. Wien. „Hatechijah“ hebräisch-akademische Vereinigung jüdischer Hochschüler. Samstag, den .22. Mai 1915 um 8 Uhr abends findet im Saale der jüdischen Rede- und Lesehalle, 9. Türkenstraße 9, eine „Hazkara“ zu Ehren unseres so früh verstorbenen Nashi Dr. jur. Salman Horwitz statt, zu welcher wir alle Mitglieder unserer Vereinigung höfl. einladen. Kriegsbriefe deutscher und österreichischer Juden herausgegeben von Dr. Eugen Tannenbaum- Diese Sammlung enthält etwa 60 Briefe aus Frankreich, Belgien,. Ostpreußen, Russisch-Polen, Galizien und Serbien. Sie spiegeln in glücklicher Auswahl alle möglichen Kriegssituationen wieder: von der Einkleidung bis zum Sausen der Schrappnells in offener Feldschlacht. Wir hören vom Rekrutenleben und von der ärztlichen Tätigkeit in einer kleinen Garnison, vom Ausbau der Schützengräben und von Patrouillengängen, vom Eisernen Kreuz und vom Leben in der Gefangenschaft. Im übrigen war für die Aufnahme der Briefe die Tatsache eines ausgesprochenen Verhältnisses des Schreibers zum Judentum maßgebend. Es kommen alle jüdischen Richtungen zum Wort, Orthodoxe und Reformer, Zionisten, wie reine Staatsbürger jüdischen Glaubens. Die Kriegsbriefe deutscher und österreichischer Juden sind eineDokumentensammlung von bleibendem Wert. Zu beziehen durch: R. Löwit, Buchhandlung, I., Rotenturmstraße 22. “itw Privat: Restauration Jacques Benvenisti’s W"!: Wien, II. Weintraubengasse Nr. 7 Türkische Speisenspezialitäten. Abonnement in und außer dem Hause. ■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■ RESTAURATION ■ „zur rumänifdien Küthe“ a ■ Ch. Weiß vom,. Korn ■ ■ Wien, II., Hammerpurgstallg. 3. ■ g Anerkannt vorzügliche polnische u. rumänische Küche. MCafe „Marienbrücke“ ■ t-: I., Rotenturmstraße 31. RENDEZVOUS DER ZIONISTEN. Cafe Maria Cfieresia •CK> CK>« 1., ßohensfaufengasse 21 (Ecke Maria Theresienstraße) Vollständig neu renoviert Modemst eingerichtet (Drei Seiffertbillards). SämUiche in- und ausländische Zeitungen liegen auf. Stamm-Cafe der Lese- und Redehalle jüd. Hochschüler. Für aufmerksame Bedienung ist bestens gesorgt. •GaaciacGiatciafciatenttcKiciD» ■ Cafe Jägerhof (Weiss) | IX., Porzellangasse 22. 5 Vornehmes Familien-Cafe ■ modemst eingerichtet 2 gut ventilierte Spielsäle. J Zentral-Lokal der Zion. 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