Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 8 (1914)
- Issue
- 2 (9.1.1914)
- Date
- 1914-01-09
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 haben das jüdische Technikum als einen bedeutenden Faktor in der Entwicklung der jüdschen Kultur mit Begeisterung begrüßt und-weisen .das Vorgehen der Mehrheit des Kuratoriums umso entschiedener zurück, als ja zur Gründung des Technikums persönliche und finanzielle Hilfe zionistischer Kreise beigestellt wurde. Der zionistische Verband ehemaliger Hochschüler fordert den Hilfs verein deutscher Juden auf, sein Unrecht im Interesse des eminent wichtigen Kulturwerkes gut zu machen. F. d. Verband ehemaliger Hochschüler in Wien: Staatsbahnrat Ing.. Emil;Fried m. p., Präsident. . Ing. Fedor Ackermann m. p.;, -II. Vizepräsident. Ober-lng. Robert Stricker m. p., Dr. Otto Abeies m. p. Dr. Paul Weisengrün m.; p.'-.Ing. Theodor Deutsch m. p. Dr, Alfred Loewy m. p., I. Vizepräsident. Dr. Ing. B-Marmorstein m. p. Ing.; Julius Engel m. p. Ing. .Wilhelm Winter ml p... Dr- L. Sofec.m. p. Dr. Ing.. Arnold Karplusm. p..-» Die Opferfr endlgkeitffir das bebräiscbe Schalwerk in Palästina. Der Kampf der jüdischen Bevölkerung Palästinas um ihre . kulturelle Selbständigkeit und um die Vorherrschaftdes Hebräischen,’ ihrer allgemeinen Umgangssprache, in den jüdischen Schulanstalten des Landes findet in den weitesten jüdischen Kreisen Europas und Amerikas lebhaften Ariklaifg - Und warmherziges Interesse. Dem hebräischen Lehrerverbande Palästinas, der ca. 150 Mitglieder zählt,, gehen fortgesetzt Sympathiekundgebungen aus den verschiedensten Ländern zu. Ueberall werden Sammlungen für das neue hebräische Schulwerk, das einstweilen ein Lehrerseminar und vier ■höhere Lehranstalten umfaßt, veranstaltet. In Palästina selbst sind bisher schon ca. 30000 Frcs. aufgebracht worden, eine Summe, die angesichts der Verhältnisse als ein großartiger Beweis der Opferfreudigkeit bezeichnet werden muß. An der Spitze der Sammlungen hat sich die zionistische Organisation gestellt, die bis jetzt an baren Eingängen und festen Zeichnungen fast 100 000 Mark aufgebracht hat. Die Odessaer Gesellschaft der Zionsfreunde hat für das hebräische Schulwerk eine jährliche Beihilfe von 25 000 Frcs. bewilligt. In Berlin wird die Aktion von einem besonderen Komitee unter Vorsitz von Herrn Dr. Goldberg geleitet. Bisher sind1 annähernd 10 000 Mk. gezeichnet. 8000 Mk. hiervon haben 25 Personen gegeben, ln Elberfeld wurden nach einem Vortrage des früheren Dumaabgeordneten Dr. Levin 1850 Mk. Jahresbeiträge gezeichnet, die Hälfte hiervon von 4 Personen. In Teplitz (Böhmen) stiftete eine jüdische Dame 1100 Kr. Die Sammlung erbrachte bisher 2400 Kr. Pilsen sandte als erste Rate 1100 Kr. . Die Sammlung wird mindestens 3000 Kr. ergeben. In Prag sind 2100 Kr. gezeichnet, in Gablonz 1000 Kr., in Aussig und Umgegend 1600 Kr. ln Proßnitz (Mahren) wurden nach einem Vortrage von Dr. Hugo Herrmann 660 Kr. Jahresbeiträge gezeichnet. In Wien hat die von dem zionistischen Parteisekretär Herrn Blumenfeld eingeleitete Aktion bisher 4500 Kr. ergeben. In Nürnberg und München, wo Rechtsanwalt Dr. Klee aus Berlin sprach, wurden im Anschluß an den Vortrag 1000 bezw. 2000 Mk. Jahresbeiträge gezeichnet ’ Besondere Begeisterung löst die Aktion in Rußland aus. Von dort liegen heute schon mehrere Einzelzeichnungen in Höhe von 5000 und 3000 Mk. vor. In Moskau wurden bisher 12 000 aufgebracht, in Charkow 4800. In Petersburg, wo die Sammlung erst begonnen hat, wurden bis jetzt schon 8500 Mk. gegeben. Warschau sandte durch Vermittlung des zionistischen Kulturfonds ,.Kedem‘‘ als erste Rate 3000 Mk., Ekaterinoslaw zeichnete 6200 Mk. Die Zionisten Konstantinopels sandten telegraphisch 2500 Frcs. Bei der Jahresversammlung der Federation of Zionist Societies of Canada wurden 3500 Mk. gesammelt. Der bewährte Freund des palästinensischen Schulwerkes. Herr Jacob Moser in Bradford (England) stiftete 5000 ML Aus Galizien liegen Nachrichten über Einzelzeichnungen vor, darunter mehrere in Höhe von 500 und 300 Kr. Besondere Beachtung verdient auch die Energie, mit der die akademische Jugend Deutschlands die Aktion fördert. Der Bund Jüdischer Korporationen hat auf seinem in Königsberg i. Pr. jüngst abgehaltenen Kartelltag 10000 Mk. zur Verfügung gestellt, und das Kartell Zionistischer Verbindungen nat auf seinem Kartelltag in Berlin eine Sammlung begonnen, die bisher schon 1200 Mk. Jahresbeiträge und 500 Mk. einmalige Beiträge erbrachte und die insgesamt mindestens 5000 ML ergeben dürfte. Auch in den Vereinigtem Staaten yon Nordamerika und in Südamerika ist von zionistischer Seite eine . großzügige Sammeltätigkeit eingeleitet worden. Der dauernde Bestand und die ungestörte Entwicklung des hebräischen Schulwerks in Palästina kann heute schon als zweifellos gesichert 'gelten.- Es mag in diesem „Zusammenhang noch einmal darauf hingewiesen ,werden, daß . es. sich in keiner Weise um einen'Kampf' gegen die deutsche Sprache handelt, sondern nur um ■ die notwendige Berücksichtigung des Hebräischen als der tatsächlichen Umgangssprache der jüngeren jüdischen Generation in Palästina. Daß die Berechtigung dieses Strebens auch von nichtzionistischer Seite erkannt wird, beweist die Tatsache, daß die jüdische Kultusgemeinde in Wien, von der einst die jetzt von dem Hilfsverein der deutschen Juden verwaltete Lämmel-- schule in Jerusalem gegründet worden ist, und die diese Schule bisher subventioniert hat, ihre Subvention für so lanjge eingestellt hat, als die durch die antihebräischen Beschlüsse des Hilfsvereins hervorgerufene Lage nicht geklärt ist. Eine Aensserung des deutschen Generalkonsuls in Jerusalem! Der Streit, der wegen der Unterrichtssprache in den Schulen des Hilfsvereins der deutschen Juden in Palästina ausgebrochen war. endete, wie bereits berichtet, damit, daß nahezu sämtliche Lehrer des Hilfsvereins ihre Stellen niederlegten und in Jerusalem. Jaffa und Haifa neue Schulen mit hebräischer Unterrichtssprache ins Leben riefen. Die weit überwiegende Mehrzahl der Hilfsvereins-Schüler ist ihren Lehrern* gefolgt und zu den neuen Unterrichtsanstalten übergegangen. Vorher war es in den Schulen des Hilfsvereins in Jerusalem noch zu überaus turbulenten Szenen gekommen, indem die Leitung des Hilfsvereins mit Hilfe des deutschen Generalkonsuls und türkischer Polizei die demissionierenden Lehrer, die ihre letzte Unterrichtsstunde erteilten, aus der Schule verjagte und die Schüler, die ihnen folgen wollten, gewaltsam in die Klassenräume sperrte. Das gewalttätige Vorgehen des Hilfsvereins hat unter der gesamten jüdischen Bevölkerung lebhaften Unwillen hervorgerufen und dem Hilfsverein den letzten Rest der Sympathien, die er noch im Lande besaß, geraubt Da von seiten des Hilfsvereins der Schulstreit in tendenziöser Weise so dargestellt wird, als handelte es sich um einen Kampf gegen die deutsche Sprache, suchte die frühere Lehrerin der Jerusalemer Mädchenschule des Hilfsvereins, Frl. Pinczower. die jetzt der neuen hebräischen Mädchenschule vorsteht, den deutschen Generalkonsul v. Schmidt auf und setzte ihm in längerer Unterredung auseinander, daß der Wert der deutschen Sprache und Kultur für die Juden des Orients von allein jüdischen Kreisen durchaus anerkannt werde und daß der deutsche Sprachunterricht auch im Lehrplan der neuen hebräischen Schulen einen breiten Raum einnehmen wird. Von einer Gegnerschaft gegen das Deutsche könne schlechterdings nicht die Rede sein. Generalkonsul v. Schmidt ermächtigte hierauf Frl. Pinczower zur Veröffentlichung folgender Erklärung: ,.Ich wäre unter keinen Umständen mit Polizei iir die Schule gekommen, wenn ich die tatsächlichen Verhältnisse gekannt und geahnt hätte, mit welcher Ruhe und, wie ich mich überzeugen konnte, ohne jede Aufreizung der Schüler, die suspendierten Lehrer ihre Lehrtätigkeit beenden würden." Türkische Notahle für die hebräische Sprache. Nach Redaktionsschluss erhalten wir folgendes Telegramm: Konstantinopel, 6. Januar. Dreizehn angesehene mohammedanische Notable Haifas veröffentlichen in den vornehmsten Konstantinopler Tageszeitungen eine Erklärung, daß sie in der Technischen Lehranstalt für jüdisches Erziehungswesen ein großartiges Vorbild für kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung des Vilajets Syrien und Beirut erblicken und dass die gesamte einheimische Bevölkerung vollkommen einverstanden ist, daß am HaifaerTechnikum Hebräisch als allgemeine Unterrichtssprache eingeführt, Türkisch und Arabisch als obligatorische Fächer und die Fremdsprachen fakultativ unterrichtet werden. Gleichzeitig veröffentlicht der bekannte türkische Politiker Agajef Achmed in der hiesigen Tageszeitung „Terdschuman“ einen Aufsatz, in dem er die Schulen Palästinas vom Standpunkte des türkischen Gesetzes behandelt und auf die Berechtigung des jetzt geführten Kampfes um die hebräische Sprache verweist. Farteinachrichten. Der XI. galizische Zionistentag. (Telegraphischer Eigenbericht der Jüdischen Zeitung.) Am 4. und 5. Januar fand in Lemberg unter Teilnahme von 110 -Delegierten' die Landeskonferenz der galizischen Zionisten statt. Dr. Ringel erstattete den Bericht über die Tätigkeit des Zentral-Komitees. Den Hauptpunkt der Tagesordnung bildete Dr. Zippers Referat über die Palästina-Arbeit, in dem er die Forderung nach einer eigenen galizischen Nationalfonds- Sammelstelle aufstellte. Dieser Antrag wurde angenommen und Dr. Gerson Zipper zum Obmann der galirischen N.-F.-Sammelstelle gewählt Ueber Landespolitik sprach Redakteur M. Frostig, dessen Referat in einer Resolution gipfelte, welche die Notwendigkeit der Führung der Landespolitik durch die Zionisten festlegte. Bei der Konferenz war auch Ussischkin anwesend, der über das Universitätsprojekt und Palästinaprobleme sprach. — In organisatorischer Hinsicht wurde beschlossen, die Distriktskomitees abzuscbaffen und eine Zentralleitung in Lemberg einzusetzen. In die neue Leitung wurden gewählt: Adolf Stand als Präses, Dr. Zipper und Dr. Reich als Referenten für Palästinaarbeit, ferner Dr. Ringel, Moses Frostig, Dr. Waschitz, Dr. Löwenberg, Heinrich Bart, Dr. M. Geier und Löbel Taubes.. Zionistischer Verband ehemaliger Hochschüler Wien. Am 14. Jänner spricht Dr. Nagler über Jüdische Malerei mit spezieller Betonung Israels und Liebermanns, am 21. Jänner der akademische Maler Herr Wilhelm Wachtel über künstlerische Ausstattung und Ausgestaltung moderner Synagogen, am 28. Jänner Herr Adolf Böhm über Kulturfragen im Zionismus, am 4. Februar Herr Dr. David Rothblum über die Missionsidee in der alten hebräischen Literatur, am 11. Februar Herr Dr. Robert Bach über altjüdische Musik, am 18. Februar Herr Dr.-lng. Marmorstein über jüdische Mode im Altertum und am 25. Februar Herr Dr. Weisengrün über den Zusammenhang zwischen der Palästina- Arbeit und der praktischen Politik in Europa. Recht zahlreiches Erscheinen der Mitglieder erwünscht. Gäste herzlichst willkommen _ , Ort stets Cafe Pucher, Kohlenmarkt Nr. 10. Beginn präzise t29 Uhr abends. Versammlung der Sektion Favoriten des Zionistischen Zentralvereins. -Am 10. Dezember fand im Arbeiterheim JLaxenburgerstraße) die erste große Versammlung der neugegründeten Sektion Favoriten des Zionistischen Zentralvereins statt. Gg. Dr. Fried mann eröffnete im Namen des Vereinsvorstandes die Versammlung, der Rabbiner Dr. Mandl, die führenden jüdischen Persönlichkeiten des Bezirkes und ein zahlreiches Publikum anwohnten; hierauf ergriff Generalsekretär Kurt Blumenield das Wort. Er schilderte in beredten Worten die Entwicklung der zionistischen Idee, die zu dem ältesten Besitzstände des jüdischen Volkes gehört. An der Hand der letzten Ereignisse in Angelegenheit des Haifaer Technikums charakterisierte er mit treffenden Worten das Vorgehen der Assimilanten, die sich seit Mosis Zeiten gleichgeblieben sind. Redner fordert zum Schlüsse seiner mit großem Beifall anfgenommenen Rede alle auf, die das Fortbestehen des Judentums wünschen, sich der zionistischen Bewegung anzuschließen. Nach ihm sprachen Gg. Dr. Rosenthal und JUC. Fritz Steiner, Schriftführer der Versammlung über die näheren Ziele der Sektion Favoriten. Es erfolgten zahlreiche Beitritte zur Sektion. Der Verein zionistischer Hochschüler „Theodor Herzl“ und der jüdische Turnverein Favoriten unterstützten die Sektion in ihrer Propagandatätigkeit. — Am 8. Jänner findet die Makkabäerfeier der Sektion statt. * Makkabäerfeier der zionistischen Korporationen Wiens. Die grosse Makkabäerfeier der Wiener Zionisten fand am 27. Dezember im großen xMusikvereinssaale statt und nahm einen überaus würdigen Verlauf. Die Feier wurde durch das meisterhafte Orgelpräludium des Prof. S. Storch eröffnet, alsdann entzündete Oberkantor Don Fuchs die Chanukalichter, worauf der Tempelchor einen hebräischen Gesang vortrug. Die hebräische Ansprache hielt Dr. David Rothblum. in der er auf die Bedeutung des Festes hinwies. Hierauf ergriff Dr. Otto Abel es das Wort zur Festrede. Unter dem Eindrücke seiner gedankenreichen und kraftvollen Rede fühlte man sich in den Kongreß zurückversetzt, der ebenfalls in diesem Saale tagte. Er wurde einige Male durch den Beifall der Zuhörer unterbrochen.. Es folgten noch die Deklamationen des Mitgliedes des k. k. Hofburgtheaters Fritz Blum, die Gesangsvorträge des Oberkantor Don Fuchs, eigene Orgelkompositionen (Variationen des Eli Zion) des Prof. Storch. Zum Schlüsse brachte Dr. Emil Stein im Rahmen eines anregenden Vortrages einige Lichtbilder aus Palästina zur Vorführung. Die Feier, deren Gelingen hauptsächlich den Bemühungen des Herrn Dr. Karl Po llak zn verdanken ist und der über 1700 Personen anwohnten, war in Wien die erste Makkabäerfeier ohne Tanz. Sie übte durch ihren feierlichen und ernsten Charakter eine tiefe Wirkung auf die Zuhörerschaft aus. Heber die bildende Konst der Jaden. Von Architekt Dr. techn. Berthold Marmorstein. Der Intellektualismus hat uns lange genug genarrt. Er hat sich sehr angestrengt und es ist ihm ein ewiger Schlaf zu wünschen. Wir werdenihm keine Träne nachweinen. Sein Wirken war nicht hur unproduktiv, sondern auch noch leider destruktiv. Die Intuition und die Leidenschaft triumphieren über den Intellekt Unser wertvollster Besitz ist ihr Werk. Es hat lange gedauert, bis wir uns zu diesem Zustand durchgerungen haben — nun lassen wir uns darin nicht mehr beirren. Wir