Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 7 (1913)
- Issue
- 4 (24.1.1913)
- Date
- 1913-01-24
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 9 ’K Nr 4/ Beilage zur J0D1SCHEN ZEITUNG Bericht des Zionistischen Distriktskomitees für Innerösterreich an den ordentlichen Distrlktstag in Wien,' 26. Jänner 1913. Unter dem Eindrücke des Brunner Partei; .tages: der westösterreichisclien Zionisten trat am' V 28. Jänner 1912 der innerösterreichische Distriktstag in Wien zusammen. Nach den schweren ■ inneren und äußeren Kämpfen der früheren Jahre "ging das frühere DK. im Jahre 1912 unter der unwichtigen und energischen Leitung des Gg. . Dr. I. H. Körner an die innere. Festigung : des Distriktsverbandes. Anderseits hatte auch die neugewählte Berliner Leitung sich mit zielsicherer Arbeit eingeführt und der Brünner Parteitag zur Ermöglichung der Mitarbeit die Parteisteuer" erheblich erhöht. Zürn Obmann des neuen DK., das in der Hauptsache die vom Dr.'Körner begonnene Arbeit fortzusetzen “und die Beschlüsse des Brünner Parteitages durchzu- - führen hatte, wurde Gg. Ludwig B a 16, zu Mitgliedern des DK. die Gesinnungsgenossen : Dr.H. Kadischj Dr. I. H. Körner, Ing. Oskar Frankl, Ing. Julius Groag., Ing.' Oskar Kramer, Josef Reizes, Dr. Georg W e'i n e r, * Dr. Walter Werner und Frau Fanny Weiß gewählt. Von der Wahl von . Ersatzmännern wurde abgesehen, jedoch dem DK. das Recht 'eingeräumt, sich durch Kooptation nötigenfalls zu ergänzen. _ . Konstituierung. Am 1. Februar 1912 trat das DK. zu seiner ersten konstituierenden Sitzung zusammen und wählte Gg. Dr. K a d i s c h zum Obmannstell- •_ Vertreter und Ing. Groag zum Schriftführer. Die^ Referate wurden wie folgt aufgeteilt: B a t ö: Agitation und Propaganda in Wien; Dr. K a d i s c h: . Provinz- und Jugendorganisation, Distriktsseminar; Ing. Groag.: Büroleitung, und Schekelagitation; Dr. Weiner: Nationalfondskommissär; Frau Fanny Weiß: Frauen- und Mädchenorganisation; Reiz-es: Kulturarbeit; Ing, Kramer: Presse; Dr. Körner: Kulrüsgemeindeaktion; Fränkl: Kassier; . Dr. Werner: Studenteno'ga i;n- , . " tionen. ... - v Kooptation und Rücktritte. — Im Laufe des Monates! Februar wurden kocp- ' tiert: Dr. Fuchs, 3er auch dem früheren DK; angehörte, ferner Dr. Rud. Glücklich mit dem . Referate: Studentenheim . und Karl Schwarz (Graz) für die Vertretung in. Graz und den; Alpenländern. In der Berichtszeit sind . weiter kooptiert worden .die Gesinnungsgenossen v Dr. Emil Ste in und Dr.- Oskar H o r n e r. 5 Zurückgetn.etentiiiSimli'die.vGgi Dn-:AXfaUeri Werner, Richard Fränkl, Ing. Julius Groag und Dr. I. H. Körner. Das DK." 1 bestand somit am Ende der Berichtzeit aus elf Mitgliedern.' Vertretung nach Außen. Verhältnis zu den zionistischen Behörden. Zur Leitung des Zionistischen Landesverbandes für Westösterreich unterhielt das DK. die besten Beziehungen. Insbesondere trachtete es mit dem Wiener Zentralbüro in ständiger Fühlung zu bleiben. Gg. Adolf Böhm, der fast während der ganzen Berichtsdauer die Leitung des Landesverbandes innehatte und am letzten DT. ein überaus wertvolles Referat über den Brünner Parteitag hielt, ging dem DK. stets mit Rat und Tat an die Hand, stand mit dem DK.-Obmann in stetem persönlichen Kontakte, der die Arbeiten des DK. wesentlich förderte. Auch die übrigen Mitglieder des geschäftsführenden Ausschusses des Zentralkomitees, wie auch der jetzige- Leiter, Gg. Dr. Karl Pollak, standen dem DK. bei lind wohnten verschiedenen Sitzungen an. An den wichtigsten Sitzungen des Zentralkomitees nahm der DK.-Obmann re- §" en Anteil. Nach wie vor fand das DK. in der Oberleitung seine festeste Stütze. Durch die rege Beteiligung des engeren Aktionskomitees an den' Arbeiten der einzelnen Landesverbände und persönliche Fühlungnahme mit ihnen standen wir in stetem Kontakte mit der Leitung unserer Weltorganisation. Insbesondere Generalsekretär Gg. Kürt Blumenfeld erschien öfter in unserer - Mitte und trug durch öffentliche Vorträge, durch Anregungen und Besprechungen sehr viel zur Propaganda- und Erziehungsarbeit bei. Außer ihm hatten wir zweimal das Vergnügen, das Mitglied des EAC., Gg. Dr. Schemarjahu Lewin in Wien zu begrüßen. . Wir standen auch in stetem Briefwechsel mit dem Zentralbureau in Berlin. Presse. Die bereits vor zwei Jahren zum offiziellen Organ des innerösterreichischen Distriktes erklärte „Jüdische Zeitung“ wurde im Laufe des Jahres-zum Publikationsorgan des Zentralkomitees, welches auch im Redaktionskomitee vertreten erscheint.' Durch Ing. Kramer, der -im DK. das Referat für die Presse innehatte -und den DK.-Obmann“ B a t ö stand das DK. in ständiger Fühlung mit dem Blatte, welches auch in der Berichtszeit die Erörterung und Besprechung der; verschiedenen, zionistischen Probleme, Aufgaben und Aktionen, yeranlaßte. Den zio- - nistisefien Tagesfragen,' dem Fortschreiten un- J serer Kulturarbeiten in Palästina usw. wurde die größte publizistische Aufmerksamkeit zuge- 'I wendet. Sammlungen verschiedener Art wurden 1 durch publizistische Veiöffentlichuhgen gefördert.- Wir nennen hier, nur die Sammlung zugunsten des Zentralfonds des EAC. und die Jemenitenaktion. Selbstverständlich stand die „Jüdische Zeitung“ auch während der Kultuswahlen und sonstiger Aktionen im Vordertreffen. Die geschäftlichen Verlautbarungen des DK. wurden unter der ständigen Rubrik „Mitteilungen des innerösterrcichischen Distriktskomitees“ veröffentlicht. Organisation. In Fortführung der Organisationsarbeiten hat das DK. getrachtet," eine straffere Zusammenfassung der Wiener-Vereine vorzunehmen, wobei der Vereinskataster revidiert und ergänzt und die Institution der monatlich stattfindenden Obmännerkonferenzen — die erst in den allerletzten Monaten mannigfacher Umstände halber zeitweilig eingestellt wurde — geschaffen wurde. Durch die Obmänneikonferenzen wurde der beabsichtigte Zweck, die Vereine dem DK. innigeranzugliedem und in gemeinsamer Aussprache die interne Vereinstätigkeit zu beleben, sehr .gut erreicht. Diesem Zwecke diente auch die regelmäßige Herausgabe von Rundschreiben und das Erscheinen eines Tätigkeitsberichtes über die Arbeit im ersten Vierteljahre. (27. April 1912.) Ausbau der Organisation. Neugründungen. Dank den Bemühungen unseres Obmannes N hat der jüdisch-akademische Verein „Theolog i a“ eine Revision seiner Statuten im zionistischen Sinne vorgenommen, worauf er dem innerösterreichischen Distriktsverbande beitrat. Die Schaffung eines zionistischen Rabbinerstandes liegt in hohem Maße im Interesse unserer Bewegung und die zionistische Betätigung der „Theologia“, der alle Wiener^ Rabbinatskandidaten angehören, ist daher aufs wärmste zu begrüßen. Das Fehlen eines zionistischen Vereines für junge Beamte und Kaufleute hat sich in Wien schon lange bemerkbar gemacht. Im April 1912 gelang es. dem Obmann und dem Obmannstell- Vertreter mit einigen jungen Zionisten nach deutschem Vorbild einen ,JH e r z 1 - K1 u b“ ins Leben zu rufen. Aus internen Gründ.en löste sich der „V e rein Zion“ in Neunkirchen auf, der jedoch z. Z. vom DK. 'wieder reoganisiert wird. Der Ende 1911; aufgelöste Jüdische Mädchenklub wurde vom DK. reorganisiert und in', einen Z ion is tis ch e n Mädchenktüb‘ umgewandelt. ‘ - r'/s iMficsj "nt' » f: m :r*. * /Vereins- und Distriktsstatistik. Am Ende der Berichtszeit , setzt sich der Distrikt aus 30 Vereinen zusammen, von denen 4 Bürger-, 1 Frauen-, 2 Mädchen- und 14 Studentenvereine in Wien, 8 Bürger- und 1 Studentenverein in der Provinz ihren Sitz haben, in den Vereinen sind 1475 Gesinnungsgenossen organisiert. Zionistische Vertrauensmänner befinden sich in den Orten: Baden bei Wien, Hohenems, Wiener-Neustadt, Innsbruck, Laibach, Leoben, Linz, Meran, Mödling, Salzburg, Gmünd und St. Pölten. Agitation und Propaganda. Wiewohl sich die eigentliche Tätigkeit des DK . eigentlich auf das organisatorische Gebiet erstreckt, wurde die Agitation und Propaganda in erhöhterem. Maße wie bisher geführt. Dem DK. gelang es in der Berichtszeit, Vorträge von hervorragenden Gesinnungsgenossen zu veranstalten, durch welche der gewünschte Zweck bezüglich Verallgemeinerung und Vertiefung der zionistische^ Idee vollkommen erreicht wurde. Es sprachen in öffentlichen Versammlungen das Mitglied des EAC. Dr. Schemarjahu L e w i n über „Die Assimilation und der nationale Gedanke“, Generalsekretär Kurt B1 umenfeld am Palästinaabend der „Jüdischen Zeitung“ und in der Versammlung gegen die Sombarthetze der Kultusgemeinde, das AC.-Mitglied - Prof. Dr. Chaim W e i z m a n n aus Manchester über , Nationalismus und Weltbürgertum“, Davis Tri et sch durch zwei Abende über „Palästina als Feld jüdischer Einwanderung“. ‘ Anfangs März sprach im Sofiensaal vor einem äußerstdistinguierten Publikum Prof. Werner Sombart über die „Zukunft der Juden“. In diesem Vortrage, der in Wien allgemeines Aufsehen erregte, erklärte der deutsche Gelehrte, daß er die Zukunft der Juden im Zionismus erblicke. Um die Wirkung des Sombart- Vortrages möglichst zu paralysieren, veranstah» tete die Kultusgemcinde einen Gegenvortrag vom Rabb. Grunwald, der sich hauptsächlich mit der Person Sombarts befaßte, ohne auch nur im geringsten die vom Sombart aufgestellten Thesen zu streifen. Hierauf fand vom DK. eine Prot testversam ml u n g statt, in der Gg. Dr. Egon Zweig und Kurt Btümenfeld das Referat führten. Von den Vorträgen Wiener Gesinnungsgenossen ist ganz besonders das vom Gg .Adolf Böhm erstattete Referat über die „Entwicklung des Zionismus seit Herzl“ hervorzuheben, Ueber Veranlassung mehrerer Gesinnungsgenossen hat das DK. im 16. Wiener Gemeindebezirke eine Agitation zwecks Gründung eines zionistischen Vereines für Ottakring eingeleitet. In zwei Versammlungen, in denen die Gg. Gg. Dr. W. Werner, Eh. Weiner und Redakteur M. W a 1 d m a n n sprachen, wurde die Vereinsgründung beraten. Leider ist der Verein aus verschiedenen Gründen noch nicht zustandegekommen, doch, lassen die vorhandenen Ansätze hoffen, daß dies bald der Fall sein wird. Agitation in der Provinz. Dieser wurde ein weitgehendes Interesse gewidmet, zumal da^in den letzten Jahren wenig zur Neubetebung der Provinzvereine geschehe» ist . Erwähnenswerte Erfolge wurden in Klosterneuburg und Stockerau erzielt, wo wir Vorträge und Veranstaltungen abhiclten und hierdurch bei den Mitgliedern der dortigen Vereine neues Interesse für unsere Bewegung weckten. In Graz sprach Gg. Dr. K a d i s c ht, in den Alpenländern bemühte sich um die Propaganda das DK.-Mitglied Gg. Karl Schwarz. Auch mit den Gesinnungsgenossen in Krems wurden die seit Jahren abgebrochenen Beziehungen von neuem aufgenommen. Dem Bemühen des Gg. Ing. Adler in Gmünd ist die Gründung’ der dortigen Schekelgruppe zu verdanken. Gegenwärtig geht Gg. Dr. H. Zuck ermann daran, in Wiener-Neustadt die Ansätze für eine künftige Organisation zu schaffen. All diese Gründungen und Versuche gingen entweder unmittelbar vom DK. aus oder erhielten seine tatkräftigste Unterstützung. Herr Ing. K ö p p 1 veranstaltete in Sauerbrunn auch heuer einen Blumentag zugunsten des NF. Von dem eingesamrnelten Betrag überwies er dem DK. 100 K, die wir dem Studentenheim zuwandten. Palästinaarbeit. Im Laufe des ganzen Berichtsjahres fanden in Wien und der Provinz zahlreiche Palästina- Lichtbilder vorträge statt, die allseits großen Anklang fanden. Der Verein „Theodor Herzl“ brachte 3, die Verbindungen „Kadimah“ und „I v r i a“ je einen derartigen Vortrag, die das große sprichwörtliche Interesse der Wiener Organisation für Palästina auf weitere jüdische Kreise übertrugen. Diese Art der Propaganda^ hat sich als sehr dankbar erwiesen und wurde in einer Reihe weiterer Vorträge fortgesetzt. Der jetzige Leiter des ZK. Dr. Karl Pollak und das DK.-Mitglied Dr. Emil Stein unternahmen eine Palästinareise und hielten übet Veranlassung ,der . Verbindung -„Unitas“ zv«e£! Vorträge mit eigenen Lichtbildern. Dr. Stein hat seinen Vortrag einigemal.— auch in der Provinz wiederholt. Am 7. und 8. Mai veranstaltete; vom DK. hiezu angeregt und auch materiell unterstützt, die Verbindung „K a d i m a h“ einen Vortragszyklus des Gg. Davis Trietscb über „Palästina als Feld jüdischer Einwanderung“. Im Sommer v. J. besuchte Gg. Dr. Leo Kann Palästina. Die von ihm aufgenommenen Palästinabilder, die im Verlage der „Jüdischen Zeitung“ erschienen, erregten durch ihre künstlerische Ausführung in der ganzen zionistischen Welt freudiges Aufsehen. Der im November v. J. mit den Kann’schen Lichtbildern veranstaltete Palästinaabend war ein Ereignis im Wiener zionistischen Leben. Distriktsseminar. Zur Hebung und Verbreitung des zionistischen Wissens hat das DK. die Einrichtung des zionistischen Seminars, namentlich für die jüngeren Mitglieder der Hochschüler geschaffen. Der Tätigkeit des Seminars widmete sich insbesondere Gg. Dr. K a d i s c h. Außer ihm sprach Gg. Otto Gersuny über das Thema „Der Zionismus vor Herzl“. Die Seminarabende waren im Durchschnitte von 50 Hochschüler besucht. Hebräisches Gymnasium in Jerusalem. Dieses jüngste Kulturwerk in Palästina entbehrt einer festen materiellen Grundlage. Direktor Dr. Schiller und Dr. Torczyner wandten sich nun an das österreichische ZK. mit der Bitte, dieser für die jüdische Renaissance in Palästina wichtigen Lehranstalt materielle Förderung angedeihen zu lassen. Ueber Auftrag des ZK. wurde das innerösterreiheische DK. mit der Leitung und Ueberwachung der Sammelaktion betraut. Das DK. gab zu diesem Zwecke in Blocks geheftete und vom Gg. Osias Herschdörfer (Theodor Herzl) künstlerisch, gezeichnete Bausteine heraus. Die Blocks werden unter der Jugend verteilt, auf daß dfe Jugend in der Zerstreuung zur modernen Erziehung der jungen Volksgenossen im Heimatlande nach Kräften beitrage! Die Sammelarbeit, die von der Wiener Zionistischen Vereinigung besorgt wird, schreitet in raschem Tempo vorwärts und es steht zu hoffen, daß binnen kurzem ca. 3000 Kronen für den gedachten Zweck einlaufen werden. Zionistischer ZentraHondsi An den Sammlungen für den Zionistischen Zentralfonds des' EAC. hat sich auch das i.-ö. DK. eifrig beteiligt und im Laufe der Berichts-